Offener Brief an die Kölner Oberbürgermeisterin

Sehr geehrte Frau Reker,

die Kölner Exzesse sind um die Welt gegangen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie sich Ihren Amtseinstieg unter anderen Vorzeichen gewünscht hätten. Nur vom Wünschen alleine wird es jedoch nicht besser.

Aktuell hat sich auch der Imam der Kölner Tauhid-Moschee zu den Vorgängen der Silvesternacht eingelassen. Gegenüber einem russischen Sender stellte er seine Sicht dar, wonach die Opfer selber schuld seien.

Das Statement:
http://ren.tv/…/imam-mecheti-v-kyolne-poyasnil-chto-bezhenc…

Weiterlesen

Sex, Lügen und Videos

Der Kölner Sündenfall

„Jetzt sind sie halt da“ soll Frau Merkel vor einiger Zeit gesagt haben, als sie auf die überraschend große Anzahl Ankommender angesprochen wurde.

Wer da ist, wissen wir nicht genau und wollen es – wenn die Regierung den eingeschlagenen Kurs fortsetzt – auch weiterhin nicht so ganz genau wissen. Menschen, die da ein wenig mehr Augenmerk haben wollten, die wissen wollten, ob gänzlich Unberechtigte, vielleicht sogar schon wiederholt, Einlass begehren, die wissen wollten, ob derjenige ein Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtling sei, wurden wechselnd der Herzlosigkeit, des Geizes oder des mangelnden Glaubens an Frau Merkels Plan geziehen (nebenbei geht es auch um viele Menschen, die sich nach Deutschland aufmachten und bei denen Hoffnungen geweckt wurden, die zu oft wahrscheinlich nicht zu erfüllen sind). Doch: Vorsicht ist keine Herzlosigkeit, eine gute Verteilung der verfügbaren Mittel kein Geiz und die Nachfrage mehr als berechtigt. Spätestens jetzt, nach einem exemplarischen Vorfall, der aber kein Einzelfall ist, sollte man wissen wollen, wer da ist und wer kommt.

Hamed Abdel-Samad beschreibt im folgenden Artikel eine Kluft, die zu nicht wenigen besteht, die kamen. Es ist ein kultureller Background, der Frauen abwertet, schon von früh auf vermittelt:

http://www.cicero.de/berliner-republik/zu-den-ereignissen-koeln-religion-ist-mitverantwortlich/60341

Viele werden sich, erstmals in Freiheit zu wählen, davon lösen wollen. Viele andere wahrscheinlich nicht. Die Frage ist legitim: Wie viele werden das sein? Schon die Anzahl derer, die sich am Kölner Hauptbahnhof zusammenfanden in der Silvesternacht führte wegen heute über Smartphones so leicht zu organisierender Übermacht zu schweren Mängeln in der Sicherheit. Etwas reißerisch und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung voreilig überschrieb die BILD das Phänomen als „Sexmob“. Zur Zeit sind alleine aus Köln etwa 200 Anzeigen gestellt, von denen 75 % einen starken sexuellen Beiklang haben oder rein sexuell motiviert scheinen. Die Bezeichnung war also so falsch nicht.

Betrachtet man diesen Fall, so wie er sich jetzt darstellt, sind etliche von offizieller Seite an die Öffentlichkeit gegebenen Informationen schlicht falsch gewesen. Die Zuordnung der Personen („keine Flüchtlinge“), ihre Motivationslage („Trickdiebe“), ihre Vorgehensweise (alles „Antänzertrick“) wurden von verantwortlicher Seite wohl bewußt falsch dargestellt.

 

 

Eine Auswahl aktueller Artikel macht das klar:

http://www.focus.de/regional/koeln/zwei-festnahmen-in-koeln-nordafrikaner-machten-videos-der-belaestigungen-und-drohungen_id_5196807.html

http://www.ksta.de/koeln/sote-deutsch-arabischer-uebersetzungs-zettel,15187530,33480596.html?originalReferrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com&originalReferrer=https://www.facebook.com/

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/koeln-spur-gestohlener-handys-fuehrt-auch-in-fluechtlingsheime-a-1071075.html

Es ging also durchaus um Sex. Von den Übergriffen wurden sogar Videos gedreht. Zur Verdeutlichung, wie so etwas abläuft ein Video aus der Menge seinerzeit auf den Tahrir-Platz, zur Demonatsration, wie eng und unausweichlich die Bedrängung ist:

http://www.liveleak.com/view?i=3aa_1452198144

Soweit der Eindruck, so weit zu den Tätern. Und der durchaus informierte Polizeichef Albers log darüber.

Wurde das primär gemacht, um die Rechten nicht zu befördern? Man darf daran erhebliche Zweifel haben. Ja, man hatte vielleicht Befürchtungen, die Realität werde beunruhigen und werde Wasser auf die Mühlen der allzu Selbstgerechten sein. Aber muss man seiner Bevölkerung so sehr misstrauen, dass man sie belügt? Muss man das tun bei der allgemein freundlichen Stimmung im Land, die jetzt final aufs Spiel gesetzt wird? Glaubte man ernsthaft, bei einem derart großen Vorgang damit durchzukommen? Wem soll der Bürger noch vertrauen, wenn nicht der Polizei?

