Macht oder Bombe?

Nach der Vereitelung des Anschlags auf das Frankfurter Radrennen sind einige Reaktionen von muslimischen Vereinen und Verbänden vorstellbar. Man könnte also – idealerweise – vielleicht verkünden, man wolle verstärkt eigene Kräfte bemühen, um junge Menschen nicht in die jihadistischen Netze abgleiten zu lassen. Man könnte verkünden, dass man andere dazu anregen wolle, klar zu sagen, dann man keine Hassreden dulde und auf entsprechende Prediger ein noch wachsameres Auge haben werde. Man könnte verkünden, dass man Eltern vermehrt auf die Anzeichen aufmerksam machen wolle.

Nach nun mehreren abgesagten Großveranstaltungen scheint mir dies jedoch nicht der Fall zu sein. Zu diesen Vorfällen wird in der Breite – ich lasse mich da gerne korrigieren – geschwiegen. Es ist für Außenstehende schwer, aus diesem Schweigen zu lesen. Schweigen fördert Spekulationen, die in diesem Kontext alles andere als hilfreich sind.

Ein Wiesbadener Moschee-Verein, ich betone, dass es sich um EINEN Verein handelt, hat sich aktuell zu folgender Stellungnahme verstiegen:

„Nach dem wohl im letzten Moment vereitelten, möglicherweise islamistischen Terroranschlag bei Oberursel hat ein Wiesbadener Moscheeverein mehr Teilhabe für Muslime gefordert. Sie müssten seitens der Politik mehr Partizipation erfahren, damit sie weniger wahrscheinlich in radikale Kreise abdriften, teilte der Islamische Kulturverein Imam Hossein am Samstag mit. Er ist Träger einer Moschee in der Stadt. „Die Politik darf nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist, sondern muss mit Muslimen auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, heißt es in der Mitteilung. Wer erfolgreich in die Gesellschaft eingebunden sei, sei bestrebt, diese zu schützen, und wolle ihr nicht schaden.“

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_55277417

Im Volltext, wie er auf fb verfügbar ist:

„Pressemitteilung zum Anschlagversuch in Frankfurt

Als Muslime und Bürger im Rhein-Main-Gebiet verurteilen wir den vermeidlichen Versuch des geplanten Anschlags auf das Radrennen in Frankfurt. Der Versuch, den gesellschaftlichen Frieden zu stören und Angst zu verbreiten, konnte glücklicherweise verhindert werden.
Umso mehr fordern wir, dass Muslime seitens der Politik mehr Partizipation erfahren, um das Abdriften in radikale Netze präventiv zu verhindern. Die Politik darf nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist, sondern muss mit Muslimen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Denn wer die aktive Teilhabe in der Gesellschaft als ein Erfolg erlebt, wird bestrebt sein, diese Gesellschaft zu schützen und wird ihr nicht schaden wollen.“

https://m.facebook.com/imamhosseinev?v=timeline&filter=0&timecutoff=1387899845&sectionLoadingID=m_timeline_loading_div_1357027199_1325404800_8_&timeend=1357027199&timestart=1325404800&tm=AQDyZJDVaPIWrA34

Die Distanzierung ist lobenswert. Die Verknüpfung aber mit einer, mit dieser Forderung hinterlässt einen sehr schalen Beigeschmack: Mehr Partizipation als Muslime? Mehr politische Macht als Muslime? Am Anfang wird noch auf die Bürgereigenschaft verwiesen. Wer genau hindert Muslime daran, sich als normale Bürger politisch in den Parteien zu engagieren? Die Gesellschaft bot also dem Ehepaar nicht genügend Chancen, weswegen es sich radikalisieren musste? Es reichte nicht, dass mindestens er sich wohl als Chemiestudent – ganz normal – hätte betätigen können? Hätte man ihm ein Landtagsmandat anbieten sollen, damit er nicht auf die Idee kommt, eine Bombe zu legen? Die Gesellschaft ist schuld, nicht die Ideologie? Soll man allen Menschen, die sich radikalisieren könnten, politische Macht geben, damit es friedlich bleibt? Macht oder Bombe? Ein dann wahrhaft islamischer „Friede“ durch Drohung?

Dieses Denken erschüttert und zeigt eigentlich – meiner Meinung nach – wie weit man von einem demokratischen Selbstverständnis entfernt ist. Christen, Juden, Atheisten bekommen nichts geschenkt in dieser Gesellschaft. Man bemüht sich und hat dann (idealerweise) die Chance, für andere Verantwortung zu übernehmen. Gleiches gilt für Muslime. Weil eben in einer demokratischen Gesellschaft die persönlichen Eigenschaften zurücktreten und die Bürgereigenschaft vorrangig ist. Sie müssen zurücktreten und diese Gesellschaft tut viel, um genau dies möglich zu machen. Gleicher unter Gleichen sein, sein wollen, muss genügen. Wer seine Jugendlichen mit der Vorstellung imprägniert, man sei als Muslim (jetzt nicht als Migrant, auf diese Eigenschaft wird ja gar nicht abgestellt, also die Eigenschaft, die tatsächlich zu Diskriminierungen, nicht jedoch gerade in der Politik, führt!) irgendwie daran gehindert, zu partizipieren, bereitet einen unguten Nährboden. Er suggeriert nämlich, dass man als Muslim irgendwie unterdrückt sei, perpetuiert eine Opferhaltung, die genau den Nährboden bereitet, es als Bürger erst gar nicht zu versuchen, sich zu bemühen wie alle anderen auch.

