In eigener Sache

Im aktuellen Spiegel gibt es einen Artikel zum Thema „Violence Prevention Network“. In diesem Artikel werde auch ich erwähnt. Wegen der Darstellung möchte ich zu den Ausführungen im Spiegel Stellung nehmen. Das Gespräch mit Frau Gezer hatte ich am 23.03.2017 unter der Maßgabe geführt, dass mir Autorisierung zugesagt wurde. Frau Gezer hat sich nicht an unsere Vereinbarung gehalten. Insofern soll dieser Beitrag dazu dienen, die abgedruckte Meinung und die Behauptungen aus dem Artikel aus meiner Sicht einzuordnen.

Zitate aus dem Spiegel kursiv.

Den Blogeintrag hatte Sigrid Herrmann-Marschall geschrieben. Çelik nennt die Frau nur „Siggi“, sie bezeichnet sich selbst als Islamismusexpertin, hält Vorträge zum Thema Salafismus und betreibt ein Blog mit dem Namen „Vorwärts und nicht vergessen“. Sie ist der Typ Mensch, den man seit einiger Zeit unter dem Begriff „besorgter Bürger“ kennt.

Frau Gezer versäumt zu erwähnen, dass ich am Hessischen Kultusministerium als Dozentin akkreditiert bin für Fortbildungen. Es ist erstaunlich, dass einem sogar die Sorge um die Gesellschaft negativ ausgelegt wird (dass einem z.B. auch die muslimischen Jugendlichen nicht egal sind und wo sie hingehen). Wegen meines sozialen Engagements bin ich seit über zwei Jahrzehnten in der SPD und habe da auf vielerlei Ebenen mitgewirkt. Frau Gezer versucht mit dieser Titulierung anscheinend, mich wahrheitswidrig in einer rechten Ecke zu verorten. Ich werde von Institutionen beauftragt, aber halte auch Vorträge bei konservativen bis linken Organisationen und Gruppen. Ich weise diese Bezeichnung daher als bewußt ehrverletzend zurück.

Sie verabredet sich zum Gespräch am Frankfurter Hauptbahnhof, sitzt bei Burger King und bestellt einen Doppel-Whopper und eine Cola light. Sie ist eine groß gewachsene Frau Anfang fünfzig, trägt rotes Haar und hat lange, lackierte Fingernägel. Sie wischt über ihr Telefon und sagt, es sei ein sehr spannender Tag heute. Sie zitiert aus Meldungen, die „gerade bei ihr einlaufen“ über einen Verein, der verboten wurde und auf den sie die Staatsschützer schon „lange vorher“ aufmerksam gemacht habe.,“

Ich habe das noch nicht als Teil des journalistischen Gesprächs, das sich nur um VPN drehen sollte, eingeordnet. Ich bin erstaunt, das jetzt im Spiegel zu lesen. Das war auf dem Weg zu einem Sitzplatz erzählt, ebenso wie sie ein wenig von sich erzählte.

An dem Tag des Gesprächs war der Al Madina Verein in Kassel verboten worden, ich kam gerade aus Wiesbaden (das zum Ort). Ich habe definitiv nicht gesagt, dass ich „die Staatsschützer auf diesen Verein aufmerksam gemacht“ hätte, weil das nicht zutrifft. Ich habe vielmehr einen blogbeitrag dazu geschrieben, der hier auf dem blog öffentlich ist. Nur darauf habe ich verwiesen. Die Information des Staatsschutzes zu diesem Verein ist von Frau Gezer erfunden.

Auf den Verein der Frau, die für Çeliks Team arbeitet, habe sie bereits letzten Sommer hingewiesen. Wenn man ihr entgegnet, dass Dialog mit Extremisten nützlich sein kann, sagt sie: Da halte ich nichts von.

An dieser Stelle habe ich auf die hier auf dem blog vorliegenden Belege hingewiesen, z.B. hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/04/22/darmstadt-gruppenbild-mit-ciftci/

Dass das eben kein Dialog mit Extremisten gewesen sei, der dazu diente, diese Extremisten zu überzeugen oder sich über die von ihnen verbreiteten Narrative zu informieren, sondern vielmehr diese Extremisten von den VPN-Mitarbeitern eben nicht als Extremisten gesehen wurden, wurde eingehend und unter fachüblicher konkreter Benennung der Gruppen und Akteure besprochen. Sogar Thomas Mücke hatte ja in einem späteren Interview eingeräumt, die jungen Leute seien hereingefallen. Auch er hält wohl mittlerweile den „Dialog“ (das waren langfristige gemeinsame Veranstaltungsplanungen im einen Fall) mit diesen Extremisten nicht für nützlich, sonst hätte er – sofern er korrekt zitiert wurde – nicht das Wort „hereingefallen“ gewählt:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-03/islamistischer-extremismus-radiklaisierung-deutschland-praevention/seite-2

Sie hält überhaupt wenig von Hakan Çeliks Team, und deshalb war es eigentlich logisch, dass sie da genauer hinsehen musste.

Klare Verdrehung.

Ich schrieb ihr schon vor dem Gesprächstermin in einer mail am 18.03. – die mail bekam sie nachweislich auch, weil sie darauf antwortete. Aus meiner mail:

„Es tut mir auch leid um die guten Mitarbeiter. Aber mehr leid tun mir die anderen [gemeint waren die getäuschten Mädchen, die zu dem Frauenverein hingingen, SHM]  Das sind immer Abwägungen.“

Ich habe gesagt, dass das Konzept meiner Ansicht nach nicht trägt und auch erläutert, warum. Frau Gezer habe ich auch die Problematik von „Islam auf deutsch“ kurz erläutert. Ich habe weiterhin erläutert, dass ich durch den Hinweis einer Kollegin auf die Sache aufmerksam wurde, die von einer Veranstaltung mit den beiden Suspendierten gehört hatte. Ich hatte auch gesagt, dass ich mir u.a. wegen eines möglichen Buchprojekts, die Präventionsmaßnahmen über die Länder ansehe (dass ich auch zu anderen Projekten kritische, aber andere konkretisierte Anmerkungen schon öffentlich gemacht habe, ist Frau Gezer ebenfalls entgangen). Ich hatte ja explizit s.o. angemerkt, dass es mir um die etlichen guten Mitarbeiter von VPN leid tue, dass ich es aber für eine falsche Entscheidung halte, sich so zu positionieren.

Sehr schnell geriet dann auch Çeliks Familienminister Talha Taşkınsoy in Siggis Visier und damit in ihr Blog. Er war nach Abu Dhabi zu einer Friedenskonferenz geflogen, hatte Bilder davon auf seinem Facebook-Account hochgeladen und Prediger „geliebte Gelehrte“ genannt. Geliebte Gelehrte? Prediger? Davon hält Sigrid Herrmann-Marschall nichts.“ Weiterlesen