Wahrscheinlicher erscheint, dass keiner die wirkliche Verantwortung übernehmen will. Zu allererst hat Albers wahrscheinlich seine Vorgesetzten belogen: Geschafft, wie befohlen. Die Unwahrheit schien der bequemere Weg. Doch kann er das wirklich alleine entschieden haben, welcher großen Linie man folgen sollte? Das erscheint wenig glaubhaft.

Nicht der Polizeiobere, nicht der Innenminister, schon gar nicht noch höhere Ebenen scheinen die Verantwortung tatsächlich tragen zu wollen, wenn was schief läuft, wenn es nicht geschafft wird. Das setzt sich nach oben fort. Anders ist – mir zumindest – nicht zu erklären, dass allgemein einfach weiter gemacht wird. Es wird über Gesetzesänderungen gesprochen und so mancher gibt jetzt den Law and order-Mann (oder -Frau). Aber die allgemeine Linie? Nein. Entweder der Augen zu und durch-Kurs oder? Ja was? Mit jedem Tag wird guter Rat teurer, wird die Verantwortung schwerer und die Lage unübersichtlicher.

Nach einer aktuellen Umfrage haben 37 % der Frauen und 30 % der Männer derzeit Angst in größeren Mengen. Das ist zwar im Einzelfall i.d.R. unbegründet und unwahrscheinlich, aber Ängste sind nicht immer rational beherrschbar. Pfefferspray ist ausverkauft.

http://www.ksta.de/politik/-sote-menschenmengen-meiden-umfrage,15187246,33479552.html

Es ist natürlich kein Zustand, dass Menschen generell Angst haben. Das ist eine Umfrage, die erhoben wurde, noch bevor der arabisch-deutsche Spickzettel, einer Kurzanleitung dazu, was Mann von Frau will und was er androhen könnte (es kann aber auch eine schlechte Übersetzung sein; wir kennen ja auch die Bezeichnung „jemanden halb totküssen“ oder … nun ja; das müssen arabische Muttersprachler deuten) öffentlich wurde. Ein einzelner Zettel, zumal fraglicher Authentizität (ja, aus Polizeikreisen, aber das ist noch nicht bestätigt). Und trotzdem schafft er es in alle Medien. Jetzt. Weil er eine Angst zu bestätigen scheint, die jetzt da ist.

Was man aber schon die letzten Wochen wusste: Wenn nun ca. 700.000 junge Männer da sind, die – ganz natürliche – Bedürfnisse haben, besteht ein Problem. Merkel mag sie als Kinder sehen, aber es sind junge Männer. Personen, die sich gemäß mancher Tradition auch schon selbst als Männer sehen, obwohl so einige nach europäischen Maßstäben noch halbe Kinder sind. Männer, die manchmal nicht gelernt haben, sich in europäisch angemessener Weise mit Frauen auseinanderzusetzen, die Triebverzicht zwar üben können, aber nicht üben wollen, wenn sie eine Möglichkeit sehen. Weil sie nicht auf eigene moralische Instanz hin konditioniert sind, sondern auf Repression. Der Fluch der autoritären Erziehung in einem patriarchalischen Land. Trotzdem wissen alle, dass das, was sie da taten, verboten ist. Das war schon im Heimatland so.

Mal überschlagen und angenommen, dass die Kölner Flüchtlinge typisch sind, also nicht besonders ausgelesen und die Angabe stimmt, dass die über 1000 Personen überwiegend Flüchtlinge waren:

Köln: ~ 10.000 Flüchtlinge
http://www.radiokoeln.de/koeln/rk/1337220/news/koeln

Düsseldorf: ~ 6500 (Stand Ende November)
http://duesseldorf.de/fluechtlingsbeauftragte/faq/index.shtml#q01a

Mit Neuzuweisungen etwa 18.000 insgesamt (die Hinzunahme von D ist eigentlich nicht ganz statthaft, weil nicht sehr viele die Anreise gemacht haben werden, aber es ist sowieso nur ein Überschlag). Davon etwa 70% Männer, zumindest nach Antragsstatistik:

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/statistik-anlage-teil-4-aktuelle-zahlen-zu-asyl.pdf?__blob=publicationFile

Das sind 12.600 Männer als Grundgesamtheit. Etliche werden mit Familie gekommen sein und sich eher nicht aufgemacht haben in der Silvester-Nacht, älter sein oder einer Schicht angehören, in der das obsolet ist. Grob mal 30 % hinweggedacht, also bleiben etwa 9.000. Es habe sich also grob überschlagen 10 % der Männer an den Festivitäten der speziellen Art alleine durch Anwesenheit beteiligt. Gewichtet man D nicht mit, ist es etwa die doppelte Quote. Wer das jetzt hoch findet: Nicht alle werden von dem Treffpunkt informiert worden sein, die Zahlen sind also unter diesem Aspekt eher niedrig. Sie sind zu hoch, wenn man bereits Residierende hinzudenkt, aber das werden die Erkenntnisse hinsichtlich der Personalienfeststellungen ergeben, die ja auch eine Stichprobe darstellen.

Man kann verstehen, dass das – auch ohne da überschlagen zu haben – eine schwierig politisch zu vermittelnde Größe ist. Das ist nicht nur heikel, wie der Dienstgruppenleiter es formulierte, das ist politischer Sprengstoff. Das hieße nämlich übers Land verteilt etwa 70.000 junge Männer, die ein so problematisches Frauenbild haben, dass sie sich an entsprechenden, primitiven und einseitig ausgerufenen Bacchanalien gerne beteiligen würden und evtl. dafür auch entsprechende Flashmobs organisieren wollen und können (oder entsprechend die Polizei nicht allzu ernst nehmen). Oder die sich ggf. – bei Gelegenheit – anders organisieren würden, um ihre Interessen durchzusetzen. Wie wollte man – sollte das in dieser Größenordnung zutreffen – damit umgehen? Zehntausende junge Männer nacherziehen? Geht nicht. Familiennachzug? Schwierig. Ausweisung? Schlecht durchsetzbar, widerspruchsintensiv und personalaufwendig.

