Mahnwache vom 21.05.2016

Von 15-17 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank an die Frankfurter Polizei für die umsichtige Betreuung.

Besonderer Dank gilt auch der Initiative „extrem dagegen“ aus Herford. Die Präventionsinitiative mit und für Jugendliche setzt Engagement für die Demokratie gegen Extremismus. Mit Workshops, Besuchen und Aktionen gestalten Jugendliche ihre Auseinandersetzung mit allen Extremismusformen. Eine kleine Gruppe Jugendlicher mit ihrer Lehrerin Birgit Ebel war zu Gast auf der Mahnwache, um sich die Aktion anzuschauen und die Reaktionen der Bevölkerung zu beobachten, ggf. auch mit einzusteigen in die Diskussion mit den Passanten. Die Gruppe war eher am Anfang der Aktion da, da sie noch einen Anschlußtermin hatten. Vielen Dank fürs Kommen und Mitmachen, die Visite war eine Bereicherung für uns!

Hier die Facebook-Seite der Initiative:

Extrem dagegen

 

Eine junge Muslima, bosnischstämmig und westlich gekleidet, ließ sich die Aktion erklären. Sie verstand den Sinn der Aktion im Gespräch und liess sich auch nicht durch einen Störer, der unser Gespräch Weiterlesen

Quo vadis profiling I

Einige Gedanken zu den verfügbaren Daten von Tätern

Anschlagspläne im Vorfeld zu erkennen, um einen Anschlag letztendlich verhindern zu können – das ist die bestmögliche Art, wie solchen Verbrechen begegnet werden kann.  Neben konkreten Hinweisen wie durchgestochenen Informationen und eigenen Beobachtungen ist das sogenannte profiling, also die strukturierte Fallanalyse ein wichtiges Standbein der Aufklärung – vorher im besten Falle und hinterher, wenn dies nicht gelang.

Klassisch wird die Fallanalyse eingesetzt bei Straftaten, die ungeklärt sind. Welche Hinweise auf die Täterpersönlichkeit gibt es? Wo kann man den Täter suchen? Welche Gruppen von Personen kommen in Frage? Kann man örtlich, zeitlich eingrenzen, kann man Gruppen ausschließen? Fiktiv aufbereitet wurde das Thema u.a. im Film „Das Schweigen der Lämmer“, in dem eine Beamtin den Täter sucht, indem sie einen anderen Delinquenten einbindet. Jenseits dieser filmischen Aufarbeitung ist Fallanalyse normalerweise ein Fach, in dem Soziologie und Psychologie eine Rolle spielen aber auch übliche Kriminalistik. Ein Fall liegt vor. Er soll aufgeklärt werden. Es wird also meist nach einem Vorfall agiert, besonders intensiv, wenn mehrere Fälle vorliegen, bei denen ein Zusammenhang vermutet wird oder sicher scheint: bei mutmaßlichen Serientaten.

Bei Terrorismus, bei dem man Wiederholung befürchtet, ist es beides: Auseinandersetzung mit aktuellen Tätern und deren Ergreifung, aber auch die Prävention von Nachahmungen, allgemeine Analyse von sozialen Gruppen, Netzwerken und Zellen. Welche Gruppen kommen in Betracht? Gibt es ein oder mehrere spezifische Umfelder? Wer hat sich bei Fall A und B bekannt, sind weitere Zellen auszumachen? Wie war das Vorgehen, was kann man daraus lernen, um das nächste Mal schneller zu sein oder anders vorbereitet zu sein?

Auch wenn meist nur Wahrscheinlichkeiten geliefert werden können, so ist diese Vorgehensweise doch Weiterlesen

Kein Osterfriede bei LIES

LIES-Frankfurt Koordinator entlassen

Ibrahim Abou Nagie, seines Zeichens Erfinder der LIES-Koranverteilungen, Geschäftsmann und verurteilt wegen des unrechtmäßigen Bezugs von Sozialleistungen, hat immer wieder auch Probleme in der Marketing- und Befehlskette. Als Chef der LIES GmbH und der etwas verborgenen, aber zugehörenden britischen Limited achtet er peinlich darauf, dass Umsatz gemacht wird. Alles, was das stört, soll minimiert werden. So haben die Verteiler Anweisung, wie sie sich zu verhalten haben, und werden auch explizit angehalten, nicht zu diskutieren, sondern zu verteilen. Wer diskutiert, verteilt in der Zeit nicht und Nagie kommt es an diesem Punkt – ganz Geschäftsmann – auf die Menge der verteilten Exemplare an.

Der Frankfurter Bilal Gümüs, der jahrelang für das Projekt wichtiger Organisator der Verteilungen in Frankfurt war, wurde aktuell von Nagie aus dem Projekt gebannt:

 

 

Gümüs machte mit und für Nagie vielerlei Reisen auch ins europäische Ausland inkl. Türkei. Dass er nun nicht mehr dabei ist, wird von Nagie damit begründet, dass er Statements zu Brüssel abgegeben habe. Gemeint ist wohl eine recht geschmacklose Einlassung auf seinem facebook-Account, hier von Ismail Tipi zusammengestellt:

 

Das mag eine Rolle gespielt haben. Noch interessanter sind allerdings Nagies Einlassungen, wonach man „keine Verträge mit den Brüdern“ zu machen habe und LIES auch kein Projekt sei, das von einer Nationalität dominiert werde. Das hört sich so an, als habe Gümüs im LIES-Franchise eine Ebene zur eigenen Gewinnabschöpfung eingezogen und hätte somit versucht, sozusagen aus dem Franchise ein Schneeball-System zu machen. Bislang ist dies zwar Spekulation. Aber vielleicht ergibt sich diesbezüglich demnächst mehr.

