Islamistische Heiler – viel Glaube, wenig Hoffnung

Medizinische Rituale gewinnen Terrain bei Gläubigen

Die Ausübung der Heilkunde ist in Deutschland an eine Zulassung oder Bestallung geknüpft: Nicht jeder, der sich dazu berufen fühlt, darf anderen Menschen heilende Einwirkung versprechen. Ärzte dürfen das – nach Approbation. Heilpraktiker dürfen dies auch – sofern sie eine diesbezügliche Genehmigung haben. Wird klar gemacht, dass es sich nicht um eine medizinische Handlung, sondern ein Glaubensritual handelt, darf leider sogar der „Heiler“ suggestiblen oder verzweifelten Menschen seine Dienste als Gewerbe anbieten. Es muss aber zu jeder Zeit klar sein und der Heiler muss im Streitfall darauf hinweisen, dass z.B. sein Internetangebot und ein Praxisaushang auf den Umstand aufmerksam machen, dass es sich NICHT um eine medizinische Vorgehensweise handelt. Eingriffe darf er nicht vornehmen und auch nichts zur Einnahme verordnen, allenfalls frei bleibend empfehlen. Heilpraktiker dürfen erstaunlich viel, insbesondere wenn man weiß, dass sie keine Ausbildung nachweisen müssen, sondern nur den Vorgaben der Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz genügen:

https://www.gesetze-im-internet.de/heilprgdv_1/BJNR002590939.html

Die vielen Personen, die im Zuge einer erstarkenden islamischen Rückbesinnung nun alte Heilrituale wiederbeleben, unterliegen also hierzulande ganz normal diesen Vorschriften zur Weiterlesen

Der Teufel in Mainz-Kostheim

Das Wiedererstarken des Aberglaubens im Gefolge islamistischer Bestrebungen bzw. einer Fokussierung auf Glaubensinhalte, war schon verschiedentlich hier Thema. Fanatische Gläubige lassen an sich Hijama, das blutige Schröpfen, durchführen, allerlei Zauberei wird versucht (Ruqia), man wehrt Jinns ab und lässt – die Königsdisziplin – bei sich oder anderen den Teufel, den Shaytan, austreiben.

Glaubte man letzteres spätestens bei der „Dokumentation“ mit Erbsensuppe* in den 70ern nur noch im Kino vorzufinden, sind die Dienstleister der Ummah heute in Dinslaken, Mainz oder Frankfurt zu finden. Flächendeckend ist da wohl noch kein exorzistisches Versorgungsnetz aufgebaut, aber anscheinend arbeitet man daran (unten auf der Seite):

http://www.quranheilung.de/index.php/faq-s-begebenheiten-krankheiten/55-faqs

In Mainz-Kostheim z.B. wird über die Internetseite

http://roqiaonline.de/index.php/en/

neben „Teufelsaustreibung“ auch blutiges Schröpfen, Hijama, angeboten. Spätestens für blutiges Schröpfen ist eine Genehmigung nach Heilpraktikergesetz zwingend erforderlich. Selbst bei einer Betätigung als „Geistheiler“ wäre ein entsprechender Hinweis nach gängiger Rechtsprechung (s. dazu u.a. Grundsatzurteil des BVerfG aus 2006) notwendig. Nach Denic ist der Domaininhaber Mustafa Suliman, Roemerfeld 5, 55246 Mainz-Kostheim.

Diese Seite und die Betätigung wird dem Anschein nach auch per Mundpropaganda in der entsprechenden Community verbreitet, ein Beispiel:

„Das ist die Tel.-Nr von sudanischen Bruder(mustafa suliman) aus Mainz 01796094655. Der soll sehr gut sein in sowas.“

http://www.maroczone.de/forum/archive/index.php/t-72039.html

Dass der Teufel nun ausgerechnet in Mainz Kostheim vorzufinden sei, ist sicher eine Mindermeinung. Trotzdem wird diese Dienstleistung dort angeboten. Als Dienstleistung aber ist das rechtlich fassbar. Solche Betätigungen laufen derzeit nach meiner Einschätzung völlig an den zuständigen Stellen vorbei.