Was sich jetzt Stück für Stück zeigt, wird eine Dynamik entfalten, die von besonneneren Stimmen kaum noch einzufangen ist. Die Leidtragenden werden Kriegsflüchtlinge sein, die wahrscheinlich nicht mehr aufgenommen werden können, sollte man JETZT die Linie ändern, weil andere, Wirtschaftsflüchtlinge, ihren Platz einnehmen. Die ungeprüft kamen, um hier ein besseres Leben zu genießen (das ihnen persönlich ausdrücklich gegönnt sei – aber durch Arbeit und Leistung, wie überall auf der Welt), nehmen schlicht die Ressourcen weg, die vielen anderen dringlicher wären. Wer keine Triage macht, riskiert unnötiges Leid, das bei kluger Auswahl vermeidbar wäre.

Das Schlimme ist, dass diese Milchmädchenrechnungen auch die Bürger machen werden, die dann weniger differenzieren wollen. Die Flüchtlinge prinzipiell ablehnen oder andere Menschen aufgrund äußerer Merkmale. Die, die gar mehr rechnen wollen, werden noch undifferenzierter sein – und noch gefährlicher. Sie werden vielleicht ihrerseits lokal Übermacht organisieren und dann könnte es völlig entgleiten, denn dann wird es verbreitet Übergriffe geben. Wenn niemandem mehr getraut wird, nicht der Politik, nicht den Medien, nicht der Polizei, wird es sehr schwierig. Wenn die Bevölkerung Angst hat, den Eindruck hat, dass man sie hintergeht und sie im Zweifelsfall ohne Schutz dasteht an einem ganz beliebigen Ort wie einem Bahnhof, dann kommt die Stimmung auf, das sei schon längst nicht mehr das eigene Land.

Die Lage ist also höchst verfahren.

Die Polizei hat jetzt vielleicht – ausgehend von den eher unteren Rängen – die Notbremse gezogen. Der übliche Ablauf wurde ausgesetzt, die Informationen direkt an die Bevölkerung gegeben durch die Medien (es ist zu hoffen, dass die aufrechten Beamten keine disziplinarrechtlichen Folgen zu tragen haben). Die Medien ziehen mit und nach. Auch viele Medienvertreter werden sich nun als diejenigen fühlen, die ebenfalls hintergangen wurden. Und im Gegensatz zu den einfachen Bürgern haben sie auch die Macht, auch zwischen den Wahlen auf die Politik relevant rückzuwirken. So tun als ob wird nun auch bei vielen anderen Sachverhalten nicht mehr gehen. Sie haben genau jetzt die Gelegenheit und die Pflicht mehr als sonst, Vertrauen zu rechtfertigen und zurückzugewinnen. Die Bevölkerung kann jetzt zeigen, dass sie diese beunruhigenden Informationen verträgt, aber Handlungen einfordert. Von der Politik. Denn das letzte Wort hat – der Bürger. Es ist zu hoffen, dass nicht zu viele ins Lager der Nichtwähler wechseln oder sich ganz rechts orientieren.

Opfer-Regeln für Köln

Die Stuttgarter, Hamburger und Kölner Vorgänge in der Silvesternacht, Raub und sexuelle Übergriffe in größeren Männergruppen, haben es denn doch breiter in die Medien und die internationale Presse geschafft. Sogar die New York Times berichtete nachfolgend. Die Politik greift es auch auf und spricht von ungeheuerlichen Vorfällen. Hinsichtlich der Einordnung ist man sich jedoch noch nicht so sicher. Was heißt das nun?

In Köln gab es heute eine „Krisensitzung“, in der Vorgänge und evtl. Versäumnisse beleuchtet werden sollten. Die Polizei hatte in ihrem Bericht von der Silvesternacht zwar von einer Gruppe von etwa 1000 Personen berichtet. Sexuelle Übergriffe kamen darin jedoch nicht vor. Heute wurde nun ergänzt, dass die Lageeinschätzung wohl falsch war:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/henriette-reker-sieht-keine-hinweise-auf-fluechtlinge-als-taeter-13998784.html

Man muss sich fragen, wenn die Lageeinschätzung so falsch war und es wohl zu etlichen Übergriffen kam, wie dann von einer ausreichenden Präsenz gesprochen werden kann. Wenn Übergriffe nicht einmal bemerkt wurden, ist „ausreichende Präsenz“ schon die nächste falsche Einschätzung. Polizisten werden nicht wie Tannenbäume nach Fläche berechnet, sondern ob die Aufgaben erfüllt werden konnten, was hier offenkundig nicht der Fall war. Man sollte aufhören, das zu beschönigen.

