Die neue Erbsünde

Ein notwendiger Widerspruch

Nach den Ereignissen von Köln gibt es erbitterte Debatten darüber, wie diese einzuordnen sind. Das eine Extrem wird markiert durch die Pauschalisierung, dass alle Muslime, alle Flüchtlinge, am weitestgehenden alle Ausländer so ein Frauenbild hätten. Man muss kaum erwähnen, dass das Humbug ist. Eine grundsätzlich xenophobe, meist klar rassistische Haltung, da an (bis auf die Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft) Ethnien oder Nationalitäten festgemacht wird, die ein Mensch nicht frei wählen kann. Häufigkeiten von Frauenbildern wegen einer bestimmten zuzuordnenden Sozialisation gibt es trotzdem, das kann man anhand soziologischer Erkenntnisse aus verschiedenen patriarchalen Herkunftsländern festmachen. Die (vernünftige und sachliche) Mitte ist also, klar zu benennen, aber nicht zu pauschalisieren. Das andere Extrem stellt sich durch die Einordnungsversuche dar, dadurch, dass die Taten im Gender-Hintergrundrauschen verschwinden sollen. Das Verhalten der übergriffigen Gruppen wird als qualitativ nichts besonderes dargestellt, denn „deutsche Männer“, ja Männer allgemein seien halt so. Das gipfelt in der Selbstbezichtigung eines jungen Mannes von den Grünen, immerhin Vize in Hamburg, der meinte zur Debatte beitragen zu müssen, dass „alle Männer potenzielle Vergewaltiger“ seien, auch er:

http://www.abendblatt.de/hamburg/article206901503/Gruenen-Vize-Alle-Maenner-sind-potenzielle-Vergewaltiger.html

Das ist entweder banal oder bösartig. Banal, wenn es um die physische Umsetzbarkeit geht. Nur impotente Männer und kleine Jungen sind da außen vor. Ja, Männer sind i.d.R. stärker als Frauen und sie haben einen Penis. Willkommen in der Realität. Bösartig, wenn Gwosdz anderen Männern unterstellt, sie würden sich über die Wünsche von Frauen bei Gelegenheit hinwegsetzen und zwar entindividualisiert und sozialisationsunabhängig in gleicher Weise. Die „Realität“ von Gwosdz ist der Generalverdacht gegen Männer.

Der logische Fehler, dass bei der einen Gruppe Pauschalisierung ganz unzulässig sei, bei einer anderen, viel größeren Gruppe aber völlig akzeptabel, offenbart die intellektuelle Unredlichkeit nur teilweise. Die unredliche Haltung wird dadurch deutlich, dass man Menschen unterschiedlich gewichtet und ihnen im Grunde keine gleichen Rechte (mehr) zusteht unter der Vorspiegelung, genau das abzulehnen. Manche sind gleicher als andere..

Deutlich wird dies u.a. an dem Aufruf

http://ausnahmslos.org/

Für die Verfasserinnen sind nicht nur die Opfer von Köln Opfer, sondern es muss jetzt gleich um alles andere auch gehen – damit die Tätergruppe verschwimmt. Die Schlagrichtung wird noch deutlicher, wenn man weiß, dass die Frau, die die „Aufschrei“-Debatte lostrat, also die völlig belanglose und unwichtige Sache mit Rainer Brüderle in jener Hotelbar, auch hier den Anstoß gab.

 

Das Feindbild ist dort explizit der „weiße, heteronormative Mann“, dessen Neigungen und Taten nicht nur vergleichbar seien. Nein, man spricht ihm pauschal ab, sensibel zu sein. Insbesondere die Einlassungen zu den Medien im Aufruf zeigen auf, wo man hin will: Man will keinen objektiven Blick auf Geschehnisse, sondern den subjektiven Betroffenheitsblick. Medien sollen nicht mehr die Abwägung suchen, sondern sich gemein machen, sie sollen aus der Sicht des Betroffenen seine Sicht der Dinge darstellen. Bemühung um Objektivität war gestern.

