Sag, wie hältst dus mit der Evolution?

Die Problematik mit der Nichtanerkennung der Evolutionslehre und was das für das Verhältnis dieser Muslime zu Nichtmuslimen heißt, war hier bereits mehrfach Thema:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/06/11/feindbild-evolutionslehre-pierre-vogel-stammt-nicht-vom-affen-ab/

https://vunv1863.wordpress.com/2016/09/22/biologieunterricht-als-problemzone/

Aktuell wurde in der Türkei beschlossen, die Evolutionslehre ganz aus dem Schulunterricht zu verbannen:

 

Dazu auch:

http://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-evolution-im-schulunterricht-gestrichen.2850.de.html?drn:news_id=760748

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ausland/Warum-Darwins-Evolutionstheorie-in-Erdogans-T%C3%BCrkei-st%C3%B6rt-article3588030.html

Erst Anfang des Jahres hatte der türkische Vize-Regierungschef Kurtulmus Zweifel an der Evolutionstheorie geäußert und sie als veraltet bezeichnet.

http://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-evolution-im-schulunterricht-gestrichen.2850.de.html?drn:news_id=760748

Diese Entwicklung wird eine stärkere Orientierung an der religiösen Schöpfungsgeschichte bewirken. Selbst wenn Eltern noch selber in der Schule die Evolutionslehre gelernt haben sollten, werden sie damit konfrontiert, dass ihren Kindern dieses Wissen nicht mehr strukturiert vermittelt wird. Man übt damit – mit der Umgestaltung des Lehrplanes – auch auf die Lehrer Druck aus: Wer von den Biologie-Lehrern noch die Evolutionslehre vermittelt, auch ohne Lehrbuch-Unterstützung, stellt sich außerhalb des Lehrplanes und wird damit angreifbar.

Parallel mit dem Erstarken des türkischen Nationalismus wird daraus ein giftiges Gebräu: Das bietet genug Raum für Überlegenheitsphantasien, die auch noch religiös legitimiert werden. Minderheiten werden es auch daher in der näheren Zukunft in der Türkei noch schwerer haben, denn die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe beispielsweise wird dann religiös nochmals überhöht und nicht mehr biologisch bzw. soziologisch gesehen. Das bietet auch genug Raum für eine wieder stärkere Betonung der abgrenzenden und abwertenden Inhalte aus Schriften und Überlieferungen. Der Mitmensch ist dann nicht mehr einfach ein Mitmensch, sondern göttlich gewollt halt das, was er ist (man sehe dazu Kinderprogramme aus dem nahen Osten, in denen Nichtmuslime schon mal als „Affen und Schweine“ bezeichnet werden, s. MEMRI). Da ist der Weg kurz zu den unterschiedlichen Rechten, die Menschen nach ihrer religiösen Zugehörigkeit differierend zuerkannt werden.

