Abu Adam: Gescheiterte „Ermittlungen“?

Eine kleine Kritik und Einordnung zu einem aktuellen Beitrag über Hesham Shashaa von Yassin Musharbash

Ein aktueller Beitrag von Yassin Musharbash auf dem blog der Zeit ordnet sich selbst das Label „Ermittlungsblog“ zu. Es geht um den gegenwärtigen Kenntnisstand zu Hesham Shashaa, einem Imam, der erst in München, dann Leipzig lebte und im Frühjahr in seiner spanischen Residenz festgenommen wurde. Seither sitzt er wegen Terrorvorwürfen ein. In München stand seine Einrichtung unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Trotz wohl ausgesprochener Warnungen durch Sicherheitsbehörden und das BAMF wurde dieser Imam von Hayat bzw. Claudia Dantschke lange und wohl faktenarm als Erfolgsmodell präsentiert. „Ermittlungsblog“ – das ist zumindest der explizite Ausdruck, mit dem die Erwartung des Lesers geweckt wird, und so kann man Herrn Musharbashs erste „Ermittlungen“ nunmehr auf dem ZEIT-Portal begutachten:

http://blog.zeit.de/radikale-ansichten/2017/12/06/ein-imam-unter-verdacht/

Yassin Musharbash ist der Journalist, der auch dieses Porträt von Claudia Dantschke anfertigte*:

http://www.zeit.de/2015/52/islamismus-islamischer-staat-rakka-beratung-angehoerige/komplettansicht

„Ermittlungen“ – das klingt neutral, genau, geradezu kriminalistisch in einem Aufklärungsbestreben. „Imam unter Verdacht“ heißt die Überschrift über einem grellrot unterlegten Bild von Shashaa. Der Autor gibt also vor, den Verdachtsmomenten nachgehen zu wollen. Wird Musharbash diesem Eigenanspruch gerecht?

Zur Vorgeschichte:

http://www.br.de/nachrichten/kooperation-beratungsstelle-is-sympathisant-100.html

Nach einem Einstieg mit einer kleinen sympathieheischenden Anekdote (was hat eine solche Geschichte in einem „Ermittlungsblog“ zu suchen?) folgt eine Schilderung der Vorkommnisse und des Anlasses für den blog-Beitrag. Wenig neues, wenig strittiges. Dann:

Hesham Shashaa alias Abu Adam ist 47 Jahre alt. Er wurde 1970 in Ägypten als Sohn einer palästinensischen Familie geboren, er wuchs auf in Libyen, studierte in Saudi-Arabien, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten, er ist ein mehrfach zertifizierter muslimischer Religionsgelehrter und Imam (also Vorbeter). Im Jahr 2000 kam er als Asylbewerber nach Deutschland. Offiziell ist er staatenlos, er verfügt jedoch über eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland.

Ist dazu tatsächlich „ermittelt“ worden? Das scheint weniger so. Dem Anschein nach wurde die geglättete Eigendarstellung Shashaas nicht überprüft.

In einer kurzen Notiz taucht „Shashaa Hesham“ das erste Mal in deutschen Medien auf. Im Jahr 2001, da aber als Journalist, nicht als Islamgelehrter. Die später als verloren angegebenen Papiere sind damals auch noch nicht Thema:

Regelmäßige Gäste sind der Journalist Shashaa Hesham, 31, Gina-Aisha, 25, und Ahmed, 2. Die Familie lebt seit einem halben Jahr in Deutschland und hofft auf die Anerkennung als politisch Verfolgte. „Ohne Internetcafé wäre es viel schwieriger, den Kontakt zu unserer Familie und zu Freunden aufrecht zu erhalten“, meint Shashaa. „Außerdem hole ich mir hier dringend benötigte Informationen über Ereignisse aus meinem beruflichen Umfeld.“ Meistens chattet er, seine Frau sitzt still dabei und folgt den Unterhaltungen auf dem Monitor mit traurigen Augen. Der kleine Ahmed krakelt unterdessen mit Bleistift und Papier und zeigt stolz seine ersten Schreibversuche.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/fotoreportage-internetcafes-surfen-in-gesellschaft-a-148198.html

Kontext:
https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/13/hesham-shashaa-der-janus-imam/

Nichts gegen den zweiten Bildungsweg, aber er kam nicht als „Islamgelehrter“ hier an. Sondern dem Anschein nach damals als Journalist. Wann will er – als Asylbewerber – diesen ganzen Auslandsstudien nachgegangen sein? Und wovon? Schließlich galt es eine stark wachsende Familie zu ernähren. Weswegen wurde er – wo? – „politisch verfolgt“?

