Wiesbaden: Keine Bannmeile für Muslimbrüder

Über den muslimbrudernahen Verein Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS) in Wiesbaden

„Information und Service“ trägt der Wiesbadener Verein Islamische Informations- und Serviceleistungen e.V. (IIS-WI) schon im Namen, ähnlich wie der Verein Islamische Informations- und Serviveleistungen in Frankfurt (IIS-F). Zu dem Frankfurter Verein finden sich etliche Beiträge auf diesem blog, ältere und auch aktuelle (der Verein plant eine neue, größere Einrichtung in Frankfurt Enkheim). Das IIS-F wird vom Landesamt für Verfassungsschutz der Islamischen Gemeinde in Deutschland (IGD) und damit der größten Organisation, in der sich Muslimbrüder zusammenfinden, zugerechnet::

Das IIS ist seit Jahren als muslimbrudernahe Einrichtung auch vom hessischen Verfassungsschutz bestätigt:

https://www.ezw-berlin.de/html/15_8530.php?fbclid=IwAR0vh98DZE9Cn57xsMMvycHBMI_A_Dr9DHicnHWo1czTU0YPHNmGDu01bA8

update 5.6.2019:
Beim EZW wurde der Wortlaut des Zitats im Artikel wie folgt verändert:

„IIS ist laut LfV Hessen der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) und damit der mitgliederstärksten Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft hierzulande zuzuordnen.“

In Wiesbaden befindet sich der „Infoladen mit Gebetsraum“ nach eigener Angabe in der Bertramstraße 9.

Doch nicht nur der Name ist gleich. Es finden sich auch ganz ähnliche Referenten und Bezüge. Hier zum Beispiel der Herr Johari vom Frankfurter IIS:

Quelle: iis-wiesbaden.de, Abruf 16.04.2018

https://www.iis-wiesbaden.de/image/170384535544

Es referieren der Herr Fadil:

Quelle: wie oben

und der Herr Taha Zaidan: Weiterlesen

Türkische Hizbullah in Hessen weiter aktiv

Koorperation pro-iranischer Kräfte mit Akteuren der Türkischen Hizbullah?
Aktuelle Antwort des HMDIS zu Wiesbadener Verein wirft Fragen auf

Im Januar war durch einen Bericht im „Wiesbadener Kurier“ breiter bekannt geworden, dass im friedlich scheinenden Wiesbadener Westend seit langem eine sehr problematische Strömung ihre Claims absteckt. Der Verein „Elazig Bingöl Kültür ve Dayanisma Dernegi-Vahdet e.V. “ sitzt in Wiesbaden in der Helenenstraße und betreibt die Vahdet-Moschee:

Der Verein steht seit Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz spricht von der „aktuell bedeutendsten islamistischen Organisation in Wiesbaden“. Der Verein gilt als „wichtiger Stützpunkt der Türkischen Hizbullah [nachfolgend TH, SHM] in Hessen“. Hizbullah steht für „Partei Gottes“. Deren Ziel sei es, „in der Türkei einen islamischen Gottesstaat zu errichten und diesen auf die gesamte Welt auszudehnen“. Der Islamismus von nebenan. […]

Ein eingetragener Verein, als gemeinnützig anerkannt. Elazig und Bingöl sind kurdische Städte im Osten der Türkei. Duran stammt aus Elazig. Der 45-Jährige ist ein einflussreicher Geschäftsmann, sein Wort hat im Westend Gewicht. Seine Familie betreibt mehrere Geschäfte. Das Restaurant „Harput“ ist eines davon.

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/islamistische-organisation–verfassungssschutz-warnt-vor-wiesbadener-verein_18481350.htm

Schon im Bericht des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) von 2013 hieß es, S. 55 ff:

In der Türkei scheint die TH den Weg aus dem Untergrund in die Öffentlichkeit zu suchen. Nach dem Scheitern des gewaltsamen Umsturzes im Jahr 2001 und einer Phase der Restrukturierung strebt die TH verstärkt in die Legalität, um ihre extremistischen Ziele durch Unterwanderung von Staat und Gesellschaft unter Verzicht auf Gewalt zu erreichen. Dies macht die TH nicht weniger gefährlich, da sie ihre Aktivitäten in Deutschland unverändert fortsetzt. Auch in Deutschland treten die TH-Vereine, die sich in den vergangenen Jahren konspirativ verhielten, häufiger in Erscheinung, wobei sie den tatsächlichen Bezug zur TH konsequent verschleiern. Es ist zu erwarten, dass die TH ihre Strategie, Deutschland als Rückzugsraum zu nutzen, fortsetzen wird. Hier versucht sie, sich ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen zu erschließen, um in der Türkei erneut Fuß zu fassen. Hessen wird im Rahmen dieser zu erwartenden Entwicklung weiterhin ein bedeutender
Stützpunkt der TH bleiben.

https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/Verfassungsschutzbericht%202013_0.pdf

Die TH sind – nur damit es keine Verwechslungen gibt – Sunniten.

