Das Schweigen der Muslime II

Fortsetzung zu

https://vunv1863.wordpress.com/2015/11/29/das-schweigen-der-muslime/

Verbände und Organisationen sind nach wie vor nicht in der Lage oder Willens, etwas öffentlich Sichtbares, Nachhaltiges oder auch nur in der Breite Symbolisches gegen die Strassenradikalisierung zu unternehmen. Erstaunlicherweise fragen auch Journalisten nicht oder nicht mehr nach. Verbände und Vereine müssen sich gar nicht erst wegducken, wenn sie nicht mit dem gesellschaftlichen Problem konfrontiert werden. Die Medien lassen sie durchkommen mit dem Schweigen. Die Medien als Erfüllungsgehilfen der kollektiven Verdrängung.

Und doch sind die Anwerber auf der Strasse nach wie vor präsent.
In Frankfurt, Hamburg oder Bielefeld. Und vielen weiteren Städten.
Überall dort wird für die Ideologie geworben, werden junge Menschen aus der Bahn geworfen, werden vornehmlich muslimische Familien zerstört, werden Klassen durch Missionierung aufgemischt, werden junge Menschen angefüllt mit einer überschiessend fundamentalistischen und dann faschistoiden Ideologie. Ältere werden ermahnt, ein sittenstrengeres Leben zu führen oder zu spenden für das Projekt. Das findet statt und niemand stellt sich konsequent dagegen.

Wie sieht es nun mit mit der Absage an schon eigenes Engagement aus? Wie wird eigene Untätigkeit hinsichtlich der Gefahr für Jugendliche, Labile und Gesellschaft begründet? Weiterlesen

Limitierte Einsicht

Ibrahim Abou-Nagie, hauptberuflicher Buchhändler, betreibt seit geraumer Zeit einen schwunghaften Handel mit Koranen, die er als Massendruckware unter die Leute bringt. Erst als „Projekt“ bezeichnet, dann als „Stiftung“ geadelt, hat Abou-Nagie seit dem 24.09.2014 eine GmbH in Pulheim (bei Köln), wie er auf der Seite „Die wahre Religion“ angibt:

http://diewahrereligion.eu/hausdesqurans/?page_id=1795

Eine jüngere Eigendarstellung von Herrn Abou-Nagie:

 

Abou Nagie auf dem Weg zum Koran-Global Player.

All dies soll nach seinem Plan über Pulheim organisiert werden. Er kauft also nicht in einem anderen Land, in dem es günstiger sein könnte, von eingehenden „Spenden“ein, sondern verkauft nur seine Ausgaben. Es geht also weniger um den Text, sondern darum, seine eigene Ausgabe und nur diese zu vermarkten. Es geht für ihn also mindestens auch um das eigene Geschäft.

Am 09.09.2015 gründete er dazu zusätzlich eine „READLies“ Ltd, also eine Firma nach britischem Recht:

http://www.endole.co.uk/company/09770257/readlies-ltd

Er hat sich dort als „teacher“ bezeichnet.

Unter der angegebenen Adresse 18 Linden Drive, Leicester, sind noch weitere 7 Firmen gemeldet. Ob das steuerrechtlich relevant als Zweigstelle durchgeht oder nur ein Briefkasten ist, kann man prüfen.

2014 war noch Brahim Belkaid oder Abu Abdullah, Abou Nagies Statthalter auf der Insel, ab 4:20:

[Man beachte auch den Ausbruch des Herrn Abou Nagie ab 3:30, in dem er alle, die nicht auf seiner Seite sind, als „gesteuert vom Satan“ bezeichnet. Interessant auch der Frankfurter Protagonist mit der gestreiften Mütze und Abou Nagies Adlatus „Klaus“, der auch mit von der Partie war]

 
Mitte 2015 kehrte Belkaid nach Deutschland zurück. Seinen Posten übernahm Saif Uddin, Karlsruher Aktivist, der für die Firma schon in Indien war:

 

Das erscheint als Vertrauensposten.

Der flexible Herr Abou Nagie hat also verschiedene Auftritte, je nachdem, was gerade zweckmäßig ist.

Für die Geschwister: Die Stiftung
Für das deutsche Finanzamt: Die GmbH
Und: die Limited

Die könnte er für sich selbst haben. Jeder braucht ja ein Hobby. Oder so.

Auf jeden Fall sind Firmen nach britischem Recht oft der Annahme zu verdanken, dass Gelder dann steuerlich anders behandelt würden, man also der deutschen Steuer nur limitierte Einsicht in die Einnahmen gewähren müsste oder Steuervergünstigungen griffen. Das trifft aber meistens nicht zu bzw. ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, über die man sich leicht täuschen kann. Da empfiehlt sich eine gute Beratung.

Man wird sehen.

Das Schweigen der Muslime

Seit nunmehr über 4 Jahren wird in Deutschland offensiv Strassen-Missionierung betrieben. Von den Gruppierungen

LIES-GmbH (Abou Nagie)

Siegel des Propheten (Erol Selmani)

Jesus im Islam (Marcel Krass)

Die Aktivitäten sind also teilweise offen sichtbar (andere haben das weniger stringent und offen schon vorher gemacht). Sichtbar nicht nur für Insider, sondern auch für die Bürgergesellschaft, deren Teil die Muslime sein sollen und wollen, glaubt man z.B. Aiman Mazyek vom Zentralverband der Muslime. In den Fußgängerzonen flanieren nachweislich auch viele Muslime.

Die salafistischen Grundhaltungen der jeweiligen Begründer sind bekannt und unbestritten jenseits der eigenen Angaben der jeweiligen Gruppierungen („wir sind nur Muslime“). Letztere Eigeneinschätzung wird von vielen Personen auf der Strasse geteilt. Eine strukturierte Erfassung dazu fehlt jedoch, wäre aber interessant und aufschlußreich.

