NBS: Zurück in die Zukunft III

Über einen „Radikal-Imam“, die NBS und ihre Testimonials

Nach der Gedenkfeier zum Jahrestag des Anschlages am Breitscheidt-Platz fanden einige erhitzte Diskussionen statt. Wie schon bei einer kleineren Feier zuvor waren Vertreter eines politischen Islams zur Andacht geladen worden. Konkret handelte es sich um Vertreter von Einrichtungen, die vom Berliner Verfassungsschutz einem muslimbrudenahen Milieu zugeordnet werden. Bei vielen Personen, die wahrnahmen, dass es sich bei hervortretenden „muslimischen Vertretern“ bei dieser Feier mitnichten um liberale Muslime, sondern vielmehr um legalistisch agierende Personen und Verantwortungsträger  von derartigen Vereinen handelte, sorgte diese Einladung für Kopfschütteln und manche Entrüstung: Wie um alles in der Welt kann man Personen, die einem islamistischen Weltbild anhängen, zu einer Trauerfeier für Opfer islamistischen Terrors laden?

Während die Medien im Allgemeinen darauf eher nicht eingingen, ging ein Artikel in der BILD etwas zeitverzögert mehr in die Tiefe. Genau der Punkt wurde betrachtet: Die anwesenden Imame wurden nicht nur in ihrer Selbstdarstellung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch in ihren anderen Aktivitäten zur „eigenen Community“ hin betrachtet. Die BILD stellte einer geneigten, ziemlich paternalistischen Sicht auf die Bevölkerung und diese Muslime einen Rundumblick, wenigstens aber eine Ergänzung entgegen.

Die Aufregung war danach groß, denn schon die Überschrift reizte den Widerspruch der PRO-Fraktion aus. Der Mangel des BILD-Artikels war, dass er die Fülle der neuen Belege und Hinweise gar nicht darstellen, ja noch nicht mal erahnen lassen konnte.

Allerlei Fürsprecher für die Neuköllner Begegnungsstätte, den Imam Taha Sabri und auch den jungen Imam, Mohamed Matar, meldeten sich nun zu Wort. Weniger in einer faktenorientierten Weise, die die schon von der BILD vorgebrachten Belege würdigt, sondern sie stellten ihr Bild, das im Wesentlichen der gewünschten Selbstdarstellung der Protagonisten entsprach, einfach dagegen. Es wurde also nicht aufgelistet, dass dieser oder jener Beleg sie nicht überzeugt hätte und warum, sondern sie setzten einfach ihre Realitätswahrnehmung dagegen und meinten wohl, dass derjenige, der mehr Medienmacht aufbauen könnte, die Realität nach eigenen Wünschen konstruieren könne. Beim RBB wurde, siehe dessen Stellungnahme, ähnlich verfahren.*

Diese Methode kommt ganz ohne Sachkenntnis und ernsthafte Debatte aus. Man diskreditiert einfach denjenigen, der eine Feststellung trifft, wie den Berliner Verfassungsschutz, indem man z.B. allerlei Fragwürdigkeiten aus der Vergangenheit auflistet, die diesem noch nicht einmal direkt zuzurechen sein müssen. Diffuses Gemunkel reicht durchaus aus. Dann führt man all die schönen Dinge vor, die man zu berichten weiß. Mit diesem Verfahren findet also keine echte Sachdebatte um Kritikpunkte mehr statt, sondern es wird mehr auf Marketing und Lobbytätigkeiten gesetzt. Das Bemerkenswerte ist, dass die meisten der Lobbyisten dadurch sichtbar wurden, dass nur ein Teil der Belege zunächst angeführt wurde. Da glaubte man wohl (noch), obsiegen zu können mit ein wenig Marketing und Ablenkungen.