Im Bericht von 2014 des LfV, S. 106:

Sie ist bestrebt, ihre Ziele eines strengen Gottesstaates unter Ablehnung zentraler Werte der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der jungen Generation zu vermitteln und möglichst ihren Anhängerkreis zu erweitern. Dem zu begegnen, ist die Herausforderung für Staat und Gesellschaft.

https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/LfV_Bericht2014.pdf

Im Verfassungsschutzbericht 2016 heißt es zur Wiesbadener Gemeinde auf S. 160:

Die besonders aktive Moscheegemeinde in Wiesbaden blieb − wie in den vergangenen Jahren − ein wichtiger Stützpunkt der TH in Hessen.Zu ihr zählt nicht nur ein enger Kreis von TH-Aktivisten,  sondern sie hat in den letzten Jahren signifikant an Moscheebesuchern hinzugewonnen und damit, wie ihre Ausrichtung der Feier anlässlich der Heiligen Geburt des Propheten Mohammed zeigt, ihre überregionale Bedeutung offenbar ausgebaut. Es ist damit zu rechnen, dass sich der verfassungsfeindliche und integrationshemmende Einfluss der TH-Ideologie insbesondere auf Kinder und Jugendliche in den TH-Vereinen in Hessen verstetigen wird. Da antisemitische, antiwestliche, antiisraelische und antiamerika-nische Propaganda zum festen Bestandteil der TH-nahen Magazine gehören, ist von Seiten der Sicherheitsbehörden zudem darauf zu achten, ob sich entsprechende Einflüsse auch im Umfeld der TH-Vereine zeigen.

https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/Verfassungsschutzbericht%202016.pdf

Verantwortliche des Vereins und ihr Umfeld versuchen, zur Mehrheitsgesellschaft hin als gut integriert zu erscheinen. So wird noch im Jahr 2015 in der Allgemeinen Zeitung über den Vorsitzenden berichtet:

Heute betreiben die beiden das „Harput“, eines der erfolgreichsten türkischen Restaurants im Rhein-Main-Gebiet. Die Duran-Brüder besitzen Immobilien im Wiesbadener Westend, die gleichnamige Bäckerei haben sie aufgebaut.[…] Für Hobbys bleibt nicht wirklich Platz: Ismail versucht, so viel Zeit wie möglich in der Vahdet-Moschee zu verbringen, er ist der Vorsitzende der Gemeinde.

http://www.allgemeine-zeitung.de/wirtschaft/wirtschaft-regional/eine-geschichte-aus-ostanatolien_15857916.htm

Und aktuell:

Schon seit 1991 führt sein Onkel Ismail Duran das Harput Restaurant mit türkischen Spezialitäten auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das im ganzen Rhein-Main-Gebiet bekannt ist.

http://www.mensch-westend.de/2018/05/03/5990/

Die „anderen Aktivitäten“ finden hinter dieser Fassade migrantischer Aufstiegs- und Erfolgsgeschichten statt. Das ist feinsäuberlich getrennt: sprachlich, sozial, ideologisch. Man könnte dies auch eine türkische Parallelgesellschaft heißen, wenn der ideologische Anspruch sie nicht zur Gegengesellschaft machte. Um Akteure und ihre Absichten zu erfassen, muss man jedoch beide Seiten sehen und dann – als politischer Akteur – auch Ambivalenzen aushalten lernen.

Ein Video von einer Feier der Gemeinde 2016, ein Blick in die Gegengesellschaft:

In einer aktuellen Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP heißt es:

Die Vahdet Moschee ist ein wichtiger Stützpunkt der Türkischen Hizbullah (TH) in Deutschland. Hauptziel der sunnitischen, kurdisch dominierten TH ist die Abschaffung des laizistischen Staatssystems in der Türkei, die Errichtung eines islamistischen Staates und dessen kontinuierli-che, letztlich globale Ausweitung. Zur Durchsetzung ihrer Ziele hält die TH die Anwendung von Gewalt für gerechtfertigt. Die Organisation nutzt Deutschland als Rückzugsraum zur Ge-winnung neuer Mitglieder, für Spendensammlungen und zur Veranstaltung religiöser und kultu-reller TreffenDer Moscheeverein kann als eine gutbesuchte Moschee eingestuft werden, die stetigen Zulauf erfährt und sich nach außen hin als integrative Kraft darstellt, tatsächlich aber konsequent im Sinne der TH agiert. Sie wird insgesamt als extremistisches Objekt bewertet.“ Weiterlesen

Bertelsmann: Bad Practice II

Teil 2 der Betrachtungen zu einer aktuellen Publikation der Bertelsmann-Stiftung

Teil 1:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/08/17/bertelsmann-bad-practice/

Als drittes Projekt werden in der „Good Practice“-Broschüre ab S. 31 die Kurse der Imam Hossein Gemeinde in Wiesbaden und der „Wiesbadener Akademie für Integration“ vorgestellt. Beide sind eingetragene Vereine am Amtsgericht Wiesbaden. Die „Wiesbadener Akademie für Integration“ klingt zunächst weltanschaulich neutral und tritt auch so auf, hier die Internetpräsenz der „Akademie“:

http://www.wiesbaden-akademie.de/

In dem erzählenden Bericht Gerlachs über die Projekte wird die Eigendarstellung der Projektleiter wesentlich übernommen. In Breite wird über die gesonderten Kurse berichtet, die sich v.a. an afghanische Geflüchtete richten sollen. Wie dort die Auswahl getroffen wird, erfährt man nicht, s.u. Dafür wird ungeprüft auch nachweislich Falsches übernommen, S.35:

So sei sie zwar 2012 ursprünglich von Mitgliedern der Imam Hossein Gemeinde entstanden, inzwischen sei sie jedoch unabhängig und zu den führenden Mitgliedern und Aktiven zählten nun auch viele Nichtmuslime.

Unabhängig wovon?
Die maßgeblich handelnden Personen sind in Moscheeverein und „Akademie“ jedoch nach wie vor identisch, klar der Moscheegemeinde zuzuordnen. Dies ist erkennbar an aktuellen Registerauszügen.

