Prävention, Jugendarbeit: Insan e.V.

Konkurrenz für das Violence Prevention Network e.V. (VPN)?

Über das ganze Land verteilt entstehen derzeit Institutionen, die sich dem wachsenden Bedarf an Präventionsdienstleistungen und Jugendarbeit widmen wollen. Das ist an sich in Ordnung, wenn bestimmte Standards eingehalten werden. Da wegen mangelnder Evaluationen im Bereich Islamismus-Bekämpfung derzeit aber noch wenig belegbar ist, ob und welche Konzepte tatsächlich zu einer Veränderung problematischer Haltungen führen, werden vom Bund und in den Bundesländern verschiedene Handlungsstränge verfolgt. Oftmals herrscht ein regelrechter Wildwuchs, da zwar einiges an Mitteln ausgeschüttet wird (was u.a. politische Tatkraft beweisen soll), aber nicht selten wenig Vorgaben jenseits der Formalien und sehr allgemein gehaltener Förderleitlinien bestehen. Vergaben erfolgen manchmal nicht nach der sachlichen Sinnhaftigkeit könnte man meinen, sondern nach Kriterien, die manchesmal interessengeleitet erscheinen. Anders ist es kaum zu erklären, dass für relative Wellness-Projekte wie das Projekt „Doppeleinhorn“* Gelder aus Mitteln eines Bundesprogrammes vergeben werden, die in der Höhe fast schon die dringend benötigte Beratungsstelle in Hildesheim eines seriösen Trägers ermöglichten. Diese aber wird – so war bis vor drei Tagen, s.u., der letzte Sachstand – keine Mittel erhalten, weil man, ja, auch für… merkwürdige … Sachen wie das „Doppeleinhorn“ leider schon alles aufbrauchte…

Diese leichte Unordnung, die bis an fehlgeleiteten Aktionismus reicht, führt dazu, dass sich mancher berufen fühlt, auch solche Dienstleistungen anzubieten. Schließlich werden – sobald ein Masterplan da ist oder sich in mancher Evaluation auch erweisen sollte, dass man wenig bewirkte – manche Geldquellen versiegen. Carpe diem!

Bei manchen Projekten, s.o., kann man schon vor solchen Dingen wie Evaluation oder auch nur ordentlichen Zahlen seine Zweifel an der Sinnhaftigkeit haben. Nett. Aber oft auch nur das. Manche sind auch vom Konzept her gar nicht evaluierbar: Ich werkle, also bin ich. Bei anderen Projekten hingegen muss man Zweifel an der Haltung der ausführenden Akteure haben. Mission unter dem Deckmantel der Prävention, öffentlich honoriert, erscheint manchem als wunderbarer Plan, das Angenehme mit dem (für sich) Nützlichen zu verbinden.

Ein noch ganz junger Verein, er ist keine zwei Monate alt, möchte nun auch Jugendarbeit anbieten:

In diesem Kontext wollen wir als Insan e. V. einen wichtigen und notwendigen Beitrag in der Jugendarbeit leisten. Die Jugendlichen sollen bei ihrer sozialen und individuellen Entwicklung, Integration und Partizipation in die Gesellschaft unterstützt werden. Es sollen Grundlagen geschaffen werden, die die individuelle und soziale Entwicklung der Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gesellschaftsfähigen Persönlichkeit fördern. Durch Verständigung, Dialog und Förderung eines sozialen Miteinanders sollen Unterschiede respektiert, Isolation aufgehoben und Gemeinsames gefördert werden. Die Jugendarbeit wird nach demokratischen Grundsätzen basierend auf die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland verwirklicht. Im Rahmen der außerschulischen Jugendarbeit und Jugendbildung sollen Lern- und Bildungsprozesse in diversen Lernorten und -formen stattfinden. Das Bildungs- und Lernfeld gestaltet sich in Form von Lesezirkeln, Gesprächsrunden, Vortragsveranstaltungen, Workshops, Seminaren, Exkursionen, Studienreisen oder freizeitpädagogischen Aktivitäten. Dadurch soll u. a. eine aktive Sozialisierung und gesellschaftliche Eingliederung verwirklicht werden.

https://www.facebook.com/insanev2017/

Der Verein hat nach Vereinsregister seinen Sitz in Frankfurt, im „Gepidenforum 12“ ist dort verzeichnet. Das ist in Unterliederbach.

Die zugehörende, noch ziemlich leere Internet-Seite ist hingegen auf einen jungen Mann aus Langen angemeldet:

http://www.insanev.de/

 

Quelle: denic, Abruf 06.08.2017

 

Wer aber steht nun hinter Insan e. V.? Weiterlesen

Wer braucht schon Belege?