Sicher muss bei den nun vorliegenden 90 Strafanzeigen geschaut werden, was eine Relevanzschwelle überschreitet. Unter dem Aspekt, dass eine solche Strafanzeige von weiblichen Personen, die meist wissen, dass vor Gericht im Zweifelsfall penibel und peinlich nachgefragt wird, eher nicht erstattet wird bzw. große Hemmungen bestehen, kann man jedoch eine gewisse weitere Anzahl im Hintergrund vermuten. Solche Strafanzeigen werden, zumal sie nicht in einem Beziehungszusammenhang stehen, in dem Falschanzeigen schon mal vorkommen, meist nicht leichtfertig gestellt.

Es wird eine Aufarbeitung geben, die sicher einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Da mit dem Kölner Karneval bereits das nächste Großereignis absehbar ist, haben die Kölner Verantwortlichen auch bereits dieses in ihre Überlegungen einbezogen. Ab diesem Punkt wird es jedoch ebenso weltfremd wie bizarr..

So soll es etwa „Verhaltensregeln“ für junge Frauen und Mädchen geben, „damit ihnen solche Dinge nicht widerfahren“, sagt Reker mit Bezug auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht. Es gebe bereits einen Verhaltenskatalog, der nun aktualisiert würde und bald online abrufbar sein wird.

Einen ersten Vorgeschmack gibt es bereits:

Frauen sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Distanz halten

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/koeln-krisenstab-will-verhaltensregeln-fuer-karneval-aufstellen-aid-1.5669639

http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Verhalten-der-Taeter-war-absolut-intolerabel-article16695326.html

 

atoms

Kölner Modell gegen Vergewaltigung im Bild rechts Bild: http://www.chemguide.co.uk/atoms/properties/atradius.html

 

Das wird sicher ein Exportschlager.

Reker und der Kölner Polizeipräsident scheinen die eigenen Berichte nicht gelesen zu haben und auch nicht die aus Hamburg. Da war von Jagden auf Frauen die Rede und Umzingelungen. Reker und Albers scheinen sich so etwas gar nicht vorstellen zu können: Personen, die einen feuchten Kehrricht auf die eigenen Distanzbemühungen geben, sondern trotz Aufforderung und eigenem Abrücken so nah kommen, dass man ihren Atem im Nacken spürt. Eine Armlänge Distanz ist irrelevant, wenn man gejagt wird. Ist man umzingelt auch. Rekers und Albers Tipps hätten – eingehalten – den Opfern ungefähr so geholfen wie der Knoblauch auf der Fensterbank.

Es ist aber mehr als Hilflosigkeit, wenn solche Statements erfolgen: Es ist der alte Minirock im neuen Schnitt: Mädchen, passe dein Verhalten an, dann passiert weniger. Regeln für die Frauen zu machen, heißt Regeln für die Opfer zu machen, weil man die Regeln bei potentiellen Tätern nicht durchsetzen kann. Man macht weitere Regeln für diejenigen, die Regeln einhalten, weil man bei denen, die Regeln nicht einhalten, nicht oder nicht spürbar genug durchgreifen kann. Und natürlich ist das im Vorfeld schwierig. Diese Bankrotterklärung nebst mehr Regeln für die Regelgetreuen hätte man sich aber sparen sollen. Dann lieber ehrlich gesagt: Wir denken noch mal in Ruhe drüber nach, was man zweckmäßig machen kann.

Ich gebe zu, dass das Sicherheitskonzept für den Karneval herausfordernd ist. Was aber Reker und auch Albers dringend begreifen müssen, ist, dass Regeln für den sind, der sie bricht. Bei den Männern, nicht bei den Frauen.

Sonst ist das erste wirklich abschließend Geschaffte der Kölner Karneval.

Frauen und Kinder zuletzt

In Flüchtlingsunterkünften kommt es zu Übergriffen auf Frauen und Kinder. Es gab vor etlichen Tagen einen offenen Brief und ähnliche Dokumente verschiedener Verbände, in denen dies für eine Einrichtung, nämlich Gießen, einmal relativ offen thematisiert wurde. Diese Schreiben wurden mittlerweile wegen ihrer „missbräuchlichen Verwendung“ (was immer das sein mag) entfernt:

http://lfr-hessen.de/galerie/2015/76-buendnis-zur-situation-von-gefluechteten-frauen-und-maedchen-in-den-hessischen-erstaufnahmeeinrichtung-und-deren-aussenstellen.html

Daran erschüttert nicht nur, dass so etwas möglich ist, sondern auch, in welcher Situation dies geschieht. Wie frauenverachtend muss ein Mann sein, um einen weiblichen Mitflüchtling zu missbrauchen oder gar Kinder? Wie wenig Beherrschung ist da erlernt? Wie groß ist da die männliche Selbstüberhöhung, die dann auch andernorts zu „Männer zuerst“ führt?

Der öffentliche Aufschrei blieb aus, auch wenn vereinzelt darüber berichtet wurde.

Stattdessen wird versucht, die Frauen aus dem Gefahrenbereich zu bringen, also von den Männern abzusondern. Abgetrennte Frauenunterkünfte sollen entstehen. Das geschieht auch eher dezent. Das geschieht genauso ruhig, wie en passant immer mal wieder gefordert wird, nach Ethnien und Religionen getrennt unterzubringen.

Das geschieht deshalb eher still, weil man eben nicht pauschalisiert sehen möchte, was ja prinzipiell ein guter Ansatz ist. Dass man das mit dieser Haltung, Forderung und Handlung in besonderer Weise tut, ist oft nicht bewusst. Es kann nicht sein, dass alle Männer unter Generalverdacht stehen, auch wenn man das Problem strukturiert wahrnehmen muss, um es auch realitätsnah zu quantifizieren. Genauso wenig ist jedoch hinnehmbar, Frauen damit alleine zu lassen. Man kann einen Schutzbefohlenen nicht derart verraten.