Das Radikalisierungspotential ist ebenso seit Jahren bekannt. In einer Auswertung des Gemeinsamen Terror-Abwehrzentrums (GTAZ) und der Hessischen Kompetenz-Zentrums Extremismus (HKE) werden 23 % der Ausgereisten als Personen bezeichnet, die mit der Straßen-Missionierung in Verbindung standen. Da die Rohdaten nur auf der Einschätzung der beobachtenden Beamten beruhen, können das unbemerkt noch mehr sein, nur zur Hälfte der Ausgereisten konnten diese Angaben gemacht werden. Etliche Ausgereiste fielen ja vorher strafrechtlich nicht oder kaum auf, werden von ihren Verwandten gar nicht als vermisst gemeldet oder haben sich so schnell im Umfeld der Stände überzeugen lassen, dass kaum Wahrnehmungsmöglichkeit bestand. Bei der Vielzahl der Aktivitäten und der behördlichen Personaldecke muss man sich fast wundern, dass es zu immerhin der Hälfte diese Informationen gab.

 

Bild Petition Salafisten

 

Die Gefährdung ist also bekannt. Zudem wird geschätzt, dass es etwa zu 80 % Personen aus dem muslimischen Kontext betrifft. Die muslimischen Verbände und Vereine wären alleine schon aus Fürsorgepflicht, so man sie denn empfindet, gefordert.

Von den großen muslimischen Verbänden ist jedoch dazu wenig Gehaltvolles zu finden. Aus 2012:

http://www.derwesten.de/politik/islamverbaende-fuerchten-dass-der-koran-der-salafisten-im-altpapier-landet-id6551940.html

Daraus, von dem Sprecher des Koordinationsrats der Muslime Ali Kizilkaya:

Vom Staat erwartet Kizilkaya nun rechtsstaatliches Handeln. „Ich würde die Aktion nicht als Grund zur Beunruhigung betrachten“, sagte er.“

Ebenda, von dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek:

Vor diesem Hintergrund ist die millionenfache Verteilung des Korans an beliebige Haushalte umstritten, denn das Wort Gottes ist kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt. Mazyek äußerte die Sorge, der Koran werde im schlimmsten Fall als Altpapier weggeworfen.

Von der DITIB ist bei kurzer Recherche wenig zu finden.

Von Herrn Mazyek finde ich nichts Gehaltvolleres, habe allerdings auch seine vielfachen Show-Auftritte in Funk und Fernsehen nicht allesamt gesehen und geprüft. Man könnte fast annehmen, dass, weil er den Begriff Islamisten ablehnt und nur „Terroristen“ gelten lassen will, alle Personen unter seiner „Terrorschwelle“ normale Muslime sind. Für die Salafisten und die Grauen Wölfe oder die Muslimbrüder fehlte da schlicht der Oberbegriff. Konkreter wird er erst recht nicht, er nennt nicht Roß und Reiter nach meiner Kenntnis. Terroristen sind die LIES-Unterstützer ja nun noch nicht. Da muss man also nix machen. Wegdefiniert. So einfach kann das Leben sein. Ich bin für Korrekturen offen (und sollte ich da was übersehen haben, tut mir das leid).

Doch auch andere scheitern am offen bekundeten Bürgersinn.

Nicht öffentlich scheint etwas mehr zu gehen. Nicht von Mazyek, aber immerhin ZDM Hessen, bei einer Anhörung im Hessischen Landtag zu Beginn dieses Jahres:

Auch Abdassamad El-Yazidi, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Hessen, forderte bei einer Lantagsanhörung: „Wir müssen diesen Lies!-Aktionen den Nährboden entziehen.“ Die Koranbücher in deutscher Sprache würden in erster Linie von Saudi-Arabien finanziert, darin werde „eine ganz bestimmte Ideologie“ des wahabitischen und damit strenggläubigen Koran vermittelt. „Wir müssen dazu einen Gegenpol schaffen“, betonte El-Yazidi.

Die Ahmadiyya wollen bei den gleichen Anlass – das passt zu ihrem Langsfrist-Plan – lieber selber übernehmen.

Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Gemeinden Deutschland, forderte: „Wir friedlichen Muslime müssen uns die Deutungshoheit zurückerobern.

Da sind allerdings schon Jahre ins Land gegangen.

Allgemeine, öffentliche Aufrufe an Eltern und junge Menschen: Fehlanzeige (ich kenne zumindest nichts).

Die vielen, vielen kleineren Gemeinden, die nicht in den großen Verbänden organisiert sind, bringen da ebenfalls wenig:

Keine Aktionen in der Öffentlichkeit im Umfeld der Stände

Keine öffentlichen Aufrufe an die Muslime, auf die Kinder zu achten

Keine ehrenamtliche muslimische Sozialarbeit um die Stände herum, die, v.a. wenn mehrere Vereine sich zusammen täten, leicht zu organisieren wäre

Frankfurt hat 46 grob als muslimisch einzustufende Vereinigungen. All diese schaffen es nicht aus eigener Kraft oder Willen. Woran liegt das?