Die „Akademie“:

 

Der Moschee-Verein: Weiterlesen

Koranverteilungen: Wieder Mißverständnisse

Projekte an sich wurden entgegen Presseberichten nicht verboten

Koranverteilungsprojekte wie „LIES!“ oder „Siegel der Propheten“ sind in vielen Innenstädten vorzufinden. Stolz präsentiert und dokumentiert wird das meist mit Fotos oder Videos auf der Facebook-Seite „Die wahre Religion“ bzw. der entsprechenden Seite von „Siegel der Propheten“.

Lies Hamm 151017

LIES, Beispiel-Bild

Diese Betätigungen sind den Kommunen natürlich wegen ihres bekannten Radikalisierungs-potentials ein Dorn im Auge. Ordnungsämter, Polizei und Verfassungsschutz haben jedoch mit dem  Problem zu kämpfen, dass die Aktion als solche, das Verteilen des Korans, als freie Religionsausübung aufgefasst wird (was durchaus mal zu prüfen wäre nach den mittlerweile vorliegenden Erkenntnissen). Sondernutzungen werden daher oftmals erteilt, weil man in fast 5 Jahren es in der Breite nicht schaffte, den Herausforderungen angemessene Sondernutzungssatzungen zu erstellen und man oftmals auch sonst hofft, das Problem werde sich entweder von selbst erledigen oder der Bundesinnenminister werde es schon richten. Die gewerbliche Komponente der LIES-Aktionen wurde – trotz Hinweises – anscheinend als wenig aussichtsreich erachtet.

Ab und an geistert durch die Medien, die Koranverteilungen seien von Kommunen verboten worden. Das war im letzten Jahr der Fall in Wiesbaden, wo der Ordnungsdezernent Franz stolz verkündete, man habe zielführend gegengewirkt:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/koranverteilung-in-wiesbaden-verboten-13407438.html

Bei genauer Nachforschung stellte sich dann heraus, dass es Bürgerbeschwerden gab, denen man einzeln nachgegangen war. Teilweise hatte man auch den fliegenden Verteilern vorgehalten, sie benötigten eine Sondernutzungssatzung (die sie nicht vorweisen konnten, weil sie halt nicht notwendig ist bei der Art der Betätigung, wie sie in Wiesbaden ausgeübt wurde; andernorts mit richtigen Ständen natürlich schon):

http://www.jurablogs.com/2015/02/04/wiesbaden-ordnungsamt-untersagt-koranverteilung-durch-salafisten

Aktuell rauscht der Hamburger Innensenator durch den Blätterwald; Andy Grote, so geht Weiterlesen

Der große Bruder im Knast

Big brother 150811

Mustafa Cimsit ist derzeit bei den Medien ein gefragter Mann. In Hessen und Rheinland Pfalz bietet er „muslimische Gefängsnisseelsorge“ an. Er wird häufiger gefragt, wie es um die Radikalisierungen in den Gefängnissen bestellt ist. Doch was setzt Cimsit dagegen, welchen Islam lehrt er als „Gefängnis-Imam“? Das ist auch deshalb relevant, weil er als Vorsitzender der „Schura Rheinland-Pfalz“ mit am Tisch sitzt, um den Islamunterricht in Rheinland-Pfalz zu gestalten.

Zunächst: Auch wenn sich Cimsit aktuell auf seiner fb-Seite als „Theologe“ bezeichnet, ist nicht ganz klar, weswegen er diese (nicht geschützte!) Bezeichnung führt: Er ist wohl Pädagoge. Ich lasse mich da gerne informieren.

Cimsit scheint an die Funktion eines Gefängnis-Imams eher zufällig gekommen zu sein über ein Engagement in der Notfallseelsorge.

 

https://www.tagesschau.de/inland/interview-cimsit-islamismus-101.html

Um Imam, also Vorbeter, zu werden, bedarf es weder einer Ausbildung noch einer Ernennung. So darf sich im Prinzip jeder männliche Muslim nennen (die eigentlich vorgegebenen anderen Bedingungen werden unterschiedlich bewertet, aber oft nicht weiter beachtet), der halt das macht: vorbeten.

Herr Cimsit arbeitet also mit Menschen, denen er religiösen Beistand anbietet. Das ist eine ökonomische Nische, die er da auftat, eine Marktlücke, da die Justizvollzugsanstalten das anbieten wollen. Ob die Forderung von den Gefangenen selber kam oder ob das nur von den Verbänden propagiert wurde und die einzelne JVA dann eilfertig meinte anbieten zu müssen, ist unklar. Sicher ist, dass in Gefängnissen Radikalisierungen stattfanden und -finden und dass insbesondere die Islamisten da sehr aktiv sind in der Mission. Einer der ersten, der im Gefängnis einen spirituellen Weg fand, seine Ablehnung alles Westlichen zu überhöhen, dürfte Bernhard Falk gewesen sein. Der war zwar schon vorher (links-)radikal, aber jetzt fühlt er sich darin von dem muslimischen Gott bestärkt. Diese Wandlung und diese Konversion wären sicher nicht durch einen Gefängnis-Imam abzuwenden gewesen. Schließlich kann man doch so seinen Menschenhass verbrämen und sich damit subjektiv ganz prächtig fühlen.

