Mahnwache vom 16.04.2016

Von 15-17 Uhr vor „My Zeil“. Herzlichen Dank an die Frankfurter Polizei für den freundlichen Schutz.

Eine turbulente Aktion. Längere Gespräche waren kaum möglich.

Einige junge Frauen, westlich gekleidet und wohl Nichtmusliminnen, verkünden nacheinander, dass sie sich wegen uns schämten. Sie verstehen offenkundig nicht, was gemeint ist und reagieren reflexhaft auf den Ausdruck „Islamismus“. Diskutieren wollen sie jeweils nicht, betonen auch auf die Anmerkung, sie hätten nicht verstanden, worum es gehe, sie verstünden sehr wohl.

Ein junger Mann, englischsprachiger Muslim, lässt es sich erklären und versteht nach wenigen Sätzen, worum es geht. Er lehnt die Handlungen der Salafisten ebenfalls ab und bedankt sich für die Aktion und das Gespräch.

 

Mahnwache 160416Zwei junge Schiitinnen mit Kopftuch nutzen die Menge, um ihre Flugblätter auszuteilen. Es ist eine Veranstaltungswerbung für eine Vorstellung ihres Propheten Mohammed. Ich komme mit ihnen kurz ins Gespräch, erläutere eine Zahl auf dem Plakat und das Anliegen. Sie verstehen das, teilen die Besorgnis hinsichtlich der Wahabiten (zur Besprechung des iranischen Regimes kommen wir nicht), bleiben am Rande aktiv, nachdem ich sie bat, das doch nicht direkt bei mir zu verteilen. Sie respektieren meinen Wunsch. Es ist zwar ok was sie verteilen, aber dann doch ihrem und meinem Anliegen in der Konstellation nicht förderlich.

Der Platz füllt sich längsam, um mich und Mitstreiter stehen Trauben Menschen. Immer wieder wird von hinten gegen mein Plakat geschlagen. Einem Mitstreiter rückt man sehr nahe. Sowohl er als auch ich Weiterlesen

Mahnwache vom 13.02.2016

Von 15-17 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein besonderer Dank an die Frankfurter Polizei. Die Kollegen harrten in kaltem Nieselregen aus.

Einige junge, „westlich“ gekleidete Frauen kamen näher und meinten, das Plakat (Aufschrift „Mahnwache gegen die islamistische Strassenradikalisierung usw.“) sei rassistisch, ich solle das lassen. Auf meine erstaunte Gegenfrage, wo sie denn Rassismus im Text sähen, meinten sie, die Botschaft wende sich gegen alle Muslime. Ich führte aus, dass es allgemein um Islamismus ginge, also um eine Ideologie, und speziell um die Männer, die am gleichen Ort üblicherweise Korane verteilten und die eine fundamentalistische Lesart verträten. Privater Glaube, private Ausübung nur für die Person selber seien uns völlig egal. Eine der Wortführerinnen, vielleicht 20-25, die sehr bestimmend war, meinte, das Wort Islamismus gebe es gar nicht, Ich verwies auf Verfassungsschutz und Wissenschaft, was sie unbeeindruckt lies: Sie nannte „Islamismus“ einen „westlichen Propagandabegriff“.  Es war erkennbar, dass sie sich mit der Sache, mit einer innermuslimischen Abgrenzung des radikalen und politischen Islams, noch nie beschäftigt hatte, aber „wusste“, dass dies „Propaganda“ sei. . Sie lehnte das rundweg ab. Sie sei Muslima und daher wisse sie, dass es keinen Islamismus gebe. Auch die allgemeine soziale Sorge zählte nicht. Sie sprach mir ab, mich darum überhaupt bekümmern zu dürfen, Das seien alles Weiterlesen

Mahnwache vom 30.01.2016

Von 15-17 Uhr vor dem „My Zeil“. Besonderen Dank an die Frankfurter Polizei – sie harrte im eiskalten Regen aus.

Trotz widriger Wetter-Faktoren ergaben sich etliche interessante Begegnungen. Gut zu beobachten war, dass sich unter dem schützenden Vordach des „My Zeil“ viele Gespräche entwickelten. Dort standen auch einige Mitstreiter und diskutierten mit Passanten.

Einige Mädchen, allesamt „westlich“ gekleidet, übergossen mich mit Häme: Wir seien so wenige – und sie so viele. Das zeige doch, dass alles vergebens sei, der Islam werde siegen. Nachfragen, was das für sie heißen würde, konnten sie nicht beantworten. Ein Junge bei der Gruppe – er war vielleicht 15 – meinte, ich solle doch nach Hause gehen und kochen. Und wenn ich keinen Mann hätte, er hätte da einen Cousin (oder wars ein Onkel?), DANN hätte ich was zu tun. Bemerkenswertes Frauenbild, der junge Mann. Keines der Mädchen widersprach schon da.

[Allgemein scheinen die sexuellen Konnotationen zuzunehmen nach meinem subjektiven Eindruck:]

Ein Junge fragte, was ich denn gegen Islamisten hätte – er sei Islamist. Ich versuchte zu erläutern mit unklarem Erfolg.

Ein aggressiver Mann, vielleicht 45, dem Äußeren nach vielleicht tunesischstämmig, und gut Weiterlesen

Mahnwache vom 23.01.2016

Von 14-16 Uhr vor dem „My Zeil“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für die Betreuung.

Noch vor Beginn, ich hatte gerade die Ausrüstung abgestellt, trat ein etwa 15 jähriges Mädchen heran und fragte, ob ich sie wiedererkenne. Mir kam ihr Gesicht bekannt vor und so bejahte ich. Sie erzählte, sie sei die Woche zuvor da gewesen. Sie hätte sich doch sehr daneben benommen. Sie sei extra gekommen, um sich bei mir zu entschuldigen. Überrascht und erfreut – so etwas habe ich bislang nicht erlebt – nahm ich an. Sie wollte noch einmal darüber reden, warum wir das machen würden. Die Vorgänge u.a. vor dem „My Zeil“ nannte ich als Symptom eines politischen Islam und ganz konkret aus dem Umfeld heraus die Strassenradikalisierung als Anlass der Aktion. Ich erläuterte weiterhin, dass wir es als Gesellschaft besser bewerkstelligen müssten, über das Problem der zunehmenden Fanatisierung und Rückbesinnung auf Religion als weltanschauliche Norm offen, frei und so menschenfreundlich wie möglich zu reden. Dass der Anstoß dieses Gesprächs IN der Gesellschaft, das so anders ist als die meisten Dialogveranstaltungen, bei denen sich die verschiedenen Interessenvertreter treffen, wichtig ist, um der Spaltung, wie sie Islamisten so gerne für sich nutzen wollen, entgegenzuwirken. Sie verstand weitgehend und ging dann auch noch zu einer Mitstreiterin, um sich bei ihr ebenfalls zu entschuldigen. Sie blieb noch eine zeitlang nachdenklich am Rande stehen und verfolgte den diesmaligen Ablauf weiter.

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Eine Gruppe Jungen trat hinzu, vielleicht 7 bis 14 jährig. Der Kleinste, vielleicht 7-8, verkündete Weiterlesen

Mahnwache vom 16.01.2016

Von 14-16 Uhr vor dem „Brockhausbrunnen“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für umsichtigen Schutz.