Über einen Meinungsartikel in der aktuellen Süddeutschen Zeitung zu VPN

In der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Artikel, in dem auf die Vorgänge um den hessischen Präventionsdienstleister Violence Prevention Network (VPN) vom Februar und März eingegangen wird. Wie die Journalistin Özlem Gezer, die für den Spiegel arbeitet (siehe dazu Beitrag „In eigener Sache“ auf diesem blog), gehört die für den Beitrag allein verantwortlich zeichnende Journalistin Dunja Ramadan wohl zum Netzwerk der „Neuen Deutschen Medienmacher“, was einige interessante zusätzliche Fragen aufwirft. Gemein ist beiden Beiträgen, dass die, die die Suspendierungen aussprachen, nicht breiter im Artikel zu Wort kommen zu den Ursachen der Suspendierung. Es gab eine sehr schmale Mitteilung zur Aufhebung der Suspendierung, die hier wieder bemüht wurde dem Anschein nach. Es liegen also keine neuen Statements des hessischen Innenministeriums oder des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz vor. Stattdessen wird über deren Beweggründe öffentlich spekuliert, über deren „Glauben“ sinniert. Warum fragten sie nicht einfach nach? Warum schaffen es zwei Journalistinnen nicht, von den eigentlich Handelnden Stellungnahmen zu erhalten? Wurde da überhaupt nachgefragt?

Der Beitrag:

http://www.sueddeutsche.de/politik/islamismus-grosser-bullshit-1.3616942

Leider stehen in dem Artikel einige nachweislich unwahre und verzerrende Inhalte, teilweise explizite Unwahrheiten zum Ablauf. Dieser Beitrag geht auf eine Anfrage von Frau Ramadan vom 9. März dieses Jahres (!) zurück, das ist also nichts aktuelles. Darauf wird jedoch interessanterweise nicht hingewiesen

In dem Beitrag machen im Prinzip die Dienstleister VPN, vertreten im Artikel durch die Mitarbeiter, und auch Wegweiser (Dr. Michael Kiefer) mobil gegen die Zuwendungsgeber im Allgemeinen, die berechtigte und belegte Vorbehalte oder bekannt gewordene Probleme anscheinend gar nicht mehr prüfen sollen. Deren, also die von Innenministerium und Verfassungsschutz, Handlung auf belegte Hinweise von mir, aber auch – konkret auslösend – Nachfragen vom HR, wird mit dem Beitrag grundsätzlich angegriffen. Das ist ungefähr so, als würden Hersteller die Kunden angehen, weil sie sich die Ökotest kaufen und lesen. Sowohl der Herr Kiefer, gleich mit mehreren Vereinen/Projekten (Mehrfachbezüge?) am Start in Sachen Präventionsdienstleistung, als auch VPN erhalten öffentliche Gelder in erheblicher Höhe. Öffentliche Gelder, hinsichtlich deren Verwendung und zur konkreten Umsetzung vor allem Meinung wichtig ist, denn eine Evaluation fehlt meiner Kenntnis nach sowohl bei Wegweiser als auch bei VPN im Bereich Islamismus. Kritik stört da im Allgemeinen, denn die öffentlichen Auftraggeber müssen sich für Zuwendungen rechtfertigen. Die Vereine, in denen Kiefer aktiv ist, sind in der BAG, s.u. vertreten. Die BAG vertritt nach Angabe von Herrn Mücke neulich, jeden, der öffentliche Förderung erhält. Dass darunter Strukturen sind, die der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind, scheint da weder Kiefer noch Mücke zu stören. VPN hat bundesweit im niedrigen dreistelligen Bereich vor allem Angehörige und das soziale Umfeld von islamistisch radikalisierten Personen beraten. Die im Artikel genannte Zahl „900“ umfasst die ganzen Personen aus dem rechtsradikalen Spektrum mit, die weit überwiegt (vielleicht 750 zu 150 nach meiner Schätzung – mit konkreten Zahlen hat es VPN ja nicht so sehr), aber aufgeführt wird, um die Betätigung breiter aussehen zu lassen. Die Verdienste von VPN im Bereich Rechtsradikalismus sind hier explizit nicht Thema (da sie da auch teilweise evaluiert sind, kann man da sagen, dass das in Ordnung ist. Da das Konzept aber einfach, obwohl es so nicht übertragbar erscheint, übertragen wurde auf den neuen Geschäftsbereich, muss man da fragen dürfen).

Im hessischen Verfassungsschutz sitzen also nach SZ Leute, die keinerlei Ahnung haben, einfach im luftleeren Raum agieren und auch im hessischen Innenministerium entscheidet man nach „Glauben“? Spätestens hier, nach Kiefers Vorwurf, hätte man eine umfangreichere Stellungnahme einholen müssen als die dürre Meldung vom März. Weiterlesen

In eigener Sache

Im aktuellen Spiegel gibt es einen Artikel zum Thema „Violence Prevention Network“. In diesem Artikel werde auch ich erwähnt. Wegen der Darstellung möchte ich zu den Ausführungen im Spiegel Stellung nehmen. Das Gespräch mit Frau Gezer hatte ich am 23.03.2017 unter der Maßgabe geführt, dass mir Autorisierung zugesagt wurde. Frau Gezer hat sich nicht an unsere Vereinbarung gehalten. Insofern soll dieser Beitrag dazu dienen, die abgedruckte Meinung und die Behauptungen aus dem Artikel aus meiner Sicht einzuordnen.

Zitate aus dem Spiegel kursiv.

Den Blogeintrag hatte Sigrid Herrmann-Marschall geschrieben. Çelik nennt die Frau nur „Siggi“, sie bezeichnet sich selbst als Islamismusexpertin, hält Vorträge zum Thema Salafismus und betreibt ein Blog mit dem Namen „Vorwärts und nicht vergessen“. Sie ist der Typ Mensch, den man seit einiger Zeit unter dem Begriff „besorgter Bürger“ kennt.

