Alleingelassen mit dem Problem

Eltern, Lehrer und kommunale Entscheider mit leeren Händen: über den neuen Verfassungsschutzbericht und suboptimale Informationsverbreitung

Montag wurde der neue Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen vorgestellt. Nach dem jüngsten Verfassungsschutzbericht ist die Zahl der Salafisten auf 1650 gestiegen im Berichtszeitraum, die Zahl der Islamisten erhöhte sich auf 4150, S. 89 ff.:

https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/LfV_Bericht-2015final_screen.pdf

Im Bericht werden sie „Aktivisten“ genannt ohne dass dieser Begriff definiert würde. Ist ein Aktivist Objekt der Beobachtung? Ist er gewaltbereit? Was macht zum Aktivisten und was nicht?*

An islamistischen Einrichtungen werden genannt das Europäische Institut für Humanwissenschaften (EIHW) und der Rat der Imame und Gelehrten (RIGD), ohne jedoch deren konkreten Sitz aufzuführen (Ostparkstr. 45 bzw. im Islamischen Zentrum Frankfurt, Eichenstr. 41). Für Eltern, Lehrer und kommunale Entscheider sind das die unwichtigsten Einrichtungen, wenn man da eine Reihenfolge hineinbringen wollte. Als Akteure persönlich benannt sind Pierre Vogel, Abdellatif Rouali und Bilal Gümüs. [Der Abschnitt zur IGMG ist etwas präziser, aber auch dort werden nur „Vereine“ benannt; welche?]

Vogel ist nur sporadisch in Frankfurt, Rouali ist noch aktiv, hat aber an Einfluß in der Szene verloren und Bilal Gümüs zieht nach seinem Rauswurf bei LIES nunmehr mit Vogel durch die Lande.

In dem Bericht werden manche Aktivitäten, nicht aber Orte und weitere Aktive konkret benannt. So fand am 11. Januar 2015 eine Veranstaltung für Frauen statt „in einer Moschee“ oder „charismatische Prediger“ seien dabei beobachtet worden, um Anhänger zu werben. Die vielen weiteren Beobachtungsobjekte jenseits des EIHW und des RIGD und die Namen der Prediger werden jedoch nicht genannt. Dr. Khaled Hanafy wird nicht Weiterlesen

Die Angst im Klassenzimmer

Das Verhältnis Lehrer-Schüler soll von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein. Nur so entsteht eine Atmosphäre, in der Lernen und Lehren möglich ist. Für Kinder und Jugendliche, die aus autoritären Familien kommen, ist es oftmals die erste Gelegenheit, einen anderen Umgang mit Menschen zu erlernen und zu üben: Umgang älteren Personen anderen Bildungsgrades, mit Erfolg und Misserfolg, Umgang mit dem anderen Geschlecht, mit nicht verwandten Personen.

Die Angst von Schülern vor autoritären Lehrern konnte durch andere pädagogische Ansätze vermindert werden. Es wird auf ein mehr kameradschaftliches Verhältnis gesetzt. Dieser Umgang ist für Kinder, die autoritär erzogen wurden, manchmal irritierend: Er bietet zu wenig Orientierung hinsichtlich der als verboten oder erlaubt bewerteten Handlungen. Dieser Umgang baut darauf, dass die Kinder mit einer europäischen Sozialisation, in der viele Dinge auf Vorbild beruhen und viele Verhaltensweisen Verhandlungssache sind, vorgeprägt wurden. Anders vorstrukturierte Kindern, v.a. Jungen, können auf die Idee kommen, dass sie im weiblich dominierten Grundschulbereich dominant auftreten können. Da das bei manchem religiös-patriarchalisch legitimiert wird, ist das wenig verhandelbar. Diese Sozialisation kann zu deutlichen Autoritätsproblemen mit diesen Kindern führen. Auch das belastet das Verhältnis, kann aber kaum angesprochen werden, da Lehrer mit diesen Problemen meist alleine gelassen werden, selbst wenn sie es ansprechen. Die Schulleitung mag das oft nicht angehen, denn zwischen Angst um den Ruf der Schule und der Angst, lautstark wegen Diskriminierung angegangen zu werden, bleibt manche Einsicht auf halbem Wege stecken.

 

IS strategie Schach Bild 150629

Wenn jedoch die Angst konkreter wird, wenn Pädagogen Angst vor ihren eigenen halbwüchsigen Schülern haben, hört jede Berechtigung für solche Befindlichkeitsstörungen auf. Pädagogen, die fürchten müssen, dass sich Schüler zusammentun, dürfen nicht alleine gelassen werden. Aus einigen Schulen im Raum hört man, dass normaler Unterricht wegen abgesprochener Störung, wegen gezielter Missachtung bestimmter Lehrer oder strukturierter Zurückweisung kritischer Inhalte manchmal kaum noch möglich ist.
Die Störung bzw. Nichteinhaltung einer Schweigeminute nach „Charlie Hebdo“ ist da symptomatisch. Etwas Ähnliches wurde dem Anschein nach nach den jüngsten Pariser Attentaten gar nicht mehr versucht.

Ist nun endgültig die Angst vor den eigenen Schülern in manche Klassenzimmer eingekehrt?

„Die IS-Dschihadisten hatten erst im November zu Angriffen auf Lehrer in Frankreich aufgerufen. Sie seien „Feinde Allahs“, die sich in einem „offenen Krieg gegen die muslimische Familie“ befänden.“

http://www.focus.de/politik/ausland/feinde-allahs-messerangriff-auf-kita-erzieherin-nahe-paris-taeter-erwaehnt-is_id_5152256.html

[Nachtrag 19:25: Der Angriff war wohl erfunden, unglaublich. Hier die Einordnung:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/frankreich-lehrer-erfindet-islamistische-messerattacke-13966291.html

Das Zitat ist aber authentisch. SHM]

Wenn das so wäre, dann wären wir nicht mehr bei „wehret den Anfängen“. Dann wären wir schon mittendrin im Kampf im Klassenzimmer, der auch psychologisch geführt wird.

Diesen Kampf um die Köpfe dürfen wir jedoch nicht verloren geben.

Die Pädagogen brauchen da mehr, jede sinnvolle Unterstützung, die man ihnen geben kann. Sie kämpfen da für uns alle um die jungen Menschen. Wir müssen dafür sorgen, dass dies kein einsamer Kampf auf verlorenem Posten ist.

Lehrer ohne Lobby

Die wohl am stärksten direkt mit islamistisch orientierten Jugendlichen konfrontierte Bevölkerungs-gruppe ist die der Pädagogen.

Es ist aber auch die Gruppe an Personen, die schweigt und allermeist nicht einmal öffentlich Hilferufe aussendet. Es gibt wenige Ausnahmen, Lehrerinnen und Lehrer, die nach Jahren manchmal vergeblichen Kampfes den Mut finden, leidlich offen über die Problemlagen in den Klassenzimmern zu berichten.

Vorangegangen sind oft lange Auseinandersetzungen mit Schülern und ihren Eltern, aber manchmal auch dem eigenen Schulleiter. Das Interesse der Schulleiter liegt oft darin, dass Vorfälle einschlägiger Art tunlichst nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Man befürchtet einen Verlust des Ansehens und dass besorgte Eltern ihre Kinder nicht mehr anmelden könnten. Dass man auf eben diese Weise besorgte Eltern bzw. ihren Nachwuchs möglicherweise ins totalitäre Messer laufen lässt, ist anscheinend zweitrangig. Der Ruf der Schule geht vor.

Zu diesem Zweck werden schon einmal die Auseinandersetzungen zum Privatproblem erklärt, wie bei dieser Pädagogin:

 

 

Jüdische Pädagogin 150821

 

Hier nur ein kleines Indiz der damaligen Attacken. Mir ist das immer noch peinlich und ich traue mich fast nicht, das zu zeigen. Aber so sind die aufgehetzten muslimischen Jugendlichen mit meinen und unseren Gefühlen umgegangen.
Zum einen wurde ic
h als Frau diskriminiert und zum anderen noch als Jüdin. Das habe ich dann neben all den anderen Angriffen -nach langen Jahren des Versuches und intensiver Bemühungen, die Jugendlichen zu belehren und positiv zu beeinflussen – zur Anzeige gebracht.
In diesem Betrieb konnte ich dann nicht mehr weiterarbeiten und wurde 2 Jahre lang bei vollen Bezügen freigestellt, weil man angeblich nicht für meine Sicherheit garantieren konnte.

dische Pädagogin

Fälle wie dieser geraten fast nie an die Öffentlichkeit.

Manch ein Lehrer reibt sich zwischen hohem pädagogischem Eigenanspruch und real existierenden Schülern, die es oft an jeglicher Achtung mangeln lassen, auf.

Hinzu treten bei den Schülern untereinander, wenn die Schule eine solche Problemzone hat, manchmal Schikanen gegenüber Mitschülern, die es mit der Religion nicht ernst genug nehmen. Das kann von der reklamierten Belästigung durch fremde Pausenbrote mit Salami bis hin zur Maßregelung jüngerer Schüler im Ramadan gehen, die dann dehydriert zusammenbrechen.

Ein wenig wurde hier in Hessen einmal zu Anfang 2014 nachgesucht. Eine zaghafte Anfrage der GEW, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/nach-anwerbung-an-schulen-lehrer-fordern-mehr-hilfe-im-kampf-gegen-salafisten-12740654.html

Direkt zum Nachfrage-Zeitpunkt wurde wenig angestoßen, trotz des Hilferufs. Man war wohl der Meinung, man tue genug. Nur wenig später musste das revidiert werden und man machte weitere Angebote für Lehrer und Einrichtungen. Gleich geblieben ist jedoch, dass so mancher Lehrer nicht mit Rückendeckung rechnen kann, wenn er über die Probleme offen reden will, wenn er z.B. mit den Medien sprechen will. Die Pädagogen, die den Umfang des gesamtgesellschaftlichen Problems mit am besten einschätzen können sollten (zumindest die in den Ballungsräumen), bekommen quasi einen Maulkorb. Immer wieder hört man in Berichten, wenn es sie zu konkreten Schulen doch einmal gibt, dass man nicht an die Öffentlichkeit wolle. Die Lehrer gehen nicht an die Gesellschaft heran bzw. werden separiert. Nur mit öffentlicher Wahrnehmung könnte jedoch auch mehr Hilfe von der Politik eingefordert werden bzw. genügender Druck aufgebaut werden.

Es wäre wichtig, dass die bei diesem Thema seltsam unpolitisch agierenden Lehrer da lauter werden. Nicht nur für sich, sondern auch ihre Schützlinge. Für uns alle.

 

.

.

Sehenswert ist dazu die ältere Doku „Kampf im Klassenzimmer“: