Kennenlernen unter Salafis

Über salafistische Heiratsvermittlung

Die Verheiratung von Personen ist im Islam ausdrücklich erwünscht. Bei glaubensstrengeren Muslimen ist aber das Kennenlernen des anderen Geschlechts erschwert, da die Geschlechter jenseiits des familiären Kreises (das ist genau festgelegt!) eigentlich keinen Umgang miteinander haben sollen. Häufig wird so auf die Vermittlung dieses Umfeldes gesetzt. Manchmal kennen sich Braut und Bräutigam vor der Eheschließung nur wenig (in manchen Fällen gar nicht persönlich). Besonders Konvertiten tun sich in diesem Umfeld schwer, haben sie doch keine Familie, die diesbezüglich tätig werden könnte. Manchmal wird dann – sofern der Heiratswunsch den Glaubensgeschwistern offenbart wird oder diese sogar selber nachfragen – das neue Umfeld aktiv. Schließlich wird bei fundamentalistischen Vertretern die Geschlechtertrennung manchmal so weit getrieben, dass sogar schon Facebookfreunde des anderen Geschlechts nicht angenommen werden. Zudem werden in sozialen Medien Fotos der eigenen Person, wie sie normalerweise üblich sind, bei Salafisten durch Blumen- (Frauen, gerne Rosen o.ä.) oder Tierbilder (Männer, gerne Löwen o.ä.) ersetzt oder man ersetzt das eigene Bild gleich durch einen frommen Schriftzug. Wird die eigene Person doch abgebildet, sieht das im Extrem so aus:

 

Im realen Leben begegnen sich fundamentalistische Männer und Frauen kaum. Die Frauen sind oft zu Hause, gehen keinem Beruf nach. Schon Einkaufen wird an Männer delegiert (es gab vor einiger Zeit einmal einen Hilfsaufruf, man müsse den Schwestern ohne Männer in der Familie helfen, ihr abgeschiedenes und keusches Leben durch Erledigungen für sie erleichtern). Wie schwer es ist, unter diesen Bedingungen jemanden kennen zu lernen, schildert dieser junge Mann, ein Konvertit:

Die Geschlechtertrennung verhindert im Alltag ohnehin, sich näher kennenzulernen. Und islamisch flirten? Wie geht das denn? Nie gelernt. Das Internet muss aushelfen und da will man zumindest außerhalb der Datingportale für Muslime doch wirklich auf die erbärmlichen Nachrichten wie „Salam alaykum, Schwester, willst du heiraten?“ verzichten. Denn seid ehrlich, Mädels, das hängt euch zum Hals raus.

https://www.islamische-zeitung.de/notizen-aus-der-generation-jung-muslimisch-einsam-von-von-khaled-al-fares/

Wie groß die Not da ist, zeigt sich oft an muslimischen Foren, in denen es keine Geschlechtertrennung gibt. Ist man als Frau erkennbar (Name!), bekommt man leicht 20 Anfragen von Männern pro Tag, die bekunden, „es ernst zu meinen“ oder die ihre weiblichen Verwandten vorschicken. Wohlgemerkt: ohne Bild, ohne Altersangabe, ohne sonstige Merkmale. Und auch ohne nur mehr als einen halben Satz geschrieben zu haben.

Kennenlernen unter sehr Glaubensstrengen bis hin zu den Salafisten ist also sehr beschränkt. Dafür geht es nach dem Kennenlernen oft zügig „zur Sache“, denn Zusammensein unter Unverheirateten ist binnenkonsensual Sünde. Also heiratet man rasch. Dominik Schmitz schildert das auch eindrücklich.

