Osmanische Allianzen

Über die Konstruktion einer „osmanischen Identität“ durch Feindbilder

Die vielfältigen Gruppen, Grüppchen und Organisationen Türkeistämmiger erschweren in Deutschland nicht nur den Überblick, sondern verhindern teilweise auch, dass die Türkischstämmigen als mit einer Stimme sprechend empfunden werden. Je nach vorrangigem Ziel – will man „national“ ansprechen, ethnisch oder religiös – gibt es dort verschiedene Ansprechpartner. Viele Türkischstämmige haben sich auch in politische Parteien begeben. Mal mit der Absicht, Gleicher unter Gleichen zu sein und mitzutun, manchmal in der reinen Absicht, Lobbyarbeit zu betreiben. Letzteres ist so einigen jedoch nicht mehr genug. Über verschiedene Feindbilder streben die Gruppen zusammen bzw. ziehen bei Anlass auch in Deutschland an einem Strang.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde zu Berlin (TGB), Bekir Yılmaz, und Remzi Aru, der Parteisprecher der Allianz Deutscher Demokraten (!, ADD), die wahrscheinlich noch gar keine registrierte Partei ist, mehr Partei in Gründung,

https://vunv1863.wordpress.com/2016/06/08/weckruf-zur-poltischen-segregation/

machen gerade ein neues gemeinsames Projekt: Sie wollen dem Anschein nach die Türkischstämmigen mobilisieren, zahlenmäßig noch sichtbarer zu werden und daher dann diffus, aber als diffuse Masse auch instrumentalisierbar, für sich nutzbar zu machen. Sie mobilisieren, indem sie z.B. aktuell gegen die Berufung von Ali Ertan Toprak in den Fernsehrat des ZDF eine Petition starteten:

Türken starten Petition gegen Wahl Ali Ertan Topraks in den ZDF-Fernsehrat

Dabei beließ es die ADD jedoch nicht und fordert überdies die Abschaffung des Weiterlesen

Mahnwache vom 27.06.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Besonderen Dank an die Frankfurter Polizei für den umsichtigen Schutz.

Vielen Dank auch an „Kurdisch-israelische Freundschaft e. V.“ (KIFA) für die Unterstützung und an Mitstreiter, die aus Münster und Heidelberg angereist waren.

Wegen einer staubedingten Verspätung konnten wir erst mit Verzögerung beginnen.

 

Mahnwache 150627

 

Mehrere junge Frauen wollten eine Erklärung zu einem Schild „Radikale Islamisten in Frankfurt Main: LIES!-GmbH (Abou Nagie) Jesus im Islam (Marcel Krass) Medizin mit Herz e.V. (Fam. Belkaid) Siegel der Propheten (Erol Selmani)“ Sie forderten „Beweise“ dafür, dass es sich bei diesen Gruppierungen um „radikale Islamisten“ handele. Sie erkannten jedoch die üblichen Medien nicht an und ließen keinen Satz beenden. Sie behaupteten ständig, zu wissen, was Islamisten und Islamismus seien, verkannten dies jedoch und akzeptierten die Korrektur nicht. Sie meinten, dieser Begriff müsse dann halt geändert und ihren Wünschen und Vorstellungen angepasst werden. Sie verstanden nicht, dass dieser Begriff schon der Kompromiss ist. Auch auf Nachfrage hin gab es bei ihnen nicht den Hauch eines Zweifels, dass Wissenschaft und Staatsschutz sich ihren Definitionswünschen anzupassen hätten.

Eine westlich gekleidete, wohl muslimische Passantin lief hinzu und fing an zu schreien „Das ist antimuslimischer Rassismus! Das ist antimuslimischer Rassismus!“. Weder der Verweis auf den Begriff Islamismus noch der auf das Schild, mit dem explizit Muslime zum Mitmachen aufgefordert werden, beruhigte sie. Sie schrie in einem Fort, so dass ich ihr ruhig sagten musste, dass ich sie von der Veranstaltung ausschließe. Das akzeptierte sie nicht. Zwei Polizisten, die rasch ein, zwei Schritte nach vorne machten, verdeutlichten ihr dann jedoch die Ernsthaftigkeit meiner Aufforderung. Sie musste gehen.

Ein junger vermutlich arabischstämmiger Mann forderte ebenfalls Erklärungen. Nach jedem Satz schob er – die Erläuterung war nicht beendet – schon die nächste Frage nach. Wann wir denn gegen Israel protestieren würden, wollte er wissen, ohne jedoch die Antwort abzuwarten. Ein Passant, wie sich später herausstellte aus der Stadt Schwalbach, forderte ihn auf, zuzuhören, da ich wie jemand wirke, der da den Überblick habe und das offenkundig erläutern könne. Das irritierte den jungen Mann nur kurz. Er verstieg sich dann zu dem Provokationsversuch, ich sähe aus wie die Schwester von Netanjahu. Die neben mir stehende KIFA-Aktivistin brachte dies zum Schmunzeln. Sie meinte dann, ja, eine gewisse Ähnlichkeit… das wäre aber kein Makel, denn so dumm wäre der nicht. Es brachte den jungen Mann noch mehr auf, dass über seine Einlassung nun auch noch gespöttelt wurde und er ging.

Der Passant aus Schwalbach erzählte, man habe aktuell mit einer Vorlage vom lokalen Ausländerbeirat politisch gerungen, wonach es eine Art städtischen Ramadan geben solle. Die kommunalen Feste sollten – so der geäußerte Wunsch – nicht im Ramadan liegen. Das wurde als völlig unangemessen zurückgewiesen. Es handelte sich um diesen Vorgang: http://www.kreisblatt.de/lokales/main-taunus-kreis/Auslaenderbeirat-will-nichts-verbieten;art676,1406188 Der Passant war besorgt über die geäußerte Haltung des Ausländerbeirats. Wenn man Rücksichtnahme da fordere, wohin werde dies führen, was werde als nächstes gefordert an allgemeinen Einschränkungen wegen der religiösen Regeln einer Minderheit? Diese Frage konnte ich allerdings nicht beantworten, obwohl man natürlich die nächsten Forderungsfelder streng Religiöser schon ahnen kann.

Ein Mann stellte sich demonstrativ – vor mir war eine größere Gruppe Menschen – direkt vor mich und spannte dann seinen Regenschirm auf (die Sonne schien). Er verdeckte damit absichtlich mich halb und mein Schild, machte auch andere Faxen. Meine Bitte, dies zu unterlassen, ignorierte er. Als ich ihn aufforderte, zu gehen, ignorierte er auch diese Anweisung. Er behauptete laut, stehen zu können,, wo er wolle; ich hätte ihm nichts zu sagen. Die Menge johlte. Er musste dann aber doch gehen, da die Polizei meine Lage umgehend erkannte und half.

Plötzlich erschienen sehr viele Kurden, vielleicht ein Troß von 80-100 Personen, teilweise mit Fahne/Kleintransparent und emotional recht aufgeheizt. Sie kamen von einer anderen Demo und wollten wohl unterstützen. Sie blieben bei uns stehen und skandierten „IS sind Mörder!“ und anderes dieser Art. Ich versuchte durchzudringen, eine Art Anführer auszumachen, scheiterte jedoch. Herzlichen Dank für die Unterstützung, auch wenn das etwas unstrukturiert war. Die anwesende Polizei (vor dem „My Zeil standen 7 oder 8 von diesen Polizei-Kleinbussen aufgereiht) versuchte sofort, die Menge zu kontrollieren und vermutlich auch am Weiterziehen zu hindern. Die Menge waberte also vor dem „My Zeil“ hin und her, war teilweise bei uns dabei. Da bereits die ersten Unterstützer, die sog. Akhis da waren und die LIES-Verteiler nur 80 m entfernt, brach ich unsere Veranstaltung rasch formell ab, da die Haftungsfrage sonst evtl. problematisch wird. Nach nur 2,3 Minuten tauchten überraschend noch stärker ausgerüstete Polizeibeamte auf, die die Lage beruhigten.

Obwohl ich abgebrochen hatte, blieben wir noch etwas vor Ort, schauten, redeten weiter. Als wir dann abzogen, waren die LIES!-Verteiler weg. Sie hatten anscheinend beim Auftauchen der Kurden das Weite gesucht. Ebenfalls verschwunden schienen so einige Akhis. Das ist nicht das erste Mal, dass kurdische Präsenz die Salafisten in dieser Art beeindruckt.