Man ist versucht zu sagen: Vor lauter Angst, zu diskriminieren, werden verbreitete Haltungen heruntergespielt und nicht öffentlich wahrgenommen, werden sogar widerwärtigste Handlungen manchmal marginalisiert. Das darf jedoch nicht sein. Man muss den obigen Frauenverbänden dankbar sein, dass sie darüber aufklärten, denn Feigheit wird da auf dem Rücken der Opfer ausgetragen.

Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, da viele Frauen sich schämen, andere vielleicht gar nicht die hiesige Gesetzeslage kennen.

Das Problem ist also in mehrererlei Hinsicht heikel und ich gebe zu, dass das nicht leicht zu lösen ist. Es kann allerdings auch nicht sein, dass man den einfachsten Weg geht und trennt. Was ist das für ein Signal an diese Männer, was für eins in die Gesellschaft? Männer als prinzipielle Problemzone?

Den beiderseitigen Kulturschock, dass nämlich Frauen hier frei sind und die Männerhandlungen begrenzt, während das in mancher Herkunftsgesellschaft umgekehrt ist, kann man niemandem, der hierher kommt, ersparen. Er muss es schlicht lernen. Und wir, wir Frauen vor allem, müssen damit umgehen lernen, dass so manches Frauenrecht von mehr Männern wieder zur Disposition gestellt wird, als uns lieb sein kann. Da hilft jedoch nur, offen drüber zu reden, so offen, wie es den Opfern gemäß ist.

Vielleicht würde helfen, Handzettel in verschiedenen Sprachen vorzubereiten, welche Delikte zu sofortiger Ablehnung eines Asylgesuches führen können. Und ja, ich weiß, da ist der Nachweis manchmal schwierig und so einige Male wird da Aussage gegen Aussage stehen. Eine Falschbeschuldigung ist jedoch in dieser Situation wesentlich weniger wahrscheinlich, als wenn es aus Beziehungsgründen „nützlich“ ist, einem Mann etwas anzuhängen. Das gibt es manchmal, wenn es um das Sorgerecht geht oder um banale Rache. Das müsste man dann allerdings auch durchsetzen. Die Unterkünfte sind logistisch schon am Rande; eine „Lagerpolizei“ ist weder wünschenswert noch organisatorisch zu stemmen. Eine Obfrau und ein Schutzraum wären vielleicht eine Möglichkeit für den Übergang.

Doch diese Übergriffe geschehen nicht „nur“ in der Enge der Unterkunft.

 

 

„Seine Aussage bezog sich auch auf die Angaben einer Gießenerin, die sich gegenüber dem Anzeiger über sexuelle Belästigungen von Frauen und Mädchen im Innenstadtbereich durch Gruppen von Männern beschwert hatte, die sie selbst erlebt habe.“

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/unhaltbare-lage-fuer-gefluechtete-frauen-beklagt_16156010.htm

Es gibt weitere vereinzelte Meldungen in der Presse, die aufzeigen, dass das häufiger ein Problem ist. Eine Schule im Süden erregte Aufsehen, als die Mädchen und ihre Eltern aufgefordert wurden, für mehr Bedeckung zu sorgen. Es könnten sich Männer im angrenzenden Heim „inspiriert“ fühlen. Auch da wurde der einfachste Weg versucht: Man schränkt die ein, die sich vermutlich weniger wehren, die sich leichter fügen. Und die, leiden würden, wenn die Vorkehrungen doch nicht reichten.

Das nun ist ein ganz falscher Weg und ich kann das nur auf grobe Unkenntnis oder zu einfache Sicht der Dinge schieben. Selbst vollverschleiert ist manchen Männern nicht zu wenig Reiz, der Auslöser „Frau drunter“ genügt für manchen, um zu grabschen oder mehr zu versuchen. Der Schulleitung war wohl nicht klar, dass es perfekten Schutz nicht geben kann und nur eines hilft: Die Männer zu diszipliieren.
Dann klappt das auch mit der Zivilisation.

.

.

Hier dazu noch ein frischer Beitrag aus der Hessenschau:

Dem „Führer“ ein Kind schenken…

Moment mal, der Ausspruch kommt doch bekannt vor…

Dem_Fuehrer_die_Jugend 150812

Ja, das gab es mal. Eine politische Ideologie, die auch Mutterkult war. Der Mann als Krieger und Erzeuger, die Frau als Gehilfin und Mutter. Die Männer, die Söhne sollten „hart wie Kruppstahl“ sein, todesmutig, erbarmungslos im Kampf. Schlau oder gar gebildet mussten sie nicht sein. Die Frauen sollten unterstützen, vor allem aber auch Heim und Herd erhalten, und selber dabei rein und so wenig „sündig“ sein wie möglich („eine deutsche Frau schminkt sich nicht“). Lustfeindlich, leibfeindlich, wissenschaftsfeindlich, menschenfeindlich.