Um es noch einmal an einem wesentlich harmloseren und eher spasshaften Beispiel zu verdeutlichen: Der Herr Brüderle hatte einer jungen Frau in den Ausschnitt geschaut.
Es gab einen erheblichen gesellschaftlichen Aufschrei. Hätten Männer nun ähnlich argumentiert, hätten einige gesagt, dass Frauen Männern nur einfach mehr entgegenkommen müssten: Mehr zeigen, am besten nackt rumlaufen. Der ganze Gender-Mist führt nur zur Unterdrückung eines natürlichen Rechts, das einfach so und nicht hinterfragbar zusteht. Dann müssen arme Männer auch nicht mehr mit der Nase in ein Dekolleté fallen. Gefahr gebannt!

Der genannte Kulturverein fordert Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ja, genau das ist das Angebot. Und die Gesellschaft hält dieses Versprechen auf Teilhabe ein, mit GG und AGG, einklagbar, wie es so einige Muslime auch schon taten und Recht bekamen. Dieses Angebot hat man als Bürger also jederzeit. Augenhöhe heißt Rechte und Pflichten. Augenhöhe heißt normale Betätigung, normale Bemühung, normale Wahrnehmung auch seiner selbst. Es heißt in der Politik mitmachen als Bürger. Es heißt Ochsentour, Wahlkampf und Infostand (den Weg, den integrierte Muslime ständig und mit Erfolg gehen). Es heißt einstehen für die Demokratie und FDGO, nicht primär für seine religiösen Inhalte. Die Schnellstraße zur politischen Macht ist damit also nicht gemeint. Diese will man aber offenkundig, wenn man fordert, man solle als Muslim mehr beteiligt werden. Das sind Sonderrechte, das ist Rosinenpickerei. In Verbindung mit den Terrorplänen wird daraus eine perfide Mischung. Es wird verkannt, dass einige nicht Teil dieser Gesellschaft sein wollen, dass es selbstverantwortete Abschottung und Abgrenzung, eine Gegenhaltung gibt, die weniger durch die Gesellschaft, sondern Individuum und Ideologie bedingt ist. Es erinnert an die Haltung mancher Sympathisanten zu RAF-Zeiten: Die Arbeiterklasse werde unterdrückt, also sei man ja quasi gezwungen, politischen Druck aufzubauen. Mehr politische Macht sei das Mittel gegen radikale Entgleisung. Der Terror sei zwar nicht schön und störe den gesellschaftlichen Frieden, sei aber letztlich das Ergebnis dieser gesellschaftlichen Unterdrückung. Es führt zu der Einschätzung, die Politik, die Gesellschaft und vor allem die Medien hätten sich gegen die eigene Gruppe (hier: Muslime) verschworen. Das erzeugt eine Gegenhaltung, die in „die“ und „wir“ unterscheidet, die junge Menschen genau dahin führt, die Medien abzulehnen und den normalen Weg eben erst gar nicht beschreiten zu wollen. Diese Haltung trifft man häufig auf der Strasse an: Die „Systemmedien“ lügen doch alle. Man lehnt sie ab, informiert sich dort erst gar nicht mehr über sie, sondern benutzt andere Informationskanäle. Nicht mehr die freie Presse, sondern übers Internet z.B. (ein gemeinsamer Punkt von Rechten, Extremlinken, Putin-Verstehern, Islamisten, kurz, allen antiwestlich gesonnenen Antidemokraten). Nur keine andere Meinung mehr lesen, hören, wahrnehmen.

Dieser Sicht, die nicht so selten scheint, muss man mit allem Nachdruck argumentativ begegnen. Sie führt nämlich zu einer Spaltung der Gesellschaft. Sie bereitet den Boden.

Lies? Höre!

Geistige Brandstifter auch in einigen Problem-Moscheen

Wer meint, Radikalisierung fände nur im Verschwiegenen statt im Rhein-Main-Gebiet oder dann ganz öffentlich übers Internet, der irrt. In einigen Moscheen nicht nur in Frankfurt gehen seit Jahren diverse Aufwiegler ein und aus, werden Jugendlichen, Menschen die Abgrenzung zur und die Ablehnung der demokratischen Gesellschaft vorgegeben. Da wird natürlich auch Frömmigkeit vermittelt, aber weniger als spiritueller Weg der persönlichen Lebenshilfe, was wohlmeinende, aber kenntnislose Zeitgenossen gerne projizieren, sondern als Unterwerfung unter gesellschaftliche Ziele, als im Grunde politischer Ansatz.

Beispielhaft sei die 10 Jahresfeier der Griesheimer Bilal-Moschee vom Juni letzten Jahres genannt. Seit etlichen Jahren im Fokus, ist man offensichtlich bemüht, den Rechtsstaat und unsere Demokratie regelrecht vorzuführen. Ernste Gespräche mit diesem Moschee-Verein gab es die letzten Jahre durch alle behördlichen Akteure immer wieder, denn auch Abdellatif Rouali (Dawaffm) war dort vor einiger Zeit häufiger. Schwestern-Unterrichte der radikalen Art gab es ebenfalls dort. Anders als mit Missachtung dieser Gesprächsversuche und deren Ergebnissen ist es kaum zu erklären, dass zu dieser Großveranstaltung verschiedene „Hassprediger“ zur dreitägigen Feier geladen waren, darunter insbesondere auch dieser „nette“ Herr:

http://web.archive.org/web/20140517004259/http://bilal-moschee.de/

Nun kennt man den Herrn Al-Muslih in unserer Öffentlichkeit hier eher nicht. Dafür ist er in Großbritannien bekannt und auch in einigen anderen Ländern. Und zwar u.a. für so menschenverachtende Aussagen wie:

„Saudi Sheikh Abdallah Al-Muslih, chairman of a MWL commission on the Koran, argued that suicide bombings against non-Muslim enemies were permitted under Islamic law.

“Regarding a person who blows himself up, I know this issue is under disagreement among modern clerics and jurisprudents,” he said, according to a translation provided by the Middle East Media Research Institute (MEMRI).

“There is nothing wrong with [martyrdom] if they cause great damage to the enemy. We can say that if it causes great damage to the enemy, this operation is a good thing. This is when we talk of Dar Al-Harb. But, if we speak of what happens in Muslim countries, such as Saudi Arabia … this is forbidden, brothers!” (Islam divides the world into Dar al-Islam, the house of Islam, and Dar al-Harb, the house of war.)“

http://cnsnews.com/news/article/group-behind-interfaith-conference-has-record-intolerance

Dieses und ähnliche Stellungnahmen sind aus mehreren Quellen belegt. Der Herr Al-Muslih sieht uns, d.h. weniger radikale Muslime, Anders- und Nichtgläubige, als legitime Ziele einer Kriegführung ohne Kriegserklärung. Oder kurz: des Terrors.

Zugeschlagen wird mit dem Schwert der Gewalt, gedeckt wird mit dem Schild der Religionsfreiheit. Die Werte unserer freien Gesellschaft werden gegen uns verwendet.

So jemanden wie den Herrn Al-Muslih brauchen wir in der islamistischen Szene Rhein-Main als noch beigeholte „Fachkraft“ natürlich wie einen Kropf.

Personen wie der Herr Al-Muslih sind die geistigen Brandstifter, die Leute wie Halil D. nebst Gattin so richtig anheizen, sich ihre Fahrkarte ins Paradies holen zu wollen:

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_55272787

Nicht mal ihre kleinen Kinder genügten als Anker ins Leben, als Grund für leben und leben lassen. In ihrer Sicht haben sie nichts zu verlieren und alles zu gewinnen. Wie die Vernetzungen in die Frankfurter Szene sind, wird noch herauszufinden sein. Fakt ist, dass die gesamte Szene letztes Wochenende zur gewohnten Zeit fehlte.

Al-Muslih ist kein Einzelfall und auch diese Moschee steht leider für so einige. Die Tourneeroute manchen Predigers zieht sich wie ein roter Faden durch die die Problemmoscheen der Region. Immer wieder werden Personen geladen, die an anderer Stelle schon durch extremistisches Gedankengut auffielen. Fällt dies denn doch mal auf oder wird das von außen problematisiert, wird regelhaft so getan, als habe man von nichts gewußt. Der gute Bruder ein Extremist? Nein?! Eine radikale Jugendgruppe? Doch nicht bei uns, die müssen sich nachts eingeschlichen haben.

Solche Mätzchen sind natürlich keine vertrauensfördernden Maßnahmen. Wir müssen da nicht nur genauer hinschauen, sondern auch mehr einfordern und evtl. auch den einen oder anderen Verein schließen. Es ist natürlich eine Abwägung, ob man sich dann nicht nach Hydra-Art einfach woanders trifft und das Verbot sinnlos wird. Ein kürzlich verbotener Verein hatte ja nach kurzer Bedenkzeit einfach mit der Schulter gezuckt und öffentlich verkündet, dann mache man halt unter anderem Namen weiter. Da muss man dann auch fragen, ob unser Instrumentarium ausreicht, um uns ausreichend zu schützen.