Und willst du nicht mein Bruder sein…

Kleine Szene-Schau

Gestern wurde Sven Lau verhaftet. Er steht im Verdacht, in mehreren Fällen einer „Jaish al-muhajirin wa-l-ansar“ (Armee der Auswanderer und Helfer, kurz: JAMWA) zugearbeitet zu haben und damit eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt zu haben. Diese Gruppe schreckt nach der Stellungnahme der Bundesanwaltschaft auch „vor der Begehung von Kriegsverbrechen, wie Massenexekutionen und Verbrennen von Gefangenen oder medial inszenierte Enthauptungen, nicht“ zurück. Er soll „eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf“ gewesen sein.

Die Vorwürfe kann man im Einzelnen hier einsehen:

https://www.generalbundesanwalt.de/de/showpress.php?newsid=582

Das sind sehr erhebliche Vorwürfe, auch wenn die kursierenden Geldsummen niedrig sind. Um die geht es aber nicht. Auch wenn man im Detail natürlich den konkreten Nachweis abwarten muss, so sind sich Laus direkte Mitstreiter doch schon sehr sicher, dass Lau auch im Sinne der Anklage unschuldig ist. Man bekennt sich zu Lau mit einem Unterstützer-Bildchen:

 

 

Die Szenegrößen haben sich also zu Wort gemeldet. Bis auf Abou-Nagie, der felsenfest weiter seine „Korane verkauft“-Postings setzt. Läuft.

Pierre Vogels Statement:

 

Vogel behauptet, dass der Belastungszeuge, ein Rückkehrer, der aktuell einsitzt, gegen Lau ein „Märchen erfunden habe“. All dies, nachdem er und die Eltern „unter Druck gesetzt “ worden seien. Den Medien unterstellt Vogel absichtliche Falschdarstellungen, weil sie nach seiner Sicht wollen, dass „es auf den deutschen Straßen knallt“. Dann macht er für seine Anhänger klar: „Wir sind bereit für diese Botschaft zu leben und zu sterben, damit ihr Bescheid wisst. Deswegen bildet euch nicht ein, ihr könntet uns damit einschüchtern. Wir gehen keinen Millimeter zurück.[…] Lasst euch nicht einschüchtern. Weiter, weiter, weiter. Es gibt nur eine Richtung.“

Doch die gesprochenen Worte sind nicht die einzige Botschaft. Das Videos ist mit Gesang unterlegt: „Der Titel des Liedes (Naschid) lautet. „Wir werden nie und niemals vom Weg Gottes abkommen. Wir sind die Soldaten Gottes.“ [Übersetzt aus dem Arabischen vomn Abdelhakim Ourghi]

Vogel macht klar, dass man sich mit Lau solidarisieren solle, dass man den „Bruder“ nicht alleine lassen solle. Er richtet einen herben Appell an diejenigen Muslime, die nicht der Bruder von Sven Lau sein mögen. Er zerschneidet das Tischtuch zwischen sich, Lau, den Mitstreitern und solchen Muslimen, die sich da nicht miteinbeziehen lassen. Diese seien Heuchler und schadeten dem Islam. Schweres Geschütz.

Und noch eins nachgeschoben,

 

Bernhard Falk:

 

 

Erol Selmani verkündet, Lau sei auf eine „hinterlistige Art und Weise festgenommen worden“:

 

 

 

Er ist der Meinung, all die Vorhalte seine erfunden, um „die Dawa in Deutschland zu zerstören“. Man wolle „den Islam in Deutschland platt machen“. Es sei „ganz offensichtlich ein Kampf gegen den Islam“. Jeder wisse, dass Lau „der friedlichste Bruder“ sei. Er schließt mit dem „freundlichen“ Bittgebet, dass Allah die Islamhasser zerstören möge.

Die Szene erscheint also getroffen. Auf die mögliche Begründetheit der Vorwürfe wird kaum eingegangen. Die Causa Lau wird genutzt, um ihn als Opfer des Staates darzustellen. Die Zuhörer sollen sich mit Lau identifizieren. Auch dass sowohl Vogel als auch Selmani ihn mit Malcolm X vergleichen, kann beunruhigen. Immerhin wollte der eine „Nation of Islam“. Auch wenn man davon weit entfernt ist, ist das eine seltsame Analogie. Beide wollen von ihren Anhängern auch Vorschläge, was man „noch tun“ könne. Da Lau in Gewahrsam ist, Frau und Kinder versorgt sind, der Szene-Anwalt Mutlu Günal informiert ist und man in dieser Lage eigentlich nichts tun kann außer Warten, erscheinen diese Nachfragen befremdlich. So als wolle man schauen, was wie viele Anhänger denn vorschlagen. Eine Art Erhebung, wozu die Brüder denn bereit sind und wie viele.

Man wird sehen, welcher Art die Vorschläge sind. Juristische Hinweise werden es kaum sein.