Vater und Herr

Ein prägnantes Beispiel für die totalitäre Kontrolle junger Frauen durch Fundamentalisten

Vor einigen Tagen waren hier u.a. die hessischen Bezüge des türkischen Fundamentalistenpredigers Nureddin Yildiz thematisiert worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/09/08/zu-radikal-fuer-erdogan/

Wie weit die Kontrolle junger Frauen in Familien und solchen Gemeinschaften tatsächlich geht, ist oft schwer fassbar. Manches erscheint in Zeiten von AGG und Gendersternchen hierzulande wie der ferne Nachhall vergangener Zeiten, ohne Bezug zum hier und jetzt. Anhand eines aktuellen Beispiels auf der deutschen Facebook-Seite dieser Strömung lässt sich die umfassende Kontrolle fundamentalistischer Gemeinschaften jedoch sehr gut dokumentieren. Der Originalpost wurde entfernt, nachdem der Vorgang auf Facebook geteilt worden war und einige Personen diese Darstellungen und Haltungen kritisiert hatten.

Der Sachverhalt nach der Schilderung auf dieser Seite:

Quelle: https://www.facebo ok.com/FatwaZentrum/, Abruf 18.09.2018

Der Sachverhalt noch einmal besser lesbar vergrößert, Frage: Weiterlesen

Zu radikal für Erdogan

Über den radikalen Imam Nureddin Yildiz und einige hessische Bezüge nicht nur, aber auch in IGMG-Einrichtungen

Milli Görüs (IGMG) ist eine in Europa, aber auch weitergehend international agierende Bewegung, die wesentlich von Necmettin Erbakan begründet wurde. In der Türkei ist die Saadet Partei das politische Pendant:

https://de.wikipedia.org/wiki/Saadet_Partisi

Erbakan und Recep Tayyib Erdogan waren lange Weggefährten, zumindest bei der Anhängerschaft geben sich die Verehrung für den einen wie den anderen oft kaum etwas. Die IGMG steht wegen der islamistischen Ausrichtung, v.a. aber auch lokaler Umtriebe, die gegen die Verfassung gerichtet sind, vielfach noch unter Beobachtung verschiedener Landesämter für Verfassungsschutz. Bestrebungen, die gegen Verfassung und gleichberechtigtes Zusammenleben gerichtet sind, können bei einer Organisation, die international agiert, nun im Inland, aber auch zurechnungsfähig im Ausland stattfinden. Unter anderem deshalb sind Informationen, die man über die Medien in anderen Ländern gewinnen kann, auch wichtig für die Sicht auf diese Bewegung hierzulande. Die Informationen dieses Artikels gelangten vor einiger Zeit in die niederländische Öffentlichkeit:

Milli Görüş, a Turkish mosque organization in the Netherlands, has taken dozens of Turkish-Dutch youngsters to Turkey in recent years to have them taught by Nureddin Yıldız, a radical imam, the Dutch NRC daily reported on Friday. […] Yıldız and fellow imams told young people that Muslims worldwide must be in “unity” according to reports on the training camps, which were in operation until at least 2016. Whether Milli Görüş still organizes the trips to Turkey is unknown. A spokesman for the association did not respond to questions last week.

Yıldız has long maintained a warm relationship with the Turkish establishment. He was a regular speaker for a foundation led by President Recep Tayyip Erdoğan’s son. But at the beginning of this year Yıldız overplayed his hand. The imam said in a video that you can marry a 6-year-old child and that God “allowed men to beat women.” A Turkish prosecutor started an investigation for hate speech, and President Recep Tayyip Erdoğan was forced to distance himself from Yıldız. The president said in a speech that “there is no place in our religion for this kind of preacher.

https://www.turkishminute.com/2018/08/19/milli-gorus-in-netherlands-takes-turkish-dutch-youngsters-to-turkeys-radical-imam-report/

Die Seiten der Stiftung kann man hier einsehen:

https://www.sosyaldoku.com/

In der Huffington Post wurden nun einige Fälle von Bezügen zu deutschen Vereinen belegt. Wie weit die grundsätzliche Überordnung islamischen Rechts nach seiner Auslegung geht, sei am Beispiel Kinderehe aufgezeigt:

Er wirbt für Kinderehe, Gewalt gegen Frauen und den Dschihad
Yildiz sorgt seit Jahren international für Schlagzeilen.

Im Jahre 2015 empörte der Kleriker mit der Aussage, Kinder könnten bereits “vor der Pubertät heiraten“. Der 58-Jährige aus dem türkischen Trabzon bezeichnete die hypothetische Ehe eines 7-jährigen Mädchens mit einem 25-jährigen Mann als unproblematisch. “Für Muslime, die an den Koran glauben, gibt es kein Alterslimit beim Heiraten. […]

Für Milli Görüs ist das offenbar keine rote Linie.

Ortsvereine in Braunschweig, Hannover und Köln haben in den vergangenen Jahren Fotos veröffentlicht, die Gruppen junger Männer mit dem Prediger zeigen. Augenscheinlich wurden die meisten in den Räumlichkeiten der Sosyal-Doku-Stiftung in Istanbul aufgenommen.

Die Kölner Jugendorganisation der IGMG postete so am 12. Oktober 2016 Fotos einer Gruppe bei Yildiz auf Facebook. Dazu heißt es: ”Wir haben unseren sehr ehrbaren Lehrer Nureddin Yildiz während unserer Türkei-Reise besucht. (…) Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft, die die Sosyal-Doku-Stiftung uns gezeigt hat.

https://www.huffingtonpost.de/entry/islamische-vereine-in-deutschland-organisierten-jugendreisen-zu-dschihadisten-imam_de_5b82bcefe4b0348586017618

Sein Facebook-Account findet sich hier:

https://www.facebook.com/NureddinYildiz/

Und das „Fatwa-Zentrum“, ein Auftritt, von dem aus er seine deutschsprachigen Botschaften verbreitet:

https://www.facebook.com/FatwaZentrum/

Die übliche Internetseite von Yildiz bzw. des „Fatwa Zentrums“ wird von einem Stockstädter betrieben:

Oryal Civek
Friedrich-Ebert-Str. 16
63811 Stockstadt a. Main

https://fatwazentrum.de/datenschutzerklaerung/

Das wird dann wiederum z.B. von der IGMG-Jugend Giessen wahrgenommen:

Quelle: https://www.facebo ok.com/IGMGJugendGiessen/ , Abruf 08.09.2018

Der gleiche Stockstädter zeichnet auch für einen Verlag verantwortlich, der vornehmlich Yildiz-Schriften im Angebot hat, so dass sogar die Seite „Biographie des Autors“ heißt: Weiterlesen

Salafistische Kinder-Indoktrination: Häkelschwestern

Über ein Abbild salafistischer Kindererziehung

Der WDR berichtet aktuell über einen bemerkenswerten Fall salafistischer Kinder-Indoktrination. Eine Frau stellt Stoffpuppen her und bietet diese dann zum Kauf den Glaubensgechwistern an:

https://www1.wdr.de/nachrichten/salafisten-radikalisieren-kinder-100.html

Islamistische Kinder-Indoktrination war hier schon mehrfach Thema, beispielhaft:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/04/14/zielobjekt-kind/

Hier schiitisch-islamistisch:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/10/06/hizbollah-kinder-in-bremen/

Schon früh soll bei Kindern von islamistischen Eltern klar sein, dass sie nicht Teil dieser Gesellschaft werden, sondern Teil der Ummah, der muslimischen Gemeinschaft, die hier als islamistische Gegengesellschaft konstruiert wird. Alle Bedürfnisse von Kindern müht man sich in diesem Sinne zu decken. Auch die nach Spielzeug. Ist das bei Lego etc. noch unproblematisch, kommt bei Puppen ein fundamentalistisches Abbildungsverbot bei islamistischen Eltern zum Tragen.

Unter den vielfach vertriebenen, oft selbst gefertigten Spielzeugen für muslimische Kinder heben sich einige Angebote doch recht stark ab. Angebote, die nicht nur gesichtslose Puppen beinhalten, sondern eine typische, fundamentalistische Ausstattung aufweisen. Hier ein weiteres (gehäkeltes) Beispiel einer anderen Anbieterin:

Das Angebot von „Jumana Doll“, das auch vom WDR aufgegriffen wird, ist jedoch noch mal von anderer Qualität. Spielzeug zeigt auf, welche Zukunftsvorstellungen den Kindern vermittelt werden. Man sieht die klaren Rollenvorstellungen, die Kindern beigebracht werden. Die Kinder sollen nicht Ärztin oder Astronaut werden. Diese Jungen sollen Kämpfer werden. Mädchen Mütter von Kämpfern. Da ist Weiterlesen

Hizb ut Tahrir: Die „Schily-Doktrin“

Über einen neuen Narrativ unter Jugendlichen

Im April landete die seit 2003 verbotene Hizb ut Tahrir (HuT) einen unerwarteten, aber breit übernommenen Medien-Coup: Man hatte über mehrere Portale, auf denen Anhänger ihre Haltungen verbreiten, eine Protest-Aktion zur Debatte über die Einführung eines Verbots von Kopftüchern bei Kindern in Schulen initiiert:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/04/15/kampagne-fuer-das-kinderkopftuch-islamistische-akteure/

Über verschiedene soziale Medien hergeleitet, kanalisierte man die Empörungswelle in eine Petition in einem offenen Petitionsformat und gewann über einhunderttausend Unterzeichner.

https://www.openpetition.de/petition/online/deine-stimme-gegen-das-kopftuchverbot#petition-main

Die Aktion lebte vor allem auch davon, dass es plötzlich nicht mehr um Kinder in der Schule ging, sondern man behauptete, es ginge tatsächlich um das allgemeine Kopftuchtragen überall. Der Petitionstext, aus dem der eigentliche Anlass noch hervorging, ging in der öffentlichen Debatte in den sozialen Medien oftmals unter. Im Furor einer Solidarisierung schaute dann der eine oder andere nicht mehr so genau hin. Die Fake-news-Welle rollte und wurde nachfolgend auch medial wahrgenommen. In Verkennung der Entstehungsgeschichte machte dies dann Eindruck bei den zuständigen Politikern – man ruderte zurück.

Die Forderung war am 14.04.2018 von der Pressestelle der „Hizb ut Tahrir“ verbreitet worden:

http://www.hizb-ut-tahrir.info/gr/index.php/mb/zmb-dr/1069.html

Interessant ist, dass die Kampagne schon Tage vor der „offiziellen Meldung“ von Hizb ut Tahrir auf den assoziierten Portalen verbreitet worden war, hier vom 11.04.2018:

Man kann durchaus hinterfragen, wer in dieser Sache die Leitfunktion übernahm.
Auch Personen aus konservativen muslimischen Kreisen schlossen sich an, zum Teil ohne zu wissen oder – bei Wissen – darauf aufmerksam zu machen, dass hinter der Kampagne Akteure einer verbotenen Organisationsstruktur standen. Im Furor verschwammen die Grenzen, was sicher auch die Absicht der islamistischen Akteure war. Man wollte unter eigener Führung die Ummah, die Gemeinschaft der Gläubigen, aktivieren. Man muss leider konstatieren, dass dies nicht unerheblich gelang. Moderate muslimische Stimmen gingen unter.

Schon vor der Veröffentlichung zum Kopftuchverbot hatte Hizb ut Tahrir jedoch einen anderen interessanten Mythos geschaffen, den sie dann nachfolgend nicht nur in der Stellungnahme zum Kinderkopftuch verwendet. Es geht um eine angebliche „Schily-Doktrin“: Weiterlesen

Ausschuss für Mondsichtung – Deutschland

Wichtiges Gremium salafistischer Akteure gegründet

Der Mond spielt als Taktgeber muslimischer Zeitberechnung eine wichtige Rolle im Islam.* Die Frage, ob und wann die Mondsichel gesichtet wird, ist durchaus Gegenstand muslimischer Debatten – und Dissense. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und zwischen den Befürwortern verschiedener Verfahren gibt es nicht selten erheblichen Streit. Solcher Streit ist real existierend, auch wenn die Begründungen esoterisch anmuten mögen.** Eine knappe Zusammenfassung von 2007 findet sich auf dem fundamentalistischen Portal „way to allah“ von dem Gelehrten Prof. Dr. Mohammad Hawari. Hawari war damals – er ist wohl mittlerweile verstorben – Vorsitzender eines Gremiums (DIWAN), das sich ebenfalls die korrekte Mondsichtung zur Aufgabe gemacht hatte:

Der Diwan hat ausschließlich eine beratende Funktion, ein wissenschaftlich religiöser Apparat, der zum Zentralrat der Muslime gehört. Er arbeitet in diesem Themenbereich Hand in Hand mit dem europäischen Rat für Fatwa und Islamische Studien [gemeint ist wohl das ECFR, s. unten, SHM].

Der Diwan trifft seine Entscheidungen unabhängig von Saudi Arabien, da sie mit ganz anderen Methoden arbeiten. Zum Beispiel haben sie letztes Jahr in 2 Bereichen anders entschieden als die Saudis.

http://www.way-to-allah.com/themen/mondsichtung_interview.html

Ein Gremium, dass diese Debatten für Deutschland beenden sollte und damit die Deutungsmacht hinsichtlich der deutschen Muslime beanspruchte, ist der muslimbruderdominierte Fatwa-Ausschuss Deutschland (FAD). Hawari sollte diesem wohl eigentlich vorsitzen; dann kam aber seine Erkrankung dazwischen (Eigenangabe FAD):

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/18/fatwas-made-in-germany/

Dieser Ausschuss ist sozusagen die deutsche Filiale des Gremiums „European Council of Fatwa and Research“ (ECFR), dem Yusuf al Qaradawi vorsitzt. Im Grunde also eine vom Zentralrat der Muslime nunmehr eigenständige Organisationsform, die aber auch ihre Wurzeln – nach dieser Quelle – dort hat.

Der Fatwa Ausschuss Deutschland empfiehlt die „türkische Methode“:

Wir empfehlen den Moscheen den Winkel von 13° zu verwenden, mit dem auch die türkischen Moscheen die Gebetszeiten berechnen, um mit der Mehrheit der Muslime in Deutschland zu gehen und um den Menschen das Gebet und Fasten zu vereinfachen.

https://www.fatawa.de/die-richtige-berechnungsmethode/

Hier führt in einem nicht datierten Text Dr. Khaled Hanafy, der Vorsitzende des Fatwa-Ausschusses, weiter aus (der Text stammt mindestens aus dem Jahr 2016, ist also max. ca. 2 Jahre alt):

Es ist demnach statthaft, sich an den Imsāk-Zeiten der türkischen Gemeinden zu orientieren und entsprechend dieser zu fasten. Wobei diese Zeiten dann auch über den Ramadan hinaus für das persönliche Gebet verwendet werden müssen. Damit gehen folgende Erleichterungen einher:

Eine Stunde weniger Fasten
Verlängerung der Nacht um eine Stunde
Übereinkunft mit der Mehrheit der Muslime im Gebet und dem Fasten (türkischstämmige Muslime machen ca. 60% der Muslime Deutschlands aus)
Abkehr von fragwürdigen Fatwas (Rechtsgutachten), die authentischen und eindeutigen Texten widersprechen (z.B. die Empfehlung, sich in Bezug auf das Fasten an Mekka zu orientieren, was in den meisten Städten Deutschlands einen 18 Stündigen Fastentag zur Folge hat).

Ich empfehle eindringlich der Gesamtheit der Muslime in all jenen auf Iǧtihād beruhenden Fragestellungen, sich bei unterschiedlichen Auffassungen nicht gegenseitig des Unrechts zu beschuldigen. Die gesegnete Atmosphäre des Ramadans und die besondere Spiritualität während der Gottesdienste insgesamt sollten nicht durch Feindseligkeit, Streit und Zwiespalt gestört werden.

https://www.iisev.de/wissensportal/artikel/die-zeit-des-morgengebets-und-des-imsks-in-deutschland/

Nun gibt es Akteure, die diese Deutungshoheit des Fatwa-Ausschusses für Deutschland wohl nicht anerkennen. Sie vertreten ein anderes Verfahren (und auch sonst einige andere, noch fundamentalistischere Positionen). Das Gremium nennt sich „Ausschuss für Mondsichtung – Deutschland“:

Das ist die Facebook-Seite des Ausschusses: Weiterlesen

Türkei: Oberhaupt der Furkan-Gemeinschaft inhaftiert

Die Furkan.Gemeinschaft ist auch in einigen Städten Deutschlands mit Vereinen strukturell repräsentiert. Die Gemeinschaft steht unter Beobachtung mindestens in NRW und Hamburg:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/07/11/furkan-gemeinschaft-auch-in-hamburg-unter-beobachtung/

Allgemeins zur Bewegung:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/06/17/noch-ein-weltenherrscher-alparslan-kuytul/

https://vunv1863.wordpress.com/2016/04/20/heute-gehoert-uns-dortmund-morgen/

In der Türkei wurde nach Eigenberichten nunmehr das Oberhaupt mit einigen Getreuen festgenommen, wohl nachdem Kuytul den Einsatz in Afrin kritisiert hatte:

 

Die Meldung über die Festnahme von Kuytul und einigen Anhängern sowie die Sicherstellung von Gegenständen und Geld wurde von verschiedenen türkischen Medien bestätigt:

https://news.google.com/news/story/dwAMQrBLk5ZEnWMrmxFZFSUZg7ZEM?hl=tr&ned=tr_tr&gl=TR

Bemerkenswert ist, dass Kuytul mit seiner Gruppierung bislang noch weitgehend (es gab mal Berichte von polizeilichen Übergriffen am Rande einer Demonstration) unbehelligt agieren konnte. Kuytul vertritt ähnlich wie nicht wenige fundamentalistische türkische Muslime die Sicht, dass im Grunde angeblich göttliche Gesetze die Richtlinien für das menschliche Zusammenleben darstellen müssen.

Erst nunmehr, nach der Äußerung einer Gegenposition zum militärischen Einsatz in Afrin, erfolgten Zugriff und Verhaftung. Die Festnahme Kuytuls zeigt vielleicht noch mehr als andere staatliche Übergriffe und Festnahmen, wie sehr es der türkischen Regierung nur um die eigene Macht geht.

Diese Festnahme sollte nicht dazu verleiten, die Furkan Gemeinschaft nun neu zu bewerten. Das sind weder demokratisch gesonnene Personen noch sind sie prinzipielle Gegner der eingetretenen Verhältnisse in der Türkei. Ihre Sicht zu Israel:

 

Sie wollen im Prinzip dasselbe wie Erdogan, nur mit einer anderen Führungsfigur und noch religiöser, noch fundamentalistischer ausgerichtet. Wie auch im Fall der Gülen-Bewegung macht die Festnahme Kuytuls keinen Unterschied aus in der Bewertung der zugrunde liegenden Ideologie.

Diese Bewegung steht ein für die Islamische Zivilisation!

Das ist der Knackpunkt, darum geht es, dass diese Bewegung den Tauhid verkündet!…

Würden wir alleine kulturelle Aktivitäten veranstalten, hätten sie uns überall hofiert. Die Feinde des Islams stört es, dass wir den Tauhid verkünden und wachsen. Und was die Regierung angeht, sie stört es, dass wir sie in einigen Angelegenheiten kritisieren.

Und es wertet auch die Furkan Bewegung politisch nicht auf: Sicher muss man gegen diese Verhaftung sein, weil sie aktuell aus ganz diktatorischen Motiven erfolgte (Afrin-Kritik). Gesprächspartner können sie jedoch nicht sein und nicht werden.

Koranschulen und islamistische Haltungen

Beispiele zu Koranschulen

Eine Befragung unter Schülern muslimischer Eltern sorgt aktuell für Debatten:

Die Auswertung ergab: Jeder Dritte (29,9 Prozent) der muslimischen Schüler, die Angaben machten, kann sich „gut vorstellen, selbst für den Islam zu kämpfen und mein Leben zu riskieren“. Der Aussage „Die islamischen Gesetze der Scharia, nach denen zum Beispiel Ehebruch oder Homosexualität hart bestraft werden, sind viel besser als die deutschen Gesetze“ stimmten 27,4 Prozent zu.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article172327527/Kriminalitaetsstudie-Islamistische-Tendenzen-im-Klassenzimmer.html

Erstaunlich ist daran die öffentlich artikulierte Verwunderung.

Diese Zustimmungswerte zu extremistischen Haltungen decken sich etwa mit den Zahlen, wie sie nicht nur in Münster (im Artikel erwähnt) erhoben wurden, sondern auch durch das BMI oder Koopmans gefunden wurden. Aus der Studie „Muslime in Deutschland“ von 2007, S. 180:

Bild: Tabelle aus „Muslime in Deutschland“, 2007

Dass diese Werte nach 10 Jahren kaum geringer liegen dürften, gleiche Befragungskriterien angenommen, dürfte auch daran liegen, dass seitens fundamentalistischer Vertreter massiv die legitimierenden Narrative propagiert werden. Da wird von Muslimen als den neuen Juden schwadroniert, da wird normale und sachlich durchaus angemessene Berichterstattung breit zur „Hetze“* umgedeutet usw. Wer Muslime ständig als Opfer zentriert, treibt genau solche Keile zwischen die Gesellschaft und Muslime, wie er es bei Kritikern (auch in der Vermischung abzulehnender antimuslimischer Haltungen mit statthafter Ideologiekritik: alles gleich…) anmahnt. Fundamentalistische Muslime und Feinde aller Muslime benennen stets nur die Täter der anderen Seite und die Opfer der eigenen. Daraus wird von Islamisten in den Verbänden eine allgemeine Verteidigungshaltung konstruiert, so dass sie den Boden für Extremisten pflügen und tüchtig düngen. Solche Haltungen werden auch über Koranschulen vermittelt.

Aus der gleichen Studie, S. 139 f.:

Ein großer Anteil der Befragten (52,1%) hat in Kindheit und/oder Jugend eine Koranschule besucht. Inwieweit die Entwicklung der religiösen Orientierung durch den Besuch von Koranschulen beeinflusst wird, kann mit den vorliegenden Daten nicht abschließend beantwortet werden. Dazu wären längsschnittliche Untersuchungen erforderlich. Im Querschnitt zeigt sich, dass knapp über die Hälfte aller Besucher einer Koranschule fundamentale Orientierungen aufweist. Sofern keine Koranschule besucht wurde, liegt diese Rate bei etwa 30%. […] Die befragten Muslime messen der religiösen Unterweisung ihrer Kinder eine hohe Bedeutung zu. So sprechen sich insgesamt 69,7% für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache an Schulen aus. 67,7% fordern die Einrichtung von mehr Korankursen (Koranschulen) für muslimische Kinder. In dieser Hinsicht unterschieden sich die Meinungen der verschiedenen Gruppen religiöser Orientierungen. Nur bei den fundamental Orientierten war eine höhere Rate der Befürwortung von Korankursen im Vergleich zu einem deutschsprachigen Religionsunterricht zu erkennen. Alle übrigen Gruppen favorisieren stärker eine deutschsprachige Unterweisung der Kinder in ihrer Religion.

https://www.deutsche-islam-konferenz.de/SharedDocs/Anlagen/DIK/DE/Downloads/WissenschaftPublikationen/muslime-in-deutschland-lang-dik.pdf?__blob=publicationFile

Zahlen aus der 2007 Studie:

Quelle: BMI „Muslime in Deutschland“, 2007, S. 113

 

Eine der Ideen, die zum Forcieren des Islamunterrichts in öffentlichen Schulen führte, war, dass man damit etwas gegen die „Hinterhofmoscheen“ und fundamentalistische Koranschulen unternehme. Man ging z.B. davon aus, dass dann dieser Schulunterricht vielleicht die Koranschulen entbehrlich machen würde. Das war eine grobe Fehleinschätzung. Denn wenn vor Einführung des Islamunterrichts seitens fundamentalistischer Muslime das Argument war, dass man den Kindern religiöse Bildung vermitteln müsse, so ist nunmehr die Linie, dass man die Kinder, die den Unterricht an öffentlichen Schulen wahrnehmen, gegen diesen wappnen müsse. Inhaltlich werde an den Schulen nicht der richtige, der „wahre Islam“ gelehrt, da der Einfluß des Staates zu groß sei. Zudem wurde staatlicherseits die Vielfalt des Islam verkannt. Die Vorstellung, dass man einen Islamunterricht anbiete und dann die konservativen Muslime die religiöse Unterweisung der Kinder auch der eigenen Richtung und Auslegung ausschließlich diesem Unterricht überlassen werde, war eine irrige Annahme. Das wird als zusätzliches Angebot vielleicht angenommen, ansonsten wird verfahren wie vorher. Kennt man die Verschiedenheit der Strömungen, ist es offensichtlich, dass dieses Modell keine weitergehende Wirkung hat. Eine Art Rat, der sich zunächst auf gemeinsame Inhalte einigen muss, ist zwar zielführender, ist aber mit anderen Schwierigkeiten vergesellschaftet. Die Koranschulen werden also, wenn man da nicht aktiver vorgeht, erhalten bleiben.

Zu Koranschulen in Bangladesh, eine ergänzende Sicht, wie Koranschulen in anderen Ländern funktioneren:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/koranschulen-film-wo-kinderseelen-gebrochen-werden-a-692614.html

Und zu Koranschulen in Deutschland:

https://www.bayernkurier.de/inland/12484-moscheen-und-koranschulen-in-der-kritik/

Nachfolgend einige Beispiele aus Deutschland. Weiterlesen