Frau Gezer versäumt zu erwähnen, dass ich am Hessischen Kultusministerium als Dozentin akkreditiert bin für Fortbildungen. Es ist erstaunlich, dass einem sogar die Sorge um die Gesellschaft negativ ausgelegt wird (dass einem z.B. auch die muslimischen Jugendlichen nicht egal sind und wo sie hingehen). Wegen meines sozialen Engagements bin ich seit über zwei Jahrzehnten in der SPD und habe da auf vielerlei Ebenen mitgewirkt. Frau Gezer versucht mit dieser Titulierung anscheinend, mich wahrheitswidrig in einer rechten Ecke zu verorten. Ich werde von Institutionen beauftragt, aber halte auch Vorträge bei konservativen bis linken Organisationen und Gruppen. Ich weise diese Bezeichnung daher als bewußt ehrverletzend zurück.

Sie verabredet sich zum Gespräch am Frankfurter Hauptbahnhof, sitzt bei Burger King und bestellt einen Doppel-Whopper und eine Cola light. Sie ist eine groß gewachsene Frau Anfang fünfzig, trägt rotes Haar und hat lange, lackierte Fingernägel. Sie wischt über ihr Telefon und sagt, es sei ein sehr spannender Tag heute. Sie zitiert aus Meldungen, die „gerade bei ihr einlaufen“ über einen Verein, der verboten wurde und auf den sie die Staatsschützer schon „lange vorher“ aufmerksam gemacht habe.,“

Ich habe das noch nicht als Teil des journalistischen Gesprächs, das sich nur um VPN drehen sollte, eingeordnet. Ich bin erstaunt, das jetzt im Spiegel zu lesen. Das war auf dem Weg zu einem Sitzplatz erzählt, ebenso wie sie ein wenig von sich erzählte.

An dem Tag des Gesprächs war der Al Madina Verein in Kassel verboten worden, ich kam gerade aus Wiesbaden (das zum Ort). Ich habe definitiv nicht gesagt, dass ich „die Staatsschützer auf diesen Verein aufmerksam gemacht“ hätte, weil das nicht zutrifft. Ich habe vielmehr einen blogbeitrag dazu geschrieben, der hier auf dem blog öffentlich ist. Nur darauf habe ich verwiesen. Die Information des Staatsschutzes zu diesem Verein ist von Frau Gezer erfunden.

Auf den Verein der Frau, die für Çeliks Team arbeitet, habe sie bereits letzten Sommer hingewiesen. Wenn man ihr entgegnet, dass Dialog mit Extremisten nützlich sein kann, sagt sie: Da halte ich nichts von.

An dieser Stelle habe ich auf die hier auf dem blog vorliegenden Belege hingewiesen, z.B. hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/04/22/darmstadt-gruppenbild-mit-ciftci/

Dass das eben kein Dialog mit Extremisten gewesen sei, der dazu diente, diese Extremisten zu überzeugen oder sich über die von ihnen verbreiteten Narrative zu informieren, sondern vielmehr diese Extremisten von den VPN-Mitarbeitern eben nicht als Extremisten gesehen wurden, wurde eingehend und unter fachüblicher konkreter Benennung der Gruppen und Akteure besprochen. Sogar Thomas Mücke hatte ja in einem späteren Interview eingeräumt, die jungen Leute seien hereingefallen. Auch er hält wohl mittlerweile den „Dialog“ (das waren langfristige gemeinsame Veranstaltungsplanungen im einen Fall) mit diesen Extremisten nicht für nützlich, sonst hätte er – sofern er korrekt zitiert wurde – nicht das Wort „hereingefallen“ gewählt:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-03/islamistischer-extremismus-radiklaisierung-deutschland-praevention/seite-2

Sie hält überhaupt wenig von Hakan Çeliks Team, und deshalb war es eigentlich logisch, dass sie da genauer hinsehen musste.

Klare Verdrehung.

Ich schrieb ihr schon vor dem Gesprächstermin in einer mail am 18.03. – die mail bekam sie nachweislich auch, weil sie darauf antwortete. Aus meiner mail:

„Es tut mir auch leid um die guten Mitarbeiter. Aber mehr leid tun mir die anderen [gemeint waren die getäuschten Mädchen, die zu dem Frauenverein hingingen, SHM]  Das sind immer Abwägungen.“

Ich habe gesagt, dass das Konzept meiner Ansicht nach nicht trägt und auch erläutert, warum. Frau Gezer habe ich auch die Problematik von „Islam auf deutsch“ kurz erläutert. Ich habe weiterhin erläutert, dass ich durch den Hinweis einer Kollegin auf die Sache aufmerksam wurde, die von einer Veranstaltung mit den beiden Suspendierten gehört hatte. Ich hatte auch gesagt, dass ich mir u.a. wegen eines möglichen Buchprojekts, die Präventionsmaßnahmen über die Länder ansehe (dass ich auch zu anderen Projekten kritische, aber andere konkretisierte Anmerkungen schon öffentlich gemacht habe, ist Frau Gezer ebenfalls entgangen). Ich hatte ja explizit s.o. angemerkt, dass es mir um die etlichen guten Mitarbeiter von VPN leid tue, dass ich es aber für eine falsche Entscheidung halte, sich so zu positionieren.