Cimsit nun wird als jemand gehandelt, der von Radikalisierungen abbringe, und er bringt sich auch selber als eine solche Option ein. Eine Evaluation fehlt natürlich*. Er ist in Interviews und Talkshows. Das Islambild, das er vermittelt, wird selten hinterfragt. Cimsit geht mit seinem Islambild auch nicht hausieren, seine Lehre zeigt sich mehr in den Nebensätzen.

Gefängnis Buch 150811

So wird von ihm beispielsweise der Begriff „Islamismus“ abgelehnt (SWR-Podiumsdiskussion, HR „Horizonte“ z.B.). Damit lehnt Cimsit einen Begriff ab, der dringend für die Differenzierung benötigt wird und auf dessen Verwendung auch Staats- und Verfassungsschutz zu recht großen Wert legen: Er ist ein Diskussionsangebot an beide Seiten. An die, die alle Muslime unter Generalverdacht stellen wollen, und die, die Terror, Gewalt und problematische Inhalte am liebsten gar nicht im Kontext des Islams diskutieren wollen. Jemand, der den Begriff Islamismus ablehnt, möchte keine Differenzierung zwischen Islamisten und Muslimen. Für ihn sind Islamisten normale Muslime. Er stellt also Islamisten in den Schutz auch der hiesigen Ummah. Damit soll eine Diskussion der Probleme als auch religionsbedingt verunmöglicht werden. Das machen eigentlich nur Personen, die selber Islamisten sind, sich aber als normalen Muslim bezeichnet sehen wollen: Die Norm ist da, wo ich bin.

Cimsit bekennt sich nicht offen zu einer der türkischen islamistischen Gruppierungen. Auch da ist ein wenig Versteckspielen angesagt. Zumindest kann man jedoch einige seiner Positionen erkennen.

So findet er geschlechtergetrennten Sportunterricht aus religiösen Gründen mindestens diskussionswürdig und führt als Grund eine „religiöse Identität“ der Kinder an, die es auch in der Schule zu beachten gelte. So lässt er sich gegenüber der „Jungen Freiheit“ wie folgt ein:

Auch der Vorsitzende des Rates der islamischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, Mustafa Cimsit, bekräftigte die Forderung nach getrenntem Schwimmunterricht: „In der muslimischen Kultur haben wir es mit anderen Schamgrenzen und einer anderen Körperkultur zu tun“, betonte er.

http://www.schneider-breitenbrunn.de/2015-08/schwimmunterricht-moslems-fordern-geschlechtertrennung/

Dass Kinder erst mal sie selber werden müssen, bevor sie selber entscheiden, was sie sein möchten, scheint Cimsit fremd: Bei einem Kind muslimischer Eltern soll auch in der Schule darauf geachtet werden, dass das Kind unter religiöser Kontrolle bleibt und nicht etwa im Sportunterricht einen freien und ungezwungenen Umgang der Geschlechter miteinander lernen könnte. Nein, alles kleine Männer und Frauen und der Shaytan ist immer und überall. Das ist ein anti-aufklärerischer, ja nahezu totalitärer Anspruch. Integrativ ist es klar nicht. Integration, Inklusion findet nicht mal zwischen Jungen und Mädchen statt und bei diesem Denkansatz wird es n icht beim Sportunterricht bleiben. Das ist ein erster Claim, mehr nicht. Denn die „muslimische Kultur“ wie der Herr Cimsit sie wahrscheinlich versteht, nämlich rückwärtsgewandt, ist von Geschlechtertrennung in sehr vielen Bereichen durchsetzt.

Der Herr Cimsit möchte demzufolge die „muslimische Kultur“ an deutschen Schulen implementieren.

Ganz absurd wird es beim Konzept des Dschihad. Herr Cimsit sah sich aktuell zu einer Richtigstellung veranlasst, die folgenden Text hatte:

Richtigstellung
Dschihad bedeutet Frieden stiften, den inneren (großer Dschihad) und den äußeren (kleiner Dschihad) Frieden. Der Dschihad ist einer der wichtigsten Pflichten der Muslime und auch theologisch fest verankert. Als muslimischer Seelsorger bin ich folgerichtig nicht gegen, sondern für den Dschihad, weil ich für den Frieden und gegen Terror und Krieg bin.
In der TAZ Reportage vom 01.08.2015, in der auch über meine Arbeit berichtet wird, wird der Titel „Drei gegen den Dschihad“ verwendet. Hier wird der Begriff Dschihad als Synonym für Krieg und Terror verwendet. Ich lehne diese Begriffsverschiebung vehement ab und plädiere für einen fachlich richtigen Ausdruck. Der falsche Gebrauch führt leider zu Repressionen und Vorurteilen gegenüber Muslimen als Personen und gegenüber Islam als Weltreligion.

https://www.facebook.com/mustafa.cimsit.72?fref=ts

Das ist nun eine sehr steile These. Cimsit bekundet auf Nachfrage, er sei nach umfangreichem Quellenstudium, aber auch aus den Originalquellen Koran und Sunna „knapp“ zu diesem Ergebnis gekommen, weswegen er den Dschihad befürworte. Da darf man gespannt sein, wie viele seiner Schäfchen nach eigenem Koranlesen, der ja nach üblicher Lesart „klar und deutlich“ sein soll, da nicht ganz so knapp zu einem anderen Ergebnis kommen.