Der Aufruf wird u.a. von der Bundesfamilienministerin Schwesig vertreten. Männer scheinen da irgendwie nicht dazuzugehören, zumindest nicht, wenn sie „heteronormativ“ sind. Der normale hiesige Mann ist also im Fokus alleine durch seine physischen Merkmale. Ist der Mann – an den biologischen Realitäten kommen auch Feministinnen nicht vorbei – wenigstens nicht „weiß“, sieht es schon besser aus. Man muss sich wirklich fragen was für eine grundsätzliche Ablehnung dahinter steht, um eine solche Abwertung psychisch kompatibel zu machen. Jeder Mann, der mit den Unterzeichnerinnen zu tun hat, sollte ihnen eigentlich unter die Nase reiben, was für ein unpassendes und fast schon faschistoides Bild sie da von Männern im Allgemeinen und somit auch von ihm haben. Der Mann an und für sich – zumindest, wenn er weiß und „heteronormativ“ ist – als so eine Art Untermensch, als triebgesteuertes Wesen. Männer dürften sich so etwas nicht gefallen lassen. Man hat auch deutlich den Eindruck, dass die Erstunterzeichnerinnen zwar heftig über Männer nachdenken und über sie reden, aber eher weniger mit ihnen. Diese ganzen „Einzelfälle“ an kultivierten, freundlichen und nicht übergriffigen Männern im Umfeld müssten doch eigentlich auffallen… Und erst der eigene: one in a billion… Tut es aber diesen „besseren Menschen“ anscheinend nicht. Petitesse am Rande ist, dass auch angemahnt wird, dass mediale „Berufswege vor allem Menschen mit formal hoher Bildung offen“ stehen. Bildung ist also nicht erforderlich für Medienarbeit. Die richtige Gesinnung reicht, wer muss da schon gebildet sein. Die eigene Betroffenheit reicht. Einordnen können für die Rezipienten fällt dann ohne Bildung, also erweiterten Horizont im besten Falle, auch weg. Da tritt dann neben die Männerverachtung auch die Bildungsverachtung. Alles unnötig, Ballst bei der Darstellung subjektiven Empfindens.

Zu besichtigen ist eine sexistische und rassistische Haltung auch hier:

Frauenfrieden jetzt!

In diesem Aufruf werden auch Pornographie und Prostitution gegeisselt. So sehr Zwangsprostitution zu bekämpfen ist, so sehr sollten die Aufrufenden einmal realisieren, dass die freiwillige Vereinbarung zwischen einer Frau und einem Mann sie wenig angeht. Man kann dafür eintreten, dass Prostituierte eine Krankenversicherung etc. haben. Aber das Gewerbe an sich ist frei. Das ist auch gesellschaftlich gut so. Den Damen scheint es nicht klar, dass es nicht wenige Männer gibt, die „in der freien Wildbahn“ real wenig Chancen haben, ihre Sexualität auszuleben, Behinderte z.B. Will man ihnen – Freiwilligkeit vorausgesetzt – dieses verbieten? Was ist mit Frauen, die Männer zeitweise buchen? Auch scheinen die Damen nicht zu wissen – das sieht man schon bei kurzer Recherche – dass sich nicht wenige Frauen sehr wohl völlig freiwillig, nicht an Geld interessiert und mit Spaß vor Männern ausziehen und noch ganz andere Sachen machen. Es gibt entsprechende Portale für Erwachsene. „Pornographie“ findet längst eher privat organisiert und im Internet statt. Das klassische Bild, dass die Damen im Kopf haben, ist schlicht von vorgestern. Auch das soll verboten werden? Menschen die Freude an ihren Körpern verbieten? Erwachsene in ihrem Privatbereich gängeln?