Die genannten Studien sind nach Musharbash „Zertifikate“. Was weisen sie aus? Wurde das nicht „ermittelt“? Wann wurden sie erworben? Imam ist im Übrigen keine Bezeichnung, die irgendein Studium erforderte, nicht mal „Zertifikate“. Es genügt, von einigen anderen für gelehrt(er) gehalten zu werden.

Abu Adam ist ein Hüne mit langem, grauem Bart, der stets in traditioneller islamischer Kleidung und entweder einem rot-weißen oder weißen Tuch auf dem Kopf durch die Straßen geht.

In der Erinnerung scheint Shashaa zu wachsen. In „Schluß mit Dschihad“ war er noch „groß“. jetzt ist er gar ein Hüne. Funktioniert anscheinend wie beim Herrn Tur Tur**: Je weiter er weg ist, desto größer wird er. Nein, nicht mal besonders groß mit Verlaub (wurde Shashaa mit seinem Leibwächter verwechselt?) Der Musharbashsche „Hüne“ ist vielleicht +/- 1,78 m groß, also bestenfalls Durchschnitt:

Hesham Shashaa steht in der hinteren Reihe, 4. von rechts.

An sich ist die Größe von Shashaa belanglos. Das Beispiel zeigt aber, wie frei Musharbash mit schon so schlichten Fakten umgeht.

Da ist des Weiteren der Umstand, dass er vier Frauen hat und 21 Kinder. Genauer: eine Ehefrau nach deutschem und drei weitere nach islamischem Recht, weil Vielehe in Deutschland verboten ist. Polygynie und vielfaches*** Kindergeld: Das erregt Emotionen.“ Weiterlesen

Oslo: Radikalisierung in Islam Net

Schwestern aus Oslo durch bekanntes Netzwerk radikalisiert

Zwei somalischstämmige Schwestern, über die in einem aktuellen Beitrag des ARD-Magazins „Titel, These, Temperamente“ (ttt) berichtet wurde, wuchsen in Norwegen, in Oslo auf und gerieten in salafistische Kreise. Nach einer Phase zunehmender Radikalisierung, während der sie in der Schule nach Angabe der Lehrerin ihre zunehmende Verschleierung als „feministische Selbstbestimmung“ eloquent umdeuteten*, verschwanden sie nach Syrien. Der Vater reiste ihnen trotz Vermittlung und trotz Gefahr letztlich vergeblich nach. Die Schwestern wollten nicht mit zurück nach Norwegen:

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videos/ttt-01102017-zwei-schwestern-video-100.html

Die im Beitrag damit in Zusammenhang gebrachte und abgebildete salafistische Gruppe ist die Gruppe Islam Net, in der auch Haitham Haddad (im ttt-Beitrag etwa ab Minute 3 zu sehen) immer wieder aktiv war. Haitham Haddad ist ein auch im deutschen Raum (v.a. Niedersachsen, NRW, Berlin) zunehmend aktiver Hassprediger, auf den auf diesem blog seit geraumer Zeit aufmerksam gemacht wird.

al Haddad findet sich reichlich auf der Internetseite der Gruppierung:

http://www.islamnet.no/

Auch auf deren youtube-Kanal gibt es etliche Videos von ihm::

https://www.youtube.com/user/IslamNetVideo/search?query=haddad

Der Kanal mit vielen weiteren problematischen Inhalten;

https://www.youtube.com/channel/UC0o4-48gQsavA3-Lr8ksYqQ

Hier eine Konversion, zwei Mädchen bei einer Konferenz:

 

Noch eine, vollzogen durch den ebenfalls international bekannten Extremisten Abdur Raheem Green:

 

Auf die „Friedenskonferenzen“ dieser Gruppierung war schon in Beiträgen zu Haitham Haddad und Hesham Shashaa verwiesen worden.

https://vunv1863.wordpress.com/2017/06/06/ein-bisschen-frieden-2/

https://vunv1863.wordpress.com/2017/05/06/hesham-shashaa-was-nun/

Diese Konferenzen sind auf dem zugehörenden youtube-Kanal ebenfalls dokumentiert:

https://www.youtube.com/user/IslamNetVideo/search?query=conference

2014 war im April eine weitere Konferenz dieser Gruppierung, zu der wohl auch Hesham Shashaa reiste, als diese Bilder mit Haddad in Oslo entstanden:

 

Es ist zu hoffen, dass man sich z.B. in Niedersachsen und NRW nunmehr der Gefahr durch diesen  Weiterlesen

Leipzig: Imam-Franchise

Kopie eines vermeintlichen Erfolgsmodells

Über die Einbindungen des in der Deradikalisierungsarbeit eingesetzten Hesham Shashaa u.a. war gestern berichtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/13/hesham-shashaa-der-janus-imam/

Bei Claudia Dantschke muss man annehmen, dass sie die ideologische Grundhaltung Shashaas erkennen und sie ebenso wie die von z.B. Muhamed Ciftci oder Hassan Dabbagh zuordnen konnte.
Sogar derart problematische Personen als Gesprächspartner in Betracht zu ziehen, lässt vermuten, dass Grenzziehungen eher diffus und von der persönlichen Wirkung abhängig waren. Wer mit jedem redet, kann dem Irrglauben verfallen, dass schon das Gespräch ein Gewinn sei, dass seine persönliche Wirkung dies ermögliche und nicht die äußeren Bedingungen und die Absichten seines Gegenübers. Die Selbsttäuschung, man könne selber prinzipiell nicht getäuscht werden oder sich schlicht irren in der Beurteilung einer Person, ist möglicherweise Ausdruck einer Selbstüberschätzung. Ausnahmslos jeder kann sich mal irren. Insbesondere bei Personen, die es auf Täuschung anlegen, kann die Authentitäts-Simulation äußerst eindrucksvoll und einnehmend sein. Um so wichtiger ist es, bei problematischen Personen einen mindestens zweiten Blick auf die Person und die Handlungen werfen zu lassen. Dialog ist kein Selbstzweck. Dialog, der die „schwierigen Themen“ außen vor lässt, ist wenig weiterführend. Sicher gab es nicht öffentlich genug warnende Stimmen.

Nach der aktuellen Berichterstattung des BR gibt das BAMF an, bereits 2015 gegenüber Hayat bekundet zu haben, dass man Shashaa als Deradikalisierer für ungeeignet halte. Stimmt dies, so hat sich Hayat über die Sichten nicht nur der Sicherheitsbehörden, sondern auch die eines seiner Zuwendungsgeber hinweggesetzt. Letztlich zu verantworten hat das Dr. Bernd Wagner, der als Geschäftsführer von Hayat und dem ZDK fungiert:

http://hayat-deutschland.de/impressum

http://zentrum-demokratische-kultur.de/zdk/

Das wurde also von der Leitung zumindest nicht unterbunden. Die Leitung ist die einzige Instanz, die das hätte unterbinden KÖNNEN. Bitten und Forderungen von außen müssen von der Leitung berücksichtigt werden; schlussendlich bleibt einem Auftraggeber bei einem Dissens nach vergeblichem Anmahnen zur Ausführung nur die Aufkündigung der Beauftragung. Auch Einflüsse von Kollegen sind letztlich nicht zielführend. In einer Firma wird zu Recht von den Angestellten erwartet, dass sie Kritik zuerst intern äußern und dies nicht öffentlich tun*. Im Gegensatz zu einem Verein, den man meist ohne größere Folgen verlassen kann, ist eine Arbeitsstelle etwas anderes.

Warum das ZDK die Einbindung von Shashaa wohl sogar gegen einen der Zuwendungsgeber weiter verfolgt hat, lässt sich kaum noch mit pekuniären Gründen erklären. Man hält sich m.M.n. anscheinend nicht nur für unfehlbar, sondern auch für unersetzlich? Es erscheint als Selbstüberschätzung und eine Kette von Vertrauensvorschüssen, die wie bei einer Spekulationsblase zu einer deutlichen Überbewertung führte. Existiert eine solche Blase erst einmal, wird eine sachgerechte Beurteilung der einzelnen Handlung schwierig, denn die Beteiligten am Ende der Blase haben oft viel mehr zu verlieren als die am Anfang.

Strukturell ging man andere Wege. Vernetzung ist ein Weg, die eigenen Interessen zu sichern. Die eigenen Interessen können auch schwierige eigene Meinungen oder Handlungsmaximen umfassen, die man aber durchsetzen will.