Cimsit versucht es nun also mit einer orwellsch anmutenden Begriffsumdeutung, für deren Glaubhaftmachung er anführt, „muslimischer Theologe“ zu sein. Dafür jedoch gibt es jenseits des Umstandes, „Generalsekretär“ einer „Union muslimischer Theologen und Islamwissenschaftler in Deutschland (UMTI) e.V.“ zu sein, wenig Hinweis. Wo dieser Verein sein soll, der nur 8 (in Worten acht, wenn ich mich da vergoogelt haben sollte, bitte ich um Korrektur: Ich konnte es selbst kaum glauben) Google-Treffer hat bei Seiten, auf denen es um ihn geht, bleibt im Dunklen. umti.de führt nicht auf eine Vereinsseite, obwohl eine „info@umti.de“ mal als Kontakt angegeben wird. Das ist genau so intransparent wie die Zusammensetzung der von ihm zur rheinland-pfälzischen Landesregierung hin vertretenen „Schura Rheinland-Pfalz, Landesverband der Muslime“. Seit Monaten findet der geneigte Interessent dieses Bild vor, wenn er sich über Zusammensetzung oder Aktivitäten informieren will:

Schura Rheinland-Pfalz » Seite zur Zeit Gesperrt, Wartungsarbeiten laufen! 150811

Nachfragen vor einigen Monaten blieben ergebnislos**, es wurde auf die knappe Zeit verwiesen. Das wiederum geht so ganz nicht ein, denn alleine am 09.08.2015 postete Cimsit auf seiner fb Seite 23 links und Beiträge (ohne Kommentare, nur eigene Beiträge!). Ein freundlicher Hinweis, es gehe auch als fb-Seite, es müsse doch irgendwelche Informationen geben zur Zusammensetzung, blieb auch fruchtlos. Statt dessen wird darauf verwiesen, man habe das unter Ägide der rheinland-pfälzischen Regierung ins Leben gerufen. Das ist ein wenig stichhaltiges Argument, denn manche Kinder bleiben Waisen. Das entbindet sie nicht von der Ausweispflicht.(1) Mustafa Cimşit 4

Das ist also alles recht undurchsichtig. Klar erscheint nur: Der Islam, der im „Knast“ dagegen gesetzt wird, ist wahrscheinlich nicht modern und liberal, sondern näher an Gruppierungen wie Milli Görus oder ähnlichem. Ob das den Freunden, Förderern und Auftraggebern von Cimsit so klar ist, darf bezweifelt werden. Jemand mit randloser Brille muss doch Intellektueller und somit per se guter Demokrat westlichen Zuschnitts sein, klare Sache. Da hat man sich schon manches Mal getäuscht, meine ich. Da schickt man einen „großen Bruder“ in den Knast zur psychosozialen Betreuung und um Schlimmeres abzuwenden, und dann ist es – jetzt einmal überspitzt – DER Große Bruder, der Personen unter muslimisch-kulturelle Vollüberwachung stellen möchte, wie es scheint. So ganz wohl kann einem damit nicht sein.

Da dreht jemand ein großes Rad. Es fragt sich nur, um welche Achse..

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* In diesem Zusammenhang wäre einmal interessant, die Effizienz christlicher Gefängnisseeelsorge im Hinblick auf die Rückfallquote und anderes zu betrachten. Da sollten ja schon genügend Rohdaten vorliegen.
** Herr Cimsit wurde mehrfach, auch öffentlich, befragt. Wenn man mit den genannten „Organisationen“ der eigenen Person mehr Gewicht zuordnen möchte, dann sollte auch klar sein, welche anderen Personen noch dahinter stehen. Ein-Mann-Orchester zählen nicht. 🙂

Der nette Muslimbruder von nebenan

Die Muslimbrüder sind ein 1928 in Ägypten gegründeter Verein, der klar dem politischen Islam zuzuordnen ist. Man will Macht und hat sie auch schon verschiedentlich inne gehabt.
Der Hessische Verfassungsschutz schreibt zu den Zielen:

„Die MB ist in zahlreichen Staaten der Welt, dabei in nahezu allen Ländern des Nahen Ostens, vertreten. Sie ist die einflussreichste und älteste islamistische Bewegung unter den Sunniten. Ziel ist die Errichtung eines weltumspannenden Gemeinwesens als Gottesstaat auf der Grundlage von Koran und Sunna. In Deutschland ist die IGD die größte Organisation, welche die Ideologie der MB vertritt. In Anlehnung an ihre ägyptische Mutterorganisation versucht die IGD durch soziales und religiöses Engagement sowie durch Dialogangebote Akzeptanz in der Gesellschaft zu finden. Letztlich zielen diese Versuche darauf ab, die Ideologie der MB gesellschaftsfähig zu machen.“

VfS Hessen, Quellen unten

„Nach Ansicht von Islamismusexperten und Sicherheitsorganen ist der IIS e.V. salafistisch ausgerichtet. Ibrahim Hassan ist einer der Prediger dieses Vereins.“

Deutschlandradio Kultur

Im Rhein-Main-Gebiet ist man seit vielen Jahren aktiv. In den letzten Jahren gibt es aber vermehrte Aktivitäten der Ausbreitung. Es werden örtliche neue Zweigstellen gegründet, die jeweils nicht sofort der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind. Das hat System: Man versucht, örtliche Akteure aus der Politik und auch den Kirchen anzusprechen, einzubinden und sich so hoffähig zu machen. Die Betroffenen wissen meist nicht, wen sie da vor sich haben bzw. dass sie beim Muslimbruder von nebenan Schnittchenessen waren. Das bekannte Testimonial-Spiel. Dass die Hemmschwelle, sobald erst einmal ein persönlicher Kontakt da ist, steigt, wird bewußt einkalkuliert: Unfreundlich werden UND sich korrigieren? Das ist unangenehm, da macht doch lieber weiterhin die Augen zu und singt sich das schön.