Es meldeten sich ein „Leadership Berlin“ Netzwerk, eine Franziskaner-Initiative mit dem Projekt „Lange Nacht der Religionen“ und der evangelische Pfarrer Germer zu Wort. Beim letzten größeren Eklat (bei Constantin Schreibers „Moschee-Report“) hatte sich ja schon das „Berliner Forum der Religionen“ mit seiner Pressesprecherin Villamor-Meyer vor die NBS gestellt. Diese Dame scheint jetzt gleich ganz zur NBS gewechselt zu sein. Hier nun einige Stellungnahmen, man macht sich die jeweiligen Sichten der anderen Teilnehmer zu Eigen:

 

und die „Lange Nacht der Religionen“: Weiterlesen

NBS: Zurück in die Zukunft II

In Teil I war es um aktuelle Entwicklungen in und um die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) gegangen:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/12/21/nbs-zurueck-in-die-zukunft/

In diesem Artikel war ein neues Gesicht vorgestellt worden, das einige Male schon für die NBS stand. Der EIHW-Student* Mohamed Matar wirkte als Vertreter dieses Vereins.  Bei Matar zeigt sich nach meiner Meinung in archetypischer Art und Weise die „doppelte Buchführung“ legalistischer Islamisten einmal zur Mehrheitsgesellschaft und zur „eigenen“ Community hin.

Auf der einen Seite betont er im Video unten, dass er „ausgebildeter Kriminalkomissar mit Staatsexamen“ sei und eine Verwaltungsschule mit Studien-Inhalten wie Staatsrecht etc. durchlaufen habe, also Dipl. Verwaltungswirt sei (andernorts). Er gibt im Alter von 25 Jahren damals an, er habe eine „zweijährige Umorientierungsphase“ durchlaufen (man könnte da einmal zusammenzählen):

http://erfolgreichundmuslim.com/interview-mit-mohamed-matar-dipl-verwaltungswirt-student-islamwissenschaften/

Update 25.12.2017, 23:30: Diese Seite wurde anscheinend entfernt, es kommt nur noch 404. Deswegen die zu Beleg- und Dokumentationszwecken gespeicherte Version hier:

Interview mit Mohamed Matar – Dipl. Verwaltungswirt & Student Islamwissenschaften (Lesezeit 3,5 min

 

Er stellte bei Auftritten in der Mehrheitsgesellschaft diese Seite seiner Person ausgiebig zur Schau. In dem Verein JUMA e.V.** ist er nach eigenen Angaben Gründungs- und Vorstandsmitglied:

Jumas bringen sich beim CDU Forum für Integration ein

Zu JUMA:
Vor­aus­set­zung für die Teil­nahme ist, dass die Jugend­li­chen zwi­schen 17 und 25 Jah­ren alt sind und sich auch über ihre isla­mi­sche Iden­ti­tät defi­nie­ren.“

Was ist JUMA

Die „islamische Identität“ erscheint eher als primärer Aspekt, der durch dieses Projekt womöglich weiter angehoben wird in der persönlichen Gewichtung. Auf die Vorselektion erfolgt eine weitere Priorisierung der religiösen Identität, wie es scheint. JUMA und seine Aktiven haben wahrscheinlich beste Verbindungen in die Politik und die Stiftungslandschaft, schon alleine, weil es wohl auch prominente weitere Gründungsmitglieder gibt. Es wäre also für eine Person, die in muslimbruderähnlicher Weise vorgeht, sehr nützlich, in diesem Verein tätig zu werden.

Zur Mehrheitsgesellschaft hin also ein vielfach lobenswert engagierter junger Mann, dessen andere Einbindungen und Betätigungen Akteure aus der Mehrheitsgesellschaft schlicht meist nicht einordnen können, ja, sie oft nicht einmal kennen werden. „Europäisches Institut für Humanwissenschaften, ist das was mit Ethnologie oder Anthropologie?“ hört man solche Akteure förmlich grübeln. Da sie ohne Belesen nicht auskämen und sie das meist nicht tun, bleibt es also bei dem gewünschten Eindruck. Da kann man mit Freiundlichkeit und Höflichkeit punkten und genau das wird der Herr Matar sicher tun. Ich glaube fest daran, dass er in diesen Kontexten vorzügliche Manieren an den Tag legt.

Schaut man hingegen einmal genau nach, bietet sich eine etwas andere Aussicht.