Eine Mädchengruppe, bestehend aus mehreren westlich gekleideten Muslima und einer angeblich atheistischen Freundin, regte sich über mein Plakat auf. Es stand drauf u.a.: „Mahnwache gegen die Strassenradikalisierung, 80 % der geworbenen Jugendlichen stammen aus muslimischen Familien“. Auch der Hinweis, dass ich dort stünde, weil die muslimischen Gemeinden Frankfurts es seit über 4 Jahren nicht schaffen, etwas zu organisieren, half nicht. Alleine die Benennung dieses Problems wird von nicht wenigen muslimischen Passanten als „rassistisch“ bezeichnet. Dass junge Männer angeworben werden, wird immer als „deren Problem“ bezeichnet. Man sieht also für sich selber keine Handlungsnotwendigkeit dieser Gruppierung gegenüber. Nur wenn ein „Aussenstehender“ das anmahnt und kritisiert, sogar IM Interesse dieser betroffenen muslimischen Familien, geht was. Nämlich die Zurückweisung dieses Ansatzes. Es soll nicht kritisiert werden. Diesen muslimischen Passanten sind also die Jugendlichen herzlich egal, sie fühlen sich aber handlungsgefordert, wenn es angeblich gegen ihre Glauben geht. Deutlicher kann man wohl kaum aufzeigen, dass die Ideologie um jeden Preis beschützt werden muss. Menschen sind da nicht wenigen egal. Die Spaltung: Alles Gute kommt vom Islam, alles Schlechte vom Menschen oder dem Shaytan, bewirkt bei einigen eine tief sitzende und wortwörtliche Asozialität, die kaum aufzubrechen ist. Schlechte Handlungen werden individualisiert, gute sozialisiert (das ist bei anderen Ideologien aber nicht anders). Das kann man daran sehen, dass, sofern eine muslimische Gruppe etwas Gutes tut, keine Diskussionen kommen, dass es den Islam nicht gebe. Das Kollektiv erzieht Mitläufer.

Die bei weitem dümmste – man muss es leider so klar sagen – o.g. junger Frauen war die Atheistin. In Ihrem vermeintlich antirassistischen Furor schleuderte sie mir entgegen „die machen wenigstens noch Kinder!“. Ob diese junge Frau jemals auf das besorgniserregende Wachstum der Weltbevölkerung geschaut hat oder überhaupt irgendetwas im Kontext betrachten kann, blieb offen, denn ich war sprachlos ob des Klischees. Der Schuldienst wäre in Hessen dann wohl nichts für sie.

Ein älterer Bürger keifte mich an, ich solle das Plakat herunternehmen. Er verstand offenkundig nicht das Mindeste, wollte sich aber auch nicht erklären lassen und fiel ständig völlig aufgebracht und böse ins Wort. Er sagte sinngemäß, er wünsche sich, dass ich Kinder haben möge, die nicht so werden wie ich, nämlich eine Rassistin. Er meinte, mein Plakat verstanden zu haben (er hatte deutlich anderes assoziiert, verstand die Sache mit dem Islamismus nicht), und wolle nun kontrollieren, wie die anderen Passanten das verstünden. Er stand noch eine zeitlang böse blickend neben der Aktion.

Mehrere Passanten machten Mut oder bedankten sich. Eine Geschäftsfrau, ansässig in einer der direkten Seitenstrassen der Zeil kam vorbei. Sie erzählte, sie kenne meine fb-Seite, unterstütze auch die Inhalte, traue sich aber nicht, die Beiträge zu liken – wegen der muslimischen Kunden. Etwas in der Art kommt häufiger von Personen, die Kundenkontakt haben. Sie laufen an der Mahnwache vorbei, erzählen, dass sie das EIGENTLICH unterstützen würden, aber sie leider nicht stehen bleiben könnten, weil sie befürchten, von Kollegen oder Kunden gesehen zu werden. Von Kollegen befürchten sie den Rassismusvorwurf, von Kunden die Ablehnung. Wenn schon etwas so Harmloses wie meine fb-Seite solche Ängste weckt und so etwas Demokratisches wie die Mahnwache – dann ist das keine diffuse Angst mehr, sondern vorauseilender Gehorsam. Das Dauerfeuer aus angemahnten Befindlichkeitsstörungen hat Spuren hinterlassen (zu Recht benannter Rassismus, den es natürlich in erheblichem Ausmaß gibt, außen vor gelassen. Der ist natürlich abzulehnen, aber die Abgrenzung trauen die Menschen weder den anderen Personen ihres Umfeldes noch Muslimen zu). Mazyek wirkt.

Eine ältere Frau ereiferte sich, verstand offenkundig gar nicht und wollte nur, dass ich mein Plakat runternehme. Sie lamentierte laut aus der dritten Reihe vor mir, wollte sich auch nichts erklären lassen bzw. hatte gar keine Lust zu diskutieren, sondern beklagte lauthals das Misssverstandene. Sie sei Jüdin sagte sie und dass sie „so etwas noch mal erleben müsse“. Sie ging dann unter weiteren Verwünschungen wie „da fehle nur noch das Hakenkreuz“ etc. Es ist bizarr, welche Emotionen geweckt werden, die dann das Weiterlesen oder Zuhören anscheinend unmöglich machen bzw. blockieren. Ich kam gar nicht so weit, zu erklären, dass man sich in der jüdischen Gemeinde erhebliche Sorgen wegen des wachsenden Antisemitismus mache gerade von Islamistenseite. Die alte Dame hätte – wie einige andere jüd. Mitstreiter, die gelegentlich vorbei schauen – sicher dann die „richtige“ Seite gewählt, nämlich die, die klar Antisemitismus anmahnt, egal von wem. Schade, dass diese jüd. Mitstreiter gestern nicht da waren, ich hätte gerne an sie verwiesen.

Ein junger Ahmadi aus Baden-Würtemberg, neu in Frankfurt, fand die Aktion gut und wichtig.

Bei einer Mitstreiterin entspann sich eine Diskussion über den Begriff Salafismus. Vor einer Gruppe Passanten versuchte ein junger Mann – selber Muslim – zu argumentieren und räumte ein, dass die Salafisten Probleme verursachten. Das blieb einem wohl marokkanischstämmigen Aktivisten aus der Unterstützergruppe von LIES nicht verborgen. Er versuchte lautstark, den jungen Mann seinerseits anzugehen: Wie er denn dazu käme, einer Ungläubigen beizupflichten? Den Begriff Salafist gäbe es, so wie er üblicherweise benutzt wird, nicht (was an sich korrekt ist, bzw.der Begriff hat sich so eingebürgert) und er sei selber Salafist. Als ich zu ihm rüberrief, das sein ja nun wirklich bekannt, hielt er einen Moment inne, fuhr dann aber fort, den jungen Mann vor den zuhörenden Passanten zu „bearbeiten“.

Bis auf wenige Einzelne waren die Akhis gestern wieder nicht vor Ort. Auch die weibliche Unterstützerriege fehlte.

Die letzte Aktion war wohl am 2. Januar:

 

Einige bizarre Vorstellungen zum Korantext waren gestern zu vernehmen:

Ein Passant meinte, der von LIES verteilte Koran sei verfälscht, verändert. Obwohl das durch manche Medien verbreitet wird, stimmt das nicht. Der von LIES verteilte Koran ist eine ganz übliche und durchaus passable Übersetzung Es ist die von ibn Rassoul, die einen guten Ruf genießt. Weitere Passanten (mehrere westlich“ gekleidete junge Frauen), waren fest davon überzeugt, als Muslime per se im Besitz von Wissen zu sein. Sie konnten nichts zum Korantext selber sagen, wußten nicht mal die Anzahl der Suren und wollten einfach die Meinungsäußerung unterbinden. Eine Gruppe halbwüchsiger Jungen versuchte die gleiche Masche und fragte nach, ob ich den Koran denn schon mal gelesen hätte. Auf meine Frage, über welche meiner Übersetzungen wir denn reden wollten, fragte ein junger Mann nach der Farbe des Buches. Ich sagte mal „mein Koran von Ünal ist gelb“ (ich hab das englischsprachige Paperback). Ich hatte die Frage nicht verstanden bzw. konnte mir auf diese Frage nach der Farbe des Buches keinen Reim machen. Dies klärte sich jedoch umgehend. Triumphierend meinte der junge Mann: „Dann kann es kein Koran sein, den gibt es nur in rot oder grün!“ Zwei der Auflagen von Nagie haben diese Farben, das stimmt (und in blau und weiß). Ich habe ihm dann mal zum Drittbuch geraten, es müsse auch nicht unbedingt ein Koran sein, es gäbe da sicher weiteren Bedarf.

