Tarik ibn Ali in Birmingham festgenommen

Vorwurf: Bildung einer Terrorzelle auf Mallorca und Geldsammeln für den IS

Über Tarik ibn Ali war auf diesem blog mehrfach berichtet worden, als Einstieg:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/07/tarik-ibn-ali-dossier/

und

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/25/das-nador-netzwerk/

Die Facebook-Seite von Tarik ibn Ali. Chadlioui hat ca. 70.000 Follower auf Facebook:

 

Die Daily Mail meldet nun, dass der heute in Birmingham festgenommene Mann Tarik Chadlioui alias Tarik ibn Ali sei. Ihm werde die Bildung einer Terrorzelle auf Mallorca vorgeworfen: Weiterlesen

Nihilismus als Ursache des Jihadismus?

Einige kurze Betrachtungen zu einem Buchauszug im Guardian von Olivier Roy

Olivier Roy, ein französischer Politologe, wird häufig gehört, wenn es um Islamismus und Jihadismus geht. Insbesondere nach Anschlägen ist dies der Fall. Trotz langer Beschäftigung mit dem Thema und auch wenn er manche Aspekte richtig erwähnt, vertritt er jedoch auch diskussionswürdige Herleitungen und Zuordnungen und kommt zu Ergebnissen, die die zu beobachtenden Vorgänge weniger gut erklären als andere Ansätze. In mancher Hinsicht sind seine Vorstellungen, nämlich dann, wenn sie zur Grundlage politisches Handelns werden, nach meiner Sicht ausgesprochen kontraproduktiv.

Zu Roy:

https://de.wikipedia.org/wiki/Olivier_Roy

Gesten wurden im Guardian seine Vorstellungen und Herleitungen ein weiteres Mal ausgebreitet, ein Buchauszug wurde vorgestellt:

https://www.theguardian.com/news/2017/apr/13/who-are-the-new-jihadis?CMP=fb_gu

Thesen daraus kursiv.

The latter question is all the more relevant as this attitude toward death is inextricably linked to the fact that contemporary jihadism, at least in the west – as well as in the Maghreb and in Turkey – is a youth movement that is not only constructed independently of parental religion and culture, but is also rooted in wider youth culture. This aspect of modern-day jihadism is fundamental.

 

Al Qaradawi

Zunächst allgemein: In die tatsächliche physische Auseinandersetzung gehen, im Krieg die Ausübenden sein, war immer vornehmlich eine Sache der jüngeren Männer. Ganz einfach weil Menschen, Männer, mit den Jahren langsamer werden, an Kraft, Ausdauer und Agilität verlieren. Ältere sind – auch wenn Erfahrung manches ausgleichen mag – im Grunde schlechtere Soldaten (und schlechtere Untertanen, da sie Befehle nicht nur befolgen, sondern öfter auch selber einordnen können). Auch Terrorismus war in der tatsächlichen Umsetzung eher ein Phänomen jüngerer Jahrgänge. Familienväter gehen weniger Risiken ein. Personen in höheren und im Rentenalter fungierten und fungieren aber als Befehlshaber, als Anstifter oder Auftraggeber – an der „Front“ waren altersmäßig eher ihre Söhne (oder Enkel). Die Altersgruppe der 20-40 jährigen Männer ist in der Umsetzung radikaler Ideen am aktivsten. Aus dem, was man sieht, aber nun zu schließen, dass der Antrieb und die Haltungen bei älteren Personen anders seien, der Jihadismus gar eine Jugendkultur seiist grundfalsch: All die einflußreichen Hassprediger im Netz und auch in so manchem Moscheen, die, die vorbereiten, die, die aufhetzen, sind in mittlerem bis höheren Alter. Die Nutzung moderner Technik, die die Alten überfordern mag, heißt nicht, dass sie nicht den Input lieferten. Eine Jugendkultur ist etwas, das etwas neues, genuin in dieser Generation gefundenes oder ohne Übermittlung der Vorgeneration neu belebtes Altes, darstellt. Insofern ist der Jihadismus keine Jugendkultur. Herr Roy sollte sich mal all die Beiträge auf den Kanälen aus der arabischen Welt ansehen: Da wimmelt es nur so von Graubärten, die die Jugend anstacheln. Das wirkt nicht unbedingt zum IS hin; die Auswahl dort ist aber nicht klein, es gibt viele andere, ähnlich problematische Gruppierungen (Boko haram, Fatah al Sham usw.). Vor dem IS ging man z.B. aus Deutschland auch nach Waziristan:

http://www.focus.de/politik/ausland/waziristan-ein-deutscher-sucht-den-dschihad_aid_530882.html

This self-destructive dimension has nothing to do with the politics of the Middle East. It is even counterproductive as a strategy. Though Isis proclaims its mission to restore the caliphate, its nihilism makes it impossible to reach a political solution, engage in any form of negotiation, or achieve any stable society within recognised borders.

Die Vokabel „Nihilismus“ mag sich schick anhören ist aber nicht mal in Verbindung mit der zur Jugendkultur verkannten Linie binnenkonsistent*: Um bei einer Jugendkultur dazuzugehören, muss Weiterlesen

„Fußfessel-Islamist“ Hassan Masood wohl tot

Die Bild-Zeitung berichtete, dass es Hinweise auf den Tod von Hassan Masood, eines jungen Mannes aus Offenbach, gebe:

http://www.bild.de/video/clip/isis-terroristen/hassan-m-in-syrien-getoetet-47671898.bild.html

Masood war Teil der Offenbacher Islamistenszene, bis er 2014 ausreiste:

http://www.swr.de/report/ausreise-in-den-dschihad-wie-ein-offenbacher-islamist-die-behoerden-genarrt-hat/-/id=233454/did=14121254/nid=233454/1em54vk/index.html

Schon 2012 flanierte er – gewandet in traditionelle Kleidung – immer wieder gut sichtbar durch die Offenbacher Füßgängerzone. Zusammen mit seinem Freund, dem Sohn des Hasspredigers Said Khobaib Sadat, zog er die Blicke der Passanten auf sich und gefiel sich offenkundig in der Aufmerksamkeit. Auch Sadat ist ausgereist, schon 2012, wahrscheinlich nach Afghanistan.

hassan-masood-2012-160907

Umfeld des LIES-Standes April 2012 3.v.l. Masood

Am LIES-Stand traf man sich mit anderen jungen Leuten, aber auch altgedienten Aktivisten von Dawaffm. Gemeinsam versuchte man, Kontrolle über den öffentlichen Raum auszuüben. So wurde die Jugendgruppe einer islamischen Gemeinde durch die Offenbacher Fußgängerzone verfolgt unter den Rufen, man werde sie köpfen. Man versuchte alles, um diese muslimischen Jugendlichen und Kinder einzuschüchtern. In Übermacht fühlte man sich stark. Auch gegenüber Aufklärung im Umfeld des LIES-Standes versuchte man vorzugehen. So wurde ich von ihm und seinen Kumpanen umringt und es wurde unter Beleidigungen versucht, mich zum Weggehen zu bewegen. So z.B. hier:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/koranverteilungen-in-deutschen-staedten-die-sache-mit-der-wahrheit-11717904-p3.html

Einen Eindruck vermittelt auch dieses Bild von einem späteren Termin, 21.04.2012: Weiterlesen

Die Revolution frisst ihre Kinder

Pierre Vogel und Bilal Philips auf „Todes-Liste“ des IS

Das Magazin „Dabiq“ ist als Veröffentlichung des sog. Islamischen States (IS) Teil von dessen Medienstrategie. Mehrfach im Jahr wird dort „Erbauliches“ für den Kämpfer von morgen berichtet, werden Tipps und Hinweise gegeben, wie man sich islamistisch korrekt benimmt (vor allem auf der Seite für die „Schwestern“) und werden auch bereits „erfolgreiche“ Mitstreiter herausgestellt. In der neuen Ausgabe findet sich folgerichtig auch eine Würdigung der Brüsseler Attentäter.

Darüber hinaus wird in einem weiteren Artikel explizit dazu aufgerufen, nachfolgende Personen zu töten. Ausgeschmückt ist der Artikel mit Bildern von einem blutigen Messer und einer Szene, in der ein Mann den Kopf auf dem Hinrichtungsblock hat, das Beil des Henkers bereits über sich. Die Liste der persönlich aufgeführten Muslime ist erstaunlich kurz, so daß es sicherlich als eine Art bizarrer Ehre gewertet werden kann, zu dem erlauchten Kreis derer zu gehören, den der IS so ausdrücklich zur baldigen „Berücksichtigung“ durch die Leserschaft empfiehlt. Der Autor des Artikels stellt dem Leser nämlich die rhetorische Frage, wie es denn, obwohl man sich „im Westen“ so frei bewegen könne, sein könne, dass diese Abtrünnigen noch unter den Lebenden weilen?