In Frankfurt ist dieser Prozess am weitesten gediehen. Das hängt damit zusammen, dass man dort schon am längsten aktiv ist. Und naürlich daran, dass das Integrationskonzept der Stadt Frankfurt i.W. nur die Umsetzung der Interessen der Verbände vorsieht, jedoch jenseits von Allgemeinplätzen keine politischen Grundlagen bietet, aktiver eine Abkehr von problematischen Inhalten einzufordern. Frankfurt hat eigentlich eine – betrachtet man den Gegenstand – sehr große eigene Behörde, die aber durch das Integrationskonzept (und politische Unkenntnis und Unlust) an die Leine gelegt wird: Fördern, nichts fordern. Ein zahnloser Tiger ist wehrhaft dagegen.

Strukturiert und langfristig agierenden Organisationen wie den Muslimbrüdern hat man somit nichts entgegenzusetzen. Wie es scheint ist man sogar beim Eigenmarketing behilflich. Der Pressesprecher Johari der örtlichen Niederlassung, dem I.I.S. in der Mainzer Landstraße, verkündete etwas in der Art einmal in einer Freitagspredigt.

Beim I.I.S. handelt sich um einen Moscheeverein mit angeschlossenem Laden. Dieser Verein ist durch langjährige emsige Tätigkeit in erheblichem Maße in die Frankfurter Stadtgesellschaft eingebunden, wie man z.B. anhand der Betätigungsauflistung 2014 ersehen kann:

https://www.iisev.de/startseite/referenzen-2014/

Viele dieser Betätigungen hätten sicher nicht die gewährte breite Unterstützung, wenn die Ausrichtung des Vereins wahrheitsgemäß bekannt wäre. Zur Stadtgesellschaft hin wird die Zuordnung zur Muslimbruderschaft geleugnet und die Behörde sieht sich auch nicht bemüssigt, diese klar zu stellen. Der I.I.S. macht sich nach außen hin nämlich weniger angreifbar, weil er verschiedene Gastprediger lädt und auch einen Teil der Predigten auf deutsch hält. Jenseits böser Medienschelte findet man da offen kaum etwas. Man übt sich in Pseudotransparenz, zeigt der Mehrheitsgesellschaft das, was man gelernt hat sie sehen möchte und verfolgt unterdessen wohl seine eigene Agenda.

Durch das Schweigen der Behörden wird dieser Prozeß unterstützt, denn die städtischen Akteure schauen meist nur auf die Referenzliste und erkundigen sich n.m.A. nicht aktiv beim Verfassungsschutz: Wohl dem, der Testimonials hat!
Viele dieser Einbindungen wären sicher nicht erfolgt, wenn breiter bekannt wäre, dass immer wieder genau dort extremistische Umtriebe stattfinden und mindestens geduldet werden.
So war dort der Chef des verbotenen Netzwerks dawaffm eine Zeit lang aktiv. Verschiedene junge Männer, die nach Syrien reisten, trafen sich dort. Einige LIES!-Aktivisten sollen dort aktuell zugange sein.

Die fragwürdige Ausrichtung des assoziierten „Grünen Halbmondes gGmbH“, eines muslimischen Pflegedienstes, ist ebenfalls nicht breiter bekannt. Einem „24-jährigen Offenbacher gelang zuletzt trotz Fußfessel die Ausreise nach Syrien. Die Mitarbeit beim „Grünen Halbmond“ war für den Haftrichter ein Grund, Hassan Masood auf freien Fuß zu setzen.“

http://www.giessener-anzeiger.de/politik/hessen/militante-muslime-missionieren-massiv_14738637.htm

Auch Arid Uka (Flughafen-Attentäter) war dorthin gegangen.
Von einem Bürger wird berichtet, dass aktuell Flüchtlinge aus einer nahen Unterbringung dort eine ideologische Heimat finden sollen.

Einige der Verantwortlichen des Vereins sind klar der Muslimbruderschaft zuzuordnen. Die wesentlichen Vorhalte dieses Artikels wurden im Januar, also vor mehr als 3 Monaten, mit Vorstandmitgliedern hier diskutiert und z.K. gegeben:

Der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Herr Johari bekennt sich seit kurzem offen zu dieser Zugehörigkeit.

https://www.facebook.com/groups/1533744320239098/

Herr Johari scheint sich auch persönlich den „Brüdern“ der LIES!-Szene verbunden zu fühlen. Das wird nicht nur – so meine Meinung – bei fb so sein, wo das nachweislich der Fall ist. Man ist ja der Muslimbruder von nebenan und Herr Johari beschwört denn auch die „Einheit des Islam“ nicht nur in einem gesonderten Vortrag „Vereint im Islam und vereint durch den Islam“. Schöne neue Welt.

Ein anderer häufiger Prediger machte aus seiner Ablehnung von Israel bzw. den Juden keinen Hehl:

 

Bild El Bakri I.I.S. 2014

Quelle: fb-Seite des Herrn Elbakry

Der Herr, der bei fb Khaled Elbakry heißt, agiert im wirklichen Leben unter dem Namen Khaled El Sayed. Er war bis vor kurzer Zeit im Frankfurter Rat der Religionen:

http://web.archive.org/web/20141003184651/http://rat-der-religionen.de/ueber-den-rat/mitglieder/

Diese Haltung führte – verständlich – zu einem Dissens mit der jüd. Gemeinde.

Nach Information gab es da wohl kürzlich eine Änderung, die medial nicht erfasst wurde. Der I.I.S. ist aktuell offiziell nicht mehr im Rat der Religionen vertreten*:

http://rat-der-religionen.de/ueber-den-rat/mitglieder/

Die Tatenlosigkeit führt zu immer weiterer Einbindung und immer weitergehendem Hoffähigmachen dieses Vereins. Eltern schicken ihre Kinder dorthin, ohne zu wissen, welche Ideologie dort vertreten wird jenseits der Freitagspredigt.

Die Medien schauen teilweise auch nur noch auf diese Einbindungen und nicht mehr nach der Ideologie, was zu weiterer Verbreitung nur des gewünschten
Eigenmarketings führt (wie vor einigen Wochen in der FR; der Journalist hat sich zu seinem letzten Artikel um 180 Grad gedreht, keine kritischen Nachfragen mehr).

Das Europäische Institut für Humanwissenschaften (EIHW) in Frankfurt, das wahrheitswidrig eine zeitlang behauptete, einen Bachelor anbieten zu können, ist eine Einrichtung der Muslimbrüder, der HR berichtete. Auch dorthin gibt es erhebliche personelle Querverbindungen.

Es gibt weitere Vereine in Mainz, neu wohl in Wiesbaden und auch in Hanau hat man einen Verein, der zumindest nahe steht. Es besteht der begründete Verdacht, dass auch dort Muslimbrüder versuchen, unter Täuschung der Stadtgesellschaft Fuß zu fassen.

Man denkt also langfristig. Sobald man stark genug vernetzt ist, kann man auch Laurins Tarnkappe heben. Die Frage ist, ob der nette Muslimbruder von nebenan dann noch so nett ist.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Muslimbr%C3%BCder#Muslimbr.C3.BCder_in_Deutschland

https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/Bericht2013/html/02_Islamismus/02_Beobachtungsobjekte/02_Muslimbruderschaft/index.html

http://www.deutschlandradiokultur.de/salafisten-auf-dem-vormarsch.1001.de.html?dram:article_id=248795

* dazu auch:

https://vunv1863.wordpress.com/2015/05/09/das-schweigen-des-rates/

Macht oder Bombe?

Nach der Vereitelung des Anschlags auf das Frankfurter Radrennen sind einige Reaktionen von muslimischen Vereinen und Verbänden vorstellbar. Man könnte also – idealerweise – vielleicht verkünden, man wolle verstärkt eigene Kräfte bemühen, um junge Menschen nicht in die jihadistischen Netze abgleiten zu lassen. Man könnte verkünden, dass man andere dazu anregen wolle, klar zu sagen, dann man keine Hassreden dulde und auf entsprechende Prediger ein noch wachsameres Auge haben werde. Man könnte verkünden, dass man Eltern vermehrt auf die Anzeichen aufmerksam machen wolle.

Nach nun mehreren abgesagten Großveranstaltungen scheint mir dies jedoch nicht der Fall zu sein. Zu diesen Vorfällen wird in der Breite – ich lasse mich da gerne korrigieren – geschwiegen. Es ist für Außenstehende schwer, aus diesem Schweigen zu lesen. Schweigen fördert Spekulationen, die in diesem Kontext alles andere als hilfreich sind.

Ein Wiesbadener Moschee-Verein, ich betone, dass es sich um EINEN Verein handelt, hat sich aktuell zu folgender Stellungnahme verstiegen:

„Nach dem wohl im letzten Moment vereitelten, möglicherweise islamistischen Terroranschlag bei Oberursel hat ein Wiesbadener Moscheeverein mehr Teilhabe für Muslime gefordert. Sie müssten seitens der Politik mehr Partizipation erfahren, damit sie weniger wahrscheinlich in radikale Kreise abdriften, teilte der Islamische Kulturverein Imam Hossein am Samstag mit. Er ist Träger einer Moschee in der Stadt. „Die Politik darf nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist, sondern muss mit Muslimen auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, heißt es in der Mitteilung. Wer erfolgreich in die Gesellschaft eingebunden sei, sei bestrebt, diese zu schützen, und wolle ihr nicht schaden.“

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_55277417

Im Volltext, wie er auf fb verfügbar ist:

„Pressemitteilung zum Anschlagversuch in Frankfurt

Als Muslime und Bürger im Rhein-Main-Gebiet verurteilen wir den vermeidlichen Versuch des geplanten Anschlags auf das Radrennen in Frankfurt. Der Versuch, den gesellschaftlichen Frieden zu stören und Angst zu verbreiten, konnte glücklicherweise verhindert werden.
Umso mehr fordern wir, dass Muslime seitens der Politik mehr Partizipation erfahren, um das Abdriften in radikale Netze präventiv zu verhindern. Die Politik darf nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist, sondern muss mit Muslimen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Denn wer die aktive Teilhabe in der Gesellschaft als ein Erfolg erlebt, wird bestrebt sein, diese Gesellschaft zu schützen und wird ihr nicht schaden wollen.“

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Die Distanzierung ist lobenswert. Die Verknüpfung aber mit einer, mit dieser Forderung hinterlässt einen sehr schalen Beigeschmack: Mehr Partizipation als Muslime? Mehr politische Macht als Muslime? Am Anfang wird noch auf die Bürgereigenschaft verwiesen. Wer genau hindert Muslime daran, sich als normale Bürger politisch in den Parteien zu engagieren? Die Gesellschaft bot also dem Ehepaar nicht genügend Chancen, weswegen es sich radikalisieren musste? Es reichte nicht, dass mindestens er sich wohl als Chemiestudent – ganz normal – hätte betätigen können? Hätte man ihm ein Landtagsmandat anbieten sollen, damit er nicht auf die Idee kommt, eine Bombe zu legen? Die Gesellschaft ist schuld, nicht die Ideologie? Soll man allen Menschen, die sich radikalisieren könnten, politische Macht geben, damit es friedlich bleibt? Macht oder Bombe? Ein dann wahrhaft islamischer „Friede“ durch Drohung?