Sehr schnell geriet dann auch Çeliks Familienminister Talha Taşkınsoy in Siggis Visier und damit in ihr Blog. Er war nach Abu Dhabi zu einer Friedenskonferenz geflogen, hatte Bilder davon auf seinem Facebook-Account hochgeladen und Prediger „geliebte Gelehrte“ genannt. Geliebte Gelehrte? Prediger? Davon hält Sigrid Herrmann-Marschall nichts.“ Weiterlesen

VPN: Das Heft des Handelns

Suspendierte Mitarbeiterin wirkt weiter für das Violence Prevention Network (VPN)

Ein Kommentar

Vor drei Wochen wurde bekannt, dass zwei Mitarbeiter von VPN durch das hessische Innenministerium suspendiert wurden:

http://hessenschau.de/gesellschaft/mitarbeiter-von-beratungsstelle-gegen-radikalisierung-suspendiert,verfassungsschutz-beratungsmitarbeiter-extremismus-100.html

Heute nun meldete HR info, dass die Mitarbeiterin aus Darmstadt seit einigen Tagen wieder für VPN Präventionsaufgaben wahrnehme. Eilig betrachtet – und so wird es VPN für sich vermarkten meiner Meinung nach – könnte man darin eine Entwarnung sehen. Doch wie ist der Ablauf nun jenseits des Marketings zu betrachten, schon von außen?

VPN hatte sich auch aktuell öffentlich vor die Mitarbeiterin gestellt, nachdem bekannt wurde, dass es wegen der Betätigungen u.a. der Mitarbeiterin Sicherheitsüberprüfungen bei allen Mitarbeitern geben werde. Das geschah vor dem Hintergrund, dass allen – die Vorhalte waren seit fast einem Jahr öffentlich verfügbar, weil auch die Betätigungen öffentlich verfügbar waren – Akteuren, also wohl auch VPN, die Vorhalte seit einem Jahr bekannt waren.

VPN hat – Kenntnis darf angenommen werden (ich lasse mich da aber auch eines Besseren belehren) – es in diesen Monaten nicht für nötig befunden, sich von einer Mitarbeiterin zu trennen, die nicht nur Kontakte hatte, sondern gemeinsame Programme machte mit anderen Frauen, die von einem Verein kommen, der wohl unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Frauen, die den Verein also besuchten, wurden Ultra-Hardlinerinnen ausgesetzt, ohne dass davor gewarnt wurde etc. Vielmehr wurde das alles als Programm eben jenes Frauenvereins öffentlich propagiert. Eine unbedarfte Frau konnte die Treffen für normale Betätigungen halten, es konnte also in verfassungsschutzrelevante fundamentalistische Kreise geraten werden. Mehr noch, es fand ein Wochenende gemeinsam mit den Hardlinerinnen statt in einer bundesweit bekannten Einrichtung der Muslimbruderschaft, die regelmäßig in Verfassungsschutzberichten auftaucht. Es war eine allgemeine Einladung, ohne Warnung etc. Man kann daraus schließen, dass die betroffene Mitarbeiterin also diese Einrichtung für unproblematisch hält. Das lässt entweder an ihrem Urteil zweifeln (nähme man dies an, so hätte sie es nicht einmal für nötig befunden selber die Verfassungsschutzberichte zu lesen – und so jemand soll anderen etwas beibringen?) oder sie findet das alles so gut, hält das für eben normale muslimische Betätigungen und eine normale muslimische Einrichtung. Dann allerdings ist sie eine Vertreterin des politischen Islams. Und die Verantwortlichen von VPN halten den Extremismus bis hin in diese Handlungen anscheinend für unproblematisch. Zumindest für so unproblematisch (als säkularer Träger!), dass man solche Personen weiter für sich arbeiten lässt. Vielleicht weil man – konzeptionell – eben eher auf Gewaltphänomene fixiert ist und zu legalistischem und auch salafistischem Islamismus, anscheinend so lange er nicht gewaltbereit auftritt, eine Haltung hat, die sich von der des Verfassungsschutzes letztlich unterscheidet.

All die Betätigungen der suspendierten Mitarbeiter sind Handlungen, die man unter Verfassungsschutzaspekten sehr kritisch sehen sollte.

Das rechtliche Problem ist nun die Zwischenschaltung von VPN. Weiterlesen

Bin Bayya: Texte, Aussagen

In den letzten Tagen wurde im Zusammenhang mit den Vorkommnissen rund um das Violence Prevention Network (VPN) häufiger der Name Abdallah bin Bayya genannt.