Schon hunderte Male bekam ich von normalen muslimischen Passanten auf Vorhalt zu hören, das seien doch nur besonders fromme Brüder. Was wir denn gegen diese Koranverteilungen hätten und ob ICH SELBER bei so einer Radikalisierung und einer Ausreiseanregung dabei gewesen wäre? Der Verweis auf die Dokumentationen hilft nicht, denn das wird als Verschwörung der Massenmedien , auch der öffentlich-rechtlichen Sender bezeichnet. Allesamt muslimfeindlich. Die Berichte seien nur geeignet, um das Ansehen der Muslime (die LIES-Protagonisten werden auch da nicht „exkommuniziert“) herabzusetzen. Erwähnt man Eltern, mit denen man sprach und erwähnt ihre Verzweiflung, dann ist das wahlweise die freie Entscheidung des Gotteskriegers in spe oder die Eltern sind halt schlechte Eltern. Man lässt die Belege einfach nicht gelten. Die „besonders frommen Brüder“ kommen sehr häufig mit ganz reiner Weste aus der Debatte.

Das selbe Bild bei den Auftritten von Pierre Vogel und Co.
Wo bleibt die offene muslimische Gegenhaltung und öffentliche Aktionen?

Vereinzelt gab es Aktionen, die sich aber mehr an die Mehrheitsgesellschaft richteten.
Es gibt wenige liberale Vereinigungen, die sich klar positionieren, aber die vertreten nur eine Handvoll Muslime. Auf der Strasse, so mal als Zeichen, waren die aber auch noch nicht. Es sind einzelne Personen, die sich positionieren oder sich auch mal – bei unserer Mahnwache haben wir häufiger solche Personen dabei (meist Exil-Iraner) – zu einem Straßenprotest bekennen.

Derweil postet der Herr Abou Nagie, wie viele „Geschwister“ ihn mit „Spenden“ unterstützten.
„Free Gaza“-Demos finden großen Zulauf. Da geht was. Bei den Salafisten wohl nicht.

Die muslimischen Organisationen haben so noch einen weiten Weg, um in der Bürgergesellschaft anzukommen. Da heißt es Verantwortung zu übernehmen aus sich selbst heraus und nicht nach dem Staat zu rufen, öffentlichen Geldern oder nach Gott. Das muss man schon selber tun.

Ihr Aufschlag, Aiman Mazyek.

Mahnwache vom 14.11.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank der Frankfurter Polizei für den umsichtigen Schutz.

Frankfurt Zeil, der Tag danach. Es ist kalt, windig und es nieselt. Kein Wetter, um stehen zu bleiben und zu reden. Wir sind heute nur ganz wenige. Verschiedene Mitstreiter laufen ohne Plakate herum und versuchen, die Menschen ins Gespräch zu ziehen.

Zwei kleine Jungen, vielleicht 7,8 Jahre alt, kommen auf mich zu und erzählen mir, es sei nicht gut, was ich da mache. Offenkundig wurden sie ausgeschickt. Warum ich denn da stünde? Ich will es einfach machen und sage, weil in Paris was Schlimmes passiert sei. Nein, meinen sie, Paris wäre nicht schlimm, sondern gut. Das macht mich einen Moment sprachlos, in dem sie weglaufen.

Mehrere junge Frauen, die schon vergangene Samstage da waren, sind wieder zugegen. Sie fangen wieder von vorne an mit der Frage nach Islamismus. Auf die Entgegnung, das hätte ich nun doch schon erklärt, verneinten sie vehement. Offenkundig weiden sie sich darin, dass ich das natürlich nicht nachweisen kann. Mehrere fordern aggressiv eine Erklärung, rücken immer näher. Ich weise auf Paris hin. Das interessiere sie nicht, sie hätten was gefragt und ich hätte noch nicht geantwortet. Sie formierten sich und rückten ständig näher. Wollte man Platz schaffen, kreischten sie hysterisch, man solle ihnen nicht zu nahe kommen. Bizarr und theatralisch.

Einer Mitstreiterin, die doch mal auf das Thema Paris bringen konnte, wurde aggressiv vorgehalten, SIE sei schuld an Paris.

Besuch bekamen wir heute von einem jungen Mann, der für LIES aktiv ist:

 

Rechts im Standbild.

Der junge Mann schien bemüht, mit Unterstellungen so zu arbeiten, dass ich nachfolgend meinerseits falsche Behauptungen aufstellen sollte. Er schien ständig die Behauptung rausholen zu wollen, dass ich selber eine Anwerbung am LIES-Stand mitbekommen hätte. Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass vielleicht ein Tonmitschnitt lief. Nun denn.

Zwei junge armenische Christen erkundigten sich. Sie hatten die Szenen eine Zeit lang beobachtet und waren bestürzt. Zwei Mal wurde zwischendrin „allahu akbar“ gerufen. Dabei blieb es glücklicherweise. Es war gespenstisch genug.

Mehrere junge Männer versammelten sich hinter meinem Rücken und sprachen bestimmt 20 Minuten halblaut Abfälliges über mich als Person. Sie besprachen nicht mal die Inhalte der Plakate, sondern äußerten rein persönlich Herabsetzendes. Jede Äußerlichkeit von mir wurde durchgehechelt. Die Masche sollte mich offenkundig reizen und aus der Fassung bringen. Kurz danach machten sich mehrere 13 Jährige den „Spaß“, so zu tun, als brächten sie einen Sprenggürtel zur Explosion. Die Gesten sollten leider genau das heißen.*bumm* machten sie, lachten und liefen weg.

Zwischendrin stürmte eine junge Frau an mir vorbei und es gab einen kleinen Schlag gegen mein Plakat. Als ich nachsah, bemerkte ich einen Aufkleber der „Antifaschistischen Aktion“. Aufkleben ist natürlich einfacher als Diskutieren und verstehen, wobei man das auch wollen muss. Es gab schon verschiedene ähnlich kenntnislose Antifa-Aktionen, bei denen auch die Erläuterung nichts brachte, da man nicht zuhörte oder verstand.