Bis dahin bleibt es abzuwarten, ob die Frankfurter LIES-Aktion diese Maßnahme des Chefs übersteht. Zuletzt waren die Aktionen unregelmäßig durchgeführt und insgesamt seltener geworden, nicht nur wegen des Überprüfungsdrucks der Frankfurter Polizei.

Update 19.04.2016:

Die Facebook-Präsenz „LIES Frankfurt/Quran Verteilung“, auf der jahrelang die Frankfurter Aktionen durch Bilal Gümüs koordiniert wurden, ist wohl nicht mehr aufrufbar.

Achtung Namensgleichheit Mohamed Belkaid

Ein Mohamed Belkaid wurde letzte Woche bei dem Zugriff auf den Paris-Helfer Abdeslam getötet.

Da ich vermehrt Suchen nach dem Herrn in meinem Archiv sehe, bitte ich zu beachten: Der Brüsseler Mohamed Belkaid und Mohamed Belkaid von Medizin mit Herz e. V. sind nicht identisch.

Da das dem Anschein nach sogar in Spiegel TV landete und Herr Belkaid sich dagegen – hier berechtigt – zur Wehr setzt, verlinke ich einmal sein Video zu dem Vorgang:

 

 

Mohamed Belkaid ist hierzulande polizeibekannt. Insofern passt auch das nicht mit der Aussage im Beitrag zusammen.

Damit dieser Fehler sich nicht wiederholt, bitte ich um gründliche Recherche und Beachtung.

Davon unbenommen sind die sonstigen Bedenken, die Bewertung der Handlungen seines Vereins und auch die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW.

Seine Behauptungen, auch im Falle seiner Betätigungen an den Flüchtlingsheimen etc. letztes Jahr ungerecht behandelt worden zu sein von den Medien, entbehrt allerdings der Grundlage. Wer sich als Akteur öffentlich betätigt, muss sich auch einer öffentlichen Betrachtung und ggf. Kritik stellen. Das ist ganz normal und Merkmal einer demokratischen Gesellschaft. Berichterstattung ist keine „Hetze“. Daran sollte man sich gewöhnen. Im Falle falscher Bezichtigungen kann man das anmahnen. Eine andere Meinung allerdings muss man ertragen, genauso wie die Gesellschaft die Sichten und das Weltbild von Herrn Belkaid oder die seines Bruders Brahim Belkaid ertragen muss.

Das Nador-Netzwerk

Wie Tarik ibn Ali eine spezielle marokkanische Diaspora vernetzt

Nach Jahren nahezu ungehinderten Wirkens waren zwei geplante Auftritte des belgischen Predigers Tarik ibn Ali oder Tarik Chadlioui gestern und vorgestern etwas breiter in den Medien. Konkreter Anlass waren die Attentate in Brüssel und seine bevorstehenden Besuche in Duisburg und Essen. Beide Gemeinden widerriefen die Einladungen auf erheblichen öffentlichen Druck hin. Nach außen hin wurde bekundet, man kenne den Prediger nicht so gut und seine Inhalte auch nicht. Nun wird ibn Ali – seine Predigten gelten als unterhaltsam, aber theologisch nicht sehr entwickelt – weniger der Gelehrsamkeit halber geladen, sondern wegen seines Bekanntheitsgrades und seiner Verbindungen. Beides nun nicht gewußt haben zu wollen, erscheint befremdlich. Immerhin holte man ihn aus dem Ausland herbei; wäre es nur um die Erbauung gegangen, hätte es vielleicht auch ein Kollege aus Köln getan. Doch wie sehen diese Einbindungen nun aus?

 

Tarik ibn Ali Mitte Februar in Frankfurt Bild: Tarik ibn Ali-fb-Account

 

Ibn Ali kommt wie viele Personen im Rhein-Main-Gebiet, im Ruhrpott und auch in Molenbeek aus Nador, Weiterlesen

Pierre Vogel: Hohn für Brüsseler Opfer

Dass Empathie nicht gleich verteilt ist und Betroffenheit meist auch von der Nähe zu Opfern abhängt, ist eine banale Erkenntnis. Etwas anderes ist es jedoch, am Tag nach einem schweren Terroranschlag noch einmal explizit zu posten, dass man an einem ähnlichen Ort am Tag zuvor war. Ein Bild, auf dem man feixt. Er erbaut sich offenkundig daran, welche Wirkung die eigene Präsenz an einem solchen Ort haben mag.

Genau dies hat Pierre Vogel vorgestern vorexerziert: Er postet ein Foto, wie er grinsend in einem Gebetsraum im Frankfurter Flughafen steht:

 

 

Auch ohne explizite Ausführung weiß Vogel ganz genau, welche Wirkung das auf Anhänger und Gegner Weiterlesen

Der unterschätzte Gegner

Nach den gestrigen Anschlägen in Brüssel wird wieder kollektiv laut nachgedacht: Was ist es, das diese jungen Menschen antreibt?

Ganz wichtig: Wir sehen jetzt nur die Täter. Die Unterstützer-Szene denkt jedoch genauso und es fehlt nur entweder eigener Antrieb oder Befehl. Der Sympathisantenkreis ist leider viel größer als wir uns das hoffen können, wie sich nicht nur in den sozialen Netzwerken spiegelt. Rechtfertigungsmuster wie „Rache für xyz“ machen die Runde, klammheimlich freut sich mancher.

Wer sich noch nie mit Menschen unterhalten hat, die sehr ähnlich strukturiert sind wie die aktuellen Täter, mag tatsächlich rätseln und hilflos sein. Zu fern ist das autoritäre Denken, zu Weiterlesen