Wie in den Beiträgen Friede auf Erden Teil I-III dargelegt,

https://vunv1863.wordpress.com/2016/12/26/friede-auf-erden/

https://vunv1863.wordpress.com/2016/12/27/friede-auf-erden-2/

https://vunv1863.wordpress.com/2017/03/02/friede-auf-erden-3/

handelt es sich bei dem Herrn bin Bayyah keineswegs um die freundlich scheinende und harmlose Figur, als die er von seinen Befürwortern seit einigen Jahren vor allem einem „westlichen“ Publikum verkauft wird. Hinter das werbetaugliche Bild zu schauen, scheint manchem nicht einfach. Viele der Texte und Aussagen stehen einer eigenen Prüfung jedoch zur Verfügung, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Auf den Seiten des hier auch schon häufiger erwähnten Projekts „safer spaces“ des Zentralrats der Muslime Deutschlands (ZMD) z.B. fand sich bis vor einiger Zeit eine kleine Texte-Sammlung des bin Bayyah.

Diese Texte wurden mittlerweile gelöscht. Mehr noch, die Seite wurde aktiv gegen Crawler geschützt. Diese Vorgehensweise dient dazu, keine automatisierten web-Kopien mehr erstellen zu lassen, also das webarchiv hinsichtlich dieser Seite nutzlos zu machen. Das dient z.B. dazu, dass man Dinge einstellen und auch wieder entfernen kann, ohne dass hinterher im webarchiv Belege zu finden wären. Dann kann man munter (z.B. anwaltlich) behaupten, eigentlich habe das nie existiert. Solche Manöver, die klar gegen Transparenz, gegen Verlässlichkeit und Nachprüfbarkeit gerichtet sind, muss auch die journalistische Zunft schon aus Eigenschutz in Zukunft beachten.

Deswegen hier erst einmal jene Texte bin Bayyahs, die man zur öffentlichen Kenntnisnahme empfehlen kann und die ein Bild abgeben über die kürzlich noch propagierte Linie des ZMD. Dieses Bild kann man sich selber machen, denn die Texte wurden vom ZMD* auf deutsch eingestellt. Darin wird eigentlich – verborgen in viel Text – so ziemlich alles abgelehnt, was freie, westliche Gesellschaften ausmacht. Die folgenden Punkte sind grob sinngemäß zusammengefasst, man lese das besser im Original. Die Frau hat mindere Rechte (S. 21, er meint z.B., sie brauche einen wali, einen Vormund). Identität wahren, Frieden gilt im Prinzip nur, wenn Mission erfolgen kann, „westliche“ Länder sind NICHT das „Haus des Friedens“, sondern des Friedensvertrages, d.h. widerruflich und an Bedingungen geknüpft (17 ff., Krieg als letzter Ausweg). Straftaten vermeiden, nicht weil die Gesetze gut wären und mögliche Taten allgemein schlecht, sondern als Mindestansatz um zu vermeiden, dass man so in den demütigenden Zustand kommen kann, von einem Nichtmuslim eingesperrt zu werden (man beachte welche Wertigkeit, S. 21). Wählen und Nichtwählen in einem nichtmuslimischen Land seien gleich schlimm. Man solle als Muslime sich vereinen und politische Blöcke bilden (S. 24 f). Hier die Quelle, eine webkopie für Dokumentationszwecke:

Safer spaces bin Bayya 161225

Die Vorgehensweise, eigene Inhalte zu löschen, ist prinzipiell nicht untypisch für Organisationen, die eben nicht langfristig verläßlich arbeiten und Transparenz herstellen wollen (bei nachweislich falschen Inhalten durchaus statthaft, mit Hinweis ist das ja auch kein Problem, dann ändert man halt oder macht einen Zusatz). Die Pseudo-Transparenz endet bei so einigen Akteuren und Organisationen nämlich genau da, wo es um problematische Inhalte geht, selbst wenn sie völlig korrekt dargestellt werden bzw. Eigenauskünften entstammen. Wahr soll nur sein, was nützlich ist und der eigenen Legende nebst Agenda dient, könnte man den Eindruck haben.

Schon diese Aussagen oben bin Bayyahs werfen n.m.M. ein deutliches Licht darauf, was bin Bayyah-Anhänger anstreben: Die Vereinigung als Muslime, eine Ummah, eine identitäre Strömung, die über vordergründige Freundlichkeit politische Macht anvisiert und der natürlich rote Linien, die vom Verfassungsschutz gezogen werden, der ultimative Dorn im Auge sind. So versucht man, über politisches Handeln, das religiös daherkommt, rote Linien zu verschieben, indem man die rote Linie – zunächst – nur zwischen sich und allenfalls den Jihadisten einräumt. Alles andere soll gut und statthaft sein. Man versucht, das eigene Problem, das oft genug kein inhaltliches, sondern nur eines von außen ist oder eines von Strömungen, zu dem der Politik zu machen. Die soll eine rote Linie dort ziehen, wo es den Anhängern und Unterstützern u.a. der bin Bayyah-Propaganda nützlich ist: Zwischen politischen Akteuren und dem Verfassungsschutz also (das gelang schon mancherorts). Die aktuell nächste Eskalationsstufe dieser Strategie zeichnet sich schon deutlich ab und ist auch bereits organisiert.

