Mahnwache vom 26.09.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für die aufmerksame Betreuung.

Eine Gruppe junger Muslimas, völlig unauffällig „westlich gekleidet“ wollte sich die Aktion erklären lassen. Nach der Eingangsfrage „Was soll das?“ bestand jedoch keinerlei Möglichkeit, die Erklärung auch zu bieten. Jedes Wort wurde aggressiv hinterfragt, so dass kein ganzer Satz möglich war. Das wiederum wurde aggressiv und hochmütig als Schwäche ausgelegt. Es zeigte sich ein von völliger Respektlosigkeit geprägtes Verhalten.

Ein älterer Mann begann sehr ähnlich. Auf meinen vielleicht dritten Satz, „ca. 80 % der geworbenen Kinder und Jugendlichen stammten aus muslimischen Familien“, stieg er so ein, dass er mich fragte, wie viele Kinder ich denn hätte. Ich entgegnete, dass hier im Kontext auf der Strasse meine persönliche Planung keinerlei Rolle spiele. Er schickte mich aggressiv „zu meinen Kindern nach Hause“. Auf diese Frage – die bekannt ist – gibt es bekanntermaßen keine richtige Antwort für so strukturierte Gegenüber, denen es um die pure Aggression und Machtausübung geht. Sagt man, man hat keine Kinder, wird man i.d.R. verhöhnt. Es wird nur als potentiell nutzbare Schwäche gesehen, die zur persönlichen Demütigung geeignet erscheint. Häufig wird dann, vorzugsweise von völlig ungebildet erscheinenden Personen, stolz verkündet, man selber habe 5 oder 6 Kinder. [Bevor dies jetzt als abwertendes Klischee verstanden wird: Das wird so und genau SO häufiger einmal gesagt; man sehe mir die Wiedergabe der realen Gesprächsverläufe nach.]

 

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Bei einer Gruppe Muslimas, die unauffällig gekleidet waren und in typischer Weise ins Gespräch eingestiegen waren, stand ein Mann mit einer Sprach- und Sprechstörung. Er fragte nach, ich verstand ihn schlecht und sagte dies auch – keineswegs unfreundlich. Auch das wurde umgemünzt: Die jungen Frauen schrieen auf, ich würde den armen Mann (autochthon!) diskriminieren, weil ich ihm sagte, dass ich ihn akustisch nicht verstand. Eine junge Frau tat sich dabei besonders hervor, indem sie jedes Wort nur als Anlass für neue Beschimpfungen nutzte. Als ich mir dies verbat, erklärte sie, dass ich auch persönliche Beleidigungen hinzunehmen hätte, da ich den ganzen Islam beleidigen würde.

Die Passantenstimmung war gemischt; manche machten Mut und bedankten sich. Andere kamen vorbei, nur um kundzutun, dass sie sich für diese Aktion schämen würden. Letzteren versuchte ich eine kurze Erklärung anzubieten. Gestern scheiterte dies bei mir meist. Man fühlte sich völlig im Bilde, sah keinen Bedarf, mich auch nur 2 Sätze anzuhören. Es wurde nichts verstanden, sondern nur abschätzig abgewinkt. Eine Frau mit vermutetem Migrationshintergrund kam nur vorbei um mir zu sagen, sie schäme sich für mich als Deutsche. Auch sie verstand die Aktion nicht, las nicht einmal die Schilder richtig.

Ein alter großer Mann, der mir bekannt vorkam, stellte sich direkt neben mich. Er fragte laut, warum ich die Verbrechen des Christentums nicht mit aufführte. Auf meinem Schild stand: „Mahnwache gegen die islamistische Straßenrekrutierung! 80 % der geworbenen Kinder & Jugendlichen stammen aus muslimischen Familien. Ihr Kind könnte das nächste sein!“. Jedesmal, wenn ich zu erläutern versuchte, unterbrach er mich aggressiv. Als ich nach ein paar Wiederholungen mir das einerseits verbat und andererseits das Gespräch mit ihm abbrechen wollte, drehte er noch mal richtig auf: „Ja, das finden sie wohl nicht gut, wenn man sie provoziert!“ Ich meinte, dass man das ruhig versuchen könne, aber damit scheitern werde. Er schnaubte, es wäre nur gerecht, mich anzugehen, weil mein Schild die eigentlich Provokation sei. Ich glaubte dann mich zu erinnern, ihn möglicherweise vor Monaten angezeigt zu haben, da er mich wiederholt als „Nazi“ bezeichnet hatte. Er verliess die Mahnwache dann, als ich mich anderen zuwandte.

Eine Gruppe junger Muslimas in strengerer Kleidung, vielleicht 18, versuchte zu diskutieren, war aber wenig textfest und informiert. Ein junger Mann trat autoritär auf und wies sie an, nicht „mit der Kafira“ zu sprechen. Es lohne nicht. Sie akzeptierten das weitgehend, blieben aber zur Beobachtung. Der junge Mann schrie nach dieser Handlung „allahu akbar“. Es stimmte jedoch keiner ein, was ihn zu enttäuschen schien. Eine Passantin schrie zu ihm etwas rüber wie: „Da kannst du lange drauf warten.“

Zwischendrin versuchte sich ein 13 jähriger gehemmt wirkender Junge an der persönlichen Herabsetzung: Ich solle doch „mit meinen verschimmelten Zähnen das Maul halten“. Wenn ich es recht sah, trug er Zahnspange.

Eine Passantin warf „Rassismus“ vor, konnte jedoch nicht sagen, worin der bestünde. Ein konditionierter Reflex wie es scheint. Ein älterer muslimischer Mann, optisch gepflegter Geschäftsmann, wies höhnisch darauf hin, wie alleine ich da stehen würde (Mitstreiter hatten gerade kein Plakat oben). Das verschaffte ihm deutlich Genugtuung. Manchen ist ja schon Überzahl Rechtfertigung für alles.

Zwei junge kurdische Frauen hingegen verstanden die Aktion sofort und fanden sie auch gut und wichtig. Sie blieben und beobachteten. Nach einer Weile kamen sie noch einmal direkt bei mir vorbei und wünschten alles Gute.

Mehrfach wurde gestern wieder die große Weltverschwörung gegen die Muslime präsentiert. Von „differenziert historisch scheinend“ von einem älteren Konvertiten, der wohl nicht nur mit Verschwörungstheorien ein Problem hat, bis hin zu den Gruppen junger Menschen, die nach der Sprache hier die Schule durchlaufen haben, aber jegliche deutsche Medien und auch die Bundeszentrale für politische Bildung ablehnen. Welche Medien sie annehmen als um Realitätsabbildung bemüht, konnten sie nicht sagen. Sie konnten auch nicht sagen, wo sie sich über Politik informieren. Bei solchen läuft der Verweis auf „Sterben für Allah“ völlig ins Leere. Sie scheinen nur noch andere Muslime als Quelle anzuerkennen. Sie scheinen unpolitisch – es machte aber auch nicht froh, wenn auf der Basis politisches Bewußtsein da wäre. Es gibt definitiv nichts, was von den Ungläubigen angenommen wird. Die Basis für völlige Abhängigkeit von einem Einflüsterer.

 

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Plötzlich wurde ich von hinten mit einem Gegenstand, einer Stange wie ich dachte, grob an den Beinen angehauen. Ich drehte mich um und sah einen kleinere autochthone Frau, die mich aggressiv anfunkelte. Sie ging an Gehhilfen und hatte eine Krücke benutzt, um mir eins auf die Beine zu geben. Auf meine Frage, was das solle, fing sie zu schreien an, für „so was wie mich müsse man sich schämen und es hätte keine andere Möglichkeit gegeben, mich auf sie aufmerksam zu machen“. Die hätte es natürlich schon gegeben – sie hätte nur warten müssen, bis ich ein anderes kurzes Gespräch beendet hätte. Erklärungen wurden nicht angehört, sie lamentierte weiter minutenlang laut in diese inhaltliche Richtung.

Ein junger Mann und sein Freund, beide ca. 16,17 und vielleicht nordafrikanischer Abstammung, kamen gleich zur Sache und redeten wenig vorher. Einer der beiden, sagte mir direkt, „ich zünde dich jetzt an“. Ich warf einen schnellen Blick zurück auf die meterweit entfernte Polizei. Er sah dies und schob nach „die Polizei kann dir da nicht helfen“. Ich war deshalb vorsichtig und nahm die Bedrohung ernst, weil vor Monaten ein junger Mann bei einer Mitstreiterin blitzschnell eine Deo-Dose aus der Jackentasche gezogen hatte und ein Feuerzeug daneben hielt mit ähnlicher Ankündigung. Da es seinerzeit an dem Tag sehr tumultartig war, konnten die Personendaten des damaligen Bedrohers nicht aufgenommen waren – es passierten zu viele Dinge gleichzeitig. Ich machte einen Schritt zurück und nahm Zeichenkontakt mit einem Polizisten auf. Der junge Mann und sein Freund versuchten daraufhin, wegzulaufen, was aber auf der vollen Zeil nicht so einfach war. Der ältere Polizist und ich konnten die beiden jungen Männer also problemlos noch erreichen. Gegenüber dem Polizisten taten die beiden unschuldig „was hat er denn gemacht?“. Auch das ist leider ein verbreitetes Schema: In der Überzahl und vermutet folgenlos ist man aggressiv, bedroht und tritt autoritär auf. Sobald jedoch jemand mit Autorität eingreift, der nicht sicher überwunden werden kann, wird auf völlig harmlose Jungs gemacht. Heinrich Manns „Der Untertan“ sollte wieder mehr an den Schulen gelesen werden.

Gegen Ende kam wieder – wie schon die Wochen zuvor – ein Mann in traditionellem Gewand. Seine Gattin wohl, zumindest die begleitende Frau, war bis auf einen schmalen Augenschlitz bedeckt, trug auch Handschuhe. Nach Augen- und Hautfarbe eher Konvertitin. Der Mann scharte umgehend eine größere Gruppe Zuhörer um sich, da er laut behauptete, in Kindergärten würden „schon Dreijährige lernen, wie man da unten massiert“. Das wäre ganz unerträglich. In diesem inhaltlichen Fokus ging es weiter, die Kinder würden durch öffentliches Schulsystem und Kita verdorben. Ein mit hörender autochthoner Passant schrie etwas herüber wie „geh doch nach Saudi-Arabien, wenn es hier nicht passt“.

Nun glauben das zwar auch einzelne christliche Eiferer, dass ihre Kinder in der Schule mit unagemessenen Inhalten konfrontiert würden. Das kann zu Schulverweigerung führen. Christlich-fundamentale Kitas und Schulen sind jedoch kein relevantes Phänomen, allenfalls home schooling. Eine islamisch fundamentalistische Kita gibt es jedoch in Mainz vom Arab Nil Verein, mit öffentlicher Förderung. So etwas wird kein Randphänomen bleiben.

Gestern war das eine klassische „bull baiting“-Situation.

Bei Beendigung der Veranstaltung blieb ein größerer Kreis Personen stehen und diskutierte weiter, obwohl der Einsatzleiter noch einmal explizit auf das Ende hinwies. Teile der Polizei blieben vor Ort, um die Gesprächsentwicklung weiter zu beobachten.

Mahnwache vom 19.09.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“.

Vor Beginn waren bereits zwei junge muslimische Männer am Platz, die ich aus vorangegangenen Debatten kannte. Sie warteten schon auf den Beginn der Mahnwache. Sie diskutierten diesmal gar nicht länger mit, sondern beobachteten nur, wechselten die Kreise, bei denen sie zuhörten. Für manch einen ist die Mahnwache Anlaufpunkt geworden, an dem man über diese Dinge einmal offen redet.

 

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Drei Mädchen, vielleicht 15, „westlich“ durchgestylt und geschminkt, waren erbost und regten sich über den Begriff Islamismus auf. Sie fühlten sich angegriffen, wollten die Definition aber gar nicht hören und verfielen in eine Art Hysterie, die in ein Keifen umschlug. Bei einer Mitstreiterin verkündeten sie dann, den IS „irgendwie gut“ zu finden. Solche Mädchen sind leichte Opfer für die mittlerweile spezialisierten Mädchen-Anwerberinnen.

Mehrere Passanten machten Mut. Viele standen – wie häufig – herum, unschlüssig, aber positiv berührt.

Eine Dreiergruppe „westlich“ gekleideter junger Frauen mit starkem Makeup kam forschen Schritts näher und verlangte selbstbewußt, dass ich das Schild herunternehmen solle. Die Wortführerin wollte es sich deutlich nicht erklären lassen, äffte mich aggressiv nach und verstieg sich dann in verschiedene Beleidigungen. Nachdem sie mich mehrfach „Nazi“ genannt hatte, lies ich ihre Personalien feststellen.

Ein alter Mann stellte sich hin und schrie laut herum. Er sammelte eine Gruppe Menschen um sich herum, worunter auch ein häufig anwesender, auch arabisch sprechender LIES-Sympathisant und der unten erwähnte LIES-Anhänger waren. Beide fanden es offensichtlich großartig, wie laut der alte Mann war und versuchten halbherzig, weil sie meinen Blick sahen und auch merkten, dass die Polizei einen Schritt nach vorne machte, ihn herunter zu bringen. Er schrie weiter, als ich ihm die Aktion zu erklären versuchte. Er ging dann. 10 m weiter verwandelte er sich in einen friedlichen scheinenden alten Mann zurück.

Ein junges Mädchen aus dem direkten Dawaffm-Umfeld war wieder vor Ort und hatt eine Freundin, autochthon und wohl Nichtmuslima mitgebracht. Sie standen so 8 m entfernt, wobei die Muslima uns ihrer Freundin mit Deuten etc. erläuterte, wie man das wohl mit Affen im Zoo auch tut. Man kann sich vorstellen, dass dieses junge Mädchen von der gleichaltrigen Fanatikerin eine sehr spezielle Geschichte zu hören bekam.

 

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Nach 2 Wochen traf ich wieder auf einen jungen Mann, ungefähr 18, dicklich, in Sportkleidung, der mir das vorherige Mal angeboten hatte, ich könne für 7,50 € für ihn arbeiten, da täte ich wenigstens etwas Anständiges, würde mehr als Harzt IV kriegen und müsste nicht mehr solche Schilder halten. Ich solle das Schild herunter nehmen, meinte er wieder. Gestern sagte er mir zudem, ich solle Deutschland einfach verlassen. Der junge Mann schien marokkanischstämmig und ich bezweifle, dass er es je zu mehr bringt als dem Hauptschulabschluß von Diktion und Verhalten her. Aber er war völlig überzeugt von sich, dass er (mein) Chef sei.

Bei uns schauen auch häufig Touristen vorbei und lassen sich die Aktion erklären. Gestern stach ein älteres Par aus Israel heraus, das Grund und Haltung sehr gut nachvollziehen konnte. Wir bedanken uns für ihre geäußerte Anerkennung.

Ein junger Mann, der vor 3 Wochen in traditioneller Kleidung und mit Käppchen versucht hatte, zu diskutieren, war wieder anwesend, diesmal in üblicher Straßenkleidung. Er ordnet sich selber eindeutig LIES! zu, glaubt an den Shaytan und Jinns. Er hält sich für überaus wissend und wertet Wissen, das er für nicht islamisch hält, massiv ab. Um das subjektiv in Deckung zu bringen, vertritt er verschiedene Verschwörungstheorien. Er blieb die ganze Zeit. Dabei versuchte er streckenweise „Manndeckung“ bei mir, um, sobald ich in ein Gespräch einsteigen wollte, dieses zu torpedieren durch Zwischenfragen oder Ablenkungen. Mehrfach bekundete er, nach Syrien gehen zu wollen, mit einer Hilfsorganisation. Ich wies ihn auf VPN hin und dass ihm dort geholfen werden könne, es dort Ansprechpartner gebe. Er lehnte dies ab. Er benötige keine Hilfe. Alternativ dachte er laut darüber nach, sich hier etwas aufbauen zu wollen. Er besuche die Schule, habe aber schon Führerschein, er wolle heiraten. Er zitierte „die Heirat ist die halbe Religion“. Er sei Waise, meinte er. Was wohl seine Zieheltern davon halten?

Sehr aufgeregt gerierte sich ein weiterer älterer Mann, der auch sehr laut wurde und der sich an den Schildern störte. Auch um ihn bildete sich umgehend eine Traube Passanten und einen Moment schien die Lage problematisch zu werden. Auch der oben erwähnte arabischsprechende LIES-Sympathisant und der putative Syrien-Reisende gesellten sich hinzu. Der Mann bezeichnete sich als Schiit, meinte aber, er sei aus dem Gaza-Streifen. Es fand zwischen dem angeblichen Waisen und dem Mann ein Wortwechsel statt, an dessen Ende man sich sehr emotional um den Hals fiel, man sei doch unter Brüdern. Der Arabischsprechende schaute finster und versuchte, den Syrienreisenden auf arabisch zurechtzuweisen. Ich verstand kein Wort, sah aber die Körpersprache und hörte den Wortklang. Es hörte sich nach: „Wie kannst du nur!“ an. Der Palästinenser schrie dann, Israel habe ihn sein Bein gekostet, eine Rakete (es blieb unklar, ob er unter dem Beschuss oder beim Selberabfeuern den Verlust erlitt) sei schuld. Er krempelte sein Hosenbein hoch und es kam eine Stahlprothese zum Vorschein. Er schrie weiter und verfiel dann ins Weinerliche: Jahrelang sei er in Gaza nicht ausreichend versorgt worden, aber hier in Deutschland nach 2 Monaten… Er fiel auf die Knie und küsste den Boden. Die größere Gruppe diskutierte noch weiter, als wir den Platz verließen. Es war 19 Uhr.

Mahnwache vom 29.08.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für den freundlichen und umsichtigen Schutz.

 

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In kleiner Besetzung mit etwas späterem Beginn.

Ein junger Mann wollte sich mein Schild erklären lassen und stieg mit der häufigen Frage „Was soll Islamismus sein?“ ein. Die übliche Definition verstand er zunächst nicht und als er sie verstanden hatte, lehnte er sie geradeheraus ab. Diese Definition sei nicht akzeptabel, es gäbe nur den Islam, Islamismus gäbe es hingegen nicht. Auf diese Logik einsteigend erläuterte ich, dass man – selbst wenn man annähme, es gäbe Islamismus nicht – man doch diesen Begriff bräuchte. Man braucht ihn, um Muslimen zu ermöglichen, sich in Auslebung ihrer privaten Frömmigkeit als Teil dieser demokratischen Gesellschaft zu definieren und von Personen abzugrenzen, die die demokratische Gesellschaft abschaffen wollen. Der junge Mann lehnte auch diese Erläuterung ab. Nach einigen Antworten wurde klar, dass es ihm weniger um Klärung und Diskussion ging, sondern er nur vor Publikum herabsetzen wollte, da er in Wiederholungen verfiel. Er forderte aggressiv weitere Antworten ein, woraufhin ich mehrfach versuchte, das Gespräch abzubrechen, was er nicht akzeptierte und höhnisch nachfragte. Ich ging dann ein paar Meter weiter.

Zwei junge Frauen, mit denen ich mich schon zweimal unterhalten hatte, stiegen an diesem Punkt ein und wollten sich ebenfalls das Wort Islamismus erklären lassen. Sie waren „westlich“ gekleidet und ich erinnerte mich, dass mit beiden kein Konsens erzielt worden war und sie wiederholt aggressiv wurden. Ich sagte ihnen das, sie wunderten sich. Sie zogen dann zu einem Mitstreiter ab.

Von einer Passantin und einem Passanten wurde jeweils das „Kreuzzugs-Argument“ gebracht. Diese Art Ablenkung ist nicht selten. Durch dieses Manöver soll vom aktuellen Bezug abgelenkt werden. In eine vertiefte historische Debatte kann man jedoch am Ort nicht einsteigen. meist wollen diejenigen auch gar nicht wirklich differenziert abwägen und fühlen sich durch historische fakten eher überfordert.

Eine Passantin machte nach Erläuterung spontan die ganze Mahnwache mit. Aus ihrer – einmaligen – Erfahrung wollte sie nach einer halben Stunde die Plakate ändern, was wiederum ich nicht so gut fand. Man kann sich sicher mit einem Plakat „Gegen IS“ dazustellen. Aber mit diesem Transparent alleine kommt keine Debatte auf, weil der Bezug zu Frankfurt fehlt und auch zu den Koranverteilungen. Bei so einem Schild nickt (fast) jeder und man kommt nicht ins Gespräch. Wir einigten uns so, dass sie ein eigenes Plakat macht, wir das vorab anschauen, ob es kompatibel ist und sie demnächst wieder mitmacht.

Ein Mann erklärte mir aggressiv, es werde schon noch jemand kommen, mir das Schild aus der Hand zu schlagen. Ich entgegnete, er solle sich mal über Meinungsfreiheit belesen.

Eine junge Frau, sehr feminin und freizügig (bauchfrei) gekleidet, teilte mit, ich beleidigte ihre Religion. Sie bezog sich auf das eine Plakat, auf dem u.a. steht, dass Islamismus frauenfeindlich sei. Ich versuchte, ihr den Unterschied zwischen privater Frömmigkeit und Islamismus zu erläutern, scheiterte jedoch, da sie den Islam einfach und wiederholt als nicht frauenfeindlich bezeichnete. Ich versuchte, ihr dies anhand der Bekleidungsvorschriften zu erläutern. Sie verstand einfach nicht, dass ihre Bekleidung nicht islamisch ist und Islamisten ihr vorschreiben würden, wie sie sich zu kleiden hat. Dass es diesen völlig egal sei, dass sie das allenfalls als persönliche Sünde betrachte, ansonsten aber ihr ihre Vorstellung von sittsamer Frauenkleidung aufnötigen würden.
Bei manchen erschwert das Verständnis, dass sie den Islam, ihre eigene Religion in ihren üblichen Ausprägungen in anderen Ländern nicht kennen und sie tatsächlich meinen, ihre Freizügigkeit werde durch den Islamismus nicht beeinträchtigt. Nicht jeden Bildungsmangel kann man in 5 Minuten auf der Strasse beheben.

 

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Ein Mann kam aggressiv näher und schrie mich an. Er sei Atheist und Kommunist, aber was ich hier mache, also eine ganze Religion herabzusetzen, sei das allerletzte. Ich sei ein Nazi. Ich versuchte, das zu entkräften, indem ich das Missverständnis erläutern wollte. Er wollte jedoch gar nicht zuhören, sondern schrie nur weiter. Die anwesende LIES-Unterstützer-Truppe nahm das begeistert auf. Als er im Weggehen endete und mich stehen lies mit seinen Flüchen und Verwünschungen, schrie ein Akhi „Takbir!. 20 junge Männer riefen „allahu akbar!“.

Eine ältere Frau drückte mir gegenüber Verachtung aus. Ich wollte erläutern, aber sie zog es vor, sich in ihren Vorurteilen selbst zu bestätigen und ging gleich weg nach meinem ersten Satz.

Mehrere Passanten äußerten sich anerkennend und drückten Dankbarkeit aus. Sie hielten das Thema auch für relevant und diskussionspflichtig.

Zwei junge Frauen mit Migrationshintergrund, die angaben, selber in der Integration aktiv zu sein, waren zunächst skeptisch. Sie meinten, in der aktuellen Lage sei das ganz kontraproduktiv. Ich versuchte zu erläutern, dass genau in Frankfurt auch in Flüchtlingsunterkünften geworben werde, die Straßenrekrutierung weitergehe und wir – bei aller Betroffenheit – uns in einer richtigen Handlung oder Aktivität nicht von den falschen Handlungen anderer beeinträchtigen lassen dürften. Gerade wir, als demokratische und menschenfreundliche Personen müssten den Mut aufbringen, weil diese ganze Lage ein Höchstmaß an Konzentration und Differenzierung erfordert. Sie wurden nachdenklich und wir verloren uns aus den Augen bzw. ich sprach mit anderen. Gegen Ende der Mahnwache kamen die jungen Frauen noch einmal zu mir. Sie berichteten, dass sie ihre Meinung geändert hätten. Sie hätten die letzten anderthalb Stunden ganz unglaubliche Gespräche mitangehört. Sie wären selten bei einer Veranstaltung gewesen, wo so hart und kritisch, aber gleichzeitig friedlich diskutiert wurde. Das fänden sie ganz außerordentlich und sehr wertvoll. Sie wollen vielleicht wiederkommen.

Da ich kurz zuvor einen Mann anzeigen musste, der mich wiederholt „du Stück Scheisse, ich hau dir eine rein“ gesagt hatte, mir sehr nahe gekommen war und eine bedrohliche Haltung einnahm, konnte ich nur bedingt hinsichtlich der Friedlichkeit zustimmen. Ich dachte bei der Schnelligkeit des Herangehens und der Bewegung mehrere Sekunden tatsächlich, er werde mich jetzt sofort schlagen, nahm daher eine Abwehrhaltung ein, obwohl ich das Plakat noch nicht heruntergenommen hatte. Sein mitlaufender Kumpel ergänzte „und von mir kriegste auch noch eine“. Diesen letzteren Mann hat die Polizei leider nicht erfasst. Bei dem Mann, der mich zuerst bedrohte, handelte sich wohl um einen Bosnier, dem Namen auf der Strafanzeige nach. Der Delinquent schaute sehr erstaunt, als seine Personalien aufgenommen wurden. Ihm war es wohl normal, Frauen so anzugehen. Nicht normal war es wohl für ihn, dass so etwas auch mal Folgen hat, weswegen er mich, als er von 5 Polizisten umringt wurde, wutentbrannt anfunkelte. Ja nu. Auch einem Mitstreiter wurde deutlich zugesetzt, etliche junge Männer kamen ihm sehr nahe und versuchten, ihn auch durch Videoaufnahmen einzuschüchtern. Der Umstand, dass wir gestern heil vom Platz kamen, war wohl ein weiteres Mal der sichtbaren Präsenz der Frankfurter Polizei geschuldet. Wenn man trotz mehrerer sichtbarer Polizei-Kleinbusse auf dem Platz so agiert, dann möchte man sich gar nicht vorstellen, wie das ohne wäre.

Im Zentrum der Macht

Aiman Mazyek ist als Vorsitzender des Zentralrats der Muslime (ZDM) bundesweit präsent. Doch hinter dem umtriebigen Vorsitzenden bleibt der Rat seltsam diffus. Die Inhalte hinter dem Marketing werden kaum noch hinterfragt.

 

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„Aiman Mazyek“ von Jakub Szypulka

Aiman Mazyek dreht ein großes Rad: Er geht bei politisch Verantwortlichen ein und aus. Fotos, Veranstaltungen, Reisen. Er ist in Talkshows häufiger Gast und nachgefragter Interview-partner. Häufig betont er, Bürger sein zu wollen wie andere auch. Andere Bürger gehen mit ihrer Religionszugehörigkeit zwar nicht so offensiv um, aber dafür ist er ja auch Verbandsvertreter. Muslim sein ist dem Anschein nach sein persönliches Geschäftsmodell. Aber:Bürger sein, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, heißt, auch angemessene Anfragen zur öffentlichen Funktion zu beantworten. Da allerdings wird es etwas schwierig, denn kritische Anfragen werden schon mal ablenkend oder ausweichend beantwortet. Oder gar nicht.

So beantwortet Mazyek seit längerer Zeit die konkrete Frage, wie viele Mitglieder die Mitgliedsgruppierungen des ZDM haben, nicht. Das irritiert etwas, denn Mazyek geht sonst mit allem möglichen an die Öffentlichkeit. Über twitter, facebook, alle Medien, die Publikumszugang ermöglichen für seine Anliegen. Keine Erwähnung ist zu pinzig, kein Anlass für seine spezielle Form von „fishing for Betroffenheit“ zu klein, kaum eine Meldung, sofern sie nur seine Klischees erfüllt, zu unglaubhaft für seine twitter- und facebook-Nachrichten. Man will massiv Öffentlichkeit für die eigenen Themen – aber nur die genehmen. Das ist sicher auch persönliche Note. Wenn man aber überlegt, dass der angeblich so große ZDM nicht einmal seine eigene Veranstaltung im Januar bezahlen kann, wird es fragwürdig, denn es wird möglicherweise mehr Größe vorgegeben, als tatsächlich vorhanden ist:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article144444970/Wie-die-Politik-den-Anti-Terror-Islam-inszeniert.html

und

http://www.ruhrbarone.de/duennes-eis-der-parteienbeteiligung-fuer-muslimische-mahnwache/110799

Hier die Darstellung von Mazyek:

http://islam.de/26636

Das klärt nur wenig über das Bekannte hinaus, lenkt ab auf einen bekannten Opferdiskurs und ist auch etwas fragwürdig, denn den Parteien ist – im Gegensatz zum Herrn Mazyek – durchaus klar, dass das ein Problem mit dem Parteiengesetz geben kann. Auch bei dieser Angelegenheit sind noch eine Menge Fragen offen.

Aktuell hat der ZDM 27 Mitglieder. Vor kurzem kamen zwei neue Mitglieder hinzu, darunter die Islamische Gemeinde Frankfurt e.V. Abubakr-Moschee, in der Mazyek im letzten September den Aktionstag der Muslime öffentlichkeitswirksam zelebrieren liess:


1. Union der Islamisch Albanischen Zentren in Deutschland (UIAZD)
2. Union der Türkisch-lslamischen Kulturvereine in Europa e.V. (ATIB)
3. Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD)
4. Islamische Gemeinde Saarland e. V. (IGS)
5. Deutsch – Islamischer Vereinsverband (DIV – Rhein-Main)
6. Union des Musulmans Togolais en Allemagne e.V. (UMTA)
7.Vereinigung Islamischer Gemeinden in NRW (VIG)
8. Freier Verband der Muslime FVM e.V.
9. Deutsche Muslim-Liga Bonn e.V. (DML BONN)
10. Deutsche Muslim-Liga e.V.
11. Islamisches Zentrum Hamburg e.V. (IZH)
12. Islamisches Zentrum Aachen e.V. (IZA)
13. Islamisches Zentrum München e.V. (IZM)
14. Islamisches Zentrum Dresden e.V.
15. Islamische Gemeinschaft Braunschweig e.V. (IGB)
16. Islamische Gemeinde in Erlangen e.V. (IGE)
17. Stuttgarter Moscheeverein e.V
18. Haus des Islam e.V. (HDI)
19. Islamisches Kulturcenter Halle / Saale e.V.
20. Islamische Gemeinde Penzberg e.V.
21. Islamische Gemeinde Frankfurt e.V. Abubakr-Moschee
22. Muslimische Studentenvereinigung in Deutschland e.V. (MSV)
23. Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe e.V. (IASE)
24. Bundesverband für Islamische Tätigkeiten e.V
25. Haqqani Trust e. V. / Osmanische Herberge
26. DMK-Berlin e.V.
27. Inssan e.V. 

Assoziierte Mitglieder:
1. Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland-Zentralrat e.V.
2. Rat der Imame und Gelehrten (RIG)
3. Deutsch-Islamische-Moscheestiftung Düsseldorf (DIMS)
4. Deaf-Islam e.V.

Quelle: 

http://zentralrat.de/16660.php

Da sind also etliche Kleingruppen dabei, kleine Vereine und Gemeinden, die vielleicht nicht mehr als 50 oder 100 Mitglieder haben mögen.

Unter den Mitgliedern sind auch viele fragwürdige Vereine. Die ATIB soll z.B. ein Verein sein, der den Grauen Wölfen nahe steht. Die IGD und einige andere den Muslimbrüdern. Also immerhin so fragwürdig wegen ihrer Erwähnung im Verfassungsschutzbericht, dass man sich wundern kann, warum Mazyek nach eigenem Bekunden zu einem „Dialog Leitungsebene Bundeskriminalamt“ beigeladen wird. Will man da wirklich einen Vertreter u.a. der Muslimbrüder oder einen der Grauen Wölfe am Tisch haben? Wird er eingeladen als Person oder als Funktionär des ZDM? Auch erstaunt die Aufführung einer „Mitgliedschaft“ bei einem „Deutschem Verfassungstag des Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT)“, wenn man gleichzeitig eine Gruppierung vertritt, die Ende 2014 von den Vereinigten Arabischen Emiraten als dem islamischen Terrorismus zuzurechnende Organisation aufgeführt wurde. Die Liste ist mit 83 Positionen nicht kurz. Als einzige deutsche Organisation findet sich die IGD.(1)

Wie kann man das nun in eine Linie bringen?

Wie das Mazyek selber in eine Linie bringt, kann man nur spekulieren; es drängt sich aber auf, dass er möglicherweise Demokrat unter Vorbehalt ist. Ein Demokrat europäischer Prägung kann die Inhalte z.B. der Muslimbrüder nicht vertreten. Der muss sie klar zurückweisen. Das eine oder das andere muss bei diametral entgegengesetzten Grundauffassungen vorgegeben sein. Man kann z.B. nicht gegen gleiche Frauenrechte sein und für sie. Das geht nur, wenn man hier dieses erzählt, da jenes und es egal ist, Hauptsache, man kommt damit durch und/oder die Kasse stimmt. Es funktioniert deshalb, weil die Institutionen nicht (mehr) näher nachfragen, weil die Medien in der Regel nicht nachfassen, sondern ihn einfach reden lassen. Da wird es dann schon mal bunt und vielfältig, je nach Publikum. Demokrat nur, so lange das nützlich ist.

Dass dem wahrscheinlich so ist, kann man sich erschließen, wenn man Mazyek tatsächlich genau zuhört, was leider zu wenige machen. Zum Beispiel hier: „Die Demokratie ist für uns gegenwärtig die beste Staatsform“ (Aiman Mazyek, Interview in DAS PARLAMENT, Freitag, 29.02.2008).
„Gegenwärtig“ ist nun ein sehr starker Vorbehalt. Diese Formulierung zeigt auf, dass es etwas Besseres gibt nach gesellschaftlicher Lage. Der Kommunismus wird es sicher nicht sein, der Mazyek vorschwebt, wahrscheinlich auch nicht der übliche Faschismus und ganz sicher nicht eine Monarchie. Bei allen Eckdaten von Aiman Mazyek bleibt da nichts anderes, als dass er eine islamische Theokratie gut findet. Nicht für die Gegenwart, aber für die Zukunft. Mazyeks Utopia ist dann vielleicht die islamische Republik Deutschland (von Gottes Gnaden). Das mag etwas überspitzt erscheinen hinsichtlich der normativen Kraft des Faktischen und der tatsächlichen Zahlenverhältnisse. Aber auch die Muslimbrüder haben solche Visionen von Ländern unter islamischem Recht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Muslimbr%C3%BCder#Muslimbr.C3.BCder_in_Deutschland

Gruppierungen vertreten, die nicht auf dem Boden der FDGO stehen, und von der Bundeszentrale für politische Bildung, die für das BfDT verantwortlich zeichnet, auf Augenhöhe akzeptiert werden? Wie geht das? Das funktioniert über die persönlichen Beziehungen, die Mazyek durchaus geschickt und zielführend zu knüpfen weiß. Vor allem Politiker sind, da manchmal sehr gläubig, in Zeitnot und suggestibel bei bunter Vielfalt und von interessierter Seite angemuteter Größe der Gruppierung, leichte Opfer. Mazyek schweigt vermutlich nicht umsonst über die Zahl der real exitierenden Mitglieder des ZDM: Es ist etwas anderes zu behaupten, sehr viele Muslime Deutschlands hinter sich zu haben und doch real vielleicht nur 20.000 zu repräsentieren. Auch die Talk-Show-Redakteure schauen wenig in die Runde geeigneter Personen, wenn es um die  Einladung einer Person geht, die die muslimische Stimme sein soll in einer Runde. Mazyek geht immer, denkt sich wohl so mancher und erspart sich dann die Talentsuche unter neuen Gesichtern. Hinterfragen ist bei solchen Formaten sowieso nicht im Zeitbudget der Redakteure.

Wofür steht nun Mazyek?

Oberflächlich gewandt versucht Mazyek wohl, reaktionäre Inhalte in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren, Er zentriert einen Opferdiskurs. Andere Eigenschaften, die eine Benachteiligung einer bestimmten Person bewirken können, stellt er selten heraus, auch wenn sie synergistisch oder für sich wirken können. Das ist nicht nützlich und nutzbar für ihn. Genug ist nie genug, sondern nur Etappe. Mazyek ist durchaus wie jeder andere Lobbyist zu betrachten. Er will zwar nie wie ein Lobbyist wirken, ist aber natürlich genau das.

Zentral zeigt sich das an den gewünschten Begrifflichkeiten. Aiman Mazyek lehnt das Wort „Islamismus“ ab. Wie bei etlichen, die diesen wichtigen Differenzierungsbegriff nicht wollen, stellt sich auch hier die Frage, warum Mazyek das tut. Die Ablehnung dieser Differenzierung kann einige Dinge bedeuten. Es steht vor allem im Raum, dass alle, auch islamistische Gruppierungen als ISLAMISCHE Gruppierungen gesehen werden sollen, da der unterscheidende Begriff für sie zurückgewiesen wird. So einfach werden aus der Gülen-Bewegung und den Muslimbrüdern normale Muslime, fein in Deckung zwischen Mouhanad Khorchide und Lamya Kaddor. Das ist natürlich nicht statthaft, denn zwischen liberal, säkular und friedlich auf der einen Seite und terroristisch muss es noch Worte geben, Oberbegriffe für Gruppen wie z.B. die ultrakonservativen, politischen und mit Blut an den Händen behafteten wie die Muslimbrüder. Es ist absolut inakzeptabel, wenn  Mazeyk da den Erdogan gibt („es gibt nur den Islam“), dort den Differenzierer („es gibt nicht DEN Islam“), er Terroristen völlig exkommunizieren will und er auch noch – weil es kein Journalist hinterfragt – damit durch kommt, alles ganz beliebig so zu drehen und zu wenden, wie es gerade passt. Mazyek möchte anscheinend eine echte Diskussion im Grunde verunmöglichen, er möchte bestimmte Inhalte nicht hinterfragt wissen und vor allem möchte er ungestört sein Marketing abspulen können. Kritische Fragen an ihn stören da nur im Redefluss, während er da umgekehrt weniger schüchtern, ja manchmal sogar angriffslustig ist.

Wie ungeschmeidig der talentierte Herr Mazyek sein kann, wenn man es ihm nicht so einfach macht mit der heißen Luft, das heißt, ihm einige Gretchenfragen gestellt werden, zeigte sich letzten Oktober in einem wirklich denkwürdigen Interview von hr info. Da wurde einmal sehr tüchtig nachgefragt. Es lohnt, sich das anzuhören.

Ein wenig Janus ist also für bestmögliches Eigenmarketing nicht schlecht. Für die Hardliner unter seinen Anhängern und Followern ist Mazyek auch mit Bilal Phlips über twitter verknüpft. Er retweeted Dinge von ihm, die belanglos erscheinen. Welchen Sinn ergeben harmlose Postings von einer nicht harmlosen Person, die hier zuletzt 2011 ausgewiesen wurde?

Man vergleiche die Wirkung:

Grüße an alle. Gandhi
Grüße an alle. Hitler

Die Wirkung wird alleine durch den Namen und die Zuordnungen erzielt. Mazyek signalisiert also seinen Followern – so verschwörungstheoretisch, dass die Botschaften von Philips eine Nachricht hinter den Worten enthielte, sollte man nicht sein – dass er mit Philips verbunden ist. Die Nachrichten sind inhaltlich absolut entbehrlich und ein anderer Sinn, als dass alleine das Retweeten der Sinn ist, ist nicht zu erkennen.

Aiman Mazyek Bilal Phillipsm Follower 20141225

Aiman Mazyek Bilal Phillips I Juni 14 20141225

Aiman Mazyek Bilal Phillips II Sept 14 20141225

Zu Bilal Philips:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bilal_Philips

Wahrscheinlich ist Philips nach Mazyeks Vorstellung auch kein Islamist, denn die gibt es ja gar nicht.

Mazyek hat sich also ins Zentrum der Macht hochgepokert.
Was seine Büchse der Pandora im Gepäck so alles enthält, wird sich über die Zeit zeigen.

 

 

(1) http://www.wam.ae/en/news/emirates-international/1395272478814.html

Mahnwache vom 08.08.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Ein herzlicher Dank an die Frankfurter Polizei für die freundliche und umsichtige Betreuung.

Mehrere Mitstreiter fielen aus verschiedenen Gründen aus, so dass wir in kleiner Besetzung aktiv wurden.

Eine Gruppe Jungen, nach Schätzung 13-14, nach eigener Angabe 16, befragte zum Begriff Islamismus. Die Erläuterung wollten sie nicht akzeptieren, wollten es wieder erklärt haben, reihum. Ein älterer Passant hielt die Aufdringlichkeit der Jungen nicht aus und meinte zu den Jungen, dass ich es denn nun doch genug erklärt hätte. Er stieg mit ihnen in die Debatte ein. Sie zogen dann, als der Passant weiterging, von einem Mitstreiter zum anderen, wiederholten das immer gleiche Spiel.

Ein Junge aus der Gruppe kaprizierte sich hartnäckig darauf, dass ich den Koran nicht gelesen haben könne. Meine Nachfrage, welche meiner vorliegenden Übersetzungen er denn meine, die von ibn Rassoul, die von Ali Ünal oder gar die der Ahmadiyya (die wesentlich textgleich ist mit der von ibn Rassoul) überforderte ihn völlig. Er konnte sich gar nicht vorstellen, dass es verschiedene Übersetzungen geben KÖNNE. Ab dem Punkt, an dem ich in dem Raum gestellt hatte, dass viele der hier Geborenen den Koran vielleicht auswendig könnten, aber ihn nicht sinnerfassend oder gar kritisch gelesen hätten, war es vorbei mit jeder auch nur ansatzweise sinnvollen Debatte. Er fragte ständig nach, warum ich gesagt hätte, er als arabischstämmiger könne nicht genug arabisch. Er wiederholte das völlig ungerührt, alles andere trat in den Hintergrund. Ich konnte ihm natürlich dort auf der Strasse nicht das Gegenteil beweisen und er genoß es sichtlich, durch ständige Wiederholung der Frage mich an einem Punkt zu haben, an dem die Debatte über IS und LIES gar keine Rolle mehr spielte, denn jeder Versuch, auf das Hauptthema zu kommen, führte wieder in die „ich kann arabisch“-Schleife.

Mehrere junge Männer aus Afghanistan erkundigten sich. Sie sprachen lediglich englisch und verstanden das Problem nur oberflächlich. Sie wolllten wissen, ob ich denn den auf meinem Plakat aufgelisteten Gruppen tatsächlich Radikalisierungen zuordnen könne. Ich versuchte zu vergleichen – scheiterte aber daran, keine radikale Gruppe in Afghanistan benennen zu können, die ähnliches macht wie LIES in Deutschland. Nun, vielleicht geht das dort auch gar nicht.

 

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Ein junger kurdischer türkischstämmiger Mann fragte zu den Schildern. Ich erläuterte unser Anliegen und verwies darauf, das 80 % der Kinder und Jugendlichen aus muslimischen Familien stammen. Nachdem wir über das Beispiel Hassan Masood (der „Fußfessel-Islamist“) zur Prävention gekommen waren, meinte er, dass alles viel früher beginnen müsse. Konsens. Der „brutale Druck“ innerhalb vieler muslimischen Familien, sich dem Vater zu beugen und diesen „stolz“ machen zu müssen, müsse aufhören. Auch Konsens. Denn die Art und Weise, WIE man den Vater stolz machen könne, werde nicht in HIER sozialverträglicher Weise mitvermittelt, sondern die Kinder, v.a. die Söhne alleine gelassen. Auf der Strasse, in der peer group ist es dann Glück oder Unglück, wem sie sich anschließen. Wir waren uns auch einig, dass in den muslimischen Familien eine Vorlesekultur erst geschaffen werden müsse. Das fortgesetzte Kümmern v.a. um die Söhne entspricht nicht der Tradition, die Söhne sind eigentlich ab dem Alter von 7-10 unter der Führung des Vaters, der aber oft fehlt, entweder physisch oder noch noch öfter emotional oder als Vorbild in einer Gesellschaft, die eben nicht alles der Koranschule und der Unterwerfung der Kinder dort überlässt. Kinder, Söhne werden häufig zur Erziehung und Bildung dorthin gesandt. Wenn das – wie mir neulich von einem Vater berichtet, dessen getrennt lebende Frau genau das gemacht hatte – dann z.B. die Frankfurter Bilal-Moschee ist, kann das in die Katastrophe führen. Der junge Mann selber war sehr froh, dass sich sein Vater gegen hämische Kommentare aus seiner Familie durchsetzt hatte und sie auf Integration hin erzogen hatte: Deutsch zu Hause, auch deutsche Freunde anderen Glaubens usw. Das war – so schätzte das der junge Mann im Rückblick ein – sicher nicht einfach gewesen, hätte sich für ihn aber dann doch sehr gelohnt. Der junge Mann hat studiert und fühlt sich wohl hier und angenommen als Mitglied dieser Gesellschaft.

Eine vollverschleierte junge Frau mit roten Schläppchen stolzierte nebst Gatten mehrfach durch unsere Reihen, suchte Augenkontakt bzw. beobachtete die Wirkung. Anscheinend wollte sie alleine durch das Flanieren gezielt durch unsere Reihe hindurch irgendeine Reaktion auslösen, was jedoch misslang.

Mehrere junge Männer aus Tunesien waren ebenfalls neugierig. Nach Erläuterung berichteten sie von anhaltend tiefen gesellschaftlichen Rissen in ihrem Land und schweren Problemen mit Radikalen. Auch in Tunesien ist mittlerweile LIES aktiv

Schon 2012 gab es da erste Bestrebungen.

Wir haben Austausch vereinbart.

 

Mahnwache 150808

Im Gespräch, Mahnwache 8. August 2015

Eine vollverschleierte junge Frau hatte eine weibliche Begleitung in engem Kopftuch dabei. Sie sprach nur englisch und war als Touristin auf der Durchreise und beim Shoppen. Auch sie erkundigte sich eingehender. Sie schien so Anfang 20. Nach ernsthaftem Zuhören gab sie mir dann einen Rat. Sie hatte die Augen aufgerissen, als ich ihr von Eltern, muslimischen Eltern, die ihre Kinder verloren durch die Frankfuirter LIES-Aktivisten, erzählte. Sie meinte, ich solle die Erklärung zur Aktion in verschiedenen Sprachen hochhalten, damit auch Touristen wie sie die Chance hätten, zu begreifen, was da auf der Strasse passiere und dass es uns nicht um den privaten, frei ausgelebten Glauben ginge, sondern Islamismus und den politischen Islam. Es war ein recht bemerkenswertes Gespräch, denn sie persönlich wollte ihren Glauben niemandem aufdrängen. Das sagte sie zumindest. Zu ihren Gründen, sich so weitgehend unsichtbar zu machen, kamen wir nicht. Möglicherweise trug sie den Niqab nicht freiwillig oder sie spaltete intensiv ab. Auf jeden Fall war es eine freundliche junge Frau, die durchaus verstand, dass andere nicht ihre Wahl treffen wollen.

Auf dem Hinweg, gegen 16:45 Uhr waren am Brockhausbrunnen nur zwei einzelne LIES-Aktivisten aus der 3. Organisations-Reihe. Sie sollen zuvor am „My Zeil“ gewesen sein, wurden aber mit zeitlichem Abstand zu unserer Aktion des Platzes verwiesen. Die Akhi-Szene fehlte gestern völlig, so dass eine Menge ruhigerer Gespräche und Aufklärung möglich waren. Gegen 18:15 Uhr hörten wir dann von einem Passanten, dass aktuell wohl eine Feststellung der Personalien am Lies-Stand stattfinde, etliche Polizisten seien dort im Einsatz, um bei den etwa 10 Aktivisten die Maßnahme auch gefahrlos durchführen zu können. Das erklärte dann auch die Anwesenheit eines Hessenschau-Journalisten nebst Team. Diese hatten zuvor ein wenig auf der Zeil gefilmt*, und mit dem Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes ein Gespräch geführt. Insofern eine geplante Aktion. Das ist zwar passabel. Kleine Aktionen für die Presse befreien Frankfurt jedoch nicht aus der Not, etwas mehr und etwas mehr Zielführendes zu überlegen und auch umzusetzen. Das hätte, stringenter durchgeführt, auch eine andere Durchschlagskraft. Und ja, dafür darf man dann auch mal eine Klage vorm VG riskieren, denn bei Würschtel-Verkäufern oder einem Klavierspieler geht das ja auch.

Mir ist bekannt, dass weitere Vorschläge zur Vorgehensweise an geeigneter Stelle vorliegen.
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* Auch bei uns wurde gefilmt. Möglicherweise sprach man über uns, aber nicht mit uns. Es ist eigentlich guter Brauch, nicht nur über Leute zu sprechen, sondern auch mit ihnen. Das ist jetzt keine Eitelkeit von mir, sondern üblich, dass man Personen nicht wie Zootiere behandelt. Das hat bei diesem Journalisten aber persönliche Gründe mir gegenüber (das ist keine VT, sondern nachweislich so).

Man wird sehen, was daraus gemacht wird, wohl Montag.

Mahnwache vom 01.08.2015

Vor dem „My Zeil“ von 17-19 Uhr. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für aufmerksame Betreuung.

 

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Vielen Dank auch explizit an den Kurdisch-Israelischen Freundschaftsverein (KIFA e.V.) für die Unterstützung.

Ein jüdischer Mitbürger, Akademiker, der häufiger vorbeikommt, teilte seine pessimistische Einschätzung mit. Er hält die Sache für verloren und wird in naher Zukunft nach Israel gehen. Bei den anbrandenden jungen Menschen, die ihren Judenhaß oftmals ganz frei und völlig selbstverständlich dort auf der Frankfurter Zeil artikulieren, könne man nur bestürzt und besorgt sein. Ich teile seine Einschätzung nicht und selbst wenn ich da keine Hoffnung mehr hätte, so könnte man doch nichts anderes tun: Wir müssen versuchen, das friedlich und mit rechtsstaatlichen Mitteln und auch bürgerschaftlichem Engagement hinzukriegen. Und wenn es das letzte ist, was man täte, diese Sache kann man gar nicht aufgeben.

 

Mahnwache 150801

 

Es waren gestern viele englischsprachige Touristen auf der Zeil unterwegs, die oftmals neugierig fragten. Ein vielleicht 12 jähriger Junge verstand die Problematik nach kurzer Erläuterung umgehend. Schwieriger war es mit einer jungen Muslima, Anfang 20, nach eigenem Bekunden „Medienfrau“ aus UK. Sie verstand nur wenig bzw. wollte auf die Schiene, ob ich denn persönlich dabei gewesen sei, wenn die Gruppen radikalisierten. Sie leugnete problematische Textstellen im Koran und versuchte, mit dem bekannten „wenn man einen Menschen tötet…“-Zitat gegenzuhalten. Wie das weitergeht, wusste sie nicht bzw. in welchem Kontext das steht. Es gilt nämlich nur für „die Kinder Israels“ (s. Sure 5, Vers 32). Das wird trotzdem immer wieder gerne zitiert von Personen, die entweder ihren heiligen Text nur oberflächlich kennen oder die über diese Einbindung bzw. deren Bedingung täuschen wollen. Es ist erstaunlich, wie sich manche Haltungen und Denkarten ähneln über die Ländergrenzen hinweg bei fundamentalistischeren Anhängern.

Ein Junge, wohl aus Eritrea herstammend, selber Muslim und ca. 15, fragte neugierig nach. Er berichtete, dass es in seinem schulischen Umfeld durch andere Jungen, die durch LIES! beeinflusst seien, zu Problemen käme. Er fand es sehr wichtig, dass wir auf das Problem aufmerksam machten. Leider wurden wir dann getrennt, so dass ich nicht nachfragen konnte, um welche Schule es sich handelt.

Eine sehr junge und schmale Mitstreiterin, die syrische Christin ist, wurde von der Unterstützerszene heftig angegangen und mehrreihig eingekreist. Sie hielt stand, war extrem mutig gerade wegen ihrer Angst. Mut hat ja auch immer etwas damit zu tun, wie man eine Situation einschätzt und ob man seine Angst dann überwindet. Wer keine Angst empfindet, auch wenn die Lage objektiv nicht ganz unproblematisch ist, braucht weniger Mut als jemand, dessen Gedanken ständiger Beruhigung bedürfen.

Interessant war der schrille Auftritt einer Muslima mit ihren zwei Töchtern. Alle drei waren extrem auffallend zurechtgemacht, alle drei mit geblondeten Rastazöpfen, sehr auffälliger westlicher Kleidung im 60er Stil und v.a. die Mutter sehr lautstark und aggressiv. Sie fragten, was mein Plakat solle. Ich trug zu diesem Zeitpunkt das Plakat mit der Auflistung der Gruppierungen, das auf der Rückseite ungefähr als Aufschrift hat „Mahnwache gegen Islamismus und Straßenradikalisierung. 80 % der geworbenen Kinder und Jugendlichen stammen aus muslimischen Familien. Ihr Kind könnte das nächste sein“. Immer, wenn ich ansetzte zu erklären, was Islamismus heißt, keifte mich die Mutter an, dass sie Muslima sei und ich sie beleidige. Nach dem dritten Versuch meinerseits keifte dann eine Tochter gleichartig. Es war eine bizarre Szene: „Westlich“ aufgemachte Muslima, die optisch integriert schienen, verfallen in eine aggressive Haltung auf ein Wort hin, das sie nicht verstehen, dessen Erklärung sie nicht anhören wollen und das sie trotzdem als Auslöser für aggressives Handeln nehmen. Man fühlte sich – ich bin ja von Haus aus Biologin – nicht das erste mal an klassische Konditionierung erinnert.

Eine ältere Frau – optisch linkes Bürgertum, Alt-68erin – versuchte mir Pauschalisierung vorzuwerfen. Mein Hinweis auf die genaue Benennung der Gruppierungen half nicht, auch nicht die Erklärung des Wortes Islamismus (das sie nicht verstand). Sie ärgerte sich über unsere Aktion und meinte besserwisserisch, sie setze ja auf Dialog. Leider hörte sie meine Replik, ob sie denn auch bei Neonazis auf Dialog setze und wie sie sich Dialog vorstelle mit Personen, die ihr den Lebenswert aberkennen und ihren Dialog gar nicht führen wollten, sondern nur bestimmen und herrschen, nicht mehr. Diese Sofatäter wissen alles so viel besser angeblich und sie fühlen sich ungemein wohl mit ihrer Projektion, es ist schauderhaft. Wenns hoch kommt die Ringparabel gelesen und subjektiv aber Bescheid über diese ganzen Dinge und die Handelnden wissen – so einfach kann die Welt sein, wenn man sie sich so einrichtet und keine Fakten mehr heran lässt.

Aus dem Feedback einer Person, die gestern als Beobachter dabei war und mir – die Person wurde durch das Erlebte sehr aufgewühlt – dazu noch etwas rückmelden wollte (es handelt sich eigentlich um eine Privatmail, die auch privat bleiben sollte. Ich habe aber die Erlaubnis der Person, den Auszug öffentlich zu machen, eingeholt):

Ich bin gelinde gesagt, geschockt. Es geht ja zu wie im Gaza-Streifen. Wenn wir nicht so alt wären, würden wir auswandern. Wirklich. In Australien nehmen sie uns trotz Studium nicht mehr, wenn wir über 40 sind. Sind wir. Und wir sind nicht die einzigen, die sich darüber Gedanken gemacht haben.
Ich habe nie so deutlich gespürt, dass wir verloren sind. Seien wir ehrlich. Es ist doch gelaufen. Jeder dieser Typen ist mit 2 Sätzen aktivierbar.[…] Es wäre schön, wenn wir noch ein paar Worte dazu austauschen könnten. Ich muss jetzt erst mal ins Bett und mich ausweinen. Es hat mich echt fertig gemacht.

Fertig machen darf es einen natürlich nicht. Verzweiflung führt nicht weiter.
Wahrnehmen, drüber reden, schütteln und weitermachen. Allen klar machen, dass die „Generation Allah“ mitten unter uns unterwegs ist. Dass sie Unterstützer und Mitläufer haben und dass diese jungen Menschen das hiesige Bildungssystem durchlaufen können, ohne dass das ihren Fanatismus bremst oder berührt. Allen Entscheidern immer wieder sagen, dass wir einen Masterplan brauchen, eine konzertierte gesellschaftliche Anstrengung, die Querschnittaufgabe ist. Unsere Lehrer und Polizisten mit dem Problem nicht alleine lassen. Allen klar machen, dass wir mehr politischen Unterricht brauchen und mehr naturwissenschaftlichen, aber nicht noch mehr Religion. Diese Rückbesinnung auf die Religionszugehörigkeit, die auch von außen herangetragen wird DURCH den Religionsunterricht, ist Teil des Problems. Und Berater, die ihrerseits von Fundamentalisten beraten werden, die eigene Interessen vertreten im Gegenzug gegen angeblichen Einfluss auf die Jugendlichen oder Straftäter. Da wird doch einer Drohkulisse schon falsch, mit den falschen Personen und an einer fragwürdigen Stelle begegnet.

Es geht um die Zukunft. Packen wirs an.

Mahnwache vom 25.07.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei.

Herzlichen Dank auch für die Unterstützung duch den Kurdisch-Israelischen Freundschaftsverein e.V. (KIFA).

Der widerwärtige und tödliche Anschlag von Suruc, der 32 junge Menschen das Leben kostete, die nur helfen wollten, ist kein Thema bei der Mahnwache. Ein weiteres Mal entsteht der Eindruck, als fänden diese Vorgänge völlig getrennt von der muslimischen Lebensrealität statt, als hätten diese Handlungen so gar nichts zu tun mit der extremen Auslegung des Islam. Zumindest nicht bei denen, die sich durch unsere Plakate provoziert fühlen. Die, denen schon das Wort Islamismus zuwider ist, obwohl sie es oftmals gar nicht verstehen. Die es sich aber auch nicht ruhig erläutern lassen wollen, sondern sofort und sehr stark in eine Erregung geraten, die kaum noch Diskussion zulässt.

 

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Mehrfach wird wegen Plakaten wie „Islamismus ist antiegalitär,frauenfeindlich, homophob, kreationistisch, judenfeindlich“ oder einer schlichten Auflistung der in Frankfurt aktiven Gruppen vor mir ausgespuckt, mir die Fahrt in die Hölle gewünscht. Dass mich solche „frommen“ Wünsche unbeeindruckt lassen, macht die Wünscher nur aggressiver. Einer, der mich als Höllenfutter sieht, zischt mit demselben Atemzug, dass sich wünsche, ich sei ein Mann, damit er mich schlagen könne.

Mehrfach bekomme ich mit, wie muslimische Passanten die Polizei befragen, ob ich das dürfe, was da tue. Bizarrerweise obwohl ein großes Schild dabei ist: „Friedliche und säkulare Muslime, schließt Euch an!“ Das eine oder andere Mal fragt man sich, ob überhaupt weitergelesen wird, wenn nur der Wortstamm Isl… auf einem Schild gesichtet wird.
Eine Gruppe junger Frauen jedoch lässt sich alles ruhig erklären. Sie sind entsetzt. Sie wussten das mit der Anwerbung nicht, wollten sich aber nachfolgend in den von mir genannten Beiträgen informieren.

Eine kleinere Gruppe junger Männer, möglicherweise Studenten, wahrscheinlich aus einem afrikanischen Land, gut deutsch sprechend, kommt auch nur bis zum Wortstamm. Das eine oder andere Mal erscheint der erkennbare formale Bildungsgrad nicht aktivierbar bei dem Thema. Ja, es wird eloquent gesprochen. Die Thesen bleiben aber seltsam: Ablehnung der westlichen Medien, der westlichen Gesellschaft als im Grunde verkommen.

Eine weitere kleinere Gruppe versucht über „Was würdest du machen, wenn wir uns mit einem solchen Schild gegen Christen hinstellen würden?“ zu punkten. Da mich – ich oute mich als Atheistin – das kalt lässt und ich sie dazu ermuntere, dass es auch ihr Recht sei, zu demonstrieren, wenn auch nicht gegen andere Menschen, sondern nur deren Ideen oder Strukturen, lässt sie das ganz ratlos zurück. Anscheinend hatten sie damit gerechnet, mich damit zu verstören.

Einer, der im letzten Jahr eine stärkere Rolle in der Organisation der LIES-Stände hatte, aber selten auf den Bildern war, ist wieder vor Ort wie schon vor 2 Wochen. Er hört zu, versucht dann gegenzuhalten, wenn die Debatte mit einer Gruppe junger Menschen kippt, also wenn ich nicht mehr aggressiv angegangen werde, sondern man mir zuhört. Das ist seine Minute, dann doziert er vor den jüngeren. Ich breche dann immer ab, um ihm kein Forum zu bieten. Er bleibt da, beobachtet weiter.

Etliche Passanten machen Mut und wollen gerne mehr erfahren.

Die LIES-Gruppe ist am Samstag nicht anwesend. Am Hauptbahnhof ist eine Kurden-Demo angemeldet. Die Polizei spricht von 1500 Teilnehmern. Mir war mitgeteilt worden, dass etliche bei uns vorbei schauen wollten. Nachdem sie gehört hatten, dass Gümüs und Kumpane nicht auf der Zeil sind, bleiben auch sie weg.

Die Frankfurter LIES-Aktivitäten scheinen in der offenen Form geringer zu werden. Zumindest in den letzten Wochen finden die Verteilungen nur unregelmäßig statt.

Aktionstag der Muslime war auch keine Eigeninitiative

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Fassade des Hundertwasser-Krawinahauses in Wien Bild: NnScolae, Wikipedia, freie Nutzung

Aktuell ist die Mahnwache am Brandenburger Tor vom Januar dieses Jahres (Charlie-Hebdo-Gedenken) in den Medien. Problematisch ist nicht nur die Frage der Finanzierung, sondern auch, dass dies von Parteiseite, eigentlich sogar von Regierungsseite angestoßen wurde, es aber als muslimische Veranstaltung der Öffentlichkeit verkauft wurde.

http://www.ruhrbarone.de/duennes-eis-der-parteienbeteiligung-fuer-muslimische-mahnwache/110799/comment-page-1#comment-980886

Dass dem „Eigenantrieb“ der muslimischen Verbände etwas nachgeholfen werden musste, wenn es um die Positionierung zu Taten geht, die im Namen des Islam verübt werden, ist aber nicht neu. Ebenfalls des Anschubs bedurfte es beim „Aktionstag gegen Gewalt und Terrorismus“ vom letzten September. Ich schrieb seinerzeit dazu:

Mahnwachen in Moscheen sind allenfalls erstes Zeichen gegen Extremismus, 16.09.2014

Für diesen Freitag wurde von einigen muslimischen Verbänden ein Aktionstag angekündigt. Schaut man sich die geplanten Termine für diesen Aktionstag gegen Extremismus einmal genauer an, so finden mitnichten irgendwelche Aktionen auf der Strasse statt oder neben oder an den Orten der Radikalisierung. Auch wird nicht ein Bündnis ins Leben gerufen, das die Mitglieder verpflichtet, keine Hassprediger mehr einzuladen oder Moscheevereine auffordert, solches zu unterlassen.
Nein, es werden in die beteiligten Moscheen nur Vertreter der Politik eingeladen:
http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=150&lang=de
Bitte, was soll das? Das ist ein Aktionstag für die Presse, mehr nicht. Das richtet sich ein wenig an die Mehrheitsgesellschaft, nicht jedoch gegen diejenigen, die den Extremismus im Islam vertreten und in die Köpfe junger Menschen implantieren.
Angeblich sollen 2000 Moscheen bundesweit an der Aktion teilnehmen. Was da wohl alles mitgezählt wurde? So viele richtige Moscheen gibt es in D gar nicht:
http://de.statista.com/…/muslimische-moscheen-und-gebetsra…/
Auch dieser Aktionstag wurde – so mein Eindruck – nur eilig geplant, weil es jetzt etwas Druck gibt. Von einer wirklichen Distanzierung zum Kalifat, zu dem „Islamischen Staat“ (IS) liest man ebenfalls wenig. Das wird so vermengt, dass nichts Klares und Klärendes mehr herauskommt. Das ist definitiv zu wenig angesichts dieser Probleme:
http://www.focus.de/…/aus-deutschland-in-den-dschihad-vier-…
Wenn manche muslimische Mitbürger der Meinung sind, der IS missbrauche ihre Religion, dann sollten sie das auf die Strasse tragen. Z.B. zu denjenigen, die das ganz ungeniert in ihrer Kommune vor aller Augen betreiben. Kaffee trinken mit Politikern ist unzureichend und nur ein wenig Schaumschlägerei.
Für Frankfurt ist die Abu Bakr Moschee angegeben. Das ist die Moschee, in die u.a. der mittlerweile tote Junge Enis aus der Doku „Sterben für Allah“ und auch Kreshnik B., gegen den derzeit wegen seiner Handlungen in Syrien verhandelt wird, gingen. Dort wird morgen Bouffier erwartet. Was es – jenseits der Eigendarstellung – gegen Extremisten bringen soll, wenn der Ministerpräsident zum Schnittchenessen kommt, erschließt sich mir nicht. Wenn das ein „starkes Zeichen“ sein soll wie manche Kommentatoren meinen, dann sind wir schon sehr entwöhnt, überhaupt Zeichen aus dieser Richtung wahrzunehmen.

Und am Tag danach die Presseschau:

Kleine Presseschau zum Aktionstag des KRM, 20.09.2014

Auf der Seite des KRM wurde zwar von „2000 teilnehmenden Moscheen“ gesprochen. Kaum ein Journalist scheint diese Zahl zu hinterfragen, denn schon die Statistikseite Statista gibt diese Gesamtzahl gar nicht her. Konkret benannt wurden 9 ausgewählte Orte. Betrachtet man, was an diesen Orten, die angeblich nur für viele andere standen, gemacht wurde, so fällt auf, dass in den vom KRM angegebenen Städten der angegebene Veranstaltungsort meist als der einzige, wenn überhaupt, benannt wird. Es handelt sich um bundesdeutsche Großstädte, jeweils mit zig Moscheen.
http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=150&lang=de
Ausgewählte Orte nach KRM:
1. Berlin: (Programm Beginn: 13:30 Uhr)
Jenseits der Aktion in der Mevlana Moschee ist nichts zu finden.
http://www.berliner-zeitung.de/…/mevlana-moschee-in-berlin-…
Petitesse von dem Imam Sezan Cakan
„Allah mache keinen Unterschied zwischen Herkunft und Nationalität von Menschen.“
Interessant, worauf da abgestellt wird. Aber er macht einen Unterschied im Bekenntnis und im Geschlecht. Aber das sagt wieder keiner.
2. Oldenburg:
Wohl eine kleine Mahnwache nach dem Freitagsgebet.
http://www.nwzonline.de/…/muslime-setzen-ein-zeichen_a_18,0…
3. Mölln:
Da hat es wohl nur ein Pressestatement gegeben:
http://www.faz.net/…/deutsche-muslime-wer-angst-hat-kann-vo…
4. Hannover:
Hier wird nur die Veranstaltung mit Maizière benannt. Von weiteren wird konkret nichts bekannt, es tauchen aber die ominösen „2000 Moscheen“ auf.
http://www.welt.de/…/De-Maiziere-besucht-Moschee-bei-Hannov…
5. Bielefeld:
Hier ist von einer „zentralen Aktion“ die Rede. Von weiteren wird konkret nichts bekannt, es tauchen aber wieder die ominösen „2000 Moscheen“ auf.
http://www.welt.de/…/Muslime-stellen-sich-gegen-Hass-und-Un…
6. Frankfurt:
s.u.
7. Stuttgart:
Jenseits der Veranstaltung mit Öney hat wohl nichts weiter stattgefunden.
http://www.welt.de/…/Muslime-im-Suedwesten-sprechen-sich-ge…
8. München:
„15 Imame unterstützen eine Erklärung auf Initiative des vielleicht bekanntesten Imams Deutschlands, Benjamin Idriz aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau). Er will in München eine große Moschee errichten und hat derzeit mit manchem Rückschlag zu kämpfen. Das interessiert beim Aktionstag aber nur am Rande. Die 16 Imame aus München und Oberbayern setzen ein Zeichen. Sie haben eine gemeinsame Erklärung vorbereitet, die „Nicht im Namen Allahs und nicht in unserem Namen“ heißt.“
http://www.ovb-online.de/…/kein-terror-namen-islam-3882329.…
Klartext: Ohne diese Initiative dieses Imams, der aber aktuell ein Moscheebauprojekt vorantreibt, wäre wohl jenseits des Auftrittes von Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration in der
Türkisch islamischen Gemeinde zu München e. V. wenig bis nichts passiert.
9. Hamburg:
„Die Veranstalter schätzen, dass an dem Aktionstag in der Centrum Moschee als EINZIGEM Hamburger Veranstaltungsort rund 1500 Menschen teilgenommen haben.“
http://www.abendblatt.de/…/Protest-hunderter-Hamburger-Musl…

Vorläufiges Fazit:
Eine reine PR-Aktion, die auf Druck der Regierung (siehe hr-Bericht) zustande kam.
Überzeugung und Überzeugendes sieht anders aus. Leider.

In der Hessenschau vom 19.09.2014 wird über den Aktionstag in der Frankfurter Abu Bakr-Moschee berichtet. Die Politprominenz, der Herr Mazyek und der Herr Graumann, damals noch Vorsitzender des Zentralrats der Juden, waren zu Gast:

http://www.hr-online.de/website/archiv/hessenschau/hessenschau.jsp?t=20140919&type=v

Von 0:30 bis etwa 6:30

Die Abu Bakr Moschee hat in den vergangenen Jahren immer wieder den belgischen Hassprediger Tarik ibn Ali zu Gast gehabt. Der Herr Mazyek verkündete einen Monat später in einem HR-Interview, er habe sie „wegen der schönen Architektur“ gewählt.

Mittlerweile ist diese Gemeinde jedoch Neumitglied im Zentralrat der Muslime.

Anscheinend hatte außer dem Herrn Siefert vom HR bundesweit kein einziger Journalist mal das Zustandekommen dieses Aktionstages hinterfragt. Alle haben die Marketingstory von Herrn Mazyek gekauft und gefeiert. Die Politik war voll des Lobes. Ob die Lobenden immer um das Zustandekommen wußten? Die Finanzierung wird da nicht problematisch gewesen sein: Das konnte die Abu Bakr Moschee sicher mit Bordmitteln stemmen. Aber der mangelnde Eigenantrieb, dass die Politik die muslimischen Verbände zu Aktionen treibt, die sie dann selber abfeiert – ja, das ist schon bizarr. Das hat was von Kino.

Man kann sich anderes wünschen.
Wünsche alleine ändern die Realität jedoch nicht.

Mahnwache vom 11.07.2015

Von 17-19 Uhr vor dem „My Zeil“. Vielen Dank an die Frankfurter Polizei für die freundliche Betreuung.

Vor Beginn hatten sich die Aktivisten von LIES! vor dem „My Zeil“ aufgebaut. Etwa 6 Personen waren anwesend, inkl. des Herrn Gümüs.

 

Die Polizei war eine Viertelstunde vor Beginn noch nicht präsent, Mitstreiter auch noch nicht, so dass ich alleine der kleinen Gruppe gegenüber stand. Alle recht klein, bis auf Gümüs auch schmächtige Gestalten, fast einen Kopf kleiner als ich. Nachdem ich die Utensilien abgelegt hatte, ging ich die 5 Meter zu der Sack-Karre und der Gruppe rüber und machte Gümüs darauf aufmerksam, dass er noch 15 Minuten Zeit habe, Material und Leute an einen anderen Ort zu expedieren. Er murrte, bekam aber meinen Namen nicht zusammen und verwies auf den „Paragraphen im Grundgesetz“ mit der Religionsfreiheit. Ich hätte nichts zu sagen. Ich wies darauf hin, dass ich angemeldet hatte, er jedoch nicht und dass wir das sehr gerne auch durch die Polizei klären lassen könnten. Es kamen noch einige Verwünschungen, auch der Hinweis, ich würde „Abou Nagie beleidigen“. Ich fragte nach, worin denn die Beleidigung bestünde und auch, warum er denn mich als Person auf seiner Seite mit Adresse und Bild platziert hätte. Man begann zusammenzupacken – unter Missbilligung seiner Mitstreiter, die das „Nachgeben“ offensichtlich nicht gut hießen. Er fragte, wo denn heute meine Unterstützer blieben. Ich meinte „und wenn ich die letzte und einzige Person hier bin, mich schüchtern sie nicht ein. Sie müssen trotzdem gehen“. Dann traf die Polizei ein und klärte die Sache abschließend. Gümüs und Kumpane zogen ab.

Man kann hier sehr schön sehen, wie man sich absichtlich so in den Passantenstrom stellt, dass kaum einer vorbeikommt:

 

Eine Gruppe jüngerer Buben, vielleicht 12 Jahre alt, suchte gezielt die Konfrontation. Was Islamisten wären. Es folgte die Erklärung. Ob die Koranverteiler welche wären. Ja, weitere Erläuterung. Ob ich denn gesehen hätte, dass für Syrien angeworben würde. Noch weitere Ausführungen. Von ihrer Seite höhnisches Lachen beim Verweis auf den HR (Doku „Sterben für Allah“, von mir gerne zur Herleitung empfohlen). Ob ich denn selber mit angeblichen Islamisten wie den Koranverteilern gesprochen hätte? Ja, immer wieder in den drei Jahren meiner Strassenaktionen. Ob ich Geworbene kennen würde. Auch ja, es erfolgte mein Hinweis auf u.a. Hassan Massood, mit dem ich einige Male in Offenbach aneinander geriet und der jetzt – nachdem er auf ein Report Mainz Team losgegangen war – sich wohl in Syrien aufhält. Ob ich das selber gehört hätte? Und wieder der Rückschlenker: Woher überhaupt der Islamismus käme? Zur Vereinfachung erzählte ich kurz von den Muslimbrüdern und 1928. Wieder hatten sie nichts wahrgenommen vom Inhalt. Ob ich denn 1928 dabei gewesen wäre?
Ich fragte nach, ob er an Mohammed glaube. Der eine Junge bejahte. Ich fragte, ob er ihn selber gesehen habe? Daraufhin meinte der Junge, ob ich schon mein Gehirn gesehen habe usw. Einer aus der Gruppe versuchte später, mir mein Schild herunterzuschlagen. Er erhielt eine Kurzansprache der Polizei. Nach einigen Minuten ging er dann zu mir in Begleitung und entschuldigte sich mit Handschlag. Ich nahm an und er sagte dann, das sei halt, weil ich seine Religion beleidigt habe und da könne er sich nicht bremsen. Ich meinte, hab ich nicht, Du hast alles, alles vorhin nicht verstanden. Ich riet ihm dringend an, sich beherrschen zu lernen, wenn er das noch nicht begriffen habe.

 

Mahnwache 150711

 

Etliche Passanten machten Mut und sprachen gut zu. Das war zwischendurch in der aufgeheizten Atmosphäre wohltuend.

Zwei explizite Reaktionen auch auf mein Aktions-Shirt. Aufschrift hinten: „Freiheit, Gleichheit, Mitmenschlichkeit  – das Grundgesetz ist größer“, Vorderseite: „Die Menschenrechte sind stärker“. Ein junger Mann meinte, er könne gar nicht glauben, dass ich in der SPD sei, weil ich gegen Islamismus sei. Ich versuchte zu erläutern. Zwecklos. Er behauptete dann, in die SPD habe eintreten zu wollen (die Wahrheit ist eine sehr strapazierte Sache da auf der Strasse…), das tue er aber nun nicht, weil ich mit diesem Shirt und mit diesem Schild da stünde. Ein anderer meinte, nachdem er bei der Polizei nicht hatte punkten können, dass mein Schild „den Islam beleidige“, mein Shirt in Verbindung mit dem Schild mache das aber: Dadurch, dass beides kombiniert werde, werde ausgesagt, dass der Islam nicht frei, nicht für gleiche Rechte und nicht mitmenschlich sei. Die Polizisten lächelten müde. Da muss man erst einmal drauf kommen.

Die üblichen Provokationen von kleinen Jungstrupps: Ob ich nichts zu tun hätte, keine Kinder, keinen Mann hätte, warum ich überhaupt lebe… Ganz sicher werden die Typen von LIES das niemals gefragt. Niemals.

Eine Gruppe kleiner Mädchen, optisch so allenfalls 10, nach eigenem Bekunden aber schon 13 (wers glaubt), trat recht bestimmt auf und versuchte sich über fast zwei Stunden an wechselnden Mitstreitern. Sie ließen sich immer alles erklären und fingen dann von vorne an. Sie fragten auch provokant, was „wir“ denn davon halten würden, wenn sie sich mit einem Schild „alle Christen sind schlecht“ hinstellen würden. Ich fragte gegen, warum sie das nach drei Erklärungen immer noch nicht verstanden hätten und dass ich nicht zwischen „ihr“ und „wir“ unterscheide, verwies auch auf das Schild, das ich gerade trug: „Friedliche und säkulare Muslime, schließt euch an!“. Ich fragte: Wer ist denn „wir“ und „ihr“? „Wir sind Muslime und ihr seid die Christen“, war die Antwort. Meine Entgegnung, wonach ich Atheistin sei, wurde mit einem „noch schlimmer“ quittiert. Dass ich sagen würde, sie hätte das mit dem Islamismus nicht verstanden, das hiesse, sie sei dumm („nein“) und das wäre rassistisch. Ich verneinte wiederum, sie wanden sich dann aber einer Mitstreiterin zu, weil ich abgelenkt wurde.

Man kann sich die Diskussionen in der Schule lebhaft vorstellen. Großer Dank an alle Lehrer, die das täglich hören. Wenn schon kleine Mädchen so strukturiert sind, schon kleine Jungs sich darauf berufen (können), dass sie sich einfach nicht beherrschen können, wenn angeblich oder real ihre Religion beleidigt wird, dann ist das Problem real an den Schulen. Es kommt aus den Elternhäusern, in denen Religion überbewertet wird und in denen Jungen nicht zur Selbstdisziplin erzogen werden. Man muss sich auch fragen, was derart viele junge Kinder nachmittags (17-19 Uhr!) ohne erwachsene Begleitung auf der Zeil machen. Lässt man die Kinder einfach raus, ohne zu wissen, was sie tun? Sollten die nicht zu Hause sein, lesen, lernen, Kind sein und nicht auf der Strasse einen Mob bilden, der andere Meinungen aggressiv zu unterdrücken versucht? Einen Mob, der „Kuffar“ als eine Art Freiwild sieht, an dem man sich beleidigend und herablassend austoben kann?

Was läuft in diesen Elternhäusern ab? An den Kindern kann man auf jeden Fall erkennen, dass da vieles schief läuft. Diese Kinder werden nicht gefördert, man geht nicht mit ihnen in Museen, lehrt sie nichts über den Gang der Dinge in rationaler Weise. Man schafft es nicht einmal, die Jungen zu bändigen, wenn es um Unbeherrschtheit geht. Was dann bei diesen Kindern dort imponiert, das erinnert durchaus an schlimme Zeiten, in denen Erwachsene von ideologisierten und fanatisierten Kindern abgewertet wurden.

Relativ lange standen neben mir zwei junge Männer und lauschten nur. Sie konnten das alles kaum glauben, was da ablief, fragten zwischendurch, wie wir das nur aushielten. Wir halten es aus, weil es die Moscheegemeinden in Frankfurt NICHT machen, und weil es notwendig ist. Wir als Gesellschaft brauchen diese Diskussion. Offen, frei und so friedlich wie möglich. Die jungen Männer verstanden: Die Zeit drängt.

Mahnwache vom 04.07.2015

Vor dem „My Zeil“ von 17-19 Uhr. Herzlichen Dank an die Frankfurter Polizei, die unter erschwerten Bedingungen ausharrte.

 

Mahnwache 150704

 

Einige junge Frauen erkundigten sich, ob ich mich nicht schämen würde, solch ein Schild zu halten. Es handelte sich um ein Schild, auf dem die verschiedenen Gruppierungen, die in Frankfurt in der Straßen-Dawa aktiv sind, aufgelistet sind. Bis auf LIES! konnten sie keine der Gruppierungen zuordnen, kannten sie nicht, forderten aber Beweise dafür, dass diese Brüder Islamisten seien. Argumenten, wie dem Verweis auf die Dokumentation „Sterben für Allah“, waren sie nicht zugänglich. Das Differenzierungsangebot Muslim – Islamist bzw. Islam – Islamismus wurde nicht angenommen.

Etliche Passanten unterstützten explizit, trauten sich aber nicht, sich hinzuzustellen mit Schild bis auf zwei Personen. Danke für die Unterstützung.

Trotz der Hitze konnten auch etliche passable, aufklärende Gespräche geführt werden.

Die LIES!-Koranverteilung war zum wiederholten Male Samstags nicht präsent. Üblicherweise treten die Akhis als Gruppe meist nur auf, wenn auch die LIES!-Aktivisten mit Verteilung vor Ort sind.

Das war diesmal anders. Man war auch so anteilig (nur so ~ 20) vor Ort bei uns und debattierte eifrig mit einer Unterstützerin unserer Seite, die einen Koran der aktuellen Ausgabe parat hatte. Zwei Mahnwache-Teilnehmerinnen, Christinnen aus den aktuell von IS bedrohten Ländern, gerieten in diese Runde. Die Akhis rückten ihnen sehr nahe, es sollte wohl bedrohlich wirken. Die jungen Frauen harrten jedoch tapfer aus und verteidigten ihren Standpunkt.

Wie immer spielte die aktuelle Berichterstattung zu salafistischen Umtrieben nicht nur in unserer Region keine Rolle. Es ist als fände diese Berichterstattung gar nicht statt. In allgemeinen Gesprächsrunden wird zwar häufig die negative Medienbegleitung des Islam bemängelt, gar Verschwörungen bemüht. Im konkreten Anlass ist jedoch häufig keiner betroffen. Man schweigt darüber bzw. spricht es nicht selber an. Man könnte meinen, von den betroffenen Bevölkerungsschichten würden Mainstream-Medien gar nicht wahrgenommen. Zweiteilung, Segregation schon bei der Informationsbeschaffung.