Unter dem Hitler-Regime gab es nicht nur den Muttertag. Es gab auch das Mutterkreuz und den Lebensborn. Frauen machten da mehrheitlich nicht gezwungen mit. Die Freiwilligen waren durchdrungen von einer Blut und Boden-Ideologie, die sie selbst überhöhte bis ins Unermessliche. Frauen, die von einem Endkampf, einer mythischen Zeit fantasierten, in denen ihre Kinder eine menschliche Elite bilden würden. Ja, es gab später auch verschleppte und gezwungene Frauen. Und es gab auch Frauen, bei denen ein starker Trieb und schwache Bildung oder die Abhängigkeit vom Ehemann eine klein geplante Familie nicht möglich machte. Es gab schließlich keine wirklich verläßlichen Verhütungsmittel. Da kam dann schon mal trotz heftigsten „Aufpassens“ der kleine 7. „Unfall“ zur Welt. Auch dafür gab es das Mutterkreuz.

Man verstellt sich aber selber den Blick, wenn man meint, Frauen seien seinerzeit nur Opfer der Umstände gewesen. Nein, es gab sie zuhauf (man schaue nur Wochenschauen), die bis an die Haarspitzen fanatisierten Frauen, die begierig waren auf das Mutterkreuz, begierig waren auf die scheinbare Anerkennung ihrer Leistung als Mutter, die doch nur den Wert hatte einer Medaille für besonders eifrige Lieferanten von Schachfiguren, Kanonenfutter.

Das war nach den als dekadent verschrieenen 20 er Jahren auch eine echte Rückbewegung. Auch damals wurde das von manchen als besondere Form von Gleichziehen mit den Männern erachtet, als Aufwertung. Statt dem zarten und hohlwangigen Vamp die stramme und tüchtige Bauersfrau als Ideal.

Auf ihre spezielle Weise hätten sich wohl diejenigen, die das Bild oben schufen, mit jenen, die das Bild unten machten, prächtig verstanden. Kinder sind für sie nicht pure Lebensfreude und Spiegelbild einer persönlichen Verbundenheit eines Mannes mit einer Frau, gehören nicht sich selbst oder vielleicht noch den Eltern, sondern einer Idee und deren Verkünder. Geboren als Ding, als Nutzobjekt, als Waffe. Stärker kann man menschliches Leben nicht entwerten, perverser kann man Kinder nicht instrumentalisieren.

 

 

Der eigene Vater, die eigene Mutter als Widersacher, während diese Kinder in dem festen Glauben aufgezogen werden, der böse Feind sei da draußen. Schlimmer kann jedoch der schlimmste Feind nicht sein. Der Feind ist die eigene Familie.

Wenn ein Mensch, ein Kind keine Zuflucht hat bei anderen Menschen, nicht mal den normalerweise Naheststehenden, dann ist er verloren. Er ist seinem internalisierten, gelernten Regelwerk unterworfen, zwischen ihm und den anderen Menschen steht dann immer eine andere Instanz. Kinder, die als Nutzobjekte geboren werden, da mangelt es schon an einer reifen Liebesfähigkeit und Empathie, an Verhaftung im Diesseits. Genauso wie damals „der Führer“ (oder auch Mao, Stalin…) mehr geliebt wurde als das Kind, so wird jetzt der Kalif, Allah mehr geliebt als das Kind. Genauso wie damals ist das eine schreckliche Vereinzelung und Vereinsamung: Es entwertet die zwischenmenschliche Beziehung, es verunmöglicht sie nahezu, denn die Liebe steht immer unter Vorbehalt, dass diese Zuneigung konform ist mit dem imaginierten Willen eines Dritten. Diese Zurückgeworfenheit auf die prinzipielle menschliche Einsamkeit macht auch roh. Wenn die eigene Liebe weniger wert ist als die Idee, dann ist auch das Geliebtwerden von anderen Menschen unwichtig(er) geworden: Die Zufriedenheit des „Führers“ oder Gottes reicht aus, man braucht die anderen Menschen gar nicht mehr, sie werden seltsam unwirklich*. Die objektive Nebenrealität der Betroffenen wird für sie selber so Hauptrealität. Das Diesseits ist im Grunde Nebenrealität geworden, die Phantasie Hauptrealität. Die Hauptrealität ist eine Blut- und Glauben**-Ideologie.

Kinder sind die Zukunft.
Gegen den IS waren die Nazis aber direkt noch eine lebensfrohe Ideologie, zumindest für sich selbst: Das Tausendjährige Reich war ein diesseitiges. Das Reich des IS ist im Grunde ein jenseitiges. Wer seine Kinder an einen „Führer“ verschenkt, der ein solches Reich aufbauen will, ist manchmal noch zu aufzuhalten, wenn das erkenntlich nicht funktioniert. Es ist ein Rest von Empathie und Diesseitigkeit da, der wenigstens vor den eigenen Kindern, wenn sie sinnlos geopfert werden, Halt macht. Eine Person, die die eigenen Kinder jedoch an einen Todeskult verschenkt, ist – bei festem Glauben – nicht aufzuhalten bis in den eigenen Tod hinein und den der Kinder. Denn der im Diesseits sinnlose Tod hat einen jenseitigen Sinn: Er sichert das Paradies. Es ist eine zutiefst psychotische Sicht, die eigentlich auch Wissen, Schulen etc. überflüssig macht. Es steht alles schon geschrieben, man muss das Wort nur lernen und sich ihm unterwerfen. Diesseitiges Wissen hat im Grunde keinen Wert und keinen Sinn, weil es den Zugang zum „echten Leben“ nicht reguliert. Das Fatale an dieser psychotischen Sicht ist, dass diese Eltern subjektiv ihre Kinder sogar mögen. Sie wünschen ihnen die höchste Stufe im Paradies und das furchtbare Märchen erzählt genau diese Geschichte: Das geopferte Kind ist das gerettete Kind (eigentlich müssten die Männer, die ihre Söhne so widmen, diese nach Binnenlogik auch nicht mehr beschneiden: Sie werden Gottes Willen geopfert.).