Aus den „Erfolgreich und Muslim“-Angaben:

jahrelang stellvertrender Vorsitzender des Islamischen Jugendzentrums Berlin

Zum Islamischen Jugendzentrum Berlin (IJB) aus dem Berliner Verfassungsschutzbericht 2016, das ist eine weitere verfassungsschutzrelevante Organisationsstruktur:

Diese werden von dem „Islamischen Jugendzentrum Berlin e.V.“ (IJB)*** seit 2012 veranstaltet und koordiniert.45 Die IJB bewarb eine Veranstaltung am 17. Juli in den Räumen des IZDB, um die Schulabschlüsse muslimischer Jugendlicher zu feiern und kooperierte bei der Durchführung mit allen Vereinen in Berlin sowie mit der IGD. Als gemeinsame Veranstalter fungierten IGD**** und IJB bei der Durchführung der „YouCon“, einer islamischen Jugendkonferenz, die am 24. und 25. Dezember im IZDB stattfand. Das IJB und die NBS führten gemeinsam eine „Winterhilfe“ für Bedürftige während der Kälteperiode durch, bei der die Helfer Warnwesten mit den entsprechenden Vereinsemblemen trugen.

Herr Matar ist also seit vielen Jahren in einschlägigen Kreisen unterwegs, aktiv und verantwortlich.
In dem gestrigen Beitrag war schon seine Verehrung für einen international bekannten Weiterlesen

Leipzig: Imam-Franchise

Kopie eines vermeintlichen Erfolgsmodells

Über die Einbindungen des in der Deradikalisierungsarbeit eingesetzten Hesham Shashaa u.a. war gestern berichtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/13/hesham-shashaa-der-janus-imam/

Bei Claudia Dantschke muss man annehmen, dass sie die ideologische Grundhaltung Shashaas erkennen und sie ebenso wie die von z.B. Muhamed Ciftci oder Hassan Dabbagh zuordnen konnte.
Sogar derart problematische Personen als Gesprächspartner in Betracht zu ziehen, lässt vermuten, dass Grenzziehungen eher diffus und von der persönlichen Wirkung abhängig waren. Wer mit jedem redet, kann dem Irrglauben verfallen, dass schon das Gespräch ein Gewinn sei, dass seine persönliche Wirkung dies ermögliche und nicht die äußeren Bedingungen und die Absichten seines Gegenübers. Die Selbsttäuschung, man könne selber prinzipiell nicht getäuscht werden oder sich schlicht irren in der Beurteilung einer Person, ist möglicherweise Ausdruck einer Selbstüberschätzung. Ausnahmslos jeder kann sich mal irren. Insbesondere bei Personen, die es auf Täuschung anlegen, kann die Authentitäts-Simulation äußerst eindrucksvoll und einnehmend sein. Um so wichtiger ist es, bei problematischen Personen einen mindestens zweiten Blick auf die Person und die Handlungen werfen zu lassen. Dialog ist kein Selbstzweck. Dialog, der die „schwierigen Themen“ außen vor lässt, ist wenig weiterführend. Sicher gab es nicht öffentlich genug warnende Stimmen.

Nach der aktuellen Berichterstattung des BR gibt das BAMF an, bereits 2015 gegenüber Hayat bekundet zu haben, dass man Shashaa als Deradikalisierer für ungeeignet halte. Stimmt dies, so hat sich Hayat über die Sichten nicht nur der Sicherheitsbehörden, sondern auch die eines seiner Zuwendungsgeber hinweggesetzt. Letztlich zu verantworten hat das Dr. Bernd Wagner, der als Geschäftsführer von Hayat und dem ZDK fungiert:

http://hayat-deutschland.de/impressum

http://zentrum-demokratische-kultur.de/zdk/

Das wurde also von der Leitung zumindest nicht unterbunden. Die Leitung ist die einzige Instanz, die das hätte unterbinden KÖNNEN. Bitten und Forderungen von außen müssen von der Leitung berücksichtigt werden; schlussendlich bleibt einem Auftraggeber bei einem Dissens nach vergeblichem Anmahnen zur Ausführung nur die Aufkündigung der Beauftragung. Auch Einflüsse von Kollegen sind letztlich nicht zielführend. In einer Firma wird zu Recht von den Angestellten erwartet, dass sie Kritik zuerst intern äußern und dies nicht öffentlich tun*. Im Gegensatz zu einem Verein, den man meist ohne größere Folgen verlassen kann, ist eine Arbeitsstelle etwas anderes.