Können weder Verwandte noch Glaubensgeschwister helfen, sollen die genannten Datingportale, aber auch solche Facebook-Seiten unterstützen, auf denen nach strikten Regeln angebahnt wird: Weiterlesen

Dem IS-Führer ein Kind schenken

Mitten in eigentlich beschauliche Feiertage platzt die befremdliche Nachricht, dass eine junge Deutsche den IS-Führer geheiratet haben soll. Die Frau soll über Syrien in den Irak gereist sein vor kurzer Zeit. Wie Baghdadi an sie gelangte bzw. wie sich dieses frischgebackene Ehepaar fand, ist nicht bekannt, genauso wenig wie der genaue Aufenthaltsort:

„The leader of the Islamic State Abu Bakr al-Baghdadi married a young German woman in Iraq, an independent Iraqi TV Channel Alsumaria reported.
„Al-Baghdadi married Tuesday [March 31] a young German woman — a German national, who arrived in Iraq not long ago from Europe through Syria,“ the channel reported, citing an administrative source in the northern Iraqi city of Mosul.“

http://sputniknews.com/middleeast/20150402/1020397955.html#ixzz3WPZFK4OE

Bis Ende März sind etwa 70 junge Frauen aus Deutschland nach Syrien aufgebrochen:

„Aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz bereits mehr als 70 Frauen aus der islamistischen Szene in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. „Fast 40 Prozent der Frauen sind jünger als 25 Jahre, darunter auch neun minderjährige Mädchen“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen.“

http://www.n-tv.de/politik/Neun-deutsche-Schulmaedchen-reisen-zum-IS-article14800016.html

Was suchen junge Frauen, zum Teil noch Schulkinder, dort?

Die Beweggründe für junge Frauen sind etwas andere als für Männer. Frauen werden durch die Vorstellung angeworben, dass sie dort als Frau und künftige Mutter eine wichtige Rolle spielen. Ihnen wird offeriert, nur genau dies zu sein. In einer Welt, die sich durch komplexe Anforderungen auszeichnet, ist eine Komplexitätsreduktion eine Möglichkeit, mit Freiheit überforderte Mädchen anzusprechen. Ein Mädchen muss sich dort nicht rechtfertigen, wenn sie „nur“ genau Frau und Mutter sein möchte. Dazu kommt die ideologische Überhöhung, mit ihrer Sexualität an einer wichtigen Sache mitzuwirken. Solche romantischen Überhöhungen gibt es bei allen Phänomenen, in denen Männer stärker hervortreten. Das reicht vom Groupie bis hin zu anderen Formen gesellschaftlicher Prominenz. Männer treten aus der Gruppe heraus und werden dadurch von so veranlagten Frauen stärker wahrgenommen.

Eine Aufarbeitung ähnlicher psychischer Prozesse gab es im Rahmen eines Phänomens in der deutschen Geschichte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensborn

Die Wirklichkeit im real existierenden IS dürfte für die Frauen noch ernüchternder sein als damals in den vergleichsweise geschützten Heimen. Sie kommen mitten in ein Kriegsgebiet und werden als Objekte ohne größeren Wert auch schon mal weitergereicht. Tiefer kann der Sturz in die Wirklichkeit kaum ausfallen: Von der selbstempfundenen kostbaren Super- und Überfrau zur wertlosen Sexsklavin, die nichts, aber auch gar nichts selbst entscheiden darf. Das eine oder andere Mal wird sie nicht mal selbst bestimmen können, wer der Vater ihrer Kinder sein wird, da zivilisatorische Mindeststandards dort keine Rolle mehr spielen. Wenn sie Glück hat, kommt sie mit dem Leben davon, vielleicht noch schwanger von einem Mann, der so gar nicht der aus ihren romantischen Träumen war. Sondern einer von vielen, die sie nicht einmal benennen kann, einer, für den sie kaum mehr war als ein Stück Vieh, über das er temporär verfügen konnte.

Dieses Schicksal wird die (wie vielte?) Gattin von Baghdadi wohl nicht treffen. Aber sie wird, wenn dieser Spuk einmal ein Ende haben wird und sie das überlebt, Zeit ihres Lebens gezeichnet sein als die Frau, die freiwillig zu einem Massenmörder und Verbrecher ins Bett kroch.

Das wird dann das Ende ihrer Romantik sein.