Auf dem Weg zur Einheitsreligion?

Unterzeichnung der „Washingtoner Erklärung“

Vor etwa zwei Jahren wurde in Marrakesch eine Erklärung unterzeichnet, die nach diesem Ort benannt ist. Inhalt war eine Absprache zu den Rechten von Minderheiten in islamischen Ländern. Dies wurde international breit als ein Durchbruch bezeichnet und kirchliche Akteure sparten nicht mit Lob. Dieses war leider unverdient, denn man hatte das Kleingedruckte entweder in der Verve übersehen oder half mit, des Pudels Kern medial ansprechend zu verhüllen. Schließlich gibt es mancherorts gemeinsame Interessen. Sie beinhaltet, ummantelt mit einem wohlklingenden, aber im Grunde bedeutungslosen Papier der guten Absichten, den Rückgriff auf die Charta von Medina

https://vunv1863.wordpress.com/2017/06/03/die-marrakesch-deklaration/

Dazu auch:

http://www.ezw-berlin.de/html/15_7020.php

Auch der Weltkirchenrat stimmte mit ein in die Hymnen:

Anlass für die Konferenz in Marrakesch war die Charta von Medina, die vor 1.400 Jahren zwischen dem Propheten Mohammed und der Bevölkerung der Stadt geschlossen worden war. Die Charta von Medina habe die Religionsfreiheit für alle Menschen garantiert, so der Weltkirchenrat.

https://www.ekd.de/news_2016_02_02_1_weltkirchenrat_religionsfreiheit.htm

Das ist faktisch falsch.

 

Keiner im Weltkirchenrat in der Lage zu erfassen, dass mit dieser Art der „Religionsfreiheit“ nicht die nach westlichen Vorstellungen, sondern eben jene nach den Vorgaben der Charta von Medina gemeint ist, die mit minderen Rechten, Unterordnung und Kopfsteuer u.a. vergesellschaftet ist? Religionsfreiheit ist nicht das wichtigste Recht, auch wenn kirchliche Akteure anscheinend alles andere vergessen, wenn dieses Signalwort fällt. Würde, freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und eine egalitäre Auffassung vom Menschsein sind ihr im Prinzip vorgeordnet. All das wird von der Charta von Medina für Andersgläubige in Frage gestellt.

Aktuell wurde nämlich ein weiterer Meilenstein zur religiösen „Einheitsfront“ gesetzt. Mit der „Washingtoner Erklärung“ sichert man sich gegenseitig Unterstützung zu:

United by the shared values of the Abrahamic faith traditions, conference organizers hope to empower clergy and religious leaders to mobilize their congregations to take concrete steps in support of religious minorities both in the United States and around the world.

Media are invited to cover the declaration signing and participate in the press conference on Wednesday, February 7, 2018. RSVP is requested. Please RSVP to Sarah Garfinkel 202-776-7700 or sarah@westendstrategy.com.“

Das Gottesbild ist ein anderes. Das Menschenbild ist ein anderes. Deswegen haben sich Christentum und Islam ja abgespalten bzw. sind aufeinander gefolgt bei bestimmten Populationen (mediterran großräumig betrachtet, oder halt direkt vom Polytheismus zum Islam in anderen). Von Muslimen wird das – abseits der Dialogtische – durchaus häufiger auch so gesehen: Judentum und Christentum seien Verirrungen, die vom geraden Weg von Abraham herkommend abführten. Schon im Gebet in der Rezitation der ersten Sure

Leite uns den geraden Weg, den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast, nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden!

Damit sind üblicherweise die Christen gemeint.

Aber was sind solche Kleinigkeiten schon gegen gemeinsame Interessen?

Hier wird nun auf die frühere Erklärung zurückgegriffen, anscheinend damit niemand mehr durchblickt, dass man mit einer solchen Unterzeichnung im Grunde auch seine (bzw. die der christlichen Mitbrüder i.W. nach Kairoer Erklärung) minderen Rechte nach Scharia akzeptiert:

The Washington Declaration builds on the Marrakesh Declaration, signed January 27, 2016, by more than 350 Muslim scholars and leaders from more than 60 counties in the Muslim and Arab world. The Marrakesh Declaration affirmed the rights of religious minorities in Muslim majority countries.

http://binbayyah.net/english/hundreds-of-religious-leaders-to-affirm-rights-of-religious-minorities-and-respect-for-muslims-in-united-states/

In der Stellungnahme heißt es auch:

The gathering leading up to the Washington Declaration is hosted by the Forum for Promoting Peace and H.E. Shaykh Abdullah Bin Bayyah, the forum’s president, who will address the religious leaders.

“Like many evangelicals in America, I am very much concerned about my fellow Christians around the world and their ability to safely practice their faith. At the same time, what is often lost in conversations about global religious freedom is that concern for my fellow Christians abroad must extend to Muslims at home,” said Roberts, who, along with Magid and Saperstein, is a convener of the American Peace Caravan, an effort to build relationships and foster collaboration among leaders of the three major Abrahamic faiths. “We are our brother’s keeper and we are called to do unto others as we would have them do to us. It is in the spirit of this call that is critical for all Christians, including my fellow evangelicals, to build relationships with people of other faiths and support efforts like the Washington Declaration.

Man erinnere sich: Der gleiche Herr bin Bayyah ist der Stellvertreter Yusuf al Qaradawis, der ein „Berg an Weisheit“ für ihn darstellt. Zu Al Qaradawi und den jüngeren Positionen der Muslimbruderschaft:

https://vunv1863.wordpress.com/2018/01/01/muslimbrueder-ein-puzzle-mit-vielen-teilen/

Man beachte auch die Überschrift zum Treffen auf der bin Bayyah-Seite:

HUNDREDS OF RELIGIOUS LEADERS TO AFFIRM RIGHTS OF RELIGIOUS MINORITIES AND RESPECT FOR MUSLIMS IN UNITED STATES

Dafür allerdings sind sie nutzbar, die beteiligten Christen und Juden.
Dass sich bin Bayyah allerdings gegen al Qaradawi gestellt hätte hinisichtlich seiner Einlasungen zu Israel – da hört man nichts. Wie auch.

Man muss schon sagen, die Herren Muslimbrüder & Co haben die Sache mit dem Marketing in westlichen Gesellschaften verstanden und wissen, wen sie wofür benutzen können: Christen seien in ihren Dialogbemühungen nützliche Mitstreiter, wie ja auch in einer der jüngeren Ausgaben des Magazins der Muslim World League angeregt. Und da ist der Herr bin Bayyah ja auch, s.Bild. Aber bevor es zu einseitig wird: Zu einem Betrug gehören oft zwei, denn hier ist es den beteiligten Gelehrten und auch oben dem Weltkirchenrat anzurechnen, dass sie da mitmachen. Auf der Ebene sollte man Durchblick haben oder sich welchen organisieren können. Hat man ihn nicht, ist das kaum als Fahrlässigkeit zu werten, sondern muss als Absicht befürchtet werden.

Die Linsengerichte brachten auch schon mal mehr ein.

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Nachgehakt: AA „Wir sind Papst“

Auswärtiges Amt lädt zweifelhafte Protagonisten

Ende Mai war im Auswärtigen Amt (AA) zu einer Konferenz religiöser Vertreter geladen worden. Wegen der Einladung von Personen, die äußerst problematische Inhalte vertreten, wurde Kritik laut:

Insbesondere die Unterstützung der antisemitischen al-Quds-Demonstration steht bei Kritikern im Fokus. Denn laut Verfassungsschutz gibt es Anhaltspunkte, dass das IZH direkt an der Organisation und Durchführung der jährlichen Demonstration beteiligt ist.
Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee in Berlin, verurteilte die Einladung Torabis in Auswärtige Amt und forderte Konsequenzen. Der al-Quds-Marsch sei eine „provokante und hasserfüllte “ Veranstaltung, die weltweit demonstrativ von der iranischen Führung organisiert werde. In Berlin sei diese Demonstration gezeichnet von dem Hass gegen Juden und Israel, so Berger.

http://www.bild.de/politik/ausland/auswaertiges-amt/eklat-um-knall-hart-mullah-51920284.bild.html

Auch auf dem blog war auf einen weiteren problematischen Gast, Abdullah bin Bayyah, verwiesen worden.

https://vunv1863.wordpress.com/2017/05/25/auswaertiges-amt-wir-sind-papst/

Zur Absicht, die dahinter gestanden habe, heißt es aus dem Auswärtigen Amt:

Ziel der deutschen Außenpolitik ist es, zu Frieden und Stabilität in der Welt beizutragen. Der enge und organisierte Austausch mit Repräsentanten von Religionsgemeinschaften aus einer Vielzahl von Ländern und Regionen ist Teil einer Außenpolitik der Gesellschaften als ergänzendes Mittel der klassischen Diplomatie. Bei der Veranstaltung ging es nicht um eine „Friedenskonferenz“ bzw. eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern um Dialog und Austausch.

Hinsichtlich der Kosten wurde vom AA angegeben, man habe „die Kosten für einen Economy Flug und für die Hotelübernachtung während der Konferenz für die Teilnehmer übernommen, wie dies auch bei ähnlichen Veranstaltungen üblich ist.

Abdullah bin Bayyah nutzte die Gelegenheit auch zu weiteren Kontakten: Weiterlesen