Was heißt dies nun für Deutschland? Weiterlesen

Das sichere Gespür für die falsche Seite

Befremdliche Analogien

Als vor einigen Monaten der Deutsch-islamische Vereinsverband e.V. (DIV) aus der Förderung durch das Bundesfamilienministerium in die Beobachtung durch den hessischen Verfassungsschutz kam, gab es im Vorfeld schon – begleitend – allerlei kirchliche Stellungnahmen. Schließlich saß man gemeinsam in Gremien. Die obersten Vertreter der katholischen und evangelischen Stadtkirchen, Dr. Joachim Valentin und Dr. Achim Knecht, hatten sich jeweils positioniert*. Auf der Seite derer, die dann wegen mutmaßlicher Betätigungen gegen die FDGO oder die Völkerverständigung unter Beobachtung kamen. Die Bekannten aus den jahrelangen Dialogrunden mochte man jedoch nicht unter diesem Aspekt sehen. Dass sie sich – Janus lässt grüßen – vielleicht andernorts anders äußern könnten als am Dialogtisch und ihnen gegenüber, erschien den Herren ganz abwegig. Nein, so scheint da die Haltung auf, sie sind so als Menschen prinzipiell nicht täuschbar, nicht durch sich selbst und auch nicht durch andere.
Die Seite des Bösen hingegen hatte man aber schnell und beherzt ausgemacht. Die, die Transparenz wollten, die wissen wollten, die, die auch andernorts zuhörten oder einfach nachgeschaut hatten. Ergebnisoffen. Also Medien, Verfassungsschutz und Innenministerium. Fein abgestuft konnte so chronologisch ein ganzes Spektrum an Valentinschen Stellungnahmen verfolgt werden, das immer nur knapp dem aktuellen Kenntnisstand entsprach, diesen rechtfertigte, aber jedweden weiteren Aufklärungsbedarf als abwegig, unnötig, gar unverschämt diffamierte. Denn Gut und Böse waren schon vordefiniert und da gibt es für manche kein Vertun. Denken sie oder geben sie vor. Bis zum nächsten Mal. Einige wunderbare und farbige Beispiele katholischer Salami-Taktik finden sich hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/09/04/der-pudel-im-saeurebad/

Die evangelische Seite:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/10/15/uneingeschraenkte-solidaritaet-ii/

Wer nun denkt, dass Menschen ja zwar fehlbar sind, aber doch vielleicht lernen könnten aus eigenen und belegten Fehleinschätzungen der Vergangenheit, der irrt leider bei so manchem Protagonisten. Manche sind so überzeigt davon, welche Seite die unzweifelhaft richtige sein muss, dass sie es nicht auf einen genauen Blick ankommen lassen. Die Seite, die den Glauben so im Allgemeinen vertritt, die muss immer und prinzipiell die richtige sein und richtig liegen. Auch ohne Belege auf immerdar. Amen.

So grob, pauschal und kenntnislos ist das dem Anschein nach, wenn einfach Inhalte geteilt werden, ohne sich zu vergewissern. Wohl dem, der so wenig am eigenen Urteil zweifelt, dass er keine Belege mehr braucht als das Wort des Bruders im Geiste: Ohne die Belege anzuschauen oder auch nur eines Blickes zu würdigen. Manche wollen es dann halt nicht anders, als dass man ihnen mehr und mehr Belege bringt. Im Gegensatz zu einigen sind andere nämlich durchaus von Belegen zu überzeugen. Im aktuellen Fall zumindest das hessische Innenministerium. Auch ist der Herr Taskinsoy, eine der Personen aus dem Verein „Islam auf deutsch“ und Betroffener der aktuellen Maßnahmen beim Violence Prevention Network, s.d. ein Ratsmitglied mit Dr. Valentin im Frankfurter Rat der Religionen . Das verbindet anscheinend.

Diesen facebook-Eintrag des Herrn Aslan teilt gegenwärtig Dr. Valentin:
valentin-vpn-2-170227
Bei dem Text handelt es sich um einen Text, der von dem Herrn Serdar Aslan, einem Vereinskollegen im Verein „Islam auf deutsch“ verschiedener VPN-Mitarbeiter erstellt wurde. Dass da durchaus eine fragwürdige Position zum Vorgang an sich bezogen wurde, auf die fraglichen Kritikpunkte nicht eingegangen wird, scheint Dr. Valentin, immerhin Islambeauftragter des Bistums Limburg, nicht zu stören. Er glaubt einfach, dass der Bruder im Geiste schon richtig liegen müsse (was ja durchaus sein kann – aber die aktuelle Beleglage lässt anderes ahnen). Mit dem Text teilt er auch das Bild von Abdallah bin Bayyah auf seiner facebook-Seite und macht sich damit die Unterstützung in der Sache, die bei Aslan vielleicht noch aus Loyalitätsgründen zu Vereinskollegen herleitbar ist, inhaltlich zu Eigen. Die Finanzierung der Konferenz von bin Bayyah wird derzeit immerhin auch auf die Finanzströme geprüft. Vermutet wird, so VPN auf seiner Internetseite, ob das Geld für die Konferenz und damit möglicherweise auch für Reisekosten, Unterkunft (wenn man es so deuten kann) etc. gar aus extremistischen Quellen stammen könnte. Das ist ja auch gegen bin Bayyah, gegen der schon spricht, dass er die Hamas unterstützt, ein ganz erheblicher weiterer Vorwurf. Das alles ficht nur dann nicht an, wenn man das bin Bayyah-Marketing für bare Münze nimmt, das – eingeräumt – dem ersten Blick standhält. Von Personen, die in dem Bereich beruflich beschäftigt sind, darf man jedoch eigentlich einen zweiten und genaueren Blick erwarten.

Doch schon vorher gab es – wohl ohne Sichtung der Belege – das Vorurteil von Dr. Valentin, beim HR- Weiterlesen

In Darmstadt nichts neues

Darmstädter Befindlichkeitstörungen

Eine Meinung

In Darmstadt waren die letzten Wochen hinsichtlich der islamistischen Szene jenseits der Durchsuchungen mehrere Vorgänge bemerkenswert. Zum einen wurde dem Verein Nour Energy e.V. der bereits zugesagte Preis eines Energieversorgers aberkannt:

http://hessenschau.de/gesellschaft/entega-verweigert-muslischem-verein-energiepreis-,nourenergy-100.html

Nour Energy beklagte sich auf seiner fb-Seite bitterlich über den Vorgang:

Es ist sicherlich ein bedauernswerter Umstand, wenn sich ein Unternehmen bereits durch einen nicht belegbaren Vorwurf genötigt sieht, einem Verein den Preis abzuerkennen. Aber es zeigt, wie schnell sich in diesen postfaktischen Zeiten auch vermeintlich unzutreffende Meldungen viral im Netz verbreiten.

Update 18.02.2017: Das wurde möglicherweise entfernt. Das schadet aber nicht:

nour-energy-ss-170218

Link zum Volltext:

http://www.nour-energy.com/ueber-uns/nachhaltige-projekte-warten-auf-uns/

[Über die selbst gestellte sprachliche Falle „vermeintlich unzutreffend“ gehe ich jetzt einmal hinweg – man kann sie aber auch als Freudsche Fehlleistung sehen.]

Keine validen und verifizierbaren Vorwürfe? Postfaktisch? Andere? Ach.

Das ist recht ambitioniert. Welche sollen die nicht belegbaren Vorwürfe sein? Die gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Bilal-Zentrum haben stattgefunden. Nachweislich. Aber die Linie ist auch nicht so ganz neu, denn Nour-Energy scheint ein recht Weiterlesen

Koordinationsrat der Gläubigen

Über eine ganz normale Einladung des ungewöhnlichen Herrn El Zayat

In Schwerte soll in einigen Wochen eine Tagung zum Thema „Wie wissenschaftlich ist die Islamische Theologie?“ stattfinden. Das Programm der zweitägigen Veranstaltung ist hier einsehbar:

http://www.kircheundgesellschaft.de/uploads/tx_events/Flyer_170024.pdf

Daraus der Eigenanspruch:

Die Tagung möchte Befürworter der Islamischen Theologie mit Kritikern zusammenbringen, das Konglomerat von wissenschaftlichen Ansprüchen, religiösen Bedürfnissen und politischen Erwartungen durchleuchten und Zukunftsperspektiven diskutieren.

Und hier ein Referent:

Islamische Theologie aus Sicht des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland

Ibrahim el-Zayat, KRM, Köln

Man kann sich schon einmal wundern, welche Aktiven vom Koordinationsrat der Muslime (KRM) benannt werden, wenn es um islamische Theologie geht. Der Herr El Zayat mag einiges sein – ein Theologe ist er jedoch nicht und eine Betrachtung auf wissenschaftlicher Ebene ist von ihm kaum zu erwarten. Es gäbe abseits der Person prinzipiell nichts zu beanstanden, wenn er über den politischen Islam sprechen würde oder über die Muslimbrüder, beides Gebiete, in denen er sich n.m.M. zwar fachfremd aber jahrelang bemüht durchaus Expertise angeeignet hat.