Mahnwache vom 05.12.2015

Von 14-16 Uhr vor „My Zeil“. Vielen Dank für den freundlichen Schutz von der Frankfurter Polizei.

Trotz Kälte blieben viele Passanten stehen und beobachteten aus Abstand. Manche liefen nur kurz vorbei und bekundeten, dass sie Angst hätten, so wie wir dazustehen und über Islamismus zu diskutieren. Eine seltsame gesellschaftliche Stimmung herrscht, wenn sich Menschen nicht einmal mehr unter Polizeischutz trauen, ihre Meinung zu äußern oder nur zu ihr zu stehen. Mein Beispiel, dass ich das seit Jahren mache und das im Wesentlichen bislang unbeschadet, macht manchen Mut. Viele andere aber bauen sich da die eigene Mauer aus Angst erst auf, hinter der sie sich verkriechen. Diese Angst ist einer freien Gesellschaft, in der wir den Rechtsstaat hinter uns haben, unwürdig. Ja, man bekommt Morddrohungen, wenn man „so etwas“ macht. Aber: Freie Gesellschaft muss sich auch darstellen, sie muss mutig auftreten und wirken, auch wenn zum einzelnen Anlass viel weniger Mut vonnöten ist, als so manche annehmen. Das hilft einem nicht, wenn es mal schief gehen sollte. Man kann sich aber an Mut gewöhnen – oder an Angst.

Der Kampf um die Köpfe wird auch auf der Strasse ausgetragen. Die Verteilergruppen machen es vor und sind – da hat Ahmad Mansour leider Recht – die besseren Sozialarbeiter. Natürlich nicht wegen der Strukturen und Inhalte, denen man beherzt entgegentreten muss. Sondern einfach, weil sie da sind, wo die (jungen) Menschen flanieren, wo sie sich aufhalten in ihrer Freizeit. Wir als Gesellschaft müssen auch da sein.

 

Lies Frankfurt mit einigen neuen Gesichtern:

 

 

Ein junger autochthoner Mann wollte sich die Schilder erklären lassen. Er fragte konkret nach, weil er einige Aufschriften fehldeutete und monierte, dass ich nur zeige, wogegen wir seien. Das sei ihm „zu negativ“. Meine Entgegnung, dass ich an trauernden Eltern und verlorenen Menschen wenig Positives finde und die Welt an sich nun mal nicht nur positiv sei, stellte ihn nicht zufrieden. In einem längeren Gespräch konnte ich etwas erklären. Er blieb dann aber bei der Ansicht, dass man zunächst gegen die westliche Politik demonstrieren müsse. Ich stellte ihm in Aussicht, dass er – wir haben Versammlungsfreiheit – da gerne etwas organisieren könne. Gegen die konkrete Straßenradikalisierung sei das meiner Ansicht nach jedoch ungeeignet: Der Bezug wird völlig verwischt mit dem Ergebnis, dass man zwar aller Welt gezeigt hat, was für ein tief nachdenklicher und reflektierter Mensch man sei, weil man alles bis zur Wurzel des Übels durchdenkt (die Sicht über die Wurzel teile ich nicht), aber dann doch genau nichts gegen das, wogegen man etwas tun wollte und kann, tut. Sich selber einen Berg aufzubauen an Dingen, die man nicht zu ändern vermag als Einzelner, verhindert, dass man aktiv wird, und verhindert dann genau, dass aus einem Mann, einer Frau mehr werden. So etwas gab es schon immer und ein Anfangspunkt ist immer, dass einzelne Menschen sagen: Es muss was getan werden und dieses kann ICH tun. Und es dann tun, ohne auf andere zu warten. Ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

Eine junge Frau wollte wissen, ob wir nun für oder gegen den Islam seien. Nach Erläuterung verstand sie das Wort Islamismus nicht und wiederholte ihre Frage. Ich erklärte es noch einmal. Wieder konnte sie – trotz betont einfacher Erläuterung – dem vorgetragenen Inhalt nicht folgen. Menschen scheinen häufiger einmal mit dem Begriff des Politischen gar nichts mehr anfangen zu können. Sie erleben Politik als etwas ihnen Fernes, etwas, das in Parlamenten und in den Hauptstädten stattfindet. Der Bezug zur eigenen Person, zur eigenen Lebensrealität fehlt völlig, was aber nicht daran hindert, bei Anlass auf „die da oben“ zu schimpfen.

In den 68ern und in den Jahren danach wurde das Private als *auch* politisch eingestuft von einer damals politisch erhitzten Gesellschaft. Auf der Strasse bekommt man manchmal den Eindruck, dass diese Ära endgültig beendet ist. Man erzählt etwas über politische Handlungen oder politische Inhalte – und blickt in manches leere Gesicht.

Eine Mitstreiterin wurde wiederholt sehr heftig von jüngeren, wohl mehrheitlich muslimischen Passanten umringt. Sie erzählte mir, sie habe gestern im Rahmen intensiver Diskussionen in die Menge gefragt, wer denn nun für die Gleichberechtigung ALLER Religionen sei. Keiner aus der dort anwesenden Gruppe habe sich dazu bekannt. Der Druck der Gemeinschaft oder tatsächliche Meinung aller dort anwesenden? So manches Mal wäre eine konkrete und strukturierte Befragung solcher Zufallsstichproben sicher interessant.

Mehrere junge Muslime forderten von mir, dass ich mein Schild einfach herunternehmen solle und nach Hause gehen. Nach Ablehnung meinerseits bestand kein Gesprächsbedarf mehr, ein junger Mann zog den anderen weg, man solle mit mir gar nicht diskutieren.

Die Akhi-Szene ist nun die dritte Woche nicht vor Ort. Und auch die organisierten „Schwestern“, also kleine Trupps junger Frauen unterschiedlichen Outfits, aber miteinander bekannt, die die LIES-Szene gut finden, waren gestern nicht anwesend.

Auffällig war von etlichen Passanten gestern der explizite und persönliche Dank für die Aktion. Eine Mitstreiterin und ich wurden von einem Mann ganz überschwänglich als „Heldinnen“ (seine Worte – nicht meine) gelobt und herausgestellt. Es ist schon erstaunlich, wenn Passanten es so empfinden, was eigentlich normal sein sollte: Auf der Strasse friedlich seine Meinung bekunden können, diskutieren dürfen. Wenn das für Heldenmut gilt – mit Polizeischutz wohlgemerkt, wegen ja, schlechter Erfahrungen und Vorsicht von Seiten der Polizei, und ja, ein Messer ist schnell gezogen – wie weit sind wir dann schon?

Anerkennung ist schön – schöner ist, wenn das Thema mutig in die Gesellschaft getragen wird: Friedlich, klar und so freundlich wie möglich. Wir als Gesellschaft müssen Islamisten ausgrenzen, gemeinsam mit friedlichen, säkularen Muslimen, die die Demokratie über die Religion stellen und mit uns gemeinsam dieses Gemeinwesen erhalten wollen. Die es nicht in Saudi-Arabien oder in einen Iran verwandeln wollen, sondern in das Land, in dem jeder nach seiner Facon selig werden kann.

Gegen Ende wollten etliche Passanten (60 Personen vielleicht, unterschiedlicher Meinungen) noch weiterdiskutieren. Wir haben sie vertröstet auf das nächste Mal. Diese Diskussionen müssen dringend öffentlich noch mehr geführt werden von Demokraten – bevor Personen, die nicht demokratisch gesonnen sind, all diese Angst aufgreifen und benutzen.

Mahnwache vom 28.11.2015

Von 14-16 Uhr vor dem Brockhaus-Brunnen auf der Zeil. Herzlichen Dank an die Frankfurter Polizei für die Betreuung.

Mit einzelnen muslimischen Passanten waren gestern ganz passable Aufklärungsgespräche möglich. Mehrere junge Frauen konnten zu Nachdenken bewegt werden, nachdem sie zunächst den Begriff Islamismus erläutert haben wollten. Passanten diskutierten intensiv miteinander, wobei viele auch nur von der Ferne zusahen oder die Plakate nur mit der Begleitung besprachen. Die Resonanz war gemischt. Paris war nur insoweit Thema, als dass das Paris-Plakat einigen muslimischen Passanten Anlass bot, über die mangelnde Berücksichtigung der als eigen empfundenen Opfer Klage zu führen. Zumindest ich habe gestern auch wieder kein Wort des Bedauerns gehört. Also nicht: Paris – das ist traurig und furchtbar und dann vielleicht, dass man an die anderen denken müsse, sondern gleich: Paris – warum wird für xy kein Schild aufgestellt oder gar xy ist schlimmer. Ein Mitstreiter regte ein Schild an. Statt „Wir müssen über Paris reden“ „Wir sollten über Paris reden, bevor wir über Frankfurt reden müssen.“

Mehrere Passanten verstanden das Anliegen nicht und warfen nur böse Worte hin, ohne sich erklären lassen zu wollen. Gestriges Highlight: „Hurentochter“. Es ist teilweise erschütternd, wie sehr die Lesefähigkeit bei manchen zurückgegangen scheint. Das Plakat wird gesehen, „irgendwas mit Islam“ wahrgenommen und dann wird gar nicht mehr überlegt, sondern in die eine oder andere Richtung geflucht, polemisiert und teilweise beleidigt im Vorbeigehen. Bedenklich auch die Protagonisten, die plötzlich einen Ort sehen, undifferenziert auf Flüchtlinge zu schimpfen. Aber die schicke ich mit einer deutlichen Ermahnung weiter, sich zu belesen und nachzudenken, wie sich das mit Pauschalisierungen so verhielte. Meist sind sie dann einsichtig.

Zwei wohl nichtmuslimische Autochthone beschwerten sich – obwohl sie erkennbar den Sinn der Veranstaltung nicht erkannten, aber auch weder von mir noch einer Mitstreiterin erklärt haben wollten – zunächst einzeln lautstark und ziemlich aggressiv. Sie fanden dann in der Menge zueinander und beschwerten sich dann gemeinsam bei der Polizei. Der geduldige Beamte erläuterte es ihnen bestimmt eine Viertelstunde lang. Sie schienen nicht zufrieden. So einfach ist es denn doch nicht, sich durch einfache Beschimpfung mal als aufrechter Bürger zu fühlen.

Eine junge Frau baute sich vor einer Mitstreiterin und mir auf und wollte uns fotografieren, damit „meine Kumpels heute abend was zu lachen haben“. Wir fragten nach, ob sie denn die Strassenradikalisierung lustig fände, ob sie überhaupt verstünde, worum es geht? Sie verstünde völlig, meinte sie. Genau daran hatte ich erhebliche Zweifel. Ich empfahl wie so häufig die Bundeszentrale politische Bildung. Oh, meinte die junge Frau, sie studiere Politik und wisse daher sehr wohl Bescheid… Die Mitstreiterin konnte sie dann doch ins Gespräch ziehen. Nach 10 Minuten entschuldigte sie sich für ihre Fehleinschätzung. Das ist ok.

In einer der Passanten-Diskussionsgruppen outete sich eine junge Frau als Religionswissenschaftlerin, die die Aktion interessant und ausbaufähig fand. Sie diskutierte mit einigen weiteren Frauen, ich stieg dann ins Gespräch ein, erläuterte ein wenig. Wir vereinbarten weiteren Austausch, denn diese Erhebung der Reaktionen auf der Strasse sind auch eine Art teilnehmende Beobachtung, im Prinzip auch als Feldforschung zu betrachten.

Die Akhi-Szene war wiederholt nicht vor Ort, auch die weiblichen Unterstützer fehlten.

Vor dem „My Zeil“ hatte sich eine Gruppe „Kultur verstehen“ angemeldet. Ein Mitstreiter meldete, dass dort nach seiner Meinung auf der Strasse sehr üble Anti-Israel-Propaganda betrieben werde. Er ging zur weiteren Informationssammlung noch mal hin und brachte einen Flyer und die Beobachtung mit, dass großflächig Ständer mit großformatigen Plakaten aufgebaut würden, die die Passanten behinderten. In der Mitte sei auf etwa 15 m kein Durchkommen mehr. Einige „Anti-Imps“ (linksextreme Gruppierung) seien wohl auch dabei. Ich sah mir den Flyer an: Ja, genug Anhaltspunkte für eine staatsanwaltliche Prüfung auf den Paragraphen 130 StGB. Von mir als hetzerisch eingestufte, bluttriefende  Darstellungen, Schmähungen von Netanjahu, Obama, Merkel und sogar Peter Feldmann (dem ich wegen der Tatsachenbehauptung: „Peter Feldmann … unterstützt die israelischen Kriegsverbrechen.“ zu einer eigenen Anzeige raten werde):

 

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Als Namensangabe ein „Mostafa Elhady (Politikwissenschaftler)“ mit Mobilnummer.
Selbstbeschreibung: „Wer wir sind: Wir sind Menschen arabischer, deutscher und anderer Herkunft, die die Sachen mutig beim Namen nennen möchten und sich für Gerechtigkeit einsetzen.“

Nachdem ich Anzeige zwecks einer juristischen Prüfung erstattete und den Mitstreiter auch zur Polizei schickte, um auf die nicht statthaften bzw. so sicher nicht angemeldeten Bauten hinzuweisen, fand dort eine Überprüfung statt. Die Bauten waren natürlich – gemäß der Voreinschätzung – nicht angemeldet und mussten entfernt werden.

Man wird sehen, welches rechtliche Nachspiel der verteilte Flyer bzw. die getätigten Darstellungen noch werden haben.

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Nachtrag: Auch am 21.11. gab es eine Mahnwache, wenn auch unter sehr erschwerten Bedingungen: die erste Stunde fast durchgehend Nieselregen, auch danach kam nur schleppend etwas in Gang. Ein „freundlicher“ muslimischer Mitbürger wünschte mir im Vorbeigehen, dass ich „noch heute abend sterben“ solle. Besonders interessant war das Gespräch mit einem Ahmadi, der sich vor einer Menge Passanten sehr laut gerierte und die Menge offensichtlich gegen mich aufzuwiegeln trachtete. Das war u.a. daran zu erkennen, dass er, als ich laut meinte, dass seine Haltungen wenig freundlich seien und er als Person recht aggressiv, dass das so gar nicht zur gewünschten bzw. als verbindlich gesehen Aussendarstellung der Ahmadiyya passt, er meinte, ich würde wohl die Menge gegen ihn aufbringen wollte. Projektionen sind manchmal so primitiv. Nein. ich wollte nur den Gegensatz zwischen dem Motto „Liebe für alle und Hass für keinen“ und seinen Ausführungen verdeutlichen. Also den Passanten klar machen, dass das Marketing und die realen Haltungen mitnichten kongruent sein müssten.

Mahnwache vom 14.11.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank der Frankfurter Polizei für den umsichtigen Schutz.

Frankfurt Zeil, der Tag danach. Es ist kalt, windig und es nieselt. Kein Wetter, um stehen zu bleiben und zu reden. Wir sind heute nur ganz wenige. Verschiedene Mitstreiter laufen ohne Plakate herum und versuchen, die Menschen ins Gespräch zu ziehen.

Zwei kleine Jungen, vielleicht 7,8 Jahre alt, kommen auf mich zu und erzählen mir, es sei nicht gut, was ich da mache. Offenkundig wurden sie ausgeschickt. Warum ich denn da stünde? Ich will es einfach machen und sage, weil in Paris was Schlimmes passiert sei. Nein, meinen sie, Paris wäre nicht schlimm, sondern gut. Das macht mich einen Moment sprachlos, in dem sie weglaufen.

Mehrere junge Frauen, die schon vergangene Samstage da waren, sind wieder zugegen. Sie fangen wieder von vorne an mit der Frage nach Islamismus. Auf die Entgegnung, das hätte ich nun doch schon erklärt, verneinten sie vehement. Offenkundig weiden sie sich darin, dass ich das natürlich nicht nachweisen kann. Mehrere fordern aggressiv eine Erklärung, rücken immer näher. Ich weise auf Paris hin. Das interessiere sie nicht, sie hätten was gefragt und ich hätte noch nicht geantwortet. Sie formierten sich und rückten ständig näher. Wollte man Platz schaffen, kreischten sie hysterisch, man solle ihnen nicht zu nahe kommen. Bizarr und theatralisch.

Einer Mitstreiterin, die doch mal auf das Thema Paris bringen konnte, wurde aggressiv vorgehalten, SIE sei schuld an Paris.

Besuch bekamen wir heute von einem jungen Mann, der für LIES aktiv ist:

 

Rechts im Standbild.

Der junge Mann schien bemüht, mit Unterstellungen so zu arbeiten, dass ich nachfolgend meinerseits falsche Behauptungen aufstellen sollte. Er schien ständig die Behauptung rausholen zu wollen, dass ich selber eine Anwerbung am LIES-Stand mitbekommen hätte. Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass vielleicht ein Tonmitschnitt lief. Nun denn.

Zwei junge armenische Christen erkundigten sich. Sie hatten die Szenen eine Zeit lang beobachtet und waren bestürzt. Zwei Mal wurde zwischendrin „allahu akbar“ gerufen. Dabei blieb es glücklicherweise. Es war gespenstisch genug.

Mehrere junge Männer versammelten sich hinter meinem Rücken und sprachen bestimmt 20 Minuten halblaut Abfälliges über mich als Person. Sie besprachen nicht mal die Inhalte der Plakate, sondern äußerten rein persönlich Herabsetzendes. Jede Äußerlichkeit von mir wurde durchgehechelt. Die Masche sollte mich offenkundig reizen und aus der Fassung bringen. Kurz danach machten sich mehrere 13 Jährige den „Spaß“, so zu tun, als brächten sie einen Sprenggürtel zur Explosion. Die Gesten sollten leider genau das heißen.*bumm* machten sie, lachten und liefen weg.

Zwischendrin stürmte eine junge Frau an mir vorbei und es gab einen kleinen Schlag gegen mein Plakat. Als ich nachsah, bemerkte ich einen Aufkleber der „Antifaschistischen Aktion“. Aufkleben ist natürlich einfacher als Diskutieren und verstehen, wobei man das auch wollen muss. Es gab schon verschiedene ähnlich kenntnislose Antifa-Aktionen, bei denen auch die Erläuterung nichts brachte, da man nicht zuhörte oder verstand.

Als ich einmal zu einer stark umdrängten Mitstreiterin wollte, die in 4er Reihe umringt war und mein Plakat – es ist unhandlich – versehentlich die Schulter einer LIES-Unterstützerin streifte, machte sie keifend eine Riesengeschichte daraus. Das Plakat hatte ihr sicher nicht weh getan, aber sie beschwerte sich die ganze Zeit danach, lief mir nach. Auch dieses Verhalten ist aus anderen Ländern bekannt. Es ist bitter, dass man einige Stereotype aus Israel-Videos auch auf der Zeil erleben kann.

Mehrere junge Frauen, alle „westlich“ gekleidet, wollten mich „nach Hause schicken, damit ich dort was Sinnvolles tue“. Da lernt man doch gleich, dass „westliche“ Kleidung nichts über die Sichten aussagen muss.

Ein Mann Mitte 40, der sich später als Mitglied einer marokkanischen Gemeinde outete, stand mit seiner Frau und Tochter nahe und machte sehr abfällige Bemerkungen über mich als Frau. Was ich denn gegen den Märtyrertod hätte? Männer würden dann viele Jungfrauen bekommen. Ich solle doch auch übertreten, dann würde ich wenigstens nach dem Tod einen Mann kriegen, das wäre doch gut. Oder ob er mich heiraten solle? In diesem Tenor setzte er vor einer Runde feixender muslimischer Passanten verschiedenen Alters fort. Nachdem ich mit meinem eigentlichen Gesprächspartner geendet hatte, drängte er sich vor. Seine sehr unverschämte Art war auf diese Weise neu: Er kam sehr nah und lächelte dabei auf eine böse Art. Es wurde offenkundig, dass er beschäftigen wollte. Immer wenn ich mich abwandte, versuchte er – vor der Gruppe – erneut zu provozieren: Er hätte gewonnen. Er sei gut und ich nichts. Der marokkanischstämmige Mann versuchte somit etliche Minuten lang, in Nonsense-Gespräche zu ziehen. Der Umstand, dass man trotz seiner unverschämten Gesprächsführung ruhig blieb, schien ihn zu ermutigen. Er machte dann das selbe bei einem Mitstreiter. Seine Frau schob sich dann vor und hielt mir ein Bild eines Fötus unter die Nase. Der Fötus war am Kopf beschädigt, sie meinte, die Mutter sei erschossen worden. Auf den ersten Blick schien mir das Bild eher eine Darstellung eines Präparats einer Spätabtreibung (die Wunden waren für Schussverletzungen zu glatt). Aber um das sicher sagen zu können, hätter es mehr bedurft als eines wackeligen Handy-Bilds, das man kurz unter die Nase gehalten bekommt. Warum ich nicht gegen dieses „Opfer Israels“ protestiere?

In letzter Zeit auf der Strasse zunehmend schiebt man sich sehr übergriffig dazwischen. Es ist kaum mit einzelnen Passanten zu sprechen, was Absicht zu sein scheint. Man versucht durch reindrängen und aggressives Gespräch-Übernehmen zu verhindern, dass man mit normalen Passanten spricht oder überhaupt zu einem vernünftigen Satz kommt.

Eine jüngere Muslima – verschleiert – lies sich den Anlass der Demo erläutern. Sie verstand das Anliegen und teilte die Sicht, dass den Straßenverteilungen etwas entgegengesetzt werden sollte.