Welche Folgen eine Fehldiagnose psychischer Erkrankungen als „Besessenheit“ für den Betroffenen und sein Umfeld haben kann, muss man sicher nicht ausführen. Auch hinsichtlich der genügenden Hygienevorkehrungen bestehen erhebliche Zweifel, da ein völlig anderes „Verständnis“ von Krankheitsursachen vorliegt. Auch ein Abszeß muss nach diesem Verständnis von Allah gewollt sein als Prüfung für den Betroffenen. Desinfektion? Das ist was für Ungläubige.

Wie kann man sich nun die Personen vorstellen, die solche Dienstleistungen in Anspruch nehmen?

Beispielhaft kann man in dem folgenden Video eine solche Person, die den Leibhaftigen fürchtet, an einem LIES!-Stand begutachten. Man achte einmal weniger auf die sehr lautstarke ältere blonde Frau, die sehr aufgeregt diskutiert, sondern die muslimische Aktivistin, wohl eine Konvertitin, mit der grünen Kopfbedeckung:

Die Dame gibt von sich selber an, sie sei Therapeutin. Den Vorwurf der blonden Frau bezeichnet sie als Angriff, den sie mit einem Abwehrgebet gegen den Teufel zu stoppen versucht. Später verfallen die anwesenden Muslime, Abou Nagie, Lies-Aktivisten und Passanten, in die Wiederholung, wohl zur Selbstberuhigung. Auch sie sprechen vom Teufel. Ein befremdliches Ritual.

Wenn selbst Personen, die selber Therapeuten zu sein vorgeben, dieser fixen Idee verfallen, ist das mehr als bizarr. Es ist gefährlich. Zum Beispiel für Patienten, denen diese Dame ganz selbstverständlich – sie glaubt ja daran – Besessenheit als Ursache anbietet. Es ist aber auch deshalb gefährlich, weil sie und andere Personen dazu verleiten, in ihre Wahnwelt zu kommen. Wer in anderen Menschen den Teufel wähnt, erkennt ihm sein Menschsein leicht ab. Der Teufel braucht keine Menschenrechte. Der Teufel muss gesteinigt werden. Es ist ein Wahn, der in Steinigung, Kopfabschneiden und Verbrennung führen kann. Mal langsamer, mal schneller.

Wenn man den Zuspruch sieht, den der „Koranheiler“ Mustafa Topal, der die Dinslakener Gruppe wohl mit instruierte, alleine auf seiner fb-Seite erfährt, kann man erkennen, dass dafür eine Nachfrage da ist:

https://www.facebook.com/QuranHeilung?fref=ts

Die Seite hat immerhin 2710 likes.

Eine fb-Gruppe Ruquiaheilung hat fast 10.000 Mitglieder:

https://www.facebook.com/groups/162788603816444/?fref=ts

Nicht alle, die da drin sind, werden das ernst nehmen. Manche werden das sicher als das islamische Gegenstück zu manch bizarrer „westlicher“ Alternativmedizin sehen. Andere aber verfangen sich in dieser Gegenrealität.

Man darf sich also darauf einstellen, dass Personen wie die Dame in grün unter uns sind, die in einem Nichtmuslim entweder Missionierungsobjekt oder den Leibhaftigen sehen.

 

 

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Im „Der Exorzist“ gibt es einen interessanten Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1974, in dem neben der Filmkritik auch Bemerkenswertes zu den damals zumindest noch gelegentlich vorkommenden Handlungen katholischer Priester steht:

„Zuzutrauen wäre ihm das. Exorzismus ist eine Realität von heute — keine Reprise mittelalterlicher Praktiken, auch nicht ein bloßes Kuriosum kirchlicher Subkultur. Was die beiden Jesuitenpatres Lancester Merrin und Damien Karras im Film zelebrieren, ist durchaus kein Phantasieprodukt cleverer Horror-Filmer, sondern ist immer noch Glaube und auch jetzt noch geübte Praxis christlicher Kirchen.

Beweise dafür sind die Aussagen von Theologen und die gefilmten Fälle von Exorzismen, die der Münchner Jesuitenpater Reinhold Iblacker für seine Fernsehdokumentation zusammengetragen hat. Sie wurde am vergangenen Samstag im Dritten Programm von NDR, SFB und Radio Bremen gezeigt.“

Mehr dazu und Hinweise:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41674117.html