Warum das ZDK die Einbindung von Shashaa wohl sogar gegen einen der Zuwendungsgeber weiter verfolgt hat, lässt sich kaum noch mit pekuniären Gründen erklären. Man hält sich m.M.n. anscheinend nicht nur für unfehlbar, sondern auch für unersetzlich? Es erscheint als Selbstüberschätzung und eine Kette von Vertrauensvorschüssen, die wie bei einer Spekulationsblase zu einer deutlichen Überbewertung führte. Existiert eine solche Blase erst einmal, wird eine sachgerechte Beurteilung der einzelnen Handlung schwierig, denn die Beteiligten am Ende der Blase haben oft viel mehr zu verlieren als die am Anfang.

Strukturell ging man andere Wege. Vernetzung ist ein Weg, die eigenen Interessen zu sichern. Die eigenen Interessen können auch schwierige eigene Meinungen oder Handlungsmaximen umfassen, die man aber durchsetzen will.

In einer Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG) wird dies auch deutlich. Man organisiert sich u.a. gegen die Zuwendungsgeber, macht in gewisser Weise sein eigenes Ding:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/19/wer-schuetzt-vor-dieser-praevention/

Als Gesprächspartner zur Politik hin kann man dann – theoretisch – Gegennarrative gesellschaftlich installieren, wenn man wollte. Hat man flankierend Zugang zu Meinungsbildnern, z. B. einen speziellen Zugang zu Medien oder bestimmten Medienvertretern, kann man das – theoretisch – medial flankieren. So ist Claudia Dantschke (wie übrigens Daniel Bax auch**) bei den „Neuen Deutschen Medienmachern“ (NDM) aktiv, die für oft durchaus berechtigte und nachvollziehbare Anliegen eintreten, aber n.m.M. auch manchmal eher schwierige Dinge propagieren. Wer hört noch auf die Sicherheitsbehörden, wenn Medienvertreter das freundliche Gesicht von Claudia Dantschke präsentieren, die naturgemäß mehr zu jedweder Sache sagen darf als Sicherheitsbehörden? Hat man Zugang zu Informationen, die für Journalisten interessant sind, kann man dies auch jenseits direkter Kontakte durchaus – theoretisch – für sich nutzen. Gegenseitige Dependenzen könnten da eine Rolle spielen. Das Image ist besonders dann wichtig, wenn es an fassbarem wie Zahlen mangelt***.

Eine weitere dieser Strukturbildungen besteht seit letztem Jahr in Sachsen:

https://www.projekt21ii.de/kompetenzverbund-extremismus-kve-sachsen-gegruendet/

Neben Claudia Dantschke arbeitete auch Solveigh Prass nicht nur mit Hesham Shashaa:

Doch der Imam kooperiert erfolgreich mit Claudia Dantschke und Solveigh Prass und bespricht am Rande des Leipziger Treffens nächste Maßnahmen. Adam sagt, er betreue derzeit etwa zehn bis zwölf Jugendliche in ganz Sachsen und darüber hinaus.„****

Klicke, um auf swr2-wissen-20160409.pdf zuzugreifen

Dort läuft überdies mit „eigenem“ Imam so eine Art Salafi-Imam-Franchise mit der Kindervereinigung Leipzig e.V.:

Klicke, um auf Programm_Fachtag.pdf zuzugreifen

Frau Solveig Prass, die durchaus m.M.n. ihre Verdienste im Bereich der Aufklärung zu Sekten hat, bietet anscheinend seit einiger Zeit Deradikalisierung an:

https://eine-frage-des-glaubens.de/leipzig/stationen/

Der dort eingesetzte Imam heißt richtig (Eigenangabe!)  Muhammad Mansour.

 

Der Herr Mansour ist ein Wegbegleiter von Hesham Shashaa seit Münchner Tagen und er findet diese Weiterlesen

Offener Brief an die Kölner Oberbürgermeisterin

Sehr geehrte Frau Reker,

die Kölner Exzesse sind um die Welt gegangen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie sich Ihren Amtseinstieg unter anderen Vorzeichen gewünscht hätten. Nur vom Wünschen alleine wird es jedoch nicht besser.

Aktuell hat sich auch der Imam der Kölner Tauhid-Moschee zu den Vorgängen der Silvesternacht eingelassen. Gegenüber einem russischen Sender stellte er seine Sicht dar, wonach die Opfer selber schuld seien.

Das Statement:
http://ren.tv/…/imam-mecheti-v-kyolne-poyasnil-chto-bezhenc…

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Der große Bruder im Knast

Big brother 150811

Mustafa Cimsit ist derzeit bei den Medien ein gefragter Mann. In Hessen und Rheinland Pfalz bietet er „muslimische Gefängsnisseelsorge“ an. Er wird häufiger gefragt, wie es um die Radikalisierungen in den Gefängnissen bestellt ist. Doch was setzt Cimsit dagegen, welchen Islam lehrt er als „Gefängnis-Imam“? Das ist auch deshalb relevant, weil er als Vorsitzender der „Schura Rheinland-Pfalz“ mit am Tisch sitzt, um den Islamunterricht in Rheinland-Pfalz zu gestalten.

Zunächst: Auch wenn sich Cimsit aktuell auf seiner fb-Seite als „Theologe“ bezeichnet, ist nicht ganz klar, weswegen er diese (nicht geschützte!) Bezeichnung führt: Er ist wohl Pädagoge. Ich lasse mich da gerne informieren.

Cimsit scheint an die Funktion eines Gefängnis-Imams eher zufällig gekommen zu sein über ein Engagement in der Notfallseelsorge.

 

https://www.tagesschau.de/inland/interview-cimsit-islamismus-101.html

Um Imam, also Vorbeter, zu werden, bedarf es weder einer Ausbildung noch einer Ernennung. So darf sich im Prinzip jeder männliche Muslim nennen (die eigentlich vorgegebenen anderen Bedingungen werden unterschiedlich bewertet, aber oft nicht weiter beachtet), der halt das macht: vorbeten.

Herr Cimsit arbeitet also mit Menschen, denen er religiösen Beistand anbietet. Das ist eine ökonomische Nische, die er da auftat, eine Marktlücke, da die Justizvollzugsanstalten das anbieten wollen. Ob die Forderung von den Gefangenen selber kam oder ob das nur von den Verbänden propagiert wurde und die einzelne JVA dann eilfertig meinte anbieten zu müssen, ist unklar. Sicher ist, dass in Gefängnissen Radikalisierungen stattfanden und -finden und dass insbesondere die Islamisten da sehr aktiv sind in der Mission. Einer der ersten, der im Gefängnis einen spirituellen Weg fand, seine Ablehnung alles Westlichen zu überhöhen, dürfte Bernhard Falk gewesen sein. Der war zwar schon vorher (links-)radikal, aber jetzt fühlt er sich darin von dem muslimischen Gott bestärkt. Diese Wandlung und diese Konversion wären sicher nicht durch einen Gefängnis-Imam abzuwenden gewesen. Schließlich kann man doch so seinen Menschenhass verbrämen und sich damit subjektiv ganz prächtig fühlen.

Cimsit nun wird als jemand gehandelt, der von Radikalisierungen abbringe, und er bringt sich auch selber als eine solche Option ein. Eine Evaluation fehlt natürlich*. Er ist in Interviews und Talkshows. Das Islambild, das er vermittelt, wird selten hinterfragt. Cimsit geht mit seinem Islambild auch nicht hausieren, seine Lehre zeigt sich mehr in den Nebensätzen.