Manche Vokabel bleibt auch im Nebel der feministischen Gedanken halb stecken: Eine „überall sichtbare Entmenschlichung von Frauen“ bleibt diffus. Ist die Abbildung von Frauen schon „Entmenschlichung“? Werden auch Männer in der Rasierwasser-Werbung „entmenschlicht“? Fragen über Fragen. Das gipfelt in der Darstellung „Trotzdem sind ALLE Frauen in der einen oder anderen Form von Diskriminierung und Sexismus betroffen.“

Dem ist deutlich zu widersprechen. Frauen sind nicht das genuine Opfer. Nicht mehr in der Breite in *dieser* Gesellschaft. Das ist auch gut so, aber jetzt schiesst man über das Ziel, Gleichberechtigung etc. hinaus. Schon die Sprachregelungen und -kosmetiken sind völlig unnötige und dekadente Problembeschaffungsmaßnahmen. Diese Opferzuweisung nervt nicht nur, sie ist auch falsch. Dieser Aufruf macht klar, dass alle Männer Täter seien. Es ist eine bizarre Nischenmeinung, dass alle Frauen Opfer und alle Männer Täter seien. Auch Frauen sprechen und handeln übrigens sexistisch nach deren Definition. Die Verfasserinnen dieses Aufrufs sogar explizit. Der Umstand, dass wir biologisch in zwei Geschlechter fallen, kann die Verfasserinnen noch so sehr stören; ihre Sichten werden daran wenig ändern (das ist auch gut so). Es ist wenig zielführend, wenn sie auch allen anderen Menschen die Freude am jeweiligen Geschlecht vermiesen und diese Leibfeindlichkeit und Verbissenheit auch noch für Feminismus verkaufen. Nein: Feminismus will Gleichberechtigung. Nicht mehr, nicht weniger. Der Mann ist Partner, ein Kamerad, nicht Untertan und nicht Untermensch.

Das bislang charakterlich minderwertigste und unanständigste von Journalistinnenseite ist jedoch dieser Artikel im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-den-uebergriffen-in-koeln-warum-habt-ihr-keinen-respekt/12810330.html

Die beiden Autorinnen stellen zunächst scheinheilig darauf ab, es ginge niemandem um die Opfer. Nur um dann selbst eben diesen Opfern zu unterstellen:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Das ist der Geist, aus dem Rotherham gemacht ist.

Im Grunde zielt all das darauf ab, den Mann an und für sich unter dem Deckmantel eines überbordenden Feminismus abzuwerten. Es geht um Macht. Um die, zu definieren, für manche auch um politische Macht und um Fördergelder. Es geht darum, die Idee von der Erbsünde gesellschaftsfähig zu machen und zwar die des weißen heteronormativen Mannes. Frauen sind ohne Sünde, Personen, die eine andere sexuelle Orientierung haben, auch und erst recht alle, die „nicht weiß“ sind. Weil der „weiße, heteronormative Mann“ der Feind ist, da er an der (oder noch zu viel) Macht gewähnt wird, gibt es seltsame Allianzen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und so tun sich Feministinnen mit Gruppierungen zusammen, die ebenfalls als marginalisiert wahrgenommen werden.

Bei all dem Aktionismus fällt kaum auf, dass manches „Victim Blaming“, also die Zuordnung der Verantwortung für sexuelle Übergriffe beim Opfer fester Bestandteil der Ideologie von „Mitstreitern“ ist. Was dem christlichen Konservativen der Minirock ist, ist dem islamischen Konservativen das nicht getragene Kopftuch. Eine anständige Frau bedeckt sich. Alles andere ist irgendwie Schlampe und daher vielleicht nicht legitimes Opfer, aber doch möglicherweise irgendwie selbst schuld.

Über all diese Dinge denkt man jedoch nicht nach, weil es gegen den gemeinsamen Feind gemeinsam so bequem ist. Sexualfeindlichkeit wird als Anti-Sexismus umgedeutet. Rassistische Inhalte werden durch andere ersetzt, deren Inhalt nur deshalb nicht angemahnt wird, weil er gegen eine Mehrheit gerichtet ist. Läuft.

Das wird diesen „Super-Feministinnen“, den einzig echten wahren selbstempfundenen, noch, das ist absehbar, vor die Füsse fallen. Ein nicht sexistischer und nicht rassistischer Diskurs, eine Bewegung kann daher nur unter Einbindung der freundlichen, nicht sexistischen Männer gelingen. Ob sie weiß sind und mit wem sie ins Bett gehen, darf keine Rolle spielen. Die Haltung dieser Männer zählt, sonst nichts. Wie bei jeder Bewegung für Frauen jemals zuvor. Emanzipation kann nur gelingen MIT den Männern, nicht gegen sie. Die Linie ist zwischen den menschenfeindlichen, übergriffigen Männern und der Gesellschaft zu ziehen, nicht zwischen Männern und Frauen.

Krasse Feiertage

Salafistische Prediger und Vordenker legen großen Wert darauf, dass insbesondere Konvertiten übliche Feiertage nicht bei und mit ihren Familien verbringen. Das ist Teil der strategischen sozialen Isolation, um aus familiärer Bindung und feiertäglicher Ruhe und Gesprächen nicht eine Umkehr auf dem fundamentalistischen Weg werden zu lassen. Diese Methode der sozialen Isolation ist bekannt von vielen Sekten und äußerst effektiv: Wenn es dem Menschen schlecht geht oder er einsam ist, findet er nur noch „Brüder“ im sozialen Nahfeld vor. Das ist die mitunter tödliche, feste Umarmung des Totalitarismus. Eines der ersten Opfer ist die familiäre, die menschliche Bindung.

Ostern, Weihnachten und Silvester sollen also nicht gefeiert werden, weswegen man gerne „Alternativen“ anbietet. Seminare, Treffen, gemeinsame Aktionen.

Damit es nicht allzu offensichtlich ist, wird das verschieden begründet. Einige Highlights:

 

Abula Baraa macht klar, dass man seiner Ansicht nach nicht mit am Tisch sitzen darf, wenn Alkohol getrunken wird. Dass man keine Geschenke kaufen darf. Und dass sich ihre Identität aus der Religion ableite (etwas, was er auch Christen unterstellt). Kompromisse seien nicht statthaft, denn das Wort Allahs sei nicht abänderbar oder Gegenstand von Kompromissen. Immerhin schlägt er vor, den Eltern ein anderes Angebot zu machen und an anderen Tagen „etwas Schönes mit ihnen zu unternehmen“).

 

Abdellatif Rouali rät ab, da man bei der Teilnahme an Weihnachtsfeiern als Ungläubiger stürbe.

 

Abou Nagie sieht in der Teilnahme an Weihnachtsfeiern „Shirk“ (Beigesellung, Götzendienst). Das führe direkt in die Hölle, meint er. Auch der frohe Weihnachtswunsch ist verboten, der Besuch bei den Eltern ebenfalls, s.o.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schirk

 

Pierre Vogel ist der gleichen Meinung. Man beachte die vielen dicken Bücher, in denen sich Deutungen, Interpretationen und Erläuterungen befinden (so ähnlich wie Gesetz und Kommentare im Juristischen).

 

Abdel Adhim Camous bekundet, dass die Teilnahme generell von den Gelehrten abgelehnt werde. Unterschiedlich werde der Weihnachtsgruß bewertet, der von manchen gebilligt werde.

 

Marcel Krass erklärt Silvester so: Es ist erstens ein Geburtstag. Und zweitens der eines christlichen Papstes. Doppelt verboten und daher nach Krass´Einschätzung „schlimmer als Mord“.
[Nebenbei meint er, dass „dieses Land in den letzten 50 Jahren in ein totales Chaos verwandelt wurde von den Kuffar…]

Abu Dujana:sieht den „Zorn Allahs“ bei Silvester-Feiern insbesondere in den Kirchen herabregnen.

Diese illustre Gesellschaft ist sich also einig: Weihnachtsfeiern und -grüße führen in das persönliche Verderben. Sollte man eindeutig nicht machen. Am besten man ignoriert das oder verbringt die Feiertage in der Gesellschaft der Brüder, um den Glauben zu bestärken.