Als ich einmal zu einer stark umdrängten Mitstreiterin wollte, die in 4er Reihe umringt war und mein Plakat – es ist unhandlich – versehentlich die Schulter einer LIES-Unterstützerin streifte, machte sie keifend eine Riesengeschichte daraus. Das Plakat hatte ihr sicher nicht weh getan, aber sie beschwerte sich die ganze Zeit danach, lief mir nach. Auch dieses Verhalten ist aus anderen Ländern bekannt. Es ist bitter, dass man einige Stereotype aus Israel-Videos auch auf der Zeil erleben kann.

Mehrere junge Frauen, alle „westlich“ gekleidet, wollten mich „nach Hause schicken, damit ich dort was Sinnvolles tue“. Da lernt man doch gleich, dass „westliche“ Kleidung nichts über die Sichten aussagen muss.

Ein Mann Mitte 40, der sich später als Mitglied einer marokkanischen Gemeinde outete, stand mit seiner Frau und Tochter nahe und machte sehr abfällige Bemerkungen über mich als Frau. Was ich denn gegen den Märtyrertod hätte? Männer würden dann viele Jungfrauen bekommen. Ich solle doch auch übertreten, dann würde ich wenigstens nach dem Tod einen Mann kriegen, das wäre doch gut. Oder ob er mich heiraten solle? In diesem Tenor setzte er vor einer Runde feixender muslimischer Passanten verschiedenen Alters fort. Nachdem ich mit meinem eigentlichen Gesprächspartner geendet hatte, drängte er sich vor. Seine sehr unverschämte Art war auf diese Weise neu: Er kam sehr nah und lächelte dabei auf eine böse Art. Es wurde offenkundig, dass er beschäftigen wollte. Immer wenn ich mich abwandte, versuchte er – vor der Gruppe – erneut zu provozieren: Er hätte gewonnen. Er sei gut und ich nichts. Der marokkanischstämmige Mann versuchte somit etliche Minuten lang, in Nonsense-Gespräche zu ziehen. Der Umstand, dass man trotz seiner unverschämten Gesprächsführung ruhig blieb, schien ihn zu ermutigen. Er machte dann das selbe bei einem Mitstreiter. Seine Frau schob sich dann vor und hielt mir ein Bild eines Fötus unter die Nase. Der Fötus war am Kopf beschädigt, sie meinte, die Mutter sei erschossen worden. Auf den ersten Blick schien mir das Bild eher eine Darstellung eines Präparats einer Spätabtreibung (die Wunden waren für Schussverletzungen zu glatt). Aber um das sicher sagen zu können, hätter es mehr bedurft als eines wackeligen Handy-Bilds, das man kurz unter die Nase gehalten bekommt. Warum ich nicht gegen dieses „Opfer Israels“ protestiere?

In letzter Zeit auf der Strasse zunehmend schiebt man sich sehr übergriffig dazwischen. Es ist kaum mit einzelnen Passanten zu sprechen, was Absicht zu sein scheint. Man versucht durch reindrängen und aggressives Gespräch-Übernehmen zu verhindern, dass man mit normalen Passanten spricht oder überhaupt zu einem vernünftigen Satz kommt.

Eine jüngere Muslima – verschleiert – lies sich den Anlass der Demo erläutern. Sie verstand das Anliegen und teilte die Sicht, dass den Straßenverteilungen etwas entgegengesetzt werden sollte.

Eine größere Frauengruppe mit Kindern blieb bis zuletzt, rückte dicht auf, keifte auf enervierende Art. Alle waren „westlich“ gekleidet, teilweise sehr stark geschminkt. Auch mit ihnen war eine Sachdebatte nicht möglich, alles endete immer in aggressiven Zuschreibungen und rabulistischen Versuchen. Eine Kindergruppe, vielleicht 8-9 jährige, die ihnen zuzuordnen war, ging zuletzt auf uns und eine Polizeigruppe zu und versuchte, auch dort aufmüpfig zu sein. Dort blieb es allerdings beim Versuch.

Man sah mir heute sicher meine Betroffenheit an. Da man mir dies ansah, wurde es häufiger thematisiert, es diente mehrfach der Erheiterung bzw. wurde höhnisch kommentiert.

Das war klassisches Bullbaiting als Sport in der Fußgängerzone.

Die muslimischen Passanten, die heute bei uns waren, schienen irgendwie, es ist schrecklich diese Empfindung zu schreiben, aggressiv und mehrheitlich – voller Genugtuung. Gewalt muss nicht immer physisch ausgeübt werden – sie kann auch psychischer Natur sein. Männer, Frauen, Kinder – ein Reizwort, das sie nicht verstehen oder missverstehen wollen und schon tritt diese spontane Affektentladung auf. Es ist erschreckend, dass auch Attentate wie in Paris nichts an der Art des Herangehens ändern. Ich hätte mir heute wenigstens bei einigen ein anderes Verhalten gewünscht als das gezeigte.

Die Hoffnung, sagt man, stirbt zuletzt. Heute ist bei mir ein Stückchen zu Grabe getragen worden.

Abou Nagies GmbH

 

Seit dem 24. September letzten Jahres hat Ibrahim Abou Nagie offiziell eine GmbH, die Lies-GmbH. Sie ist eingetragen im Handelsregister beim Amtsgericht Köln:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/21/der-preis-des-diesseits/

Der Unternehmensgegenstand beinhaltet nach diesem Eintrag den „Druck und Verkauf von Büchern sowie den Vertrieb im Onlineshopsystem“.

http://www.unternehmen24.info/Firmeninformationen/DE/4023280

GmbH sind Handelsgesellschaften bzw.:Kapitalgesellschaften

https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_mit_beschr%C3%A4nkter_Haftung_(Deutschland)

Der Herr Abou Nagie ist als Geschäftsführer eingetragen. Insofern hat er eine ordnungsgemäße Bilanz zu erstellen:

https://dejure.org/gesetze/HGB/242.html

An Ausgaben sollten der Einkauf der Koranexemplare (die Ausstattungsgegenstände einmal außen vor gelassen) und deren Verschickungskosten anfallen, die allgemeinen Betriebskosten im Sintherer Holzweg, die Kosten der „6 Hauptlager in Deutschland“ sowie seine „Geschäftsbesuche“ bei den Verteilern und die Geschäftsreisen. Natürlich auch sein Geschäftsführergehalt, denn es ist schwer vorstellbar, dass der Herr Abou Nagie noch Nachtschichten in einem Briefverteilungszentrum z.B. schiebt.

Einige Angaben zum Umfang der Geschäftstätigkeit sowie Vergleiche mit seinem früheren Betrieb finden sich hier:

 

Von einer detaillierten Buchführungspflicht ist er nur bei Unterschreiten bestimmter Umsätze bzw. Erlöse entbunden:

https://dejure.org/gesetze/HGB/241a.html

Da der Herr Abou Nagie aber intensiv in Europa verteilen lässt und er – von ihm selber auf der fb-Seite „Die wahre Religion“ dokumentiert – „Geschäftsreisen“ großen Ausmaßes in Deutschland, Europa und in verschiedene entferntere Länder tätigt, deren Gesamtkosten schätzungsweise einen 5-stelligen Betrag im Jahr betragen, bestehen begründet Zweifel an der Unterschreitung dieser Grenze.

Die eingehenden Spenden müsste er dann als Einnahmen gegenüberstellen. Ob Zahlungen, die für einen konkreten Gegenstand entrichtet werden, überhaupt als allgemeine Spenden zu sehen sind, wäre zu prüfen. Es handelt sich wahrscheinlich banal um einen Kaufpreis, da Abou Nagie eben nicht frei entscheiden können soll, wofür die Spende genutzt wird (er sollte, nach Absprache, dafür Korane kaufen und verteilen, nicht z.B. Wasserpistolen und verschenken oder Nagellack). Es handelt sich vereinbarungsgemäß somit wohl um eine Gattungsschuld. Anders wären ggf. die Einnahmen zu sehen, die für seine Reisen genutzt werden oder für betriebliche Aufwendungen. Gehen mehr Einnahmen ein als Ausgaben getätigt werden, so macht die GmbH Gewinn, der den Gesellschaftern zu Gute kommt. Wer auch immer diejenigen sein mögen, die die 25.000 € Einlage beisteuerten.

Eine Spezialität des deutschen Kaufrechts macht diese Sicht auf die Betätigungen von LIES! als gewerbliche Handlungen zusätzlich möglich: Es gibt eine Trennung zwischen Verpflichtungss- und Verfügungsgeschäft. Der, der zahlt (hier: Spender), und der, der entgegennimmt (hier der Beschenkte), müssen nicht identisch sein. Der Schenker ist also nicht Abou Nagie, für den es n.m.M. immer eine gewerbliche Handlung bleibt, sondern der Spender. Der Spender kauft also bei Abou Nagie einen oder mehrere Korane für die „Spendensumme“, über die er verfügt, dass diese von ihm gekauften Korane an nicht näher bestimmte Dritte kostenlos abgegeben werden bzw. die sonstigen Kosten der GmbH decken helfen sollen.

Der Herr Nagie ist also über die GmbH Gewerbetreibender. Welchen rechtlichen Status unter dieser Prämisse die Verteiler haben, wäre zu prüfen. Kostenlose Arbeitsverrichtung ist bei einem Gewerbebetrieb so eine Sache. Ggf. müssten – selbst wenn der Arbeitslohn als Schenkung zurückflösse (wofür dann aber wieder ggf. Steuern zu entrichten wären) – die Personen trotzdem versichert werden. Als Gewerbetreibender unterliegt er natürlich nicht nur den Richtlinien für die Bilanzbuchhaltung und ggf. einer Versicherungspflicht für Personen, die in seinem Auftrag seine Geschäftstätigkeit ausführen, sondern auch allen anderen Regeln für Gewerbetreibende. Zum Beispiel dem UWG, dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Der Gesetzestext ist hier einsehbar:

http://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/index.html#BJNR141400004BJNE000402140

Da gibt es einige Vorschriften, die im Spannungsfeld zu Mitbewerbern – Buchhandlungen, Onlineshops – geprüft werden könnten. Dieses Arrangement ist also durchaus etwas für spitzfindige juristische Überlegungen. Das sollte man dann einmal tun.

Lies Frankfurt – gestern, heute, morgen

Die auf der Strasse sichtbaren Aktivisten von LIES! dienen nicht nur der Koran-Verteilung und der direkten Mission. Sie stellen auch den repräsentierten Teil der Gruppierung gegenüber Spendern und der eigenen Community im Netz dar.

Insofern werden Fotos von den Infoständen gemacht, um die Aktivität gegenüber diesen Spendern zu dokumentieren und neue Mitstreiter zu gewinnen.

Die Frankfurter Gruppierung leidet seit einiger Zeit unter optischem Schwund, der einen realen Schwund bei dieser Form der Missionierung darstellen kann, aber nicht muss. Bei unverändert wachsender Gemeinde und steigender Anzahl sich von der Gesellschaft abkehrender junger Menschen, mag sich nicht jeder dort präsentieren und will auch nicht jeder seine radikalen Sichten derart dokumentiert wissen. Die Jungen und Männer am rande und im Hintergrund sah man kaum auf den Fotos und nur selten in Videos.

