Dämonenglaube bei Salafisten

Salafisten vertreten einen Glauben, der sehr rückwärtsgewandt ist und wesentlich auf die ersten drei Generationen nach dem Religionsgründer Bezug nimmt. Darüber hinaus wird bei Gläubigen oftmals ein ganzes vormodernes Weltbild installiert, das auch Versatzstücke enthält, die in anderem Zusammenhang als Aberglauben bezeichnet werden.

Neben der Existenz des Teufels wird auch die Existenz von Jinns und Dämonen häufig angenommen bzw. als belegt hingenommen. Prediger wie Abul Baraa verbreiten so etwas und ernten bei ihren Anhängern keinen vernehmbaren Widerspruch. Jinns verwandeln sich angeblich z.B. in Schlangen oder schwarze Hunde:

 

Und natürlich muss man sich vor diesen eingebildeten „Gefahren“ auch vor allem auf der Toilette schützen:

 

Der Herr Kamouss empfiehlt nicht nur Sicherheitsmaßnahmen, sondern differenziert zwischen verschiedenen Arten Jinns, die es z.B. männlich oder weiblich geben soll. Jinns wähnt er auch hinter Bäumen, gegen die als Schutz das ritualisierte Aufsagen von „bismillah“ (etwa „im Namen Gottes“)* helfen soll:

 

Gewohnt souverän erklärt der Herr Hassan Dabbagh aus Leipzig den Unfug: Ja, Jinns könnten auch Menschengestalt Weiterlesen

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Eine Bitte an die Journalisten: Nein, das ist kein „falscher Koran“!

Klarstellung zum verteilten Koran durch die LIES!-GmbH:

In verschiedenen Medien wird immer wieder behauptet, der auf der Straße von den LIES!-Aktivisten verteilte Koran sei z.B. „falsch übersetzt“ (SAT1), „radikal übersetzt“ (HR), nur „ein Auszug von radikalen Stellen“ (div.), „verfälscht“ (div.), „rückständig übersetzt“ (HR). Konkrete Beispiele für diese Behauptungen:

„… verteilen Salafisten besonders radikale Ausschnitte aus dem Koran.“

Das Interview mit Ismail Tipi: Islamismus

„Er solle die Verteilaktion verbieten, vermittelten die verteilten Korane doch auch einen rückständigen Islam.“

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_54344921

„Nach Ansicht von Experten handelt es sich um eine Art Self-Made-Exemplar, das das arabische Original besonders streng auslegt.“

http://www.n-tv.de/politik/Uebersetzung-ist-entscheidend-article6018511.html

Das ist so nicht korrekt.

Im Rahmen dessen, dass Übersetzungen natürlich immer auch eine Wort-Auswahl nach Übersetzerkönnen und -absicht mit sich bringen, ist die verteilte Version eine ganz normale Übersetzung. Es wird die Übersetzung von ibn Rassoul verteilt, über den man sich hier informieren kann:

http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Rassoul

Es sei insbesondere auf die – nach E.-M. Kogel – weitgehende Übereinstimmung mit der Ahmadiyya-Übersetzung verwiesen.

Zur Verdeutlichung hier auch eine Synopse verschiedener gängiger Übersetzungen (z.B. Ahmadiyya, Rassoul):

http://www.koransuren.de/koran/koran_vergleich.html

Dort kann man sich persönlich überzeugen, wie wenig Unterschied da besteht.

Die Kommentierung von Bubenheim im von „Siegel der Propheten“ verteilten Koran ist kurz und knapp, das ist keine richtige Kommentierung. Wer einen günstigen Koran mit Kommentar haben möchte, kann sich die Übersetzung von Ali Ünal besorgen (meist nur noch in Englisch verfügbar, wobei man bei der deutschen Fassung das Problem der doppelten Übersetzung hat). Dort findet sich eine eingehende Kommentierung, sogar von Gülen selbst abgesegnet, vielleicht sogar teilweise selbst geschrieben oder angeregt. Auf jeden Fall aber autorisiert.

Eine Bitte also an die Medienschaffenden, es sich nicht so einfach zu machen.

Insofern einmal allgemein betrachtet:
Die fundamentalistische Ideologie, die gibt es als Tradition, als Gruppierungs-Ideologie (z.B. Muslimbrüder), im Umfeld von Strassen-Aktionen (LIES!, „Jesus im Islam“ (Marcel Krass), „Wacht auf!“ (Millatu Ibrahim-Surrogat) und als soziales Beiwerk (z.B. bei der Betreuung bei Gülen-Einrichtungen). Die wird nicht mit dem Buch an sich überreicht, sondern ist das, was dazu übermittelt wird. Im Ünal-Koran wird übrigens die fundamentalistische Auslegung in der Kommentierung schon deutlicher. Das ist aber nicht der auf der Strasse verteilte (der wäre auch zu schwer und unhandlich mit seinen 1300 Seiten auf Dünndruck-Papier). Über das jeweilige Umfeld entscheidet sich dann alles weitere. Bei den Unterstützern der LIES!-Gruppierung führt es eben über die Kontakte nur all zu oft nach Syrien.

Jeder Journalist, der behauptet, die verteilte Koranversion sei irgendwie besonders im Hinblick auf Radikalität, zeigt damit nur auf, dass er da so gar keine Ahnung und Überblick hat und die Übersetzungen nie vergleichend las. Er zeigt damit leider nur seine überschaubare Recherchetiefe, er verkennt, dass wesentlich das Umfeld bewirkt, was herauskommt. Deshalb also hier der Tipp und Hinweis.

Also bitte einmal schlau machen, bevor man das weiterreicht. Danke!