Werbung für ein Damen-Doppel

Über einen „Ermittlungsblog“ ohne Ermittlungen

Der Journalist Yassin Musharbash hatte vor zwei Jahren für die Zeit den Artikel „Schluß mit Dschihad“ verfasst. Es ging im Artikel um Deradikalisierungsarbeit im Allgemeinen und den Leipziger Imam Hesham Shashaa im Besonderen. Für diesen Artikel wurde dem Anschein nach zwar ein bisschen gereist, aber eher weniger selber gründlich recherchiert. Vieles wirkt wie frei von der Leber geschrieben, der Herr Musharbash schreibt ja auch Fiktives – da tut man sich mit Ausschmückungen leicht. Aktuell haben andere Journalisten diese Vorgänge bei einer Deradikalisierung kritisch aufgegriffen, nachdem Shashaa im April in Spanien festgenommen worden war. Zwar gibt es wenig Neues aus Spanien und auch sonst nach der Berichterstattung des BR und des MDR. Wegen der Kritik scheinen es jedoch einige Kreise für nötig zu halten, das Thema Shashaa aufzugreifen und aus all den alten, aber wohl nicht ganz die Realität darstellenden Beiträgen noch einmal etwas „neues“ brauen zu lassen: Klischee-Patchwork at its best, da v.a. in Alt-Artikeln „ermittelt“ wurde, wie es scheint. Der Autor wurde in dem „Fall Peter“, über den er hier neutral zu „ermitteln“ vorgibt, gegenüber der Presse als „Fachjournalist“ von Claudia Dantschke angeführt. Er ist also Beteiligter in der Sache, was auch seine Sicht beeinflussen mag. Am Nikolaustag war dies schon hier betrachtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/12/06/abu-adam-gescheiterte-ermittlungen/

Da Musharbash aber tatsächlich – keine Satire – aus all dem alten nunmehr eine ganze Serie zu produzieren sich anschickt, muss auch hier wohl eine Einordnungsserie entstehen. Das neueste Stück:

Einst hielt der Leipziger Imam Abu Adam den jungen Deutschen Peter davon ab, in den Krieg zu ziehen. Jetzt sitzt er selbst als Terrorverdächtiger in Untersuchungshaft.  Folge 2 unseres Ermittlungsblogs.

http://blog.zeit.de/radikale-ansichten/2017/12/08/der-fall-peter/

Inhalt kurz gefasst: Kein aktueller Besuch bei „Peter“ in Spanien, kein Gespräch mit Hesham Shashaa, dafür reichlich Raum für das mit dem „Fall Peter“ beruflich befasste und zuständige Damen-Doppel Claudia Dantschke und die Leipzigerin Solveig Prass für weitere, aber inhaltlich nicht weiterbringende Erklärungen. Zu Frau Prass und ihr von Frau Dantschke kopiertes Imam-Modell:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/14/leipzig-imam-franchise/

Doch ein paar Passagen einzeln betrachtet:

Claudia Dantschke kannte Abu Adam damals schon gut zwei Jahre. Sie hatte ihn kennengelernt als einen orthodoxen, konservativen, aber dezidiert nicht-radikalen Islamgelehrten. „Ich habe ihn zwei Jahre lang intensiv geprüft“, sagt sie. „Ende 2013 habe ich ihn besucht, habe alle seine Frauen und alle seine Kinder kennengelernt. Ich habe ein langes Interview mit ihm zum Thema Deradikalisierung und zu seiner Art, das anzugehen, gemacht. Wir hatten einen ähnlichen Ansatz. Dass es vor allem auf stabilisierende Beziehungen ankommt, zum Beispiel.

Musharbash stellt seinen Lesern die „intensive Prüfung“ von Dantschke als von ihm nicht hinterfragtes Faktum dar. Im Jahr 2013 konnte man bereits wissen, dass

– Hesham Shashaa wiederholt international bekannte Hassprediger (Al Mosleh z.B.) in seine Moschee einlud
– dass es Fragwürdigkeiten hinsichtlich des Vorwurfs der Körperverletzung gab (zurückgezogene Anzeige)
– dass das Münchner Verwaltungsgericht hinsichtlich seiner Person zu einer begründet negativen Einschätzung gekommen war:

Ideologisch seien die Darul-Quran-Moschee und Herr Shashaa dem sog. Mainstream-Salafismus zuzuordnen. Die Moschee diene als Anlaufstelle salafistischer Prediger und deren Anhängerschaft. Die Mainstream-Salafisten, auch politische Salafisten genannt, hätten ein verstärktes Interesse an gesellschaftlichen Aspekten und politischer Einflussnahme. Sie seien junge Gelehrte, die stark vom Aktivismus der Ideologie der Muslimbruderschaft beeinflusst worden seien und den Anspruch erheben, die Probleme der Gegenwart und insbesondere die internationale Politik besser zu verstehen als ihre älteren puristischen Lehrer. Das von der Muslimbruderschaft angestrebte Herrschaftssystem weise deutliche Züge eines totalitären Herrschaftssystems auf, das die Selbstbestimmung des Volkes sowie die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit der Menschen nicht garantiere. Ein Großteil der ideologischen Grundsätze sei somit unvereinbar mit den im Grundgesetz verankerten Prinzipien der Demokratie, des Rechtsstaats und einer auf der Menschenwürde basierenden politischen Ordnung. Nach Erkenntnissen des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz (BayLfV) seien in der Darul-Quran-Moschee ab Ende August 2009 mehrere Broschüren verteilt worden, darunter die Broschüre „Frauen im Schutz des Islam“. Die Broschüre werde in der Liste jugendgefährdender Medien geführt, da sie zu Gewalttätigkeiten anreize und verrohend und frauendiskriminierend wirke. Im Zuge eines bundesweiten Ermittlungsverfahrens seien am 20. Januar 2010 die Räumlichkeiten der Moschee durchsucht und mehrere Exemplare dieser Schrift aufgefunden und sichergestellt worden. Nach Erkenntnissen des BayLfV habe der Vereinsvorsitzende und Imam Herr Hesham Shashaa an dem auf die Durchsuchungsaktion folgenden Freitagsgebet am 22. Januar 2010 eine Predigt gehalten, die er dem Thema „Verräter innerhalb der muslimischen Gemeinschaft“ gewidmet habe, die sich offensichtlich auf die vorangegangene Durchsuchungsmaßnahme bezogen habe. Er habe davon gesprochen, dass die Verräter tief in der Hölle schmoren würden. Einzelne Muslime würden durch ihr Verhalten Zwietracht in der muslimischen Gemeinschaft säen. Wer Informationen an die Behörden weiterleite, sei mit einem Bruder gleichzusetzen, der das Fleisch seines muslimischen Bruders esse.

https://openjur.de/u/493723.html

Shashaas „Deradikalisierungsansatz“ war also jenseits des Eigenmarketings zur Mehrheitsgesellschaft hin einer auch mit problematischen Predigern? Glückwunsch! Waren das nicht die Herrschaften, von denen man als Präventionsdienstleister die jungen Leute weg bringen sollte? Oder ist gar Deradikalisierung das, als was es salafistische Prediger selber definieren? Die Eigenbezeichnung wird nicht hinterfragt? Noch mal Glückwunsch!

Der Verdacht liegt nahe, dass die „intensiven Überprüfungen“ vor allem im persönlichen Eindruck bestanden. Dass manche Personen, wenn sie es für nützlich halten, durchaus gewinnend sein Weiterlesen

„… die deutschen Schläfer warten…“

Dennis Cuspert ruft zum Jihad in Europa

Dennis Cuspert alias Deso Dogg oder großspurig „Abu Talha al Almani“, seines Zeichens aktuell in Syrien agierender IS-Propangandist, steigert sich seit Monaten immer mehr in einen Blutrausch hinein.

Vor Jahren noch wies er, damals schon Salafist, zurück, dass er eine terroristische Neigung habe. Dann wurde er militant. Schließlich ging er 2013 nach Syrien. Zwischenzeitlich kursierten Todesnachrichten, als er wohl einmal aus einem eigenen taktischen Fehler als Kämpfer verwundet wurde.

Ende 2014 tauchte ein Video von ihm auf, in dem er lachend mit Mordkumpanen durch die syrische Einöde fährt und sich wünscht, er könne eine Person lebend fangen und ihr dann mit einem „stumpfen Messer den Kopf langsam abschneiden“. Dieses Video wurde von Jugendlichen wohl sehr häufig angesehen. Mir begegnete einmal auf der Zeil ein Junge, der Cusperts Wunschvorstellung an mir zu zelebrieren wünschte, sofern die Polizei nicht anwesend wäre. Ein durchschlagender Erfolg also hinsichtlich der Verbreitung dieser Inhalte.

In einem nächsten Video, das er veröffentlichte, sah man einen ernsten Cuspert, der an Leibern und Köpfen vorbeigeht und sie mustert. Wie ein Jäger, der die Strecke abschreitet. Auch tauchte eines auf, in dem er Tote tritt.

Das aktuelle „Kampflied“, ein sogenannter Nasheed, übertrifft jedoch an ekelerregender Phantasie-Artikulation sogar noch die grauenerregenden Bilder aus den Videos.

Cuspert berauscht sich halb singend-stammelnd an Verstümmelung und Quälereien. Etwas so abgrundtief Bösartiges und Krankes hört man in der Regel nicht einmal in der geschlossenen Psychiatrie. Selbst Jack the Ripper hätte es wahrscheinlich so nicht gesungen und schon Hannibal Lecter muss um seinen Spitzenplatz ringen als irrer Mörder.

Doch das hört man – sofern man es sich antun mag – am besten selbst, denn da gehen einem die angemessenen Worte aus:

Ein Satz in dem sadistischen Singsang lässt jedoch aufhorchen:

„… die deutschen Schläfer warten…“

Ob es sich wirklich so verhält, wie Cuspert es in seinem jüngsten Erguss ankündigt, wird noch abzuwarten sein. Er ruft konkret zum Jihad in Europa auf, man solle seinen Nachbarn, den Ungläubigen, töten. Zum Beispiel, weil er „den Gesandten beleidigt“ habe. Die Sicherheitsbehörden seien da davor.
Fakt ist jedoch, dass auch dieses Propagandalied wieder weite Verbreitung finden wird. Jugendliche, die schon weit genug in diese Parallelwelt eingebunden sind, werden weiter verroht. Jugendliche, die eigentlich ganz andere, natürliche Impulse haben sollten, die in manchen Bevölkerungsteilen jedoch nicht altersgemäß ausgelebt werden dürfen, sind so durchaus in Gefahr, in sadistischer Weise geprägt zu werden.

Was waren das für friedliche Zeiten, in denen aggressive Impulse in freiwillige sexuelle Aktionen umgelenkt werden sollten. Heute heißt es in einigen Kreisen: Make war, not love.

Keine schönen Aussichten.

 

Nachtrag: Hier das Video zum Nasheed, das von Cuspert & Co mit Bildern unterlegt wurde: