Prävention durch Mission?

Warum sich das Problem der Spaltung der Gesellschaft und die Probleme an den Schulen durch religiös-identitäre Zugänge exponentiell steigern werden

Einer der Ansätze, mit dem gegenwärtig Präventionskonzepte der öffentlichen Hand angedient werden, ist die Vorstellung, religiös nur richtig geschulte Personen fielen nicht der Radikalität anheim.

Das ist das Mantra z.B. des Zentralrats der Muslime (ZMD), der Geld für Präventionsprojekte erhält, aber auch manches, nach außen hin säkulär erscheinenden Trägers. Es bleibt an der Basis schon unklar, was unter radikalen Ansichten verstanden wird, denn der ZMD vertritt ja auch manche Haltung, die bei klarer Artikulation zumindest nicht mitten in der Gesellschaft verortet werden kann, s. z.B.

https://vunv1863.wordpress.com/2017/03/11/bin-bayya-texte-aussagen/

und die – wiederum bei klarer Artikulation – Gegenstand erheblichen politischen Widerstands wäre. Nicht umsonst stehen Unterorganisationen unter diesem Dach unter Beobachtung des Verfassungsschutzes (wie unschwer den Berichten entnommen werden kann)

Dass dieser Ansatz in manch verständlicher politischer Verzweiflung trotzdem gerne angenommen wird, beruht auf gleich mehreren Missverständnissen.

Zunächst besteht alleine schon bei der Ursachenfindung Unklarheit (es gibt etliche Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit steigern, „radikal“ zu werden ) und auch manche Verwirrung. So krankt das verfügbare Zahlenmaterial vielfach an systematischen Beobachtungsfehlern: Personen, die nicht vorher strafrechtlich auffielen oder den Behörden in anderer Weise bekannt waren, tauchen schlicht nicht auf in z.B. der sonst sehr guten Ausarbeitung von GTAZ, BKA und HKE. Hält man die untersuchte Gruppe für die tatsächliche Grundgesamtheit, wird man also den Anteil derer, die straffällig wurden, bevor sie nach Syrien etc. ausreisten, wahrscheinlich deutlich überschätzen. Bei den Rückmeldungen aus den Beratungsstellen bietet sich kein anderes Bild. Personen, die dort Hilfe suchen, sind a) der Meinung, dass die radikalisierte Person der Hilfe bedarf und b) sind mehrheitlich eher säkular bzw. um das in der gängigen Diktion zu benennen, religiöse Analphabeten. Personen, die keine Hilfsnotwendigkeit sehen, werden nicht anrufen. Personen, die staatliche/weltliche Institutionen per se kritisch sehen, werden die Hilfe allenfalls beim örtlichen Imam suchen. Hält man nun die Gruppe derer, die sich melden, für die Grundgesamtheit, wird man die Anzahl derer, die wenig religiös sind, deutlich überschätzen.

Fatal wird das alles, wenn diese systematischen Beobachtungsfehler nicht erkannt werden, aber auf der Basis dieser Angaben, die angeblich die Grundgesamtheit abbilden, politische Entscheidungen gefällt werden.

Plötzlich wird die Herangehensweise nur über die Religion als allein erfolgversprechend  gesehen, auch weil zusätzlich darauf abgestellt wird, dass nur Personen, die islamwissenschaftlich ansprechen, überhaupt Gehör fänden. An diesem Punkt wird dann zusätzlich der Deradikalisierungsaspekt deutlich mit dem Präventionsgedanken vermischt: Auch wenn Radikalisierte nur noch durch bestimmte, als autoritativ anerkannte Personen ansprechbar sein mögen, gilt das für Gruppen junger Menschen oder auch nicht vorindoktrinierter junger Muslime keineswegs. Noch weniger trifft dies für das Publikum von Multiplikatorenveranstaltungen zu.

Nun gibt es etliche Projekte, in denen ganz junge Islamwissenschaftler oder Imame eingesetzt werden, Personen oft ohne pädagogische Ausbildung. Mission ist dort nicht selten Teil eines Weiterlesen