In einer Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG) wird dies auch deutlich. Man organisiert sich u.a. gegen die Zuwendungsgeber, macht in gewisser Weise sein eigenes Ding:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/19/wer-schuetzt-vor-dieser-praevention/

Als Gesprächspartner zur Politik hin kann man dann – theoretisch – Gegennarrative gesellschaftlich installieren, wenn man wollte. Hat man flankierend Zugang zu Meinungsbildnern, z. B. einen speziellen Zugang zu Medien oder bestimmten Medienvertretern, kann man das – theoretisch – medial flankieren. So ist Claudia Dantschke (wie übrigens Daniel Bax auch**) bei den „Neuen Deutschen Medienmachern“ (NDM) aktiv, die für oft durchaus berechtigte und nachvollziehbare Anliegen eintreten, aber n.m.M. auch manchmal eher schwierige Dinge propagieren. Wer hört noch auf die Sicherheitsbehörden, wenn Medienvertreter das freundliche Gesicht von Claudia Dantschke präsentieren, die naturgemäß mehr zu jedweder Sache sagen darf als Sicherheitsbehörden? Hat man Zugang zu Informationen, die für Journalisten interessant sind, kann man dies auch jenseits direkter Kontakte durchaus – theoretisch – für sich nutzen. Gegenseitige Dependenzen könnten da eine Rolle spielen. Das Image ist besonders dann wichtig, wenn es an fassbarem wie Zahlen mangelt***.

Eine weitere dieser Strukturbildungen besteht seit letztem Jahr in Sachsen:

https://www.projekt21ii.de/kompetenzverbund-extremismus-kve-sachsen-gegruendet/

Neben Claudia Dantschke arbeitete auch Solveigh Prass nicht nur mit Hesham Shashaa:

Doch der Imam kooperiert erfolgreich mit Claudia Dantschke und Solveigh Prass und bespricht am Rande des Leipziger Treffens nächste Maßnahmen. Adam sagt, er betreue derzeit etwa zehn bis zwölf Jugendliche in ganz Sachsen und darüber hinaus.„****

Klicke, um auf swr2-wissen-20160409.pdf zuzugreifen

Dort läuft überdies mit „eigenem“ Imam so eine Art Salafi-Imam-Franchise mit der Kindervereinigung Leipzig e.V.:

Klicke, um auf Programm_Fachtag.pdf zuzugreifen

Frau Solveig Prass, die durchaus m.M.n. ihre Verdienste im Bereich der Aufklärung zu Sekten hat, bietet anscheinend seit einiger Zeit Deradikalisierung an:

https://eine-frage-des-glaubens.de/leipzig/stationen/

Der dort eingesetzte Imam heißt richtig (Eigenangabe!)  Muhammad Mansour.

 

Der Herr Mansour ist ein Wegbegleiter von Hesham Shashaa seit Münchner Tagen und er findet diese Weiterlesen

Hesham Shashaa: Der Janus-Imam

Hesham Shashaa oder Abu Adam, das heißt übersetzt Vater des Adam, sitzt seit Ende April dieses Jahres in Untersuchungshaft in Spanien. Die Vorwürfe wiegen schwer. Er soll für den IS* angeworben haben, soll Gelder beschafft und die Ideologie verbreitet haben. All das, obwohl er nicht nur in Deutschland in den Medien als Deradikalisierer gehyped wurde. Dass dem so ist, ist vor allem einem guten Eigenmarketing zu verdanken, denn die Verfassungsschutzbehörden in Bayern, wo er länger lebte, schätzten ihn schon lange als Salafisten mit problematischen extremistischen Kontakten ein. Die entgegengesetzte, für ihn maximal positive öffentliche Wahrnehmung wurde wesentlich dadurch beeinflusst, dass sich einige Präventionsdienstleister vor ihn stellten. Einem breiteren Publikum wurde er durch verschiedene Medienartikel bekannt, in denen er ausgiebig Raum für die Selbstdarstellung erhielt:

Mr. Shashaa said he had not intended to end up in Germany. But he lost his briefcase there on a 2000 stopover while on his way to Britain from Romania, where he had been living. “Everything was gone, the papers, the money,” he said. “So I thought it was God’s will that I should stay here.

Ich habe in Ägypten, Saudi Arabien, Libyen und Pakistan studiert. Ich bin ein Muslim, nur ein Muslim. Ich möchte nicht mit irgendeiner Gruppierung, Sekte oder Organisation identifiziert und dann markiert werden.

Quelle: EXIT Journal, ISSN: 2196-8136 Ausgabe: 1/2014

Ob die Eigenangaben jemals überprüft wurden?

Spiegel, 2010:

Fest steht: Abu Adam ist eine schillernde Figur. Der fromme Mann lehrt einen reaktionären Islam, er lebt gemeinsam mit drei Frauen, hält nicht viel davon, Staat und Religion zu trennen, und lehnt moderate Strömungen des Islam ab. Doch gleichzeitig kämpft wohl kein anderer Imam in Deutschland so wortgewaltig gegen den islamistischen Terrorismus wie er. […] Gleichzeitig aber arbeitet die Münchner Polizei mit ihm zusammen und hält sein Engagement für einen „wichtigen Beitrag zur Integration.“ Weiterlesen