Das passt alles nahtlos zu manchem arabischen Kinderprogramm, in denen Kinder singen, wie schön und erstrebenswert es sei, als Märtyrer zu sterben.

Solchen Kindern werden auch wir uns in den nächsten Jahren gegenüber sehen, denn auch hier leben Menschen, die fanatisch genug sind, ihre Kinder so zu sehen und so zu dressieren. Nicht jedes dieser Kinder werden wir durch die Schulpflicht erreichen, denn das Ersatzschulwesen erlaubt Auswege. Es ist auch fraglich, inwiefern Sechsjährige, deren erste Steine des Sozialverhaltens gelegt wurden, durch Lehrerinnen zu beeinflussen sind, wenn ihnen eingeschärft wurde, dass Frauen minderwertig sind. Mir begegnen immer wieder auch Kinder, die – nach eigenem Bekunden! – mich gerne töten würden und nur durch die aktuelle Unmöglichkeit (z.B. durch Polizeipräsenz) sich darin gehindert sehen. Das sind Kinder, die hier zur Schule gehen wie viele andere auch, die jetzt in Syrien kämpfen.

Wir als Gesellschaft müssen da intensiv gegenwirken und es ist mehr als fraglich, ob wir das selbst bei intensivster Betreuung können. Wir müssen jetzt nicht nur gegen eine politisch fragwürdige und demokratiefeindliche Haltung angehen, sondern es geht um tief empfundene und verankerte Sichten, die die Kinder intensiv in ein Kollektiv einbinden, die Denkstrukturen anders prägen.

Jedes „verschenkte“ Kind ist ein für die Demokratie und unsere Gesellschaft erst einmal verlorenes Kind, auch wenn es zunächst in dieser Gesellschaft funktionieren kann. Es wird auf den Kontext ankommen, was da zum Vorschein kommt. Kinder von fanatischen Eltern haben schlechte Chancen. Nicht unbedingt auf gute Schulnoten, die religiös-politische Indoktrinierung ist ja bei völlig erhaltener Intelligenz möglich. Jedoch wird sich im Sozial- und Gruppenverhalten zeigen, wie die Kinder erzogen wurden. Das wird nicht einfach.

Wir werden trotzdem um jedes einzelne kämpfen müssen.

 

.

* Das Ehepaar Goebbels hat übrigens 1945 nicht nur sich selbst, sondern damals auch seine 6 Kinder getötet.
** Mit Blut ist hier jedoch nicht die Abstammung gemeint; tatsächlich finden sich im IS mittlerweile bei Übergewichtungen doch viele Ethnien. Nein, hier ist die Obsession an spritzendem Blut gemeint, mit dem in den Propagandavideos des IS nicht gespart wird.

Dem IS-Führer ein Kind schenken

Mitten in eigentlich beschauliche Feiertage platzt die befremdliche Nachricht, dass eine junge Deutsche den IS-Führer geheiratet haben soll. Die Frau soll über Syrien in den Irak gereist sein vor kurzer Zeit. Wie Baghdadi an sie gelangte bzw. wie sich dieses frischgebackene Ehepaar fand, ist nicht bekannt, genauso wenig wie der genaue Aufenthaltsort:

„The leader of the Islamic State Abu Bakr al-Baghdadi married a young German woman in Iraq, an independent Iraqi TV Channel Alsumaria reported.
„Al-Baghdadi married Tuesday [March 31] a young German woman — a German national, who arrived in Iraq not long ago from Europe through Syria,“ the channel reported, citing an administrative source in the northern Iraqi city of Mosul.“

http://sputniknews.com/middleeast/20150402/1020397955.html#ixzz3WPZFK4OE

Bis Ende März sind etwa 70 junge Frauen aus Deutschland nach Syrien aufgebrochen:

„Aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz bereits mehr als 70 Frauen aus der islamistischen Szene in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. „Fast 40 Prozent der Frauen sind jünger als 25 Jahre, darunter auch neun minderjährige Mädchen“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen.“

http://www.n-tv.de/politik/Neun-deutsche-Schulmaedchen-reisen-zum-IS-article14800016.html

Was suchen junge Frauen, zum Teil noch Schulkinder, dort?

Die Beweggründe für junge Frauen sind etwas andere als für Männer. Frauen werden durch die Vorstellung angeworben, dass sie dort als Frau und künftige Mutter eine wichtige Rolle spielen. Ihnen wird offeriert, nur genau dies zu sein. In einer Welt, die sich durch komplexe Anforderungen auszeichnet, ist eine Komplexitätsreduktion eine Möglichkeit, mit Freiheit überforderte Mädchen anzusprechen. Ein Mädchen muss sich dort nicht rechtfertigen, wenn sie „nur“ genau Frau und Mutter sein möchte. Dazu kommt die ideologische Überhöhung, mit ihrer Sexualität an einer wichtigen Sache mitzuwirken. Solche romantischen Überhöhungen gibt es bei allen Phänomenen, in denen Männer stärker hervortreten. Das reicht vom Groupie bis hin zu anderen Formen gesellschaftlicher Prominenz. Männer treten aus der Gruppe heraus und werden dadurch von so veranlagten Frauen stärker wahrgenommen.