Um so wichtiger ist es deshalb, die langfristige Linie zu erkennen. Über bin Bayyah aus Weiterlesen

Das sichere Gespür für die falsche Seite

Befremdliche Analogien

Als vor einigen Monaten der Deutsch-islamische Vereinsverband e.V. (DIV) aus der Förderung durch das Bundesfamilienministerium in die Beobachtung durch den hessischen Verfassungsschutz kam, gab es im Vorfeld schon – begleitend – allerlei kirchliche Stellungnahmen. Schließlich saß man gemeinsam in Gremien. Die obersten Vertreter der katholischen und evangelischen Stadtkirchen, Dr. Joachim Valentin und Dr. Achim Knecht, hatten sich jeweils positioniert*. Auf der Seite derer, die dann wegen mutmaßlicher Betätigungen gegen die FDGO oder die Völkerverständigung unter Beobachtung kamen. Die Bekannten aus den jahrelangen Dialogrunden mochte man jedoch nicht unter diesem Aspekt sehen. Dass sie sich – Janus lässt grüßen – vielleicht andernorts anders äußern könnten als am Dialogtisch und ihnen gegenüber, erschien den Herren ganz abwegig. Nein, so scheint da die Haltung auf, sie sind so als Menschen prinzipiell nicht täuschbar, nicht durch sich selbst und auch nicht durch andere.
Die Seite des Bösen hingegen hatte man aber schnell und beherzt ausgemacht. Die, die Transparenz wollten, die wissen wollten, die, die auch andernorts zuhörten oder einfach nachgeschaut hatten. Ergebnisoffen. Also Medien, Verfassungsschutz und Innenministerium. Fein abgestuft konnte so chronologisch ein ganzes Spektrum an Valentinschen Stellungnahmen verfolgt werden, das immer nur knapp dem aktuellen Kenntnisstand entsprach, diesen rechtfertigte, aber jedweden weiteren Aufklärungsbedarf als abwegig, unnötig, gar unverschämt diffamierte. Denn Gut und Böse waren schon vordefiniert und da gibt es für manche kein Vertun. Denken sie oder geben sie vor. Bis zum nächsten Mal. Einige wunderbare und farbige Beispiele katholischer Salami-Taktik finden sich hier:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/09/04/der-pudel-im-saeurebad/

Die evangelische Seite:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/10/15/uneingeschraenkte-solidaritaet-ii/

Wer nun denkt, dass Menschen ja zwar fehlbar sind, aber doch vielleicht lernen könnten aus eigenen und belegten Fehleinschätzungen der Vergangenheit, der irrt leider bei so manchem Protagonisten. Manche sind so überzeigt davon, welche Seite die unzweifelhaft richtige sein muss, dass sie es nicht auf einen genauen Blick ankommen lassen. Die Seite, die den Glauben so im Allgemeinen vertritt, die muss immer und prinzipiell die richtige sein und richtig liegen. Auch ohne Belege auf immerdar. Amen.

So grob, pauschal und kenntnislos ist das dem Anschein nach, wenn einfach Inhalte geteilt werden, ohne sich zu vergewissern. Wohl dem, der so wenig am eigenen Urteil zweifelt, dass er keine Belege mehr braucht als das Wort des Bruders im Geiste: Ohne die Belege anzuschauen oder auch nur eines Blickes zu würdigen. Manche wollen es dann halt nicht anders, als dass man ihnen mehr und mehr Belege bringt. Im Gegensatz zu einigen sind andere nämlich durchaus von Belegen zu überzeugen. Im aktuellen Fall zumindest das hessische Innenministerium. Auch ist der Herr Taskinsoy, eine der Personen aus dem Verein „Islam auf deutsch“ und Betroffener der aktuellen Maßnahmen beim Violence Prevention Network, s.d. ein Ratsmitglied mit Dr. Valentin im Frankfurter Rat der Religionen . Das verbindet anscheinend.

Diesen facebook-Eintrag des Herrn Aslan teilt gegenwärtig Dr. Valentin:
valentin-vpn-2-170227
Bei dem Text handelt es sich um einen Text, der von dem Herrn Serdar Aslan, einem Vereinskollegen im Verein „Islam auf deutsch“ verschiedener VPN-Mitarbeiter erstellt wurde. Dass da durchaus eine fragwürdige Position zum Vorgang an sich bezogen wurde, auf die fraglichen Kritikpunkte nicht eingegangen wird, scheint Dr. Valentin, immerhin Islambeauftragter des Bistums Limburg, nicht zu stören. Er glaubt einfach, dass der Bruder im Geiste schon richtig liegen müsse (was ja durchaus sein kann – aber die aktuelle Beleglage lässt anderes ahnen). Mit dem Text teilt er auch das Bild von Abdallah bin Bayyah auf seiner facebook-Seite und macht sich damit die Unterstützung in der Sache, die bei Aslan vielleicht noch aus Loyalitätsgründen zu Vereinskollegen herleitbar ist, inhaltlich zu Eigen. Die Finanzierung der Konferenz von bin Bayyah wird derzeit immerhin auch auf die Finanzströme geprüft. Vermutet wird, so VPN auf seiner Internetseite, ob das Geld für die Konferenz und damit möglicherweise auch für Reisekosten, Unterkunft (wenn man es so deuten kann) etc. gar aus extremistischen Quellen stammen könnte. Das ist ja auch gegen bin Bayyah, gegen der schon spricht, dass er die Hamas unterstützt, ein ganz erheblicher weiterer Vorwurf. Das alles ficht nur dann nicht an, wenn man das bin Bayyah-Marketing für bare Münze nimmt, das – eingeräumt – dem ersten Blick standhält. Von Personen, die in dem Bereich beruflich beschäftigt sind, darf man jedoch eigentlich einen zweiten und genaueren Blick erwarten.