Gefängnis Buch 150811

So wird von ihm beispielsweise der Begriff „Islamismus“ abgelehnt (SWR-Podiumsdiskussion, HR „Horizonte“ z.B.). Damit lehnt Cimsit einen Begriff ab, der dringend für die Differenzierung benötigt wird und auf dessen Verwendung auch Staats- und Verfassungsschutz zu recht großen Wert legen: Er ist ein Diskussionsangebot an beide Seiten. An die, die alle Muslime unter Generalverdacht stellen wollen, und die, die Terror, Gewalt und problematische Inhalte am liebsten gar nicht im Kontext des Islams diskutieren wollen. Jemand, der den Begriff Islamismus ablehnt, möchte keine Differenzierung zwischen Islamisten und Muslimen. Für ihn sind Islamisten normale Muslime. Er stellt also Islamisten in den Schutz auch der hiesigen Ummah. Damit soll eine Diskussion der Probleme als auch religionsbedingt verunmöglicht werden. Das machen eigentlich nur Personen, die selber Islamisten sind, sich aber als normalen Muslim bezeichnet sehen wollen: Die Norm ist da, wo ich bin.

Cimsit bekennt sich nicht offen zu einer der türkischen islamistischen Gruppierungen. Auch da ist ein wenig Versteckspielen angesagt. Zumindest kann man jedoch einige seiner Positionen erkennen.

So findet er geschlechtergetrennten Sportunterricht aus religiösen Gründen mindestens diskussionswürdig und führt als Grund eine „religiöse Identität“ der Kinder an, die es auch in der Schule zu beachten gelte. So lässt er sich gegenüber der „Jungen Freiheit“ wie folgt ein:

Auch der Vorsitzende des Rates der islamischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, Mustafa Cimsit, bekräftigte die Forderung nach getrenntem Schwimmunterricht: „In der muslimischen Kultur haben wir es mit anderen Schamgrenzen und einer anderen Körperkultur zu tun“, betonte er.

http://www.schneider-breitenbrunn.de/2015-08/schwimmunterricht-moslems-fordern-geschlechtertrennung/

Dass Kinder erst mal sie selber werden müssen, bevor sie selber entscheiden, was sie sein möchten, scheint Cimsit fremd: Bei einem Kind muslimischer Eltern soll auch in der Schule darauf geachtet werden, dass das Kind unter religiöser Kontrolle bleibt und nicht etwa im Sportunterricht einen freien und ungezwungenen Umgang der Geschlechter miteinander lernen könnte. Nein, alles kleine Männer und Frauen und der Shaytan ist immer und überall. Das ist ein anti-aufklärerischer, ja nahezu totalitärer Anspruch. Integrativ ist es klar nicht. Integration, Inklusion findet nicht mal zwischen Jungen und Mädchen statt und bei diesem Denkansatz wird es n icht beim Sportunterricht bleiben. Das ist ein erster Claim, mehr nicht. Denn die „muslimische Kultur“ wie der Herr Cimsit sie wahrscheinlich versteht, nämlich rückwärtsgewandt, ist von Geschlechtertrennung in sehr vielen Bereichen durchsetzt.

Der Herr Cimsit möchte demzufolge die „muslimische Kultur“ an deutschen Schulen implementieren.

Ganz absurd wird es beim Konzept des Dschihad. Herr Cimsit sah sich aktuell zu einer Richtigstellung veranlasst, die folgenden Text hatte:

Richtigstellung
Dschihad bedeutet Frieden stiften, den inneren (großer Dschihad) und den äußeren (kleiner Dschihad) Frieden. Der Dschihad ist einer der wichtigsten Pflichten der Muslime und auch theologisch fest verankert. Als muslimischer Seelsorger bin ich folgerichtig nicht gegen, sondern für den Dschihad, weil ich für den Frieden und gegen Terror und Krieg bin.
In der TAZ Reportage vom 01.08.2015, in der auch über meine Arbeit berichtet wird, wird der Titel „Drei gegen den Dschihad“ verwendet. Hier wird der Begriff Dschihad als Synonym für Krieg und Terror verwendet. Ich lehne diese Begriffsverschiebung vehement ab und plädiere für einen fachlich richtigen Ausdruck. Der falsche Gebrauch führt leider zu Repressionen und Vorurteilen gegenüber Muslimen als Personen und gegenüber Islam als Weltreligion.

https://www.facebook.com/mustafa.cimsit.72?fref=ts

Das ist nun eine sehr steile These. Cimsit bekundet auf Nachfrage, er sei nach umfangreichem Quellenstudium, aber auch aus den Originalquellen Koran und Sunna „knapp“ zu diesem Ergebnis gekommen, weswegen er den Dschihad befürworte. Da darf man gespannt sein, wie viele seiner Schäfchen nach eigenem Koranlesen, der ja nach üblicher Lesart „klar und deutlich“ sein soll, da nicht ganz so knapp zu einem anderen Ergebnis kommen.

Cimsit versucht es nun also mit einer orwellsch anmutenden Begriffsumdeutung, für deren Glaubhaftmachung er anführt, „muslimischer Theologe“ zu sein. Dafür jedoch gibt es jenseits des Umstandes, „Generalsekretär“ einer „Union muslimischer Theologen und Islamwissenschaftler in Deutschland (UMTI) e.V.“ zu sein, wenig Hinweis. Wo dieser Verein sein soll, der nur 8 (in Worten acht, wenn ich mich da vergoogelt haben sollte, bitte ich um Korrektur: Ich konnte es selbst kaum glauben) Google-Treffer hat bei Seiten, auf denen es um ihn geht, bleibt im Dunklen. umti.de führt nicht auf eine Vereinsseite, obwohl eine „info@umti.de“ mal als Kontakt angegeben wird. Das ist genau so intransparent wie die Zusammensetzung der von ihm zur rheinland-pfälzischen Landesregierung hin vertretenen „Schura Rheinland-Pfalz, Landesverband der Muslime“. Seit Monaten findet der geneigte Interessent dieses Bild vor, wenn er sich über Zusammensetzung oder Aktivitäten informieren will:

Schura Rheinland-Pfalz » Seite zur Zeit Gesperrt, Wartungsarbeiten laufen! 150811

Nachfragen vor einigen Monaten blieben ergebnislos**, es wurde auf die knappe Zeit verwiesen. Das wiederum geht so ganz nicht ein, denn alleine am 09.08.2015 postete Cimsit auf seiner fb Seite 23 links und Beiträge (ohne Kommentare, nur eigene Beiträge!). Ein freundlicher Hinweis, es gehe auch als fb-Seite, es müsse doch irgendwelche Informationen geben zur Zusammensetzung, blieb auch fruchtlos. Statt dessen wird darauf verwiesen, man habe das unter Ägide der rheinland-pfälzischen Regierung ins Leben gerufen. Das ist ein wenig stichhaltiges Argument, denn manche Kinder bleiben Waisen. Das entbindet sie nicht von der Ausweispflicht.(1) Mustafa Cimşit 4

Das ist also alles recht undurchsichtig. Klar erscheint nur: Der Islam, der im „Knast“ dagegen gesetzt wird, ist wahrscheinlich nicht modern und liberal, sondern näher an Gruppierungen wie Milli Görus oder ähnlichem. Ob das den Freunden, Förderern und Auftraggebern von Cimsit so klar ist, darf bezweifelt werden. Jemand mit randloser Brille muss doch Intellektueller und somit per se guter Demokrat westlichen Zuschnitts sein, klare Sache. Da hat man sich schon manches Mal getäuscht, meine ich. Da schickt man einen „großen Bruder“ in den Knast zur psychosozialen Betreuung und um Schlimmeres abzuwenden, und dann ist es – jetzt einmal überspitzt – DER Große Bruder, der Personen unter muslimisch-kulturelle Vollüberwachung stellen möchte, wie es scheint. So ganz wohl kann einem damit nicht sein.

Da dreht jemand ein großes Rad. Es fragt sich nur, um welche Achse..

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* In diesem Zusammenhang wäre einmal interessant, die Effizienz christlicher Gefängnisseeelsorge im Hinblick auf die Rückfallquote und anderes zu betrachten. Da sollten ja schon genügend Rohdaten vorliegen.
** Herr Cimsit wurde mehrfach, auch öffentlich, befragt. Wenn man mit den genannten „Organisationen“ der eigenen Person mehr Gewicht zuordnen möchte, dann sollte auch klar sein, welche anderen Personen noch dahinter stehen. Ein-Mann-Orchester zählen nicht. 🙂