Bertelsmann: Bad Practice II

Teil 2 der Betrachtungen zu einer aktuellen Publikation der Bertelsmann-Stiftung

Teil 1:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/08/17/bertelsmann-bad-practice/

Als drittes Projekt werden in der „Good Practice“-Broschüre ab S. 31 die Kurse der Imam Hossein Gemeinde in Wiesbaden und der „Wiesbadener Akademie für Integration“ vorgestellt. Beide sind eingetragene Vereine am Amtsgericht Wiesbaden. Die „Wiesbadener Akademie für Integration“ klingt zunächst weltanschaulich neutral und tritt auch so auf, hier die Internetpräsenz der „Akademie“:

http://www.wiesbaden-akademie.de/

In dem erzählenden Bericht Gerlachs über die Projekte wird die Eigendarstellung der Projektleiter wesentlich übernommen. In Breite wird über die gesonderten Kurse berichtet, die sich v.a. an afghanische Geflüchtete richten sollen. Wie dort die Auswahl getroffen wird, erfährt man nicht, s.u. Dafür wird ungeprüft auch nachweislich Falsches übernommen, S.35:

So sei sie zwar 2012 ursprünglich von Mitgliedern der Imam Hossein Gemeinde entstanden, inzwischen sei sie jedoch unabhängig und zu den führenden Mitgliedern und Aktiven zählten nun auch viele Nichtmuslime.

Unabhängig wovon?
Die maßgeblich handelnden Personen sind in Moscheeverein und „Akademie“ jedoch nach wie vor identisch, klar der Moscheegemeinde zuzuordnen. Dies ist erkennbar an aktuellen Registerauszügen.

Die „Akademie“:

 

Der Moschee-Verein: Weiterlesen

Verbot von „LIES!“ – wo ist Abou Nagie?

Bundesweite Razzien – großer Schlag gegen die islamistische Szene – 200 durchsuchte Objekte

Der Bundesinnenminister hat heute morgen die Koranverteilungsaktion „LIES!“ verboten. Es finden bundesweit Razzien statt:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/salafisten-bundesweite-razzia-gegen-islamistischen-verein-a-1121208.html

Die Aktion der Behörden trifft jedoch auf eine vorbereitete Szene. Die Aktion wurde umbenannt:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/11/13/lies-wird-umfirmiert/

Aktuell soll die Struktur unter der Leitung von Pierre Vogel weitergeführt werden. Man wird sehen, in welcher Form diese „Umfirmierung“ Wirkung zeigt und einzelne Teilnehmer sich hinter der neuen Aktion gleichsam verstecken können oder ob das Verbot weitreichend genug ist, auch diese zu umfassen. Warum die Szene diese behördlichen Maßnahmen gewissermaßen vorwegnahm und sich vorbereiten konnte, hinterlässt offene Fragen.

Bereits seit Wochen ist Ibrahim Abou Nagie nicht mehr in Deutschland nach eigenen Angaben:

lies-nagie-malaysia-161114

 

Warum sich Abou Nagie möglicherweise nach Südostasien absetzen konnte, sollte man genauestens betrachten und nachvollziehen.

Das Bundesinnenministerium nutzt heute wohl eine der letzten Möglichkeiten, gegen die Struktur „LIES!“ unter diesem Namen vorzugehen. Wenn „umfirmiert“ ist, muss alles, was vorliegt, eigentlich wieder einzeln über die beteiligten Protagonisten der Struktur nachgewiesen werden. Insofern mag ein gewisser Zugzwang durch die Aktionen der Szene entstanden sein.

Update, Pressemitteilung des BMI:

Dies bedeutet ein Verbot der Organisation von und der Teilnahme an Informations- und Verteilaktionen unter dem Logo DWR/LIES! und schließt die Verwendung von Kennzeichen und die Verbreitung von Videos und Botschaften auch im Internet ein.

LIES ist nicht mehr das Thema, die Szene war schneller. Da fehlt eindeutig der Verweis auf NACHFOLGEORGANISATIONEN. Das muss man normalerweise nicht extra betonen, in dieser Lage aber schon. Da muss das BMI sehr flott nachbessern, sonst stellen sich die Herrschaften ganz ungeniert weiter hin. Weder das neue LOGO („We love Muhammed“) noch die Bücherverteilungen (es wird kein Koran verteilt!) sind jetzt verboten. Das läuft sonst ins Leere!

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/11/vereinsverbot-dwr.html

 

Update, Details des Verbots:

lies-verbot-bundesanzeiger-161115

Boxen für den Sultan

In so manchen migrantischen Milieus erfreuen sich Kampfsportarten hoher Beliebtheit, während Leichtathletik oder Volleyball weniger nachgefragt werden. Wenn schon Sport, dann was richtig kerniges, was für die Praxis der männlichen Revierbestätigung, wenn die Worte oder das Auftreten nicht mehr genügen. Das Männlichkeitsideal ist archaisch-viril: Ich kämpfe, also bin ich.

Bei nicht wenigen türkischstämmigen Jugendlichen verfängt dieses Ideal in der Weise, dass sie Boxclubs aufsuchen oder sich sonst physisch fit machen. Fussball geht gerade noch so, weil mancher eine Profi-Karriere erträumt, wenn es mit den sonstigen Noten nicht so überzeugend ist. Das machen sich die Salafisten seit einiger Zeit zunutze, aber auch andere sind aktuell auf diesen Kniff gekommen. Biete männlichen Jugendlichen (Kampf-)sport an und du gewinnst Freunde fürs Leben.

In Frankfurt wie in einigen anderen Städten werden zur Zeit „Osmanische Sportclubs“ gegründet. In Frankfurt der klassische Boxclub:

Das ist wohl so rechts wie es aussieht. Es gibt Verbindungen wahrscheinlich zu Rockern von den Hells Angels:

http://m.fnp.de/lokales/frankfurt/Ist-der-Rockerkrieg-in-Frankfurt-abgewendet;art675,1512200

Sicher gibt es kein copyright auf den Begriff Osmanen. Es gibt eine Restunsicherheit, dass der Boxclub nichts mit den unten erwähnten Umtrieben zu tun hat. Für einen Rockerclub ist jedoch das massive Expansionstreben (in jeder größeren Stadt Deutschlands geplant) eher untypisch. Das sind normalerweise lokale Strukturen, auch wenn es mitgliederstarke Gruppen wie die „Hells Angels“ gibt. Die Ankündigung der „osmanischen Abspaltung“ erscheint ohne äußeren Anlaß wenig logisch. Ohne übergeordnete Struktur auch. Wenn die Frankfurter Osmanen nur eine lokale Hells Angels Abspaltung wären, könnten sie kaum die Eröffnung von Boxclubs in anderen Städten ankündigen. Man wird sehen und das noch einmal eingehender prüfen müssen.

Oder im sonst beschaulichen Limburg-Weilburg der „Osmanische SV Limburg“:

„“In unseren Verein gibt es einen Verhaltenskodex, dem jedes Mitglied zustimmen muss.“

http://www.mittelhessen.de/sport/sportserien/sport-zum-sonntag_artikel,-DER-SPORT-ZUM-SONNTAG-_arid,545880.html

Die Seite des jungen Vereins:

https://www.facebook.com/pages/Osmanischer-SV-Limburg/945530095505401?pnref=story

Man darf gespannt sein, welcher Verhaltenskodex das sein mag.

Wem so viel zur selben Zeit aufsprießendes Osmanentum türkisch spanisch vorkommt, der liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch. Auf der fb-Seite des ehemaligen Genossen Ozan Ceyhun, der sich nach langem Aufstieg nicht nur innerhalb der SPD bis hin zum Europa-Abgeordneten (!)  als AKP-U-Boot herausstellte, wird man schlauer.

https://www.facebook.com/ozan.ceyhun?fref=ts

Das hat System, ein auf die Community gerichtetes, das soll – über den Sport – z.B. den Grauen Wölfen Mitglieder abjagen, und ein auf die Mehrheitsgesellschaft erprobtes: Als harmloser Sportverein den türkischstämmigen Nachwuchs fein auf mindestens AKP-Linie halten und Interessenvertretung weniger offensichtlich machen. Lernen von Ceyhun. Die Vita von Ceyhun alleine

https://de.wikipedia.org/wiki/Ozan_Ceyhun

ist ein Lehrstück darüber, dass man ihn bei keiner seiner Stationen und Zugehörigkeiten genau fragte, wie er so denkt, sondern ihn nur immer nach oben durchgereicht hat. Die Macht des positiven Vorurteils war mit ihm. Zugegeben, sein Grußwort in der Broschüre „Politik im Namen Allahs“ klang – obwohl „Im Namen Allahs“ drüber steht, relativ moderat.

http://www.thegreatdebate.eu/pdf/Muslims%20in%20Germany/politik_im_namen_allahs.pdf

Im Ergebnis ist Ceyhun nach den vielen inhaltlichen und strukturellen Wechseln wohl nur einem treu geblieben, sich selber. Er erscheint als ein gefährlicher Opportunist, ein politischer Söldner. Genau der richtige Gefolgsmann für Erdogan, um in Deutschland seine jungen Osmanen zu trimmen. In Verbindung mit den sonstigen anti-integrativen Reden, dem markigen Säbelrasseln sowie den verhohlenen Großmachtträumen alles andere als lustig und schon gar nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Schaut man nun auf die türkischsprachigen Seiten, wird das Prinzip noch klarer:

http://osmanliocaklari.org.tr/

und bei einfacher google-Recherche:

https://www.google.de/search?q=osmanli+ocaklari&biw=1371&bih=774&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&sqi=2&ved=0CC4QsARqFQoTCKOC2cLL08cCFcaXcgodj1IC3g&dpr=1

Das ist die nächste Stufe des Wahlkampfes der AKP auf deutschem Boden. Fit sein für den Fall der Fälle.