Sven Lau zum Prozess um „Scharia-Polizei“ freigelassen?

Nur wenige Tage vor der Wiederauflage des Prozess um die Wuppertaler „Scharia-Polizei“ wird Sven Lau aus der Haft entlassen. Das Gericht begründet das damit, der ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-Chef habe sich vom islamistischen Gedankengut distanziert und befinde sich jetzt in einem Aussteigerprogramm.

Sven Lau posiert mit Glaubensbrüdern sowie einer AK-47 Kalaschnikow auf einem Panzer. Das beim Prozess gegen ihn als Beweisstück genutzte Bild soll Ende Oktober 2013 in Syrien entstanden sein.

Der 38-jährige Salafisten-Prediger Sven Lau wird „unter strengen Auflagen zur Bewährung“ vorzeitig aus der Haft entlassen. Das teilte das Oberlandesgericht Düsseldorf am Donnerstag mit. Lau war am 26. Juli 2017 durch den Fünften Senat des Oberlandesgerichts zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, weil er die ausländische terroristische Vereinigung „JAMWA“ in vier Fällen unterstützt hatte. Von dieser Haftstrafe hat er inzwischen zwei Drittel verbüßt, wobei die Untersuchungshaft angerechnet wurde.

Der Senat hat vor seiner Entscheidung unter anderem Stellungnahmen der Justizvollzugsanstalt sowie des Aussteigerprogramms für Islamisten eingeholt, einen renommierten Sachverständigen zu Rate gezogen und den Generalbundesanwalt Stellung nehmen lassen. Danach ist davon auszugehen, dass Sven L. nach der mehrjährigen Haft künftig keine Straftaten mehr begehen wird. Von seiner ursprünglichen radikal-islamischen Haltung hat er sich deutlich distanziert. Die Bewährungszeit beträgt fünf Jahre. In diesen fünf Jahren muss Sven L. strenge Auflagen erfüllen. Diese Auflagen reichen von der Bestimmung des Wohnsitzes über Kontakt- und Aufenthaltsverbote über die Fortführung seiner Teilnahme an dem bereits begonnenen Aussteigerprogramm für Islamisten bis hin zur engen Kontakthaltung zu seinem Bewährungshelfer„, hieß es in der Mitteilung des Oberlandesgerichts. Der Beschluss ist bereits rechtskräftig, da die Bundesanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichtet hat.

Weitere Informationen gab es dazu am Donnerstag nicht. Am Freitag berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger in einem Bezahlartikel, dass Sven Lau an 39 Sitzungen eines Aussteigerprogramms für Salafisten mit einer Gesamtdauer von 140 Stunden teilgenommen habe. Unter anderem deshalb sowie aufgrund von Gesprächen mit ihm seien befragte Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass er dem radikalen Salafismus glaubhaft abgeschworen habe.

https://www.ksta.de/politik/frueherer-salafist-sven-lau-die-wandlung-des-einstigen–staatsfeindes-nummer-1–32553966

Mit martialischen öffentlichen Gebeten in die Schlagzeilen

Sven Lau geriet 2010 erstmals in die Schlagzeilen, als er zusammen mit Pierre Vogel und Muhamed Ciftci das Führungs-Trio des Mönchengladbacher Salafisten-Vereins Einladung zum Paradies (EZP) bildete. Auf die martialischen öffentlichen Gebete der EZP-Salafisten reagierte die Stadt Mönchengladbach eher passiv und erlaubte die Vorgänge mit Verweis auf das Grundrecht der Religionsausübung. Die Empörung der Anwohner darüber führte zur Gründung einer Bürgerinitiative. Bevor EZP verboten werden konnte, löste sich die Gruppierung wieder auf. Zu diesem Prozess mögen die regelmäßige Proteste der Bürgerinitiative beigetragen haben.