Dieses Denken erschüttert und zeigt eigentlich – meiner Meinung nach – wie weit man von einem demokratischen Selbstverständnis entfernt ist. Christen, Juden, Atheisten bekommen nichts geschenkt in dieser Gesellschaft. Man bemüht sich und hat dann (idealerweise) die Chance, für andere Verantwortung zu übernehmen. Gleiches gilt für Muslime. Weil eben in einer demokratischen Gesellschaft die persönlichen Eigenschaften zurücktreten und die Bürgereigenschaft vorrangig ist. Sie müssen zurücktreten und diese Gesellschaft tut viel, um genau dies möglich zu machen. Gleicher unter Gleichen sein, sein wollen, muss genügen. Wer seine Jugendlichen mit der Vorstellung imprägniert, man sei als Muslim (jetzt nicht als Migrant, auf diese Eigenschaft wird ja gar nicht abgestellt, also die Eigenschaft, die tatsächlich zu Diskriminierungen, nicht jedoch gerade in der Politik, führt!) irgendwie daran gehindert, zu partizipieren, bereitet einen unguten Nährboden. Er suggeriert nämlich, dass man als Muslim irgendwie unterdrückt sei, perpetuiert eine Opferhaltung, die genau den Nährboden bereitet, es als Bürger erst gar nicht zu versuchen, sich zu bemühen wie alle anderen auch.

Um es noch einmal an einem wesentlich harmloseren und eher spasshaften Beispiel zu verdeutlichen: Der Herr Brüderle hatte einer jungen Frau in den Ausschnitt geschaut.
Es gab einen erheblichen gesellschaftlichen Aufschrei. Hätten Männer nun ähnlich argumentiert, hätten einige gesagt, dass Frauen Männern nur einfach mehr entgegenkommen müssten: Mehr zeigen, am besten nackt rumlaufen. Der ganze Gender-Mist führt nur zur Unterdrückung eines natürlichen Rechts, das einfach so und nicht hinterfragbar zusteht. Dann müssen arme Männer auch nicht mehr mit der Nase in ein Dekolleté fallen. Gefahr gebannt!

Der genannte Kulturverein fordert Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ja, genau das ist das Angebot. Und die Gesellschaft hält dieses Versprechen auf Teilhabe ein, mit GG und AGG, einklagbar, wie es so einige Muslime auch schon taten und Recht bekamen. Dieses Angebot hat man als Bürger also jederzeit. Augenhöhe heißt Rechte und Pflichten. Augenhöhe heißt normale Betätigung, normale Bemühung, normale Wahrnehmung auch seiner selbst. Es heißt in der Politik mitmachen als Bürger. Es heißt Ochsentour, Wahlkampf und Infostand (den Weg, den integrierte Muslime ständig und mit Erfolg gehen). Es heißt einstehen für die Demokratie und FDGO, nicht primär für seine religiösen Inhalte. Die Schnellstraße zur politischen Macht ist damit also nicht gemeint. Diese will man aber offenkundig, wenn man fordert, man solle als Muslim mehr beteiligt werden. Das sind Sonderrechte, das ist Rosinenpickerei. In Verbindung mit den Terrorplänen wird daraus eine perfide Mischung. Es wird verkannt, dass einige nicht Teil dieser Gesellschaft sein wollen, dass es selbstverantwortete Abschottung und Abgrenzung, eine Gegenhaltung gibt, die weniger durch die Gesellschaft, sondern Individuum und Ideologie bedingt ist. Es erinnert an die Haltung mancher Sympathisanten zu RAF-Zeiten: Die Arbeiterklasse werde unterdrückt, also sei man ja quasi gezwungen, politischen Druck aufzubauen. Mehr politische Macht sei das Mittel gegen radikale Entgleisung. Der Terror sei zwar nicht schön und störe den gesellschaftlichen Frieden, sei aber letztlich das Ergebnis dieser gesellschaftlichen Unterdrückung. Es führt zu der Einschätzung, die Politik, die Gesellschaft und vor allem die Medien hätten sich gegen die eigene Gruppe (hier: Muslime) verschworen. Das erzeugt eine Gegenhaltung, die in „die“ und „wir“ unterscheidet, die junge Menschen genau dahin führt, die Medien abzulehnen und den normalen Weg eben erst gar nicht beschreiten zu wollen. Diese Haltung trifft man häufig auf der Strasse an: Die „Systemmedien“ lügen doch alle. Man lehnt sie ab, informiert sich dort erst gar nicht mehr über sie, sondern benutzt andere Informationskanäle. Nicht mehr die freie Presse, sondern übers Internet z.B. (ein gemeinsamer Punkt von Rechten, Extremlinken, Putin-Verstehern, Islamisten, kurz, allen antiwestlich gesonnenen Antidemokraten). Nur keine andere Meinung mehr lesen, hören, wahrnehmen.

Dieser Sicht, die nicht so selten scheint, muss man mit allem Nachdruck argumentativ begegnen. Sie führt nämlich zu einer Spaltung der Gesellschaft. Sie bereitet den Boden.