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Ursprüngliche Eigenbeschreibung der MB Bild: http://www.slideshare.net/zooooni/muslim-brotherhood

Wie der KRM jedoch Wissenschaftlichkeit zum Teil definiert, leuchtete an einem Beispiel vor einigen Jahren auf. Mouhanad Khorchide hatte sein Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ veröffentlicht. Es ist ein Buch, das für Nichtfachleute geschrieben ist, also keine Schrift, die für die Debatte für Wissenschaftler unter sich dienen soll. Das Buch war ein großer Erfolg. Da Khorchide aber auch einen Lehrstuhl in Münster innehat, betrachtete der KRM die im Buch getätigten Aussagen wohl als Kampfansage um die Deutungshoheit, was der Islam in Deutschland sein solle. Das führte dazu, dass auf jenes Sachbuch ein „Gutachten“ des KRM veröffentlicht wurde:

http://koordinationsrat.de/media/File/gutachten_krm_17122013.pdf

Im Auftrag des Koordinationsrates der Muslime (KRM) zusammengestellt von:

Dr. Mohammad Khallouk, Islamischer Theologe, Arabist und Politologe, Habilitand an der Universität Bundeswehr München

Şeyda Can, Islamische Theologin

Erol Pürlü, Islamischer Theologe und Islamwissenschaftler angehender Doktorand

Mustafa Ayar, angehender Islamwissenschaftler

Die Anforderungen an ein wissenschaftliches Gutachten erfüllt diese Schrift jenseits des Anspruches Weiterlesen

Das Leben ist nur Ablenkung

Über Jugendarbeit in Frankfurt von und für Muslime

Vor einigen Tagen war über die Frankfurter Jugendarbeit berichtet worden, die sich speziell an muslimische Jugendliche richten soll. Säkulare Jugendarbeit an Frankfurter Moscheen zu bringen war zunächst gescheitert:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/04/16/rechtgeleitete-jugend/

Die im Beitrag genannte „Kick off-Veranstaltung“ hat mittlerweile stattgefunden. Auch von diesem Event existiert ein Video, das dankenswerterweise – es ist im Netz verfügbar – wenigstens für ein wenig Transparenz sorgt und einen Einblick gibt. Nach gesanglicher Einstimmung werden die verschiedenen Vorträge gehalten:

 

 

Ein Vortrag soll die Grundausrichtung wohl verdeutlichen. Er ist mit „Zwischen Religion und Ablenkung“ überschrieben und hat den Untertitel „Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg“. Der vorgesehene Redner fiel aus, ein anderer sprang ein.

Der Redner stellt das Leben als vergänglichen Transit dar, als Bewährungszeit. Mehr Erfolg über mehr Religion. Zwar erst im Jenseits, aber dann… Der Einzelne Weiterlesen

Tod durch religiösen Ritus?

Am Wochenende ist eine koreanischstämmige Frau im Frankfurter Hotel Intercontinental getötet worden. Sie soll durch eine „Teufelsaustreibung“ zu Tode gekommen sein. Eine weitere Frau wurde verletzt und unterkühlt in Sulzbach / Taunus aufgefunden.

„Die Frau erstickte schließlich. Ihr Körper war von Blutergüssen übersät. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen.

http://hessenschau.de/panorama/frau-stirbt-bei-teufelsaustreibung-in-frankfurter-hotelzimmer,teufelsaustreibung-100.html

 

 

Ein ähnlicher Fall wurde in 2008 in den Staaten aufgeklärt, eine junge Frau fand den Tod:

„In Korean shamanism, a woman is typically the shaman, or mudang, and communicates with gods or spirits not only to drive out evil but also to resolve financial problems or improve a person’s health.

Cha said some Koreans „believe in multiple spirits that are active and present. Whether an illness is physical or emotional, it is evil done by these spirits.“

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/10/21/AR2009102104110.html

Die Vorstellung, man könne den Teufel oder, weiter gefasst, böse Geister austreiben durch rituelle Handlungen, ist kein christliches Spezifikum. Das erscheint nur so, wenn man nur vom katholischen Exorzismus weiß. Tatsächlich sind dies archaische Vorstellungen, die in die Religionen, auch die monotheistischen, teilweise inkorporiert wurden. Nicht immer von allen Strömungen mitgetragen, aber nachweisbar. Auch in der Moderne.

Auch im Islam finden sich solche Vorstellungen. Ein ganzer Geschäftszweig hat sich dies zur Aufgabe gemacht, die sogenannten Quran-Heiler. Sie agieren i.d.R. ohne Heilpraktiker-Erlaubnis, machen aber oftmals gesundheitsbezogene Aussagen. Daneben bieten sie allerlei gegen böse Geister oder gar den Teufel an. So manche psychische Erkrankung wird aus einem altertümlichen kulturellen Verständnis heraus nicht z.B. einem Neurotransmitter-Ungleichgewicht zugeschrieben, sondern man greift auf vermeintlich einfachere Erklärungen zurück. Beispiel:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/19/der-teufel-in-mainz-kostheim/

Nähere Einzelheiten zum Eingangsfall werden sicher noch im Laufe der Ermittlungen bekannt werden. Es ist jedoch wichtig wahrzunehmen, dass bei manchen Personen, auch hier unauffällig lebenden, sich das Menschen- und Weltbild so grundsätzlich unterscheidet, dass solche Handlungen subjektiv völlig logisch erscheinen und ich-synton erfolgen können (das beeinflusst auch Krankheitsursachen-Einsicht und -Schilderung). Man lebt in wirklich verschiedenen Welten subjektiv empfunden. Schuldempfinden oder Reue wird an diesem Punkt schwierig, den subjektiv wurde auf dieses völlig andersartige Weltbild vertraut. Vielleicht lassen sich die Beschuldigten wenigstens so weit ein, dass ein Blick in diese andere Binnenwelt ermöglicht wird. Vier der Tatverdächtigen sind noch sehr jung. Sie werden noch – nach Verbüssen einer Jugendstrafe, sofern ihnen Tatbeteiligung nachgewiesen werden kann – eine lange Zeit mitten unter uns leben. Hoffen wir, dass sie aus ihrer Parallelwelt herausfinden.

Aktionstag der Muslime war auch keine Eigeninitiative

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Fassade des Hundertwasser-Krawinahauses in Wien Bild: NnScolae, Wikipedia, freie Nutzung

Aktuell ist die Mahnwache am Brandenburger Tor vom Januar dieses Jahres (Charlie-Hebdo-Gedenken) in den Medien. Problematisch ist nicht nur die Frage der Finanzierung, sondern auch, dass dies von Parteiseite, eigentlich sogar von Regierungsseite angestoßen wurde, es aber als muslimische Veranstaltung der Öffentlichkeit verkauft wurde.

http://www.ruhrbarone.de/duennes-eis-der-parteienbeteiligung-fuer-muslimische-mahnwache/110799/comment-page-1#comment-980886

Dass dem „Eigenantrieb“ der muslimischen Verbände etwas nachgeholfen werden musste, wenn es um die Positionierung zu Taten geht, die im Namen des Islam verübt werden, ist aber nicht neu. Ebenfalls des Anschubs bedurfte es beim „Aktionstag gegen Gewalt und Terrorismus“ vom letzten September. Ich schrieb seinerzeit dazu:

Mahnwachen in Moscheen sind allenfalls erstes Zeichen gegen Extremismus, 16.09.2014

Für diesen Freitag wurde von einigen muslimischen Verbänden ein Aktionstag angekündigt. Schaut man sich die geplanten Termine für diesen Aktionstag gegen Extremismus einmal genauer an, so finden mitnichten irgendwelche Aktionen auf der Strasse statt oder neben oder an den Orten der Radikalisierung. Auch wird nicht ein Bündnis ins Leben gerufen, das die Mitglieder verpflichtet, keine Hassprediger mehr einzuladen oder Moscheevereine auffordert, solches zu unterlassen.
Nein, es werden in die beteiligten Moscheen nur Vertreter der Politik eingeladen:
http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=150&lang=de
Bitte, was soll das? Das ist ein Aktionstag für die Presse, mehr nicht. Das richtet sich ein wenig an die Mehrheitsgesellschaft, nicht jedoch gegen diejenigen, die den Extremismus im Islam vertreten und in die Köpfe junger Menschen implantieren.
Angeblich sollen 2000 Moscheen bundesweit an der Aktion teilnehmen. Was da wohl alles mitgezählt wurde? So viele richtige Moscheen gibt es in D gar nicht:
http://de.statista.com/…/muslimische-moscheen-und-gebetsra…/
Auch dieser Aktionstag wurde – so mein Eindruck – nur eilig geplant, weil es jetzt etwas Druck gibt. Von einer wirklichen Distanzierung zum Kalifat, zu dem „Islamischen Staat“ (IS) liest man ebenfalls wenig. Das wird so vermengt, dass nichts Klares und Klärendes mehr herauskommt. Das ist definitiv zu wenig angesichts dieser Probleme:
http://www.focus.de/…/aus-deutschland-in-den-dschihad-vier-…
Wenn manche muslimische Mitbürger der Meinung sind, der IS missbrauche ihre Religion, dann sollten sie das auf die Strasse tragen. Z.B. zu denjenigen, die das ganz ungeniert in ihrer Kommune vor aller Augen betreiben. Kaffee trinken mit Politikern ist unzureichend und nur ein wenig Schaumschlägerei.
Für Frankfurt ist die Abu Bakr Moschee angegeben. Das ist die Moschee, in die u.a. der mittlerweile tote Junge Enis aus der Doku „Sterben für Allah“ und auch Kreshnik B., gegen den derzeit wegen seiner Handlungen in Syrien verhandelt wird, gingen. Dort wird morgen Bouffier erwartet. Was es – jenseits der Eigendarstellung – gegen Extremisten bringen soll, wenn der Ministerpräsident zum Schnittchenessen kommt, erschließt sich mir nicht. Wenn das ein „starkes Zeichen“ sein soll wie manche Kommentatoren meinen, dann sind wir schon sehr entwöhnt, überhaupt Zeichen aus dieser Richtung wahrzunehmen.

Und am Tag danach die Presseschau:

Kleine Presseschau zum Aktionstag des KRM, 20.09.2014

Auf der Seite des KRM wurde zwar von „2000 teilnehmenden Moscheen“ gesprochen. Kaum ein Journalist scheint diese Zahl zu hinterfragen, denn schon die Statistikseite Statista gibt diese Gesamtzahl gar nicht her. Konkret benannt wurden 9 ausgewählte Orte. Betrachtet man, was an diesen Orten, die angeblich nur für viele andere standen, gemacht wurde, so fällt auf, dass in den vom KRM angegebenen Städten der angegebene Veranstaltungsort meist als der einzige, wenn überhaupt, benannt wird. Es handelt sich um bundesdeutsche Großstädte, jeweils mit zig Moscheen.
http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=150&lang=de
Ausgewählte Orte nach KRM:
1. Berlin: (Programm Beginn: 13:30 Uhr)
Jenseits der Aktion in der Mevlana Moschee ist nichts zu finden.
http://www.berliner-zeitung.de/…/mevlana-moschee-in-berlin-…
Petitesse von dem Imam Sezan Cakan
„Allah mache keinen Unterschied zwischen Herkunft und Nationalität von Menschen.“
Interessant, worauf da abgestellt wird. Aber er macht einen Unterschied im Bekenntnis und im Geschlecht. Aber das sagt wieder keiner.
2. Oldenburg:
Wohl eine kleine Mahnwache nach dem Freitagsgebet.
http://www.nwzonline.de/…/muslime-setzen-ein-zeichen_a_18,0…
3. Mölln:
Da hat es wohl nur ein Pressestatement gegeben:
http://www.faz.net/…/deutsche-muslime-wer-angst-hat-kann-vo…
4. Hannover:
Hier wird nur die Veranstaltung mit Maizière benannt. Von weiteren wird konkret nichts bekannt, es tauchen aber die ominösen „2000 Moscheen“ auf.
http://www.welt.de/…/De-Maiziere-besucht-Moschee-bei-Hannov…
5. Bielefeld:
Hier ist von einer „zentralen Aktion“ die Rede. Von weiteren wird konkret nichts bekannt, es tauchen aber wieder die ominösen „2000 Moscheen“ auf.
http://www.welt.de/…/Muslime-stellen-sich-gegen-Hass-und-Un…
6. Frankfurt:
s.u.
7. Stuttgart:
Jenseits der Veranstaltung mit Öney hat wohl nichts weiter stattgefunden.
http://www.welt.de/…/Muslime-im-Suedwesten-sprechen-sich-ge…
8. München:
„15 Imame unterstützen eine Erklärung auf Initiative des vielleicht bekanntesten Imams Deutschlands, Benjamin Idriz aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau). Er will in München eine große Moschee errichten und hat derzeit mit manchem Rückschlag zu kämpfen. Das interessiert beim Aktionstag aber nur am Rande. Die 16 Imame aus München und Oberbayern setzen ein Zeichen. Sie haben eine gemeinsame Erklärung vorbereitet, die „Nicht im Namen Allahs und nicht in unserem Namen“ heißt.“
http://www.ovb-online.de/…/kein-terror-namen-islam-3882329.…
Klartext: Ohne diese Initiative dieses Imams, der aber aktuell ein Moscheebauprojekt vorantreibt, wäre wohl jenseits des Auftrittes von Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration in der
Türkisch islamischen Gemeinde zu München e. V. wenig bis nichts passiert.
9. Hamburg:
„Die Veranstalter schätzen, dass an dem Aktionstag in der Centrum Moschee als EINZIGEM Hamburger Veranstaltungsort rund 1500 Menschen teilgenommen haben.“
http://www.abendblatt.de/…/Protest-hunderter-Hamburger-Musl…

Vorläufiges Fazit:
Eine reine PR-Aktion, die auf Druck der Regierung (siehe hr-Bericht) zustande kam.
Überzeugung und Überzeugendes sieht anders aus. Leider.

In der Hessenschau vom 19.09.2014 wird über den Aktionstag in der Frankfurter Abu Bakr-Moschee berichtet. Die Politprominenz, der Herr Mazyek und der Herr Graumann, damals noch Vorsitzender des Zentralrats der Juden, waren zu Gast:

http://www.hr-online.de/website/archiv/hessenschau/hessenschau.jsp?t=20140919&type=v

Von 0:30 bis etwa 6:30

Die Abu Bakr Moschee hat in den vergangenen Jahren immer wieder den belgischen Hassprediger Tarik ibn Ali zu Gast gehabt. Der Herr Mazyek verkündete einen Monat später in einem HR-Interview, er habe sie „wegen der schönen Architektur“ gewählt.

Mittlerweile ist diese Gemeinde jedoch Neumitglied im Zentralrat der Muslime.

Anscheinend hatte außer dem Herrn Siefert vom HR bundesweit kein einziger Journalist mal das Zustandekommen dieses Aktionstages hinterfragt. Alle haben die Marketingstory von Herrn Mazyek gekauft und gefeiert. Die Politik war voll des Lobes. Ob die Lobenden immer um das Zustandekommen wußten? Die Finanzierung wird da nicht problematisch gewesen sein: Das konnte die Abu Bakr Moschee sicher mit Bordmitteln stemmen. Aber der mangelnde Eigenantrieb, dass die Politik die muslimischen Verbände zu Aktionen treibt, die sie dann selber abfeiert – ja, das ist schon bizarr. Das hat was von Kino.

Man kann sich anderes wünschen.
Wünsche alleine ändern die Realität jedoch nicht.