Von der Mönchengladbacher Justiz wurde Lau in dieser Zeit wiederholt milde behandelt: Obwohl er Weiterlesen

Mönchengladbacher Hypotheken

Vergrößerung der salafistischen Einflusssphäre

Vor etwa drei Monaten war der Mönchengladbacher Verein, der die Arrahman-Moschee in Mönchengladbach-Rheydt betreibt, Ziel einer Durchsuchung:

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Dienstag die alten Räume des Vereins „Masjid Arrahman“ an der Mittelstraße in Mönchengladbach-Rheydt durchsucht. Es gibt Hinweise, dass sich dort Salafisten treffen.

https://rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/moenchengladbach-baut-moscheeverein-masjid-arrahman-moschee-fuer-salafisten_aid-34466083

Den einen oder anderen Bürger mag das überrascht haben. Gab es doch seit einiger Zeit auch öffentlich vernehmbar ein Bauvorhaben des Vereins (Video von 2016):

Passend zum Vorhaben wurde zur Mehrheits- und Stadtgesellschaft hin vermeintlich transparent agiert, noch einmal aus obigem RP-Beitrag:

Der islamische Verein, der 1987 in Mönchengladbach von Marokkanern gegründet wurde, gab sich offen, kooperierte mit dem Integrationsrat und nahm auch regelmäßig an der interreligösen Konferenz teil, bei der sich katholische, evangelische und muslimische Gemeindevertreter der Stadt an einen Tisch setzen.

Ein bisschen hingehen, ein wenig parlieren und dabei ein wenig Manieren zeigen – die Ansprüche an Handlungen, die öffentlich als „Kooperation“ etikettiert werden, sind beständig gesunken. Die Latte liegt an dieser Stelle so niedrig, da kommt auch wie man sieht ein problematischer Verein leicht drüber. Mit ein wenig Übung wird unschwer erfasst, was Dialogbeflissene und Stadthonoratioren gerne hören. Diese Übung erhält man spätestens mit den Jahren, in denen man derlei Gesprächsformate aufsucht.

In all diesen Jahren, zumindest seit der Eintragung in das Register 2005, waren vom Verein nur wenige Männer in Verantwortung: Mal pausierte einer, mal gab es mehr ein „Gastspiel“. Der gegenwärtige Vorstand Mohamed Laghzaoui war mit Ausnahme der Jahre 2014 bis 2016 seit mindestens 2005 in leitender Position:

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Auch Mimoun El Aboussi war mit Unterbrechungen lange in Verantwortung. Seite 2014 ist Mohamed Abou El Ayoun als Vorstand eingetragen. Bis auf Letzteren sind also im Wesentlichen die gleichen Personen verantwortlich wie schon seit Jahren. Man kann dem Vorstand demnach frühere Aktivitäten zurechnen.

Schaut man sich diese früheren Aktivitäten nämlich an, so wird schnell klar, dass es nicht nur die von der RP kolportierten „Gerüchte“ gibt, die auf salafistische Betätigungen hinweisen, sondern auch Substanzielleres.

So gab es 2012 einen Vortrag des marokkanischstämmigen PredigersTarik Ibn Ali am 29.12.12 in Weiterlesen

Rappender Amir

Über die von Mönchengladbach aus entstehende Gruppierung „Germanys Muslims“ war bereits berichtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/06/11/moenchengladbacher-buergerwehr/

https://vunv1863.wordpress.com/2017/08/10/germanys-muslims-jetzt-auch-in-frankfurt/

Die Gründung war von einigen Medien aufgegriffen worden. Dies wiederum erscheint dem Gründer, dem Mönchengladbacher Konvertiten Marcel Knust, auch nicht so ganz recht. Die Medien berichteten grundsätzlich falsch und „ohne Beweis“, meint er. Da er aktuell unter die Rapper und Nasheed*-Sänger gegangen ist, findet auch das neben einer Schilderung seines Werdegangs als Muslim seinen Niederschlag in seiner, etwas speziellen, Aufarbeitung. Hier die ersten Elaborate:

 

Teil 2: Weiterlesen

Germanys Muslims: Jetzt auch in Frankfurt?

Dependance in Frankfurt wird aktiv

Über eine neue „muslimische Bürgerwehr“ war bereis vor 8 Wochen berichtet worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/06/11/moenchengladbacher-buergerwehr/

Es gab nachfolgend, Wochen später, eine kleine Berichterstattung in den Medien:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article167102161/Germanys-Muslims-wollen-Glaeubige-vor-Islamhass-schuetzen.html

https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/muslims-in-germany-in-rocker-kutten-das-sagen-die-bandidos-zu-der-neuen-gruppe-aus-nrw-id211381177.html

https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/germanys-muslims-in-rocker-kutten-welche-ziele-verfolgt-der-gruender-marcel-k-aus-duisburg-id211391623.html

Aktuell scheint sich ein Frankfurter Ableger formieren zu wollen:

 

Schon nach wenigen Stunden ist diese neue Präsenz von über 50 Personen wahrgenommen und Weiterlesen

Die zweite Reihe

Über Personen hinter Tarik ibn Ali

Vor etwa einem Jahr erhielt ich über Facebook eine Nachricht eines mir unbekannten Herrn aus Tanger. Er beschwerte sich sehr über meine Artikel zu dem international bekannten Prediger Tarik Chadlioui alias Tarik ibn Ali (TiA) und bezeichnete ihn als einen „moderate preacher“. Seiner Ansicht nach verbreitete ich nicht nur Unwahres mit meinen „poisonous posts“, sondern würde auch Hass säen. Im weiteren Chat – ich beschloss, mit ihm zu kommunizieren – stellte sich heraus, dass es sich bei dem Herrn um den Übersetzer von TiA handelte, der wohl seinen Namen gegoogelt hatte und so die Beiträge auf diesem blog fand. Nach eigener Angabe ist er Englischlehrer am „Lycée Ibn el khatib“ in Tanger und studiert an der “ Université mohamed 1er oujda“.

ibn Ali wurde letzte Woche in Birmingham festgenommen

https://vunv1863.wordpress.com/2017/06/28/tarik-ibn-ali-in-birmingham-festgenommen/

Der „moderate Prediger“ steht also im konkretisierten Verdacht, auf Mallorca eine Terror-Zelle ins Leben gerufen zu haben. Nun könnte man meinen, dass sich der Übersetzer, wenn er doch „moderat“ als positives Merkmal heraushebt, von derlei Betätigungen distanziert. Darauf wartet man allerdings vergeblich, denn nun wird öffentlich umgedeutet. Die Festnahme sei wegen der breiten medialen Beachtung „dawa for free“:

und Weiterlesen

Mönchengladbacher Bürgerwehr

Bildung neuer Struktur: „Germanys Muslims forever“

In Mönchengladbach war vor einigen Jahren auch zeitweise die Gruppierung „Einladung zum Paradies“ aktiv. Vor dem Hintergrund einer lebhaften salafistischen Szene gab es erhebliche Kontroversen mit der Mehrheitsgesellschaft:

http://blog.zeit.de/joerglau/2011/10/13/einladung-zum-paradies-wie-die-salafisten-in-monchengladbach-scheiterten_5144

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/salafisten-in-moenchengladbach-verfuegten-ueber-halbe-million-euro-aid-1.6306333

Aktuell bildet sich – zumindest nach Eigenangabe – dort wieder eine problematische Struktur. Unter der Vorstellung, Muslime als ganze Gemeinschaft litten unter nicht mehr überschaubaren und zunehmenden Übergriffen, wird ein allgemeiner Verteidungsfall der Ummah imaginiert und in die nahende Zukunft verlegt. Aber auch jetzt schon stattfindende Ereignisse mahnt man an und will man erhindern. Auch wenn selbstredend jeder der kürzlich berichteten Vorfälle (200 in den ersten Monaten dieses Jahres, wobei allerdings auch eher nur verbale Ausfälligkeiten mitgerechnet werden) einer zu viel ist: Im Gegensatz zur Selbstwahrnehmung und -darstellung erscheinen Muslime nicht als Gruppe, die tatsächlich auf der Straße andauernd Übergriffen ausgesetzt wäre, auch wenn dies vereinzelt vorkommt. Die häufige Wiederholung des Opfer-Narrativs von Bernhard Falk bis hin zu Aiman Mazyek hinterlässt jedoch Wirkung in der Community.

Ein Mönchengladbacher Konvertit ist aktuell der Meinung, dass man sich „bereit“ machen müsse. Unter aggressiven Tönen hat er „Germanys Muslims forever“ gegründet, eine Organisation, die an das Rocker-Milieu erinnert:

 

 

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