Eine größere Frauengruppe mit Kindern blieb bis zuletzt, rückte dicht auf, keifte auf enervierende Art. Alle waren „westlich“ gekleidet, teilweise sehr stark geschminkt. Auch mit ihnen war eine Sachdebatte nicht möglich, alles endete immer in aggressiven Zuschreibungen und rabulistischen Versuchen. Eine Kindergruppe, vielleicht 8-9 jährige, die ihnen zuzuordnen war, ging zuletzt auf uns und eine Polizeigruppe zu und versuchte, auch dort aufmüpfig zu sein. Dort blieb es allerdings beim Versuch.

Man sah mir heute sicher meine Betroffenheit an. Da man mir dies ansah, wurde es häufiger thematisiert, es diente mehrfach der Erheiterung bzw. wurde höhnisch kommentiert.

Das war klassisches Bullbaiting als Sport in der Fußgängerzone.

Die muslimischen Passanten, die heute bei uns waren, schienen irgendwie, es ist schrecklich diese Empfindung zu schreiben, aggressiv und mehrheitlich – voller Genugtuung. Gewalt muss nicht immer physisch ausgeübt werden – sie kann auch psychischer Natur sein. Männer, Frauen, Kinder – ein Reizwort, das sie nicht verstehen oder missverstehen wollen und schon tritt diese spontane Affektentladung auf. Es ist erschreckend, dass auch Attentate wie in Paris nichts an der Art des Herangehens ändern. Ich hätte mir heute wenigstens bei einigen ein anderes Verhalten gewünscht als das gezeigte.

Die Hoffnung, sagt man, stirbt zuletzt. Heute ist bei mir ein Stückchen zu Grabe getragen worden.

Mahnwache vom 31.10.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank an die Frankfurter Polizei für den umsichtigen Schutz.

Eine Gruppe junger, „westlich“ aufgemachter Frauen wollte den Begriff Islamismus erläutert haben. Die Erläuterungen interessierten aber nicht. Sie wiederholten etliche Male die gleiche Frage. Es hatte den Anschein, als wollten sie alleine durch die – wirklich qualvolle – Wiederholungsarie meine Geduld herausfordern. Meine Geduld blieb unerschüttert, aber einem älteren Mann neben mir, der nur einige Minuten zugehört hatte, platzte der Kragen. Er meinte, dass die „jungen Damen“ sehr wohl verstanden hätten, aber dies ihre Art sei, zu provozieren. Meine Erläuterung sei einfach und leicht verständlich gewesen. Er debattierte mit ihnen weiter.

Eine ältere Frau stieß ins selbe Horn. Sie lehnte den begriff Islamismus ab und meinte wiederholt, ich beleidige alle Muslime. Sie sei Muslima und sie fühle sich beleidigt. Als ich meinte, nun, ihre Gefühle beruhten darauf, dass sie nicht verstehe oder verstehen wolle, keifte sie mich an, ob ich Kinder hätte? Ich solle doch lieber zu den Kindern gehen. Als ich darauf nicht einging, blieb sie trotzdem die ganze Zeit da und hörte anderen Gesprächen zu.

Zwei etwa 6 jährige Jungs drängelten sich durch die Menge und forderten eine Erklärung für mein Plakat. Dass sie die Aufschrift nicht verstanden, war nachvollziehbar. Warum sie sich zu mir begaben, weniger. Üblicherweise sind Sechsjährige mehr an Spielzeugautos interessiert als an Kundgebungen und Plakaten, die sie nicht verstehen. Diese beiden kleinen Jungs berührten seltsam. Sie hatten, besonders der eine, einen harten, starren Blick, der böse wirkte, so traurig und irritierend das bei Kindern sein mag. Ein Ansatz – kindgerecht – zu erklären blieb stecken, meine Worte interessierten nicht. Sie blieben aber an mir dran und schienen ausgeschickt (eine Masche, die man von Videos aus Israel kennt: Kinder werden dressiert, israelische Soldaten anzugehen, um dann falsch zu verstehende Bilder zu produzieren bei Gegenwehr der Erwachsenen, wenn sie z.B. getreten werden). Eltern konnte ich in der Menge nicht ausmachen, aber sie  mussten irgendwo sein.

 

 

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Zwischendurch schuf ich etwas Platz zu einer wirklich eingekesselten Mitstreiterin, um sie aus dem Kessel zu holen. Neben mir sammelte jemand deutlich hörbar – man kann es nicht anders sagen – Spucke. Ich drehte mich und blickte in die lachenden Gesichter zweier junger Männer in der Menge, die sich freuten, dass ich das Geräusch gehört hatte. Ich blickte den Spuckesammler sekundenlang hart an und meinte nur: „Wenn Sie das machen, kriegen sie eine Anzeige. Überlegen sie es sich also gut.“ Er wurde ernst und schluckte. Ich ging weiter zur Mitstreiterin.

Ein älterer Mann forderte eine Erklärung für mein Plakat. Die Erklärung verstand er auch wegen Sprachschwierigkeiten weniger. Er meinte dann, er hätte nur eine Frage, ob ich glauben würde oder nicht. Zunächst meinte ich, das täte nichts zur Sache. Da er jedoch beharrte, bekannte ich dann, Atheistin zu sein. Er verstand nicht recht, sagte etwas von Hölle oder Paradies. Ich meinte, dass ich auch daran nicht glaube. Er entgegnete, wer nicht glaube, sei ein Tier. Ein Mensch müsse glauben. Ob er wisse, dass etwa ein Drittel der Menschen hier nicht glaube, fragte ich, und fügte noch hinzu, dass seine Haltung sehr menschenverachtend sei. Das interessierte ihn jedoch nicht mehr. Er winkte ab, sinngemäß, mit Tieren rede er nicht und ging.

Plötzlich traf mich etwas, ich wurde mit einem Kaugummi beworfen. Den Werfer konnte ich nicht ausmachen.

Eine Gruppen junger Frauen forderte aggressiv Erklärung, warum ich mich da so hinstelle. Sie würden doch auch nicht gegen Christen demonstrieren. Die Erläuterung, dass mir private Frömmigkeit egal sei, interessierte nur wenig. Auch nicht, dass es ein Unterschied sei, sich gegen eine Meinung/Haltung/Ideologie zu positionieren oder gegen Menschen. Es stünde ihnen frei, eine Demo gegen das Christentum zu machen. Die von mir empfohlene Bundeszentrale für politische Bildung wurde nicht als ernstzunehmende Quelle anerkannt. Sie wollten nicht verstehen. Ich müsse mein Plakat herunternehmen. Sie blieben hartnäckig da, obwohl ich mich mit anderen unterhielt. In der Gruppe war ein etwa 15 jähriger Junge, wohl autochthon (sicher bin ich nicht), der ständig durch unverschämte Sprüche auffiel wie, ich solle nach Hause gehen, ich sei häßlich usw. Auch er blieb da und fuhr fort mit seinen Beleidigungen.

Zwischendurch machten Passanten immer wieder mal Mut. Eine in Relation große Menge Menschen stand auf dem Platz, schaute herüber und diskutierte miteinander. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen durch wenige Plakate zu diesem Thema doch zur Diskussion zu bringen sind.

Ein junger Mann, ca. 20, autochthon wollte sich ebenfalls das Plakat erläutern lassen. Ich erklärte die Aufschrift. Er verstand sie nicht. Ich wiederholte. Er meinte dann, er sei in derselben Partei, ob denn die SPD wisse, was ich so treibe. Ich meinte, dass ich klar auf dem Boden des GG stehe und genau für die Jugendlichen einstehe, für die die JUSOS allerorten sich NICHT bewegen würden (es ist tatsächlich aus den 4 Jahren LIES!-Stände keine einzige JUSO-Aktion bundesweit bekannt!). Er kannte das Phänomen aus Stuttgart, wo er herkomme, nicht. Ich erklärte auch dieses. Er meinte, er sei mit 11 Jahren (!) in die SPD eingetreten. Ich erklärte ihm erst mal, dass er mit 11 vielleicht bei den Falken war, aber ganz sicher nicht bei der SPD. Er beharrte. Lächerlicherweise meinte er dann, was denn wäre, wenn er morgen Sigmar Gabriel anrufe (ich gebe zu, ihn in diesem Moment leicht abschätzig lächelnd von oben bis unten beschaut zu haben). So gewinne man keine Wähler. In seiner Partei hätte ich somit nichts zu suchen. Ich meinte, das ich für genau die mehrheitlich muslimischen Jugendlichen und Werte da stünde und nicht, um es möglichst vielen recht zu machen; zumal gebe es manchmal Dinge, die sich widersprächen. Man könne dann es nicht beiden Seiten gleichzeitig recht machen und müsse sich entscheiden. Auch das verstand er nicht. Er verwies auf die Menge, aus der zwischendurch vereinzelt „allahu akbar“ scholl; das seien doch alles Wähler. Ich bekenne: Ich hieß ihn einen Opportunisten.

Ein junger Mann, nach Optik und Wortwahl aus einfachen Umständen, mit Kinderwagen und zwei Kindern, teilte mir mit, was ich mache, sei gänzlich sinnlos. Der Islam werde siegen. Ich meinte nur, dass ich diese Sicht nicht zu teilen bereit wäre. Er winkte ab, war sich völlig sicher.

Eine größere Gruppe westlich aufgemachter Frauen versammelte sich um mich. Nebenan stand noch eine Gruppe Mädchen, die schon vorher relativ aggressiv die Debatte gesucht hatten. Eines der Mädchen, vielleicht 15, weinte plötzlich los. Seine Freundin trat einen Schritt zu mir hin und raunzte mich erbost und aggressiv an, ich solle nur sehen, was ich angerichtet hätte. Ich meinte nur, es sei das Problem des Mädchens, wenn es ein wenig Meinungsfreiheit auf einem öffentlichen Platz, wenn es um eine Ideologie ginge, nicht ertrage. Sie werde noch viel Widerspruch im Leben erfahren, sie solle sich daran gewöhnen. Tränen würden vielleicht helfen, die Debatte mit einem mit ihr liierten Mann (temporär) zu „gewinnen“, das sei jedoch kein Argument und sie solle ihre Emotionen, auch wenn es um Religion gehe, im Griff zu behalten lernen.

Ein Mann versuchte – er hatte vielleicht eine halbe Stunde intensiv zugehört – mit mir unter 4 Augen kurz zu sprechen, welche Schlüsse ich denn zöge aus diesem Verhalten. Obige Gruppe Frauen wollte das Zweiergespräch jedoch nicht zulassen. Eine wischte sich ständig das Gesicht, wenn ich mit ihr sprach, versuchte mir zu suggerieren, ich hätte eine feuchte Aussprache. So etwas kann bei jedem einmal vorkommen, sicher. Aber hier war es – ich achtete darauf – deutlich geschauspielert, um mich zu verunsichern. Ganz perfide, aber bei mir fruchtlos. Sie rückte ständig näher, forderte mich auf – ich sprach in kurzem Abstand mit dem Mann, erkennbar vertraulich – doch gefälligst lauter zu sprechen, sie würden mithören wollen. Ich verbat mir dies und meinte, ich wolle kurz mit diesem Mann sprechen. Das müssten sie schon hinnehmen, dass ich mit einzelnen Personen spreche. Sie rückten nochmals näher und wurden verbal noch frecher, zogen den Mann ihrerseits in die bekannte Islamismus-Debatte (der er als Islamwissenschaftler jedoch standhielt). Plötzlich stürmte eine etwa gleich große junge Frau, wohl autochthon, mit einem Gegenstand – ich sah dann, dass es sich um einen Lippenstift handelte – auf mich zu und beschmierte mein Plakat. Ich hielt ihren Arm fest, woraufhin der 15 jährige von oben gegen mich ausholte. Die Polizei ging dazwischen. Ich glaube allerdings nicht, dass die Personalien der beiden jungen Leute aufgenommen wurden.

Dann konnte ich mit dem Mann doch noch reden.

Zwischendurch trat ein Ahmadi auf mich zu. Er entschuldigte sich für das Verhalten der Menge. das sei nach seiner Sicht ganz furchtbar, aggressiv und unislamisch. Ob ich denn nicht für den Offenen Kanal kurz für ein Interview zur Verfügung stünde? Da ich kurz zuvor die Attacke erlebt hatte und auch meine Kleidung dadurch beschmutzt und derangiert war, hatte ich dazu keine Lust. Auf jeden Fall schienen er und sein Freund sehr bestürzt über das spontan aggressive Kollektiv-Verhalten. Auch die meist – in wechselnder Besetzung – teilnehmenden Exiliraner nehmen dieses kollektive Agieren ohne Auftrag sehr ernst. Sie können es regelmäßig nicht fassen, dass sich das auf der Frankfurter Zeil abspielt.

Die Gruppe Frauen blieb bis zuletzt. Höhnisch kommentierten sie mein Zusammenpacken, jetzt würde ich gehen. seltsamerweise schienen sie das als Sieg mit Genugtuung zu verbuchen, obwohl ich erklärte, nur bis 18 Uhr angemeldet zu haben. Bis zuletzt haben sie nichts verstanden.

Mahnwache vom 24.10.2015

Von 16-18 Uhr zwischen Peek & Cloppenburg und Karstadt, Einmündung Schäfergasse.

 

Mehrfach kamen h2015-09-05_18-54-58_751eute Kleingruppen junger Frauen. „Westlich“ zurecht gemacht fragten sie wenig, wollten aber – ohne zu wissen, was Islamismus bedeutet – gleich darüber belehren, dass wir das Wort ganz falsch verstanden hätten. Die Erklärung hörten sie wahlweise nicht an oder verstanden sie nach mehrfacher – einfach gehaltener – Wiederholung schhlicht nicht. Das Wort gäbe es nicht, meinten sie.

 

Ein Paar, bestehend aus einem nach eigener Auskunft türkischstämmigen Muslim und einer autochthonen Frau, erkundigte sich ebenfalls wegen des Begriffs Islamismus. Die Frau fragte nach, ließ sich das erläutern. Sie konnte die von uns vorgenommene Differenzierung nachvollziehen, wollte aber helfen, indem sie vorschlug, stattdessen den Ausdruck „Terrorismus“ zu wählen. Dieser Vorschlag kommt häufiger, ist aber nicht zielführend. Zum einen wäre er fragwürdig, da wir ja wegen der Anwerbung auf der Zeil konkret den islamischen Terrorismus meinen. Er wäre noch erklärungsbedürftiger als Islamismus, weil die Verknüpfung zu dem IS und den Radikalisierungsoptionen, die sich im Umfeld der Lies!-Aktionen darstellen, erst noch hergestellt werden müsste. Eine Diskussion käme über ihn auch nicht zustande.

Ein junger Mann, mit dem ich schon mehrfach debattiert hatte, kam wieder mit derselben Frage wie die letzten Male. Er fragte das vor einer Gruppe. Auf meinen Verweis, ich würde ihn durchaus wiedererkennen, log er ziemlich frech in die Runde, ich müsse mich ganz sicher täuschen, er sähe mich das erste Mal. Ich ließ mich jedoch nicht beirren. Danach versuchte er es bei einem Mitstreiter.

