Zu radikal für Erdogan

Über den radikalen Imam Nureddin Yildiz und einige hessische Bezüge nicht nur, aber auch in IGMG-Einrichtungen

Milli Görüs (IGMG) ist eine in Europa, aber auch weitergehend international agierende Bewegung, die wesentlich von Necmettin Erbakan begründet wurde. In der Türkei ist die Saadet Partei das politische Pendant:

https://de.wikipedia.org/wiki/Saadet_Partisi

Erbakan und Recep Tayyib Erdogan waren lange Weggefährten, zumindest bei der Anhängerschaft geben sich die Verehrung für den einen wie den anderen oft kaum etwas. Die IGMG steht wegen der islamistischen Ausrichtung, v.a. aber auch lokaler Umtriebe, die gegen die Verfassung gerichtet sind, vielfach noch unter Beobachtung verschiedener Landesämter für Verfassungsschutz. Bestrebungen, die gegen Verfassung und gleichberechtigtes Zusammenleben gerichtet sind, können bei einer Organisation, die international agiert, nun im Inland, aber auch zurechnungsfähig im Ausland stattfinden. Unter anderem deshalb sind Informationen, die man über die Medien in anderen Ländern gewinnen kann, auch wichtig für die Sicht auf diese Bewegung hierzulande. Die Informationen dieses Artikels gelangten vor einiger Zeit in die niederländische Öffentlichkeit:

Milli Görüş, a Turkish mosque organization in the Netherlands, has taken dozens of Turkish-Dutch youngsters to Turkey in recent years to have them taught by Nureddin Yıldız, a radical imam, the Dutch NRC daily reported on Friday. […] Yıldız and fellow imams told young people that Muslims worldwide must be in “unity” according to reports on the training camps, which were in operation until at least 2016. Whether Milli Görüş still organizes the trips to Turkey is unknown. A spokesman for the association did not respond to questions last week.

Yıldız has long maintained a warm relationship with the Turkish establishment. He was a regular speaker for a foundation led by President Recep Tayyip Erdoğan’s son. But at the beginning of this year Yıldız overplayed his hand. The imam said in a video that you can marry a 6-year-old child and that God “allowed men to beat women.” A Turkish prosecutor started an investigation for hate speech, and President Recep Tayyip Erdoğan was forced to distance himself from Yıldız. The president said in a speech that “there is no place in our religion for this kind of preacher.

https://www.turkishminute.com/2018/08/19/milli-gorus-in-netherlands-takes-turkish-dutch-youngsters-to-turkeys-radical-imam-report/

Die Seiten der Stiftung kann man hier einsehen:

https://www.sosyaldoku.com/

In der Huffington Post wurden nun einige Fälle von Bezügen zu deutschen Vereinen belegt. Wie weit die grundsätzliche Überordnung islamischen Rechts nach seiner Auslegung geht, sei am Beispiel Kinderehe aufgezeigt:

Er wirbt für Kinderehe, Gewalt gegen Frauen und den Dschihad
Yildiz sorgt seit Jahren international für Schlagzeilen.

Im Jahre 2015 empörte der Kleriker mit der Aussage, Kinder könnten bereits “vor der Pubertät heiraten“. Der 58-Jährige aus dem türkischen Trabzon bezeichnete die hypothetische Ehe eines 7-jährigen Mädchens mit einem 25-jährigen Mann als unproblematisch. “Für Muslime, die an den Koran glauben, gibt es kein Alterslimit beim Heiraten. […]

Für Milli Görüs ist das offenbar keine rote Linie.

Ortsvereine in Braunschweig, Hannover und Köln haben in den vergangenen Jahren Fotos veröffentlicht, die Gruppen junger Männer mit dem Prediger zeigen. Augenscheinlich wurden die meisten in den Räumlichkeiten der Sosyal-Doku-Stiftung in Istanbul aufgenommen.

Die Kölner Jugendorganisation der IGMG postete so am 12. Oktober 2016 Fotos einer Gruppe bei Yildiz auf Facebook. Dazu heißt es: ”Wir haben unseren sehr ehrbaren Lehrer Nureddin Yildiz während unserer Türkei-Reise besucht. (…) Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft, die die Sosyal-Doku-Stiftung uns gezeigt hat.

https://www.huffingtonpost.de/entry/islamische-vereine-in-deutschland-organisierten-jugendreisen-zu-dschihadisten-imam_de_5b82bcefe4b0348586017618

Sein Facebook-Account findet sich hier:

https://www.facebook.com/NureddinYildiz/

Und das „Fatwa-Zentrum“, ein Auftritt, von dem aus er seine deutschsprachigen Botschaften verbreitet:

https://www.facebook.com/FatwaZentrum/

Die übliche Internetseite von Yildiz bzw. des „Fatwa Zentrums“ wird von einem Stockstädter betrieben:

Oryal Civek
Friedrich-Ebert-Str. 16
63811 Stockstadt a. Main

https://fatwazentrum.de/datenschutzerklaerung/

Das wird dann wiederum z.B. von der IGMG-Jugend Giessen wahrgenommen:

Quelle: https://www.facebo ok.com/IGMGJugendGiessen/ , Abruf 08.09.2018

Der gleiche Stockstädter zeichnet auch für einen Verlag verantwortlich, der vornehmlich Yildiz-Schriften im Angebot hat, so dass sogar die Seite „Biographie des Autors“ heißt: Weiterlesen

Schwarzer Peter

So einige politisch Aktive wollen in dem Bereich der islamistischen legalistisch operierenden Gruppierungen wie Gülen, IGMG und anderen möglichst keine eigenen Entscheidungen treffen müssen. Eigene Entscheidungen müssen abgewogen werden, erfordern Differenzierung und damit Beschäftigung. Das kostet auch Zeit, die sich viele Politiker nicht nehmen wollen oder können. Es ist zudem höchst bequem, denn Entscheidungen treffen heißt Verantwortung übernehmen. Wenn man den Verfassungsschutz vorschiebt, kann man eigene Verantwortlichkeit vermeiden. Sie fordern vom Verfassungsschutz ein stop oder go.

Insbesondere bei politisch Aktiven in Verantwortung kommt erschwerend die verwaltungsrechtliche Schere im Kopf hinzu: Ist eine Entscheidung anfechtbar, behandle ich gleich, habe ich genügend Informationen, die auch frei verfügbar sind? Kann man angeforderte Treffen ablehnen? Ist sogar die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ein Grund, nicht hinzugehen? Das sind im Übrigen Fragen, die sich bei Scientology kein ernst zu nehmender Politiker stellen würde.

Die Furcht vor der medialen Beobachtung und Wahrnehmung tut ein Übriges. Die legalistisch operierenden Gruppierungen sind mittlerweile durchaus in der Lage, über diese Befürchtungen zu manipulieren: Lieber eine schöne Illusion vorgeben als eine Wahrheit, die weitere Arbeit und Ärger bedeutet. Lesenswert dazu ist der verlinkte taz-Artikel, aus dem dieses Zitat stammt:

„Doch selbst beim Verfassungsschutz, der die IGMG beobachtet, hieß es bisher, der Hamburger Regionalverband werde von der Politik „als seriöser Ansprechpartner akzeptiert“.“

Quelle:

http://www.taz.de/!55746/

Der Artikel ist zwar von 2012, aber im Grunde immer noch aktuell, denn Politiker gehen zur IGMG und anderen fragwürdigen Gruppierungen als seien es Besuche beim Kleingartenverein Lehmfeld.

Wenn der Staatsschutz nun wesentlich darauf schaut, ob eine Gruppierung nur stark genug eingebunden ist, dann wird die Schwelle derart hoch gelegt für Gegenmaßnahmen oder auch nur klare Worte, dass der Staat diesen Gruppierungen gegenüber völlig wehrlos wird. Das ist die Einladung zur Unterwanderung, zum Abstecken von Claims in aller Ruhe. Ergänzend und ein wenig entschuldigend sei angemerkt, dass der Verfassungsschutz mit dem vorliegenden Personalschlüssel mit den jihadistischen Strömungen und potentiell terroristischen Zellen derart gefordert und ausgelastet erscheint, dass für diese Gruppierungen kaum Zeit und Manpower bleibt. Man ist gezwungen zu priorisieren, was aber wiederum Politikern und Bürgern nicht völlig klar ist. Es wird auch gerne nach außen suggeriert, man habe alles irgendwie im Griff. Das stimmt bei vielen Orten, Personen und Handlungen. Bei anderen wirkt das eher wie das Pfeifen im Wald. Das waren jeweils Prioritätsmeldungen in Dresden, Braunschweig und Bremen:

„Dass Bund und Länder die Terrorabwehr an fünf Tagen in der Woche hochhalten, um sie an den übrigen Tagen herunterzufahren, mutet zumal im Lichte der bekannten Debatten wie ein Scherz an.“

http://www.fr-online.de/aktuelle-kommentare/terrorabwehr-lueckenhafte-terrorabwehr,30085308,30402090.html

und

„Dabei stellte sich heraus, dass sowohl im Fall Braunschweig als auch im Fall Bremen erhebliche Probleme beim Informationsaustausch auftraten, da die Ereignisse an Wochenenden stattfanden.“

http://www.fr-online.de/politik/terroralarm-besser-kein-terroralarm-an-wochenenden,1472596,30398506.html

Wenn die Personaldecke so dünn ist, dass selbst die Terrorabwehr an Samstagen und Sonntagen nicht reibungslos funktioniert, was sagt das über andere Bereiche aus?

Der Verfassungsschutz kann nur Aussagen treffen, wenn er Erkenntnisse gewonnen hat. Hat er zu wenig eigene Erkenntnisse gewonnen, dann kommen solche Aussagen wie die obige.

Was wurde da festgestellt? Das gemeinsame Baklavas-Essen mit Politikern? Politiker gehen hin, weil der Verfassungsschutz nicht aktiv informiert oder sie die Verfassungsschutzberichte einfach nicht lesen. Es gibt diese einfache Denke: Was (noch) nicht verboten ist, muss schon irgendwo ok sein, man muss solange gleich behandeln und man kann als Politiker diese Kontakte zur Wählergewinnung nutzen. Ein Denkfehler: Diese Gruppierungen haben eine eigene politische Agenda und selbst wenn kurzfristig eine Stimme gewonnen würde, so wäre der Preis der Instrumentalisierung zu hoch. Die Bevölkerung nimmt dies nämlich durchaus wahr und auch die konkurrierende Gruppierung. Für eine so kurzfristig gewonnene Stimme verliert man drei andere. Der Verfassungsschutz sagt nichts weiter, weil Politiker hingehen. Er kann dazu im Grunde auch nichts sagen. Wenn die Berichte nicht gelesen werden und Politiker nicht in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen, stoßen sie auch an ihre Grenzen. Das ist das Ergebnis, wenn Politiker verwaltungsrechtlich denken und Behörden politisch handeln. Auch eine Unterlassung kann im Ergebnis politisch sein. Es mag allerdings auch sein, dass sich so mancher vom Staatsschutz irritiert die Augen reibt: Was soll man machen, wenn die Beobachtung, die ja immer begründet sein muss, bekannt ist, aber der Politiker trotzdem hingeht?

Oder um die beliebte Metapher zu benutzen: So manche Wölfe brauchen gar keine Schafspelze mehr. Es genügt völlig, wenn sie eine zeitlang mit der Schafherde mittraben und ab und zu „Mähhh“ knurren. Politisch Aktive wollen ein Fachvotum, welches Tier Schaf ist und welches Wolf. Sie wollen ja nicht selber schwarz-weiss malen. Nachher kommt das in der Presse noch so, dass die Schäferhunde statt des Wolfes ein harmloses Schaf ins Bein bissen. Gibt es nicht auch schwarze Schafe? Farblich abweichend, aber im Wesentlichen harmlos? Der Verfassungsschutz hingegen schaut sich die Wolfsrudel an, zählt diese und knippst ihnen Marken ins Ohr, sofern einer der Wölfe mal gefangen wurde. Für die Schafherden und die darunter mitlaufenden Wölfe bleibt gar keine Zeit, während sich Politiker und die öffentlich vernehmbaren Personen vom Verfassungsschutz gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben.

Liebe Islamistinnen und Islamisten!

Der Feminismus ist in der Krise. Teilweise ist er auch gewissermaßen Opfer seines Erfolges, denn wir jüngere Frauen haben wesentlich weniger kämpfen müssen als diejenigen, die noch in den 60ern und 70ern junge Frauen waren. Von der davor liegenden Generation ganz zu schweigen, der noch, als sei es das Normalste auf der Welt, Sinniges wie „Lange Haare, kurzer Verstand“ entgegengeworfen wurde,wenn dem männlichen Gegenüber die Argumente ausgingen. Da hatten wir Nachgewachsene es besser, so etwas traut sich heute kein normaler Mann mehr pauschal zu sagen. Viele Ziele, wenn auch noch nicht alle, sind erreicht hinsichtlich Gleichstellung und dort, wo noch Ungleichbehandlung ist, ist es meist einklagbar geworden. Der Antrieb, etwas für die eigenen Rechte zu tun, ist also geringer geworden.

Diese Krise ist jedoch, auch wenn noch viele Dinge durchzusetzen nicht die, die ich meine. Die Krise liegt im Kulturrelativismus begründet. Antiemanzipatorische Inhalte werden von nicht wenigen Frauenrechtlerinnen auch und gerade der alten Schule plötzlich nur noch verschwommen, wenn überhaupt, wahrgenommen, wenn es sich um Probleme aus dem Integrationsbereich handelt.

Da wird die Besetzung der Frauenhäuser, in denen es überproportional viele Frauen mit Migrationshintergrund gibt, schamhaft verschwiegen. Da wird das Kopftuch, das politische Kopftuch, gebilligt, indem man sich das Stockholm-Syndrom mancher Trägerin zu eigen macht. Mehr noch, es wird umgedeutet als Zeichen der persönlichen Freiheit der Trägerin. Man ignoriert hartnäckig real existierende Frauenverächter in islamistischen Gruppierungen und sogar in der Fußgängerzone kriegt man es hin, wegzuschauen.

Ich gebe zu, es ist bequemer und wohl für manche auch lustiger, zivilisierte Männer mit dem Binnen-I zu nerven. Es ist auch politisch erfolgreicher, bei einem Frauenanteil in Parteien von etwa 30 Prozent eine Frauenquote auf Kandidatenlisten auf 50 Prozent einzufordern unter Verweis auf die lange Unterdrückung der Frau. Dass man damit real Männer benachteiligt, die ja nun nichts für 5000 Jahre Historie können, stört manche wenig, aber das nur nebenbei.
Das sind alles Maßnahmen, die darauf bauen, dass Männer zivilisiert sind und auch Macht abgeben. Und man will Macht, was ja an sich nichts schlechtes ist: Nur fair bleiben, bitte!

Mit den unzivilisierten Männern, die angeblich göttlich legitimiert, Frauen übergeordnet sind, die z. B. Lehrerinnen nicht die Hand geben, ja, nicht mal mit ihnen sprechen mögen, mag man sich dagegen weniger auseinander setzen. Da tut es weh, da sind echte Debatten und ja, auch Aggression zu befürchten. Diese Männer sehen sich nämlich tatsächlich als Herren der Schöpfung, ein völlig aufgeblasenes Selbstbild, das bei Hinterfragung durch Frauen zu oft in Tragödien endet.

Diese Männer, die genau das zeigen, wogegen noch die Generation vor den heutigen Feministinnen der alten Schule zu kämpfen hatte, nämlich grundsätzliche und nicht hinterfragbare Abwertung, kommen im Koordinatensystem der meisten Feministinnen nicht vor.
Was diese Frauen bei der katholischen Kirche bis aufs Blut reizte, wird unter dem Mantel Islam bzw. Islamismus ignoriert, auch schon mal Geschlechterapartheid statt Koedukation gebilligt oder sogar begrüßt. Dieselben PolitikerInnen, die in Wahlkämpfen Frauenrechte ganz vorne anführen, gehen auch zu allen möglichen Vereinen und Dialogveranstaltungen. Sie gehen nicht dahin, um Kritik zu üben, sondern sie sprechen Grußworte und andere Artigkeiten. Man nimmt auch Forderungen entgegen. Es gibt Ausnahmen, ja. Allzu häufig sind sie aber nicht.

Es gibt jedoch keine Proteste von Frauengruppen z. B. bei Vereinen der Muslimbrüder, von Milli Görus, vor den LIES!-Ständen. Es wird nicht öffentlich thematisiert, welches Menschen- und Frauenbild da in die jungen Köpfe der Männer und Frauen (!) implantiert wird. Eine Machokultur wird als Folklore fehlgedeutet. Da herrscht verbreitet das Schweigen der Feministinnen.

Die Frauen, die unter diesen Umständen leiden, sind erst mal nicht die autochthonen deutschen.
Man lässt die Frauen, für die man sich einzusetzen vorgibt, alleine: Die Frauen mit Migrationshintergrund. Es ist zwar wahr, dass man den Frauen die Emanzipation nicht abnehmen kann. Das funktioniert aber nur, wenn wie bei uns, die Männer allermeist zivilisiert sind, v. a. ihre größere physische Stärke nicht zur Durchsetzung ihrer Vorstellungen nutzen und vom hohen Ross allgemein herabsteigen. Freiwillig tun das manche nicht. Da kann man schon einmal ein wenig den Steigbügel nach unten halten.

Auch diese Männer gewinnen dadurch übrigens langfristig. Sie verlieren einen Untertan und gewinnen eine Kameradin.

Aber wenn dieser Schritt gegangen ist, sind sie wohl auch keine Islamisten mehr. Dazu sollten Frauenrechtlerinnen ihren Teil beitragen.