Begründet wird die Benennung bei Philips und Vogel damit, dass sie (Bildunterschrift) „Apostaten“ seien, Weiterlesen

Neue Allianzen, alte Sympathien

Vereinigung der Gruppierungen und Linien zu den Ultranationalisten in der Türkei

Das islamistische Nachrichtenportal „Ummah Islam“, das Al Qaida nahe steht, meldete vor einigen Tagen, dass sich verschiedene Gruppen im syrischen Krieg nun endgültig geeinigt hätten:

Alle Gruppen stimmten diesen Punkten zu und alle Gruppen stimmten einer Vereinigung zu bis auf eine: Ahrar ash Sham. Ahrar ash Sham setzten die Gespräche aus (man vermutet, dass man alles erst einmal intern besprechen möchte) und sie baten Jabhat un Nusra und Sheikh al Jolani, dass jegliche (äusserliche) Bindung ausgesetzt werden müsse, inklusive der zu At-Tandheem Al Qaidatul Jihad. Sheikh al Jolani erklärte daraufhin den Gelehrten und Führern die Beziehung zu Al Qaida und ihre Auswirkungen. Danach stimmten alle Gruppen einer Vereinigung zu bis auf Abu Yahya (dem Amir von Ahrar ash Sham). Ein führendes Mitglied der Shura Ahrar ash Shams Abu Baraa Maaer Shamreen akzeptierte Sheikh al Jolanis Angebot und drängte Sheikh Abu Yahya dazu dieser Einheit zuzustimmen. Alle Führer und Gelehrte dankten Sheikh al Jolani für seine Kompromissbereitschaft und Vorschläge und lobten die Tatsache, dass er bereit ist viel aufzugeben für die Sache der Einheit. Alles, was nun fehlt ist, dass Ahrar ash Sham einen Schritt geht und zustimmt. Dann wird die grösste Vereinigung in Sham eine Realität werden: Jabhat un Nusra,Ahrar ash Sham, Liwa al Haqq, Jaish al Sunna und andere. Eine Jamaa mit einem Amir.

Vereinigung der Mujahid-Gruppen

Diese Vereinigung der Kräfte wird maßgeblich durch den Druck von außen bewirkt. Weiterlesen

Der freundliche Student von nebenan

Ein Promotions-Student der TU Darmstadt hat ein Video gedreht, in dem er offen für den IS Stellung bezieht. Am Fachbereich ist man verwundert, fiel der Kollege doch bislang nicht auf:

„Man ist sehr überrascht. Er hat hier nicht offen mit dem IS sympathisiert“, beschreibt Feuck die Stimmung unter den Kollegen des Syrers am Fachbereich Mathematik. “

http://hessenschau.de/gesellschaft/darmstaedter-doktorand-wirbt-mit-video-fuer-is,student-tu-is-100.html

Wie kann das sein, mag sich mancher verwundert die Augen reiben: Da lebt jemand seit Jahren als Kollege hier und zieht vielleicht sogar seine Kinder groß, erscheint angekommen mit Schlips und Kragen. Man trifft sich auf dem Flur, lächelt vielleicht sogar. „Wie gehts?“ „Danke, gut.“

 

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Bild: von der fb-Seite des Herrn Fandy, durch ihn billigend eingestellt: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1127207853974965&set=p.1127207853974965&type=3&theater

Dann kommt heraus, er ist Unterstützer der menschenverachtendsten Sache, die dieses Jahrtausend bislang sah. Wie passt das Auftreten, der normale Umgang zu dieser Ideologie? Wie kann dieser freundlich scheinende und sanft sprechende Mann so eine faschistische Ideologie teilen, wie kann er unter Menschen leben, lächeln, die er für völlig wertlos hält? Vor allem: Wie kann man so getäuscht werden?

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Generalmobilisierung in Syrien

Bei den aktuellen Kämpfen in Syrien stehen die verschiedenen salafistischen Gruppen stark unter Druck. In Ramadi erlitt der IS eine schwere Niederlage:

Die USA, die eine internationale Anti-IS-Koalition anführen, sind nach Rückeroberung Ramadis voll des Lobes für die irakische Armee. Die Truppen hätten mit gewaltigem Mut und Tapferkeit gekämpft, sagte US-Außenminister John Kerry in Washington. „Das irakische Militär bekämpft den Feind mit Ausdauer, Geschick und Entschlossenheit.“ Die Vertreibung des IS aus besetzten Gebieten sei zentraler Teil der Sicherheitsstrategie für den Irak. Ramadi sei kein isoliertes Ereignis, sondern stehe in einer Reihe mit großen Verlusten des IS im Irak und im nördlichen Syrien, sagte Kerry. Auch der Sprecher des internationalen Bündnisses, Steve Warren, lobte die irakischen Truppen für ihren Erfolg.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Rückeroberung Ramadis zeige einmal mehr, dass der „IS nicht unbesiegbar ist, weder im Irak noch in Syrien“. Der französische Präsident François Hollande sprach vom bisher „wichtigsten Sieg“ im Kampf gegen die IS-Extremisten.

http://www.n-tv.de/politik/Iraks-Regierung-kuendigt-finalen-Sieg-an-article16656436.html

Der IS-Führer Al-Baghdadi hatte sich vor drei Tagen in einem Audio nach einem halben Jahr erstmals wieder per Audio-Botschaft an seine imaginierten und echten Anhänger weltweit gewandt:

https://pietervanostaeyen.wordpress.com/2015/12/26/new-audio-message-by-abu-bakr-al-baghdadi-and-wait-for-we-are-also-waiting/

Es wurde allgemein zum Kampf gegen die Ungläubigen aufgerufen und in den USA, Europa, Russland und Israel Anschläge angedroht.

Nachfolgend rufen jetzt andere Gruppen, die eher Al Qaida-nah sind, zur Generalmobilisierung auf, wollen alle jungen wehrfähigen Männer zu den Waffen rufen, hier von der Jaish al Fath, die wohl Gelder aus Saudi-Arabien erhält:

http://ummahislam.com/aufruf-zur-generalmobilisierung-der-ummah

Der saudische Anführer der Jaish al Fath, Abdullah al-Muhaysini, verdeutlicht den Anhängern, dass es nunmehr Pflicht sei, den bewaffneten Kampf zu unterstützen:

 

 

Al-Muhaysini soll über erhebliche Unterstützeranzahlen alleine über die sozialen Medien verfügen. Das sollte also zu einer Ausreisewelle führen, sofern die Anhänger hinreichend fanatisiert sind.

Noch vor einem halben Jahr führte man aber auch Scharmützel gegeneinander:

https://alminara.wordpress.com/2015/06/01/shaykh-abdullah-al-muhaysini-for-allah-the-islamic-ummah-and-the-people-of-shaam/

Generell ist er jedoch ein Verfechter der Linie, dass sich alle mit den Al Qaida-Flügeln vereinigen sollten bzw. alle miteinander gegen den gemeinsamen Feind kämpfen sollten.

Wegen eines Interviews mit Abdullah al-Muhaysini war der schweizerische Zentralrat vor einigen Wochen unter deutlichere Kritik geraten:

http://www.izrs.ch/nicolas-blancho-uber-das-interview-mit-dr-al-muhaysini-syrien-und-den-is.html

Daraus:

Al-Muhaysini ist sehr auf seine Sicherheit bedacht. Nicht nur der IS hat schon mehrmals versucht, ihn mittels Selbstmordattentäter zur Strecke zu bringen, sondern auch Asad und die Russen dürften hinter ihm her sein.

Al-Muhaysini ist eine zentrale Brückenbauerfigur unter den Rebellen. Man sagt: Wenn es zwischen zwei Rebellengruppen brennt, dann ruft al-Muhaysini. Dieser saudische Gelehrte hat einen unglaublich wichtigen Einfluss auf die koordinierte Zusammenarbeit der Rebellen. Der IS möchte ihn unbedingt beseitigen, weil es ihm gelungen ist, ein fragiles aber dennoch funktionsfähiges Mantra der Einheit zu erzeugen.

Dass er nun – nach dieser Vorgeschichte – zu einer Vereinigung der Kräfte aufruft, sollte bedeuten, dass nicht nur der IS, sondern auch seine Gruppe unter schwerem Druck steht. In dieser Lage könnte eine Vereinigung dieser Kräfte gelingen.

Für Deutschland könnte dies heißen, dass diejenigen, die nicht ausreisen wollen, nunmehr konkreter zur Tat schreiten werden.

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Update 01.01.2016, 21:28:

Es wurden nun 40 Wortführer benannt, die diese Generalmobilisierung unterstützen und für jeden Muslim zu Pflicht erklärt haben:

http://ummahislam.com/erklaerung-zum-aufruf-der-gesamten-islamischen-nation-auszumarschieren

Weitere: