Dawat-e-Islami baut Aktivitäten in NRW aus

Die pakistanische Bewegung „Dawat-e-Islami“ baut ihre Aktivitäten in Deutschland aus. Dazu wurden nach eigenen Angaben vor einigen Monaten auch in Hagen neue Räumlichkeiten gefunden und eine Moschee eröffnet. Damit hat die problematische fundamentalistische Strömung eine weitere Niederlassung in Deutschland.

Die Kirche der ehemaligen Stadtmission in Hagen heute (Bild: Sigrid Herrmann-Marschall)

Die pakistanische Missionsbewegung Dawat-e-Islami hat eine Moschee in Hagen (Nordrhein-Westfalen) eröffnet. Der Hauptströmung, der die Bewegung zugeordnet werden kann, Barelwi, gehören regional unterschiedlich erhebliche Bevölkerungsanteile in Pakistan an. Die Barelwi-Bewegung grenzt sich – wie auch umgekehrt – von anderen lokal relevanten Richtungen ab. Schwerpunkt ist die Provinz Punjab. Der sufi-nahe Volksislam der Strömung gilt hierzulande als besonders friedlich.

Das ist jedoch ein Vorurteil: 2006 versuchte ein Barelwi, einen BILD-Journalisten wegen der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen zu ermorden. 2011 erschoss ein Dawat-e-Islami-Anhänger den Provinzgouverneur Punjabs wegen seiner Stellungnahmen zum Fall der der Blasphemie beschuldigten Christin Asia Bibi. 2016 ermordete ein Anhänger in Großbritannien ein Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinde wegen seines Glaubens. Zur Eröffnung der Offenbacher Niederlassung lud 2018 derselbe Sprecher ein, wie am letzten Wochenende zu einer dortigen „Friedenskonferenz“. Dieser Sprecher vertritt auf Urdu radikale Positionen, während er auf deutsch von „Frieden und Dialog“ spricht, wie der Hessische Rundfunk herausfand. Als Twitter-Namen wählte Taha Tariq den Nachnamen des BILD-Attentäters Amir Cheema, der von fanatischen Anhängern in Pakistan als Märtyrer betrachtet wird. In einem Video zu dessen Tod werden unwahre Angaben gemacht.

Für die internationale Gemeinschaft unterhält Dawat-e-Islami einen Video-Kanal, auf dem die Botschaften verschiedener Funktionäre verbreitet werden.

In Hagen ist nun die ehemalige Kirche der Stadtmission von Anhängern von Dawat-e-Islami umgewidmet worden. Auf der Seite eines Anhängers kann man Einblicke ins Innere der neuen Einrichtung erhalten:

Video, etwa ab Minute 15 zur Einrichtung in Hagen: Weiterlesen

Offenbach: Dawat e Islami plant Einrichtung

Problematische Gruppierung will in Offenbach aktiv werden

Die pakistanische Missionsbewegung Dawat e Islam will eine Moschee in der Schloßstraße in Offenbach eröffnen. Die Hauptströmung, der die Bewegung zugeordnet werden kann, Barelwi, macht regional unterschiedlich erhebliche Bevölkerungsanteile in Pakistan aus. Die Barelwi-Bewegung grenzt sich (wie auch umgekehrt) von anderen lokal relevanten Richtungen ab. Schwerpunkt ist die Provinz Punjab:

The stronghold of Barelvism remains Punjab, the largest province of Pakistan. By one estimate, in Pakistan, the Shias are 18%, ismailis 2%, Ahmediyas 2%, Barelvis 50%, Deobandis 20%, Ahle Hadith 4%, and other minorities 4%. “

https://www.globalsecurity.org/military/intro/islam-barelvi.htm

Auch wenn einige theologische Herleitungen und Handlungsweisen mit dem Sufismus gemein sind bzw. auch von Sufis vollzogen werden, erlaubt dieser Umstand im Gegensatz zur öffentlichen Assoziation per se keine Aussage über die Friedfertigkeit (das ist eine ganz andere Frage). Die obige Abgrenzung geht bis hin zu dem Punkt, an dem der andere zum Ungläubigen erklärt wird. Zur Strömung:

https://de.wikipedia.org/wiki/Barelw%C4%AB-Bewegung

Das Oberhaupt der Untergruppe Dawat e Islami:

Dennoch wurde die Barelwi-Bewegung durchaus in Pakistan eine zeitlang staatlich gefördert, um ein Gegengewicht zu den seinerzeit als gefährlicher eingestuften Deobandi (die ideologisch z.B. die Taliban beeinflussten) zu schaffen. Dies wurde insbesondere nach 2001 voran gebracht und mündete in einer gewissen Institutionalisierung:

After 9/11, the Musharraf regime started to institutionalize Sufi Islam in Pakistan to counter the new wave of religious extremism by establishing the ‘National Council for Promotion of Sufi Council.’ It was argued that Sufism was based on tolerance and harmony which suited Pakistan’s diversity. The United States also took a great interest and even sponsored the Sunni Ittehad Council (SIC)—a Barelvi religious party which was primarily established to incite Barelvis to counter the influence of the Taliban and extremist ideologies. After the Musharraf regime, the Pakistan People’s Party—consisting mainly of the descendants of Sufis i.e. Pirs (saints) and Pir-landlords – also started to promote Sufi values to counter the threat of extremism and terrorism by renaming the Council as ‘Sufi Advisory Council’ (SAC). Barelvi clerics also declared that Deobandis were responsible of the violent extremism in the country and this narrative further widened the gulf of sectarianism in society.“

Quelle: nächster link.

So weit die staatliche Planung. Unterschätzt wurde jedoch, dass diese fundamentalistische Strömung mit ihren vielen Unter-Organisationen dennoch das blieb, was sie ist: Ein Sammelbecken unterschiedlicher fundamentalistischer Organisationen und Unter-Strömungen, die bei einem einenden Ereignis gemeinsam agieren können. Ein gemeinsamer Feind, eine gemeinsam verurteilte und abgelehnte Haltung kann sofort das Ende der vorher gut geglaubten Zusammenarbeit und der Friedfertigkeit bedeuten. Wenn nicht die Haltung bekämpft wird, Menschen abzuwerten, sondern nur auf eine momentane Friedensbekundung gesetzt wird, ändert sich nichts am erheblichen und sofort aktivierbaren Fanatismus und der dann zutage tretenden gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Dieser Fall ist in Pakistan eingetreten und die Strömung wirkt zunehmend radikal und militant: Weiterlesen