Pierre Vogel: „Großer Rückschlag für die Dawa“

Frankfurter Aktivist Bilal Gümüs festgenommen

Freitag ist der Frankfurter Bilal Gümüs am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Gümüs hatte nach einer verbüssten mehrjährigen Haftstrafe wegen Körperverletzung lange die Logistik nicht nur in Frankfurt hinter der mittlerweile verbotenen Koranverteilungsaktion „LIES“ übernommen. Im März 2016 manifestierte sich ein Dissens zwischen Gümüs und dem Initiator der Aktion, Ibrahim Abu Nagie, dergestalt, dass es zum auch öffentlich sichtbaren Bruch kam. Offizieller Grund war ein unpassender Kommentar von Gümüs zu den Brüsseler Attentaten. Andere Hinweise aus den sozialen Medien deuteten jedoch darauf hin, dass es möglicherweise zu Streitigkeiten um Spenden kam und um die Organisation ging. Kurz darauf konnte man Gümüs mit Pierre Vogel sehen, für den er Aufgaben übernahm. In den letzten zwei Jahren waren das die Organisation der Pilgerreisen und die Logistik der Dawa-Aktion „we love Muhammad“. In Frankfurt war Gümüs bei dieser Strassenaktion selber jedoch kaum zu sehen. Hintergrund des laufenden Ermittlungsverfahrens soll u.a. die Anwerbung des Frankfurter Jugendlichen Enes sein. Der sechzehnjährige Enes ging nach Syrien in seinen Tod, nachdem er bei der Strassenaktion mitgemacht hatte. Es gibt eine Dokumentation, in der auch Enes Fall betrachtet wird, ab 3:09:

http://www.ardmediathek.de/tv/Dokumentationen-und-Reportagen/Sterben-f%C3%BCr-Allah-Deutsche-Gotteskriege/hr-fernsehen/Video?bcastId=26131780&documentId=48896206

Die Ermittlungen zu diesem Fall laufen jedoch schon seit einiger Zeit. Und hier konkreter aus der Anklageschrift:

Ob nun neue Ermittlungsergebnisse die Verhaftung bedingten oder nicht vielmehr eine Fluchtgefahr gesehen wurde – Gümüs soll auf dm Weg in die Türkei gewesen sein – wird wohl erst die nächsten Tage bekannt werden:

Gegen den 28-jährigen G. lag demnach ein Haftbefehl wegen Beihilfe zu einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Er wurde noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt.“

http://www.hessenschau.de/panorama/frueherer-koran-verteiler-am-flughafen-frankfurt-festgenommen,festnahme-flughafen-100.html

Die Tat ist im § 89a StGB umschrieben:

https://dejure.org/gesetze/StGB/89a.html

Weitere Details zur Vorgeschichte: Weiterlesen

Studentennetzwerke

Der gestern erwähnte Promotionsstudent aus Darmstadt wurde gestern abend festgesetzt und verhaftet. Der konkrete Vorhalt ist nach hr-info der Verstoß gegen das Vereinsgesetz, da der sogenannte Islamische Staat in Deutschland verboten ist. Beweismittel wie Festplatten wurden sichergestellt. Die Verhaftung lässt jedoch auf notwendige Eile bei der Festsetzung des Beschuldigten schließen bzw. auf die Möglichkeit, dass Beweismittel vernichtet werden:

http://metropolnews.info/mpn136146/darmstadt/wissen-trendssicherheit-praevention/mutmasslicher-islamist-an-der-tu-darmstadt

Er residierte seit 2007 an der Uni Darmstadt, seit 2011 trotz Wegfalls eines üppigen Stipendiums:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/syrische-studenten-fuer-jedes-lebenszeichen-dankbar-11878359.html

Malik Fandi ist ein Fall von vielen. Meist ist über die Jahre eine Vernetzung an der Uni mit Gleichgesinnten sichtbar und auch zu anderen Akademiker-Netzwerken in anderen deutschen Städten besteht Kontakt. Man muss klar sagen: Solche Zirkel stehen erst einmal nicht unter dem Generalverdacht terroristischer Vorplanung. Orte, an denen die „westlichen Werte“ abgelehnt werden, sind sie trotzdem und aus ihnen kann mehr werden, wenn sich die Mitglieder gegenseitig radikalisieren. Einige solcher Planungs-Netzwerke schienen schon in der Vergangenheit auf. Spätestens seit 2001 sind sie mit den Hamburger Tätern von 9/11 in Deutschland auch nachweisbar. Trotzdem wurde in der Betrachtung und Darstellung terroristischer Umtriebe bzw. der Prävention zu lange der Aspekt in den Vordergrund gestellt, Täter und radikalisierte Mitläufer entstammten vornehmlich der bildungsfernen Unterschicht. Das ist nachweislich falsch und Weiterlesen