Eine Aufarbeitung ähnlicher psychischer Prozesse gab es im Rahmen eines Phänomens in der deutschen Geschichte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensborn

Die Wirklichkeit im real existierenden IS dürfte für die Frauen noch ernüchternder sein als damals in den vergleichsweise geschützten Heimen. Sie kommen mitten in ein Kriegsgebiet und werden als Objekte ohne größeren Wert auch schon mal weitergereicht. Tiefer kann der Sturz in die Wirklichkeit kaum ausfallen: Von der selbstempfundenen kostbaren Super- und Überfrau zur wertlosen Sexsklavin, die nichts, aber auch gar nichts selbst entscheiden darf. Das eine oder andere Mal wird sie nicht mal selbst bestimmen können, wer der Vater ihrer Kinder sein wird, da zivilisatorische Mindeststandards dort keine Rolle mehr spielen. Wenn sie Glück hat, kommt sie mit dem Leben davon, vielleicht noch schwanger von einem Mann, der so gar nicht der aus ihren romantischen Träumen war. Sondern einer von vielen, die sie nicht einmal benennen kann, einer, für den sie kaum mehr war als ein Stück Vieh, über das er temporär verfügen konnte.

Dieses Schicksal wird die (wie vielte?) Gattin von Baghdadi wohl nicht treffen. Aber sie wird, wenn dieser Spuk einmal ein Ende haben wird und sie das überlebt, Zeit ihres Lebens gezeichnet sein als die Frau, die freiwillig zu einem Massenmörder und Verbrecher ins Bett kroch.

Das wird dann das Ende ihrer Romantik sein.

Frauenkampftag?

Am 8. März ist Frauentag und er wird seit Begehung immer hierzulande von Aktionen div. Akteure begleitet. ver.di ist wie andere Gewerkschaften da ebenso vertreten wie Parteien und andere Gruppierungen.

Eine dieser Gruppierungen – ich kannte sie bislang nicht – stach auf fb ins Auge: „Frauenkampftag“ stand da, es existiert eine eigene facebook-Seite und man macht dort Demos etc. publik.

https://www.facebook.com/8MaerzFrauenkampftag?fref=nf

Aktuell wird dort ein Vorfall gemeldet, der als „Angriff von Nazis auf die Frauenkampftagdemo“ bezeichnet wird. Darunter ein Video mit „Spuck auf rechts“.

Natürlich bin ich bekanntermaßen keine Freundin von Faschos (leger ausgedrückt) jeglicher Art. Ich nutzte jedoch diesen Eintrag, um auf die Islamisten, die Frauen definitiv mindere Rechte zuordnen, hinzuweisen und dass man sich auch da auch mal kümmern könnte. Und ja, schlimm, ich habe die Parole „Spuck auf rechts“ auch als infantil und primitiv bezeichnet. Spucken ist – egal auf wen – keine Auseinandersetzungsform unter Erwachsenen, die ich akzeptabel finde. Auch auf Menschen, deren Meinung man klar nicht teilt, sollte man nicht spucken. Es ist unwürdig. Vielleicht sehe ich das auch so, weil ich schon zu oft bespuckt oder vor mir ausgespuckt wurde. Wenn man das von real existierenden Fanatikern jeglichen Alters schon erlebt hat, wird man da empfindlicher.

In der Presse stellt sich das so dar:

http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/neonazi-angriff-auf-demo-fur-frauenrechte-in-nurnberg-1.4237900?rssPage=bm9yZGJheWVybi5kZQ==

Das ist natürlich völlig inakzeptabel und völlig unverständlich obendrein. Warum die 10 Neonazi-Aggressoren auf eine Demo dieser Ausrichtung losgingen, erschließt sich mir politisch nicht im Mindesten. Da spielten wohl einfache Reflexe a´la: „Links? Und druff!“ eine Rolle. Glücklicherweise war die Polizei da, um die Störer in die Schranken zu weisen, und wichtiger noch, niemandem ist etwas passiert. Gekämpft hat glücklicherweise niemand, obwohl die Polizei Pfefferspray einsetzen und einige der aggressiven (und vermummten!) Burschen vorübergehend aus dem Verkehr ziehen musste.

Warum man allerdings meinen Hinweis löschte, erschließt sich mir ebenso wenig, obwohl ich da noch zweimal nachfragte. Jeweils gelöscht. Da ist man wohl nicht in der Lage, real existierende Frauenverachter auch in diesem politischen Spektrum auszumachen.

In gewisser Weise ist das (bis auf den Vorfall!) symptomatisch: Wer nach Sicht der Linken als Mitglied einer Gruppe Opfer gesellschaftlich-struktureller Abwertung ist, kann nicht gleichzeitig oder ausschließlich Täter eben solcher struktureller Menschenverachtung sein. Das ist natürlich bizarr. Eine Abwertung von Frauen nicht weniger schlimm, wenn sie unter dem Deckmantel religiöser Pflichten oder kultureller Traditionen daherkommt. Wer sich da die rosa Brille aufsetzt, lässt diese Frauen allein.

Die Linke muss noch einen weiten Weg der Erkenntnis (und Selbsterkenntnis!) gehen, bis gruppenbezogene Menschenverachtung in jeder Form wahrgenommen wird und da die Handelnden wirklich gleich gesehen und gewichtet werden.