Mehrere Passanten bedankten sich, machten Fotos und belobigten uns für unseren Mut. Darunter war auch eine iranischstämmige junge Juristin, die im Bereich Migration ehrenamtlich berät. Sie bestätigte das breite Problem mit islamistischen Grundhaltungen und dankte explizit. Einige Passanten meinten, die Aktion wäre gut, aber das sei „alles zu spät“. Insbesondere ein jüngerer Kurde baute diesen Gedanken mir gegenüber aus. Er bedauere die Abläufe und es wäre besser gewesen, da früher mehr vor Ort zu machen. Andere sahen die Transparente, verstanden jedoch nur wenig und erklärten dann, wir sollten uns was schämen. Weswegen, wollten sie jedoch gar nicht erklären.

Mehrere junge Frauen, unter ihnen zwei Schwestern, die zum direkten Umfeld von Abdellatif Rouali, dem Ex-Dawa-Ffm-Chef, gehören, waren wieder unter den jugendlichen Unterstützern und stellten einem Mitstreitern die bereits etliche Male beantworteten Fragen.

Ein junger Ahmadi lehnte auch den Begriff Islamismus ab. Der IS-Terror hätte nichts mit dem Islam zu tun, meinte er. Ein weiterer junger Mann lehnte das Wort ebenfalls ab. Mein Hinweis, es gebe durchaus – ich nenne das um des Dialoges Willen so – „dunkle Stellen“ schon im Korantext, auf die man sich, wörtlich genommen, beziehen könne, wurde als falsch zurückgewiesen. Immerhin kamen wir überein, dass die von der LIES!-GmbH verteilte Koran-Übersetzung eine durchaus übliche sei, mitnichten eine besonders radikale.

Eine Dreiergruppe von einer „Flüchtlingshilfe Frankfurt“, optisch und argumentativ, wenn man Nicht-Zuhören, Nicht-Verstehen und Beharren auf Nichtverständnis und Missverstehen so nennen mag, wahrscheinlich von der Antifa, sprach uns an. Die beiden jungen Männer und eine Frau störten sich an dem Plakat „Mahnwache gegen die islamistische Strassenrekrutierung… Ihr Kind könnte das nächste sein!“. Nach kurzem Disput mit mir und Beratschlagung untereinander zogen sie sich zurück, kamen nach einigen Minuten jedoch wieder. Sie hatten sich im Karstadt DIN A 3 Papier besorgt und Transparente gemacht. Auf einem war etwas mit „Refugees welcome“ (wir haben kein einziges Plakat, das sich auf die Flüchtlingsfrage bezieht!) zu lesen. Auf einem anderen, groß „Nazis verpisst euch!“. Ich lief hin und versuchte ein weiteres Mal zu klären. Mein Verweis, dass ich langjährig in der SPD sei, half nicht. Sie bekundeten, ich sei „eine Schande für meine Partei“. Zufällig waren an diesem Tag zwei Genossen aus Offenbach als Passanten unterwegs – ich unterhielt mich kurz mit ihnen. Sie fanden die Antifa auch „unmöglich“ und „völlig verwirrt“. Ich forderte die von der „Flüchtlingshilfe Frankfurt“ auf, zu gehen. weil sie (zu dritt!) eine Gegendemo gegen unsere Veranstaltung machten, ohne diese angemeldet zu haben. Sie lachten mich aus und bekundeten, ich KÖNNE sie gar nicht vom Platz stellen. Ich lief rüber zum Einsatzleiter und machte klar, dass ich diese Zuschreibungen und diese Gegendemo nicht hinnehmen wolle und auch nicht müsse. Man möge mir doch bitte behilflich sein und die drei jungen Leute mit ihren Plakaten des Platzes verweisen. Der Einsatzleiter weigerte sich, das durchzusetzen. Gegen Plakate und Zuschreibungen machte er – nichts!. Das müsse ich selber klären, das wäre von mir noch hinzunehmende Kritik an meiner Veranstaltung. Ich versuchte es noch mal mit den jungen Leuten, die mittlerweile eine relevante Gruppe Passanten um sich herum hatten, unter denen auch einige waren, die „allahu akbar“ riefen. Wieder nichts zu machen bei der Antifa. Noch mal die Bitte um Durchsetzung meines Rechts beim Einsatzleiter. Ich konnte es ehrlich nicht fassen, dass man uns nicht half. Wir (!) rückten dann 10 m ab, weil die Polizei – das war meine Kompromiss-Bitte, wenn sie schon die „Nazi“-Zuschreibung nicht aufnehmen (!) wollten und die Herrschaften ganz wegschicken – nicht dafür sorgte, dass die Antifa 20 m Abstand hielt (der Platz da ist nicht so arg groß). Ein jüdischer Mitstreiter, der hinzukam, war ebenfalls entsetzt. Er fragte, warum wir uns das gefallen ließen, die jungen Leute seien doch völlig daneben und „Nazis“ müssten ausgerechnet wir uns doch nicht heißen lassen. Ich erklärte ihm, dass mir der Einsatzleiter nicht helfen wollte, in etwa mit den leicht genervten Worten „die Polizei hat heute hier keinen Bock, mein Recht durchzusetzen, was soll ich denn bitte machen?“. Das bekam der Einsatzleiter mit einem halben Ohr mit. Er murrte halblaut und relativ unfreundlich, wir würden doch provozieren wollen, das hätten wir nun davon, das müssten wir schon mal hinnehmen. Meine Entgegnung „nein, wir müssen keine Gegendemo und solche Plakate dulden, wenn WIR hier angemeldet haben und die Gegengruppe nicht“ führte nur dazu, dass er lakonisch meinte, man könne es mir nicht recht machen (was definitiv nicht stimmt). Ich habe mich noch nie über die Polizei beschwert zu dieser Sache. Wir wurden allermeist gut betreut und ggf. beschützt bei dieser Veranstaltung. Dieses Mal war das jedoch mindestens grenzwertig. Mir erscheint es schon rechtlich fragwürdig, auf eine Hilfsbitte eine Nazi-Zuschreibung nicht zu ahnden. Ich überlege ein entsprechendes Feedback, da der Schutz meiner Veranstaltung und der Schutz vor der Zuschreibung „Nazi“ wiederholt zurückgewiesen wurde. Auf Ansprache meinte der junge Mann von der „Flüchtlingshilfe Frankfurt“ frech – er stand VOR unserer Gruppe! – warum ich mich durch dieses allgemeine Plakat denn angesprochen fühlen würde? Dann wäre ja wohl was dran… Dass die Menschen zu uns flüchten, genau wegen der Gruppierungen, gegen die wir uns wenden, hat er ganz deutlich nicht kapiert. Aber Hauptsache selbstgefühlte intellektuelle Überlegenheit zur Schau getragen.

Die kleine Truppe von der „Flüchtlingshilfe Frankfurt“ feierte das hinterher sicher als Erfolg: „Nazis erfolgreich geortet und bekämpft“. Sind keine echten da, ernennt man halt Personen dazu, auch wenn man gar versteht, worum es geht und auch nicht verstehen will. Da haben nur noch die Triumph-Selfies gefehlt. Aber vielleicht gibt es die ja schon im Netz.

 

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Am Samstag, den 17.10. hatte auch eine Mahnwache vor dem „My Zeil“ stattgefunden. Neben der Beantwortung der üblichen Fragen hatte ich an diesem Tag ein kleines Experiment durchgeführt: Wie viele der angeblich im Koran so beschlagenen jungen Leute – man gibt ja gerne an, „das“ besser zu wissen, weil man Muslim sei und daher sozusagen genuiner Islamkenner – würden wohl wissen, wie viele Suren der Koran hat? An diesem Tag scheiterten alle der etwa 15 Befragten an dieser Frage.