Offenbacher Syrien-Rückkehrer festgenommen

Nach Berichten der Bild und des HR ist gestern vormittag ein Syrien-Rückkehrer in einem Offenbacher Wohnhaus festgenommen worden:

http://www.bild.de/regional/frankfurt/festnahme/gsg9-ueberwaeltigt-syrien-kaempfer-43012296.bild.html

http://hessenschau.de/panorama/mutmasslicher-syrienkaempfer-festgenommen,offenbach-einsatz-syrien-kampf-100.html

 

 

Pulk um 1 Polizisten

Blick auf einen kleinen Teil der Offenbacher Szene 2012 Auch auf diesem Bild ist mindestens ein junger Mann, der eine zeitlang im Ausland kämpfte.

 

Der Vorwurf im aktuellen Fall bezieht sich auf ein Bild in einem sozialen Netzwerk, auf dem Aria L. neben Köpfen posiert haben soll. Der junge Mann wohnte in der Rhönstr. 17 in Offenbach. Das ist unweit des Hauses, in dem vor Jahren bereits ein anderer Islamist verhaftet wurde (Bieberer Straße 80er Nummern).

Aus dem dünnen Bericht der Bild kann man schließen, dass wohl erst aktuell die Bilder mit dem Beleg seiner Einbindung in Kampfhandlungen gefunden worden sein müssen oder ein anderer Hinweis auf ihn kam. Er ist wohl bereits über ein Jahr wieder zurück.

Dass das GSG 9 eingesetzt wurde und nicht normale Polizei oder eine Beweismittelsicherungs- und Festnahmeeinheit kann bedeuten, dass er für weiterhin gefährlich und zumindest potentiell bewaffnet galt.

Ob und wo der junge Mann zuletzt aktiv war, wird noch zu klären sein.

Eine Gruppe aus Offenbach, die teilweise aus ehemaligen LIES!-Aktivisten bestand, ist seit Monaten abgängig. Ob da Kontakte hin bestanden, wird auch noch zu betrachten sein. Diese jungen Männer hatten vorher auf Schulhöfen Sporttrainings mit Jungen veranstaltet und in einem Boxstudio trainiert. Auch andere „Brüder“ hatten sie aufgerufen, sich für – was auch immer – fit zu machen. Das Video ist mittlerweile nicht mehr da.

In Offenbach gibt es seit etlichen Jahren eine lebhafte islamistische Szene. Die Stadtpolitik bemüht sich redlich, das Thema NICHT stärker öffentlich zu fokussieren. Immer wenn Journalisten thematisch nur abstrakt mit dem Thema umgehen, also eher nicht anlaßbezogen fragen, kommen wunderbare Redebeiträge wie für und aus dem Stadtmarketing. So sehr Offenbach in manch anderer Hinsicht besser ist als sein Ruf, so sehr wird hier die Werbetrommel bemüht und dieses Problem marginalisiert. Nach außen gibt man sich hinsichtlich dieses relevanten Zustandes zugeknöpft. Damit ist Offenbach neben Frankfurt, Hanau und Dietzenbach eine Kommune, in der man Bevölkerung und Eltern lieber nicht sensibilisiert als nur ein Jota am Image zu korrigieren. Oder einmal öffentlich auch die Eltern mehr in die Pflicht zu nehmen.

Offenbach hat mehrere, seit Jahren im Fokus von Behörden und Szenekennern stehende Problem-Moscheen. Von städtischer Seite hat man 2012 einen „Runden Tisch Islam“ installiert, dessen Teilnehmer 2012 nach einem Angriff auf ein Reporter-Team auf Drängen der Offenbacher Stadtpolitik eine Erklärung unterzeichneten.

https://www.offenbach.de/leben-in-of/soziales-gesellschaft/integration_und_zusammenleben/der-islam-gehoert-laengst-zu-offenbach.php

Schon dieses banale Schreiben, vorformuliert, wohlfeil und ohne konkrete Forderungen, dieser Minimal-Konsens mit ein bisschen „schaut halt mal“, war äußerst mühsam zu erzielen. Das allerdings wird nicht öffentlich erzählt.