Doch schon vorher gab es – wohl ohne Sichtung der Belege – das Vorurteil von Dr. Valentin, beim HR- Weiterlesen

VPN: Mitarbeiter disqualifizieren sich selbst

Differenzierungsschwierigkeiten in der Präventionsarbeit

Der Präventionsdienstleister Violence Prevention Network (VPN) war die letzten Tage in den Medien und hier mehrfach Thema.

http://hessenschau.de/gesellschaft/mitarbeiter-von-beratungsstelle-gegen-radikalisierung-suspendiert,verfassungsschutz-beratungsmitarbeiter-extremismus-100.html

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/25/vpn-interessanter-fischteich/

VPN hat sicherlich etliche gute und bemühte Mitarbeiter, für deren Betätigung die Gesellschaft auch jenseits der Kostenübernahme für die Arbeit dankbar sein kann. Auch hat der Verein an sich wertvolle Arbeit bei anderen Extremismusformen geleistet und kann dies dort auch nachweisen. Es ist daher wichtig, dort ausreichend zwischen konkreten Problemen bei bestimmten Personen und bestimmten Problemen bei konkreten Strukturdefiziten zu unterscheiden. Genausowenig wie „vorher“ alles gut war, ist nun alles schlecht. Es darf aber nicht Glückssache sein, ob es gut oder schlecht ausgeführt wird, ob Prävention betrieben oder die andere Richtung eingeschlagen wird, also Jugendliche erst zu einem fundamentalistischen Islamverständnis hingebracht werden. Dazu muss man genau hinsehen und halt auch zuhören. Gute Arbeit muss honoriert und weitergetragen, schlechte darf aber nicht mit durchgeschleppt werden. Denn dieses Thema ist zu wichtig, zu heikel und zu sensibel. Dies sollte ausreichend berücksichtigt werden.

Trotz oder entsprechend dieser Vorrede sind oder waren auch einige Personen dabei, die sehr problematische Sichten vertreten oder bei denen begründete Zweifel hinsichtlich ihrer Haltungen zur FDGO bestehen. Die Abgrenzung konservativer Muslim – fundamentalistische Haltungen und Einbindungen muss der Präventionsdienstleister mindestens selber schaffen, sonst kann man dort keine öffentlichen Gelder hingeben. Zu groß ist die Gefahr, dass unter dem Deckmantel der Prävention sonst problematische Sichten verbreitet und gesellschaftsfähig werden, die wieder neue Probleme schaffen und denen man dann wiederum entgegentreten muss. Aus dem hessischen Innenministerium wurde wurde deshalb eigentlich Selbstverständliches noch einmal betont:

Wir erwarten selbstverständlich, dass VPN keine Extremisten beschäftigt“, betonte der Sprecher von Innenminister Peter Beuth (CDU).

http://www.fnp.de/rhein-main/Mitarbeiter-von-hessischer-Salafismus-Beratungsstelle-unter-Extremismusverdacht;art801,2496401

Das ist sicher etwas, was jeder Innenminister von der Prävention erwartet. Es gibt weitere Regionen und weitere Projekte, in denen diese Erwartungen sehr enttäuscht werden. Aber das wird peu a peu sichtbar werden.

Diese Kritik soll dazu dienen, Probleme anzugehen, Defizite auszugleichen. Und sie wird öffentlich geäußert, nachdem relevante Bedenken zu lange offensichtlich unberücksichtigt blieben, also die Eigenbetätigung an problematischen Stellen dem Anschein nach eben nicht funktionierte. Da in der Prävention aber auch die Zeit eine Rolle spielt, ist dies kein zu vernachlässigender Faktor.

Das hessische Innenministerium nimmt die nachweislichen Betätigungen der Mitarbeiter offensichtlich nicht auf die leichte Schulter. Das ist also – um Kritiker einmal darauf hinzuweisen – eher auf der Seite der Belege und nicht auf der Seite derer, die diese Belege oftmals nur nicht einordnen können, aber trotzdem eine Meinung haben. Belege können überzeugen. Belege sind allerdings etwas für Personen, die Sachverhalte ernst nehmen.

Wer das allerdings sehr, sehr locker nimmt, sind Betroffene selber
Taskinsoy ist derjenige, der bei der problematischen bin Bayyah Konferenz in Abu Dhabi war (s. blog) und einen Antisemiten und bin Bayyah-Schüler als seinen „geliebten Gelehrten“ bezeichnete. Nach Angaben von VPN selber steht zudem im Raum, dass die Konferenz „aus möglicherweise extremistischen Quellen finanziert“ wurde

http://www.violence-prevention-network.de/de/

:Der andere junge Mann arbeitet auch für VPN; er macht sich über die Angelegenheit lustig:

vpn-taskinsoy-uelger-170227

Taskinsoy teilt das, ein weiterer Mitarbeiter liked das.