Bilal Gümüs, Frankfurter Abteilungsleiter der LIES!-GmbH, stellt in letzter Zeit vermehr Alt-Bilder ein. So postet er zum 4. Jahrestag der Frankfurter Aktion dieses alte Bild:

 

 

Zum Vergleich ein durchaus derzeit typisches Bild der letzten Aktion:

 

 

[Man beachte die exakt gleiche Zahl likes bei den Bildern.]

 

Das mag an der überregionalen Einbindung und Beschäftigung von Herrn Gümüs, der ein sehr aktiver Vernetzer in die Sossenheimer Szene war, liegen. Es kann auch am bürgerschaftlichen Gegenwind durch die Mahnwache liegen und an den vermehrten Personenstandkontrollen. Der Schwund ist relevant auch durch die Abreise vor einigen Monaten von Aktivisten nach Syrien bedingt, dem nicht mehr Aktivisten in gleicher Zahl als Ersatz folgten.

Natürlich gibt es immer Schwankungen und noch letztes Jahr waren LIES!-Aktionen zu beobachten, an denen sehr viele junge Menschen teilnahmen, v.a. wenn sich Personen wie Sven Lau ankündigten.

Andere Aktivitäten wie Grillfeste gab es dieses Jahr wohl nicht. Zu diesen Grillfesten wie hier in 2014 waren Szenegrößen wie Abdellatif Rouali und Bernhard Falk geladen:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/polizei-kontrolliert-salafisten-treffen-sich-in-frankfurter-waeldchen-12992377.html

Das zog natürlich eine Menge Personen.

LIES! Frankfurt scheint also bei unverändertem Zulauf zu der Szene auf einem absteigenden Ast. Die Frankfurter Szene verlagert sich, diversifiziert sich, trifft sich woanders und in anderen Formen. Das wird man genau beobachten müssen, auch wenn es der Beobachtung weniger leicht zugänglich ist.

Denn die Personen mit faschistoidem bzw. totalitärem Gedankengut werden weiterhin da sein und aktiv sein, auch wenn die LIES!-GmbH dereinst verboten wird. Es wird andere Formen geben. Diese gilt es frühzeitig zu erkennen und gegenzuwirken.

Keiner hört auf Abou Nagie

Von jemandem, der Korane verteilt unter anderem mit der Aufforderung, man möge diese lesen, sollte man eigentlich annehmen, dass er selber das getan hätte. Sollte man.

Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus. Erol Selmani, Chef von „Siegel der Propheten“ und wiedervereinigt mit Ibrahim Abou Nagie

https://vunv1863.wordpress.com/2015/09/17/nagie-und-selmani-wiedervereinigung-der-herzchen/

scheint die Aufforderung von Wiedergänger-Chef Abou Nagie nicht allzu ernst genommen zu haben. Anders ist dieses Video, das Selmani vor einigen Monaten ins Netz stellte, kaum zu erklären:

 

 

Man sehe einmal von der ätzenden Angstmacherei bei den 10 Jährigen ab. Auch vom eigentlichen Inhalt des Videos, sondern konzentriere sich auf den Titel:

Islamhasser versucht mit falschen Koran (von Ahmadiya), kleine Kinder zu widerlegen

Die Ahmadiyya haben eine „eigene“ Koranübersetzung. Zumindest dem Titel nach. Inhaltlich bzw. von der Übersetzung her ist diese Übersetzung jedoch quasi textgleich mit der von ibn Rassoul.

Das Peinliche daran ist: Das ist die von Abou Nagie verteilte Übersetzung.
Die Textkenntnis von Herrn Selmani reicht also nicht einmal so weit, diesen Umstand zu kennen (ein durchaus verbreiteter Irrtum).

Da wird der Herr Abou Nagie seinem neuen „Abteilungsleiter NRW“ aber einmal ins Gewissen reden müssen. Den Firmen-Slogan nicht ernst genommen? Geht gar nicht!

Vielleicht kann der Herr Abou Nagie dem Herrn Selmani einmal ein paar Coaching-Stunden spendieren. Gibt es in anderen Firmen ja auch. Die Aufforderung „LIES!“ alleine tat es offenkundig nicht. Da muss dann schon eine richtige Nachschulung her. Oder ein Hörbuch, wenn es mit dem Lesen nicht so klappt.

Auf jeden Fall ist da noch einiges zu tun.
Oder: Bleiwe losse und vielleicht mal nicht mehr nur „Chief Executive Officer“ (kein Scherz, Eigenbezeichnung*) bei „Siegel der Propheten“, öhm, Allah, öhm, freiberuflicher Lagertätigkeit sein.

 

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* In einem kleinen Verein wie SDP ist der „CEO“ natürlich Mädchen für alles:

Das ist an sich normal und bei jedem kleinen Verein so. Das ist völlig in Ordnung und man sollte darüber kein Wort verlieren und schon gar nicht spotten. Aber sich bei noch selbstausgeführten Lagertätigkeiten dann „CEO“ zu nennen, ja, das offenbart schon ein gewisses Geltunsgbedürfnis. Zudem darf man berechtigt fragen, was der Herr Selmani unter „privaten Ermittlungstätigkeiten“ versteht. In anderer Leute Unterhosen schauen? Nicht doch, wer wird denn.

LIES Frankfurt am Hauptbahnhof

In den letzten Wochen war es zunehmend schwerer geworden für die Aktivisten von LIES, auf der Zeil noch ungestört ihren Betätigungen nachzugehen. Häufigere Personenstandsfeststellungen bewirkten, dass sich das Klientel durchaus beobachtet fühlte. Die Akhis waren zwar nach wie vor vor Ort, deren Daten werden ja nicht aufgenommen in der Regel, es war jedoch nicht mehr so gemütlich wie in den vergangenen Jahren.

Vor dem Hintergrund, dass etliche Aktivisten vor einiger Zeit einen langen Urlaub im Süden angetreten haben, und verlässlich weniger Personen sich auch Bildern und Öffentlichkeit stellen wollten, wurde es schwieriger. Von ehemals 3 Aktionstagen wurde auf einen reduziert.

 

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LIES!-Aktivisten vor dem Frankfurter Hauptbahnhof Bild: fb-Seite „Die wahre Religion“

 

Vor diesem Hintergrund ist der Ortswechsel an den Frankfurter Hauptbahnhof verständlich. Man hat dort zunächst seine Ruhe, glaubt man, hat Nähe zu Einrichtungen, in denen man Unterstützer wähnt oder weiß, und kann bei ankommenden Flüchtlingen auch gleich präsent sein.

 

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Bilal Gümüs am Hauptbahnhof Bild: fb-Seite „Die wahre Religion“

 

Es wird sich weisen, ob der Bahnhofsvorplatz schon öffentlicher Platz oder noch DB-Gelände ist. Die Verantwortlichen der Stadt oder auch die der DB sollten auf jeden Fall darauf achten, dass Frankfurter Gäste und Reisende nicht gleich behelligt werden und auch dafür Sorge tragen, dass junge Flüchtlinge nicht schon dort angeworben werden. Es geschieht leider schon in und an verschiedenen Einrichtungen verschiedener Träger. Man ist noch nicht hinreichend für die salafistischen Umtriebe dieser Gruppierung und anderer Akteure sensibilisiert.

Mahnwache vom 19.09.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“.

Vor Beginn waren bereits zwei junge muslimische Männer am Platz, die ich aus vorangegangenen Debatten kannte. Sie warteten schon auf den Beginn der Mahnwache. Sie diskutierten diesmal gar nicht länger mit, sondern beobachteten nur, wechselten die Kreise, bei denen sie zuhörten. Für manch einen ist die Mahnwache Anlaufpunkt geworden, an dem man über diese Dinge einmal offen redet.

 

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Drei Mädchen, vielleicht 15, „westlich“ durchgestylt und geschminkt, waren erbost und regten sich über den Begriff Islamismus auf. Sie fühlten sich angegriffen, wollten die Definition aber gar nicht hören und verfielen in eine Art Hysterie, die in ein Keifen umschlug. Bei einer Mitstreiterin verkündeten sie dann, den IS „irgendwie gut“ zu finden. Solche Mädchen sind leichte Opfer für die mittlerweile spezialisierten Mädchen-Anwerberinnen.

Mehrere Passanten machten Mut. Viele standen – wie häufig – herum, unschlüssig, aber positiv berührt.

Eine Dreiergruppe „westlich“ gekleideter junger Frauen mit starkem Makeup kam forschen Schritts näher und verlangte selbstbewußt, dass ich das Schild herunternehmen solle. Die Wortführerin wollte es sich deutlich nicht erklären lassen, äffte mich aggressiv nach und verstieg sich dann in verschiedene Beleidigungen. Nachdem sie mich mehrfach „Nazi“ genannt hatte, lies ich ihre Personalien feststellen.

Ein alter Mann stellte sich hin und schrie laut herum. Er sammelte eine Gruppe Menschen um sich herum, worunter auch ein häufig anwesender, auch arabisch sprechender LIES-Sympathisant und der unten erwähnte LIES-Anhänger waren. Beide fanden es offensichtlich großartig, wie laut der alte Mann war und versuchten halbherzig, weil sie meinen Blick sahen und auch merkten, dass die Polizei einen Schritt nach vorne machte, ihn herunter zu bringen. Er schrie weiter, als ich ihm die Aktion zu erklären versuchte. Er ging dann. 10 m weiter verwandelte er sich in einen friedlichen scheinenden alten Mann zurück.

Ein junges Mädchen aus dem direkten Dawaffm-Umfeld war wieder vor Ort und hatt eine Freundin, autochthon und wohl Nichtmuslima mitgebracht. Sie standen so 8 m entfernt, wobei die Muslima uns ihrer Freundin mit Deuten etc. erläuterte, wie man das wohl mit Affen im Zoo auch tut. Man kann sich vorstellen, dass dieses junge Mädchen von der gleichaltrigen Fanatikerin eine sehr spezielle Geschichte zu hören bekam.

 

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Nach 2 Wochen traf ich wieder auf einen jungen Mann, ungefähr 18, dicklich, in Sportkleidung, der mir das vorherige Mal angeboten hatte, ich könne für 7,50 € für ihn arbeiten, da täte ich wenigstens etwas Anständiges, würde mehr als Harzt IV kriegen und müsste nicht mehr solche Schilder halten. Ich solle das Schild herunter nehmen, meinte er wieder. Gestern sagte er mir zudem, ich solle Deutschland einfach verlassen. Der junge Mann schien marokkanischstämmig und ich bezweifle, dass er es je zu mehr bringt als dem Hauptschulabschluß von Diktion und Verhalten her. Aber er war völlig überzeugt von sich, dass er (mein) Chef sei.

Bei uns schauen auch häufig Touristen vorbei und lassen sich die Aktion erklären. Gestern stach ein älteres Par aus Israel heraus, das Grund und Haltung sehr gut nachvollziehen konnte. Wir bedanken uns für ihre geäußerte Anerkennung.

Ein junger Mann, der vor 3 Wochen in traditioneller Kleidung und mit Käppchen versucht hatte, zu diskutieren, war wieder anwesend, diesmal in üblicher Straßenkleidung. Er ordnet sich selber eindeutig LIES! zu, glaubt an den Shaytan und Jinns. Er hält sich für überaus wissend und wertet Wissen, das er für nicht islamisch hält, massiv ab. Um das subjektiv in Deckung zu bringen, vertritt er verschiedene Verschwörungstheorien. Er blieb die ganze Zeit. Dabei versuchte er streckenweise „Manndeckung“ bei mir, um, sobald ich in ein Gespräch einsteigen wollte, dieses zu torpedieren durch Zwischenfragen oder Ablenkungen. Mehrfach bekundete er, nach Syrien gehen zu wollen, mit einer Hilfsorganisation. Ich wies ihn auf VPN hin und dass ihm dort geholfen werden könne, es dort Ansprechpartner gebe. Er lehnte dies ab. Er benötige keine Hilfe. Alternativ dachte er laut darüber nach, sich hier etwas aufbauen zu wollen. Er besuche die Schule, habe aber schon Führerschein, er wolle heiraten. Er zitierte „die Heirat ist die halbe Religion“. Er sei Waise, meinte er. Was wohl seine Zieheltern davon halten?

Sehr aufgeregt gerierte sich ein weiterer älterer Mann, der auch sehr laut wurde und der sich an den Schildern störte. Auch um ihn bildete sich umgehend eine Traube Passanten und einen Moment schien die Lage problematisch zu werden. Auch der oben erwähnte arabischsprechende LIES-Sympathisant und der putative Syrien-Reisende gesellten sich hinzu. Der Mann bezeichnete sich als Schiit, meinte aber, er sei aus dem Gaza-Streifen. Es fand zwischen dem angeblichen Waisen und dem Mann ein Wortwechsel statt, an dessen Ende man sich sehr emotional um den Hals fiel, man sei doch unter Brüdern. Der Arabischsprechende schaute finster und versuchte, den Syrienreisenden auf arabisch zurechtzuweisen. Ich verstand kein Wort, sah aber die Körpersprache und hörte den Wortklang. Es hörte sich nach: „Wie kannst du nur!“ an. Der Palästinenser schrie dann, Israel habe ihn sein Bein gekostet, eine Rakete (es blieb unklar, ob er unter dem Beschuss oder beim Selberabfeuern den Verlust erlitt) sei schuld. Er krempelte sein Hosenbein hoch und es kam eine Stahlprothese zum Vorschein. Er schrie weiter und verfiel dann ins Weinerliche: Jahrelang sei er in Gaza nicht ausreichend versorgt worden, aber hier in Deutschland nach 2 Monaten… Er fiel auf die Knie und küsste den Boden. Die größere Gruppe diskutierte noch weiter, als wir den Platz verließen. Es war 19 Uhr.

Nagie und Selmani: Wiedervereinigung der Herz(ch)en

Abou Nagies LIES-GmbH ist das erfolgreichste Koran-Verteilungs-Projekt in Deutschland und Europa, der Marktführer sozusagen, und er dürfte mit dieser Geschäftsidee wohl der Erste gewesen sein.

Nach einiger Zeit wollte Erol Selmani, in Düsseldorf ansässiger Aktivist der LIES-Aktion, wohl auch ein Stück vom „Dawa-als-Geschäft“-Kuchen abhaben. Er gründete „Siegel der Propheten“ und zog kurzerhand seine eigenes Koranverteilungsprojekt durch. Er verteilt die Übersetzung von Bubenheim und trat damit in Konkurrenz zu Nagie.

Es gab einige erbitterte Wortwechsel zwischen Nagie und Selmani* – so erbittert, dass alleine dieser Kampf um die Meinungsführerschaft eine Geschäftsabsicht vermuten ließ. Wenn beide Übersetzungen in Ordnung sind und es beiden nur um die Dawa, die Mission, ginge, wäre das sonst nicht erklärlich.

Selmani war nur mäßig erfolgreich mit dem kopierten Konzept. Bis auf Hamburg und Düsseldorf wurden über die Republik lediglich vereinzelt (auch mal in Frankfurt) Aktivisten mit der gleichartig aufgemachten, aber andersfarbig durchgestylten Aktion gesichtet.

Selmanis hat „Siegel der Propheten“ mittlerweile in der Talstraße 101 in Düsseldorf als Verein eingetragen. Die Gemeinnützigkeit wurde dem Verein vom Finanzamt Köln jedoch vor Kurzem verweigert.

Aktuell haben Nagie und Selmani beschlossen, sich wieder miteinander zu vertragen und hat gemeinsam ein großes „wir sind eine Ummah“-Video veröffentlicht:

 

 

Man könnte die Vermutung haben, dass bei den mutmaßlichen Geldströmen und der jetzigen Lage die Gelder für die Dawa bei Flüchtlingen besonders üppig fließen. Das reicht für zwei, da ist Nagie wohl großzügig. Und weil er gerade in Geberlaune scheint, aber doch ein wenig Pathos nicht fehlen darf, ernennt er sozusagen Selmani gleich zu seinem Kronprinzen. Der Mann der Zukunft, der, der das Projekt weiterführen wird, würde gekört. Das wird Brahim Belkaid, Bilal Gümüs und Saif Uddin zwar ein bisschen ärgern, die die ganze Zeit fleißig für den Chef unterwegs waren. Vielleicht kann man ihnen aber in dieser misslichen Lage die Bibel andienen. So die Geschichte vom verlorenen Sohn zum Beispiel.

* An anderem Ort war darüber berichtet worden:

http://boxvogel.blogspot.de/2014/11/von-erol-selmani-und-ibrahim-abu-nagie.html