Es geht nicht um den reinen Kontakt zu Extremisten, sondern um Unterstützung. Niemand zwang dazu, problematische Vortragende einzuladen oder Frauen erst einem problematischen Umfeld auszusetzen. Niemand zwang dazu, ins ferne Abu Dhabi zu reisen (auf wessen Kosten auch immer). Niemand zwang dazu, auf problematische Veranstaltungen auf dem Twitterkanal des Vereins „Islam auf deutsch“ erst hinzuweisen, ohne dass man das selbst vielleicht sogar besuchte. Man war da Multiplikator für diese Inhalte. Ohne Not und vor allem: ohne einordnende Relativierung.

Es geht um einen erheblichen Vorwurf. Es geht um ernste Dinge, die auch für den Arbeitgeber erheblich sind. Immerhin steht ja im Raum, dass VPN Extremisten beschäftigen könnte, ein Vorhalt, der wegen der Betätigungen in den sozialen Netzwerken (Empfehlung einschlägiger Vorträge z.B. auf dem Twitter-Account des Vereins) nicht abwegig erscheint. Niemand zwang sie, dies zu tun. Da sie damals wohl auch noch nicht für VPN arbeiteten, steht das auch nicht im Zusammenhang mit der Arbeit, sondern erscheint eher wie ein Abbild der mitgebrachten Haltungen.

Wer solche Vorstellungen mitbringt, wird kaum in der Lage sein, Jugendlichen einen liberalen Islam vorzugeben, sondern wird ihnen eher ultra-konservative bis fundamentalistische Sichten vermitteln. In der „humoristischen Bearbeitung“ kann man auch sehr viel Abwertung sehen: Menschen, die andere und den Vorgang ernst nehmen, sollten eigentlich zerknirscht sein.

Diese Haltung disqualifiziert und zeigt auf, dass diese jungen Männer weder etwas auf ihren Arbeitgeber noch den Innenminister geben. Das ist im Prinzip eine ähnliche Haltung, wie sie auch Ben Hatira zeigte: Keine Einsicht, nur blanker Hochmut.

Dem Anschein nach sind sie nach etwas ostentativer Zerknirschung, die wohl intern zur Schau getragen wurde und bei Personen, die etwas stark mit ihren Projektionen beschäftigt sind („also bei mir hätte das gewirkt“, man hat sich ja distanziert) Wirkung zeigt, schon wieder der Meinung, dass sie da nichts falsch gemacht haben. Man lese auch die Einlassung von Serdar Aslan auf seiner fb-Seite, der mit einigen der Herrschaften im Verein „Islam auf deutsch“ agiert und detailliert darlegt in einem fb-Mehrteiler, warum die Muslimbrüder, Muslimbrüder-Sympathisanten, Fundamentalisten und Hamas-Freunde so gute Menschen sind.*

Da allerdings kann man nicht übereinkommen. Denn diese Herrschaften werden ihr Bild, dass Muslimbrüder, Muslimbrüder-Sympathisanten, Fundamentalisten und Hamas-Freunde so gute Menschen sind, denen man nacheifern sollte, an die weitergeben, die von ihnen betreut werden. Da kann man eher von Prävention gegen westliche Werte sprechen, von einer Immunisierung gegen staatliche Autorität durch Identitätsbildung. Und zwar bezahlt von dem Staat, über dessen Werte sie sich lustig machen. Wenn das die jungen Muslime sind, die sich andere junge Muslime zum Vorbild nehmen und nehmen sollen, dann haben wir – sie sind ja Multiplikatoren – nachfolgend ganz, ganz viele junge Muslime, die ein wenig ostentative Zerknirschung zeigen, wenn dies nützlich ist. Nur dann. Die aber auf alles spucken, was man ernst nehmen sollte, wenn sie denken, es bleibt ohne Folgen für sie.

Diese Vorbilder braucht keiner. Schon gar nicht auf Staatskosten. Das sollte VPN realisieren. Diese Differenzierung muss VPN leisten können, sonst sind sie nicht nur nutzlos, sondern im Ergebnis kontraproduktiv.

 

 

* Der guten Ordnung halber die Sicht auf die Dinge von Herrn Aslan:

Ich vermisse in seinen Stellungnahmen zu bin Bayyah defintiv die Verbindungen und die langjährige Kooperation von bin Bayyah mit Al Qaradawi. Er spart die genau als kritisch zu betrachtenden Punkte aus, geht eben nicht auf die Belege konkret ein, warum?

Es ist doch sinnvoll, auf die Kritikpunkte einzugehen, nicht anderes zu bringen, was nicht kritisiert wird. Über diese Strategie sollte Herr Aslan noch einmal deutlich nachdenken.

Ich ergänze also:
Herr Serdar Aslan verteidigt konkret u.a. Abdallah bin Bayyah und Yusuf Hamza. Deren Einbindungen bitte ich in der internationalen Presse jenseits der Show-Termine und langjährig zu überprüfen. Für das Eintreten für die Hamas etc. finden sich ja Belege. Da nützt halt auch shake hands mit wem auch immer nichts.

Was da nutzen würde: Distanzierung von diesen Strukturen. Laut. Öffentlich. Nicht nur diffus. Persönlich gefragt waren alle Diktatoren & Co der Vergangenheit immer ganz gegen Gewalt. Die friedlichsten Menschen auf Erden. Mindestens. In der Sicht ihrer Anhänger sowieso. Das alleine bringt also wenig.