Prävention: Böcke und Gärtner I

Die Not bei der Prävention von salafistischem Extremismus ist groß: Oftmals wurde jahrelang auf die lange Bank geschoben. Weil man hoffte, das Problem werde sich von selbst erledigen oder weil die politischen Entscheider sich gar nicht der Gefahr bewußt waren. Als klar wurde, dass Prokrastination nicht mehr möglich ist, wurden vielerorts eilig Partner ins Boot geholt, weil der Aufbau einer staatlichen Struktur dann als zu langsam empfunden wurde. Auch wird immer noch angenommen, dass sich das Problem alsbald erledigen werde, so dass man wiederum nicht auf längere Sicht planen mag. Einem Verein kann man die Mittel relativ flott wieder streichen. Eine Behörde hingegen, die nicht mehr den Bedürfnissen entspricht ist und zu groß aktuell geworden ist, kann man nicht so leicht verkleinertn. Unterschiede im Arbeitsrecht fallen an dieser Stelle auch ins Gewicht. Sind Personen bei einem öffentlichen Arbeitgeber angestellt, sind Standards einzuhalten, die ein privater Träger vielleicht nicht nach Gusto handhaben, aber doch freier gestalten kann.

 

 

In den Ländern finden sich verschiedene Projekte, die oftmals aus verschiedenen Bundes- und Ländermitteln gespeist werden. „Demokratie leben“, ein Bundesprogramm, ist eine Stelle, an der Mittel von verschiedenen Trägern beantragt werden können. Das Programm soll Initiativen verschiedener Ausrichtungen unterstützen. So wird z.B. Arbeit gegen Rechtsextremismus, aber auch Salafismus finanziell ermöglicht. In dieser Ausgestaltung kann jeder sich um Mittel bemühen, der ein Mindestmaß an struktureller Organisation aufweist: In der Regel werden Vereine unterstützt. Ob bei den Antragstellern jedoch immer in hinreichender Weise geprüft wird, ob wirklich Demokratie gelebt wird, kann im Einzelfall und erst recht bei den Unterorganisationen und den vom jeweiligen Träger angestellten Personen nicht immer garantiert werden. Ist der Antrag den Formalien nach korrekt gestellt, wird dem Anschein nach nicht weiter geprüft, wer oder was dort gefördert wird. Einige Beispiele mögen das verdeutlichen. Weiterlesen

Vogel – Mazyek 1:0

Über Zielgruppen und Zielerfüllung islamistischer Marketing-Experten

Pierre Vogel und Aiman Mazyek stehen beide im Licht der Öffentlichkeit. Beide scheinen das zu genießen, man könnte sie beide also etwas salopp und nicht beleidigend gemeint als „Rampensäue“ bezeichnen, also Personen, bei denen der öffentliche Auftritt gewollt Teil der persönlichen Wirkung ist. Beide produzieren sich dem Anschein nach gerne vor Publikum. Das ist an sich, einmal losgelöst von den problematischen Inhalten, die beide vertreten, nichts Ehrenrühriges und ist vielfach vorzufinden, von den Medien über Show-Geschäft bis hin zur Politik. Das kann einem liegen, da ist Vieles aber auch erlernbar und übungsabhängig. Es ist bei beiden aber auch Teil des persönlichen Geschäftsmodells. Beide scheinen von ihren Auftritten und den Medien zu leben.

Doch wie wirken beide in die Gesellschaft hinein?

PV IS-Hoody 160415

Vogel zieht über die Wahl der Medien, die nicht ganz freiwillig ist – er ist seit Jahren nicht mehr in den Talkshows – ein jüngeres Publikum an und will das auch. Er veröffentlich viel über You-Tube, mithin selbstproduzierte Videos, macht live-Mitschritte auf Facebook und in anderen sozialen Medien. In den Medien wird über ihn berichtet, weniger mit ihm noch gesprochen (im Gegensatz zu Bernhard Falk). Das behindert ihn allerdings kaum. Auch die Art der Auftritte macht die junge Zielgruppe deutlich: Er zieht umher. nennt das „Dawa“, also Missionierung, und tritt in Moscheen ebenso auf wie in der Fußgängerzone. Er erfüllt und gibt den Dress-Code vor der Personen, die er Weiterlesen

Das Schweigen der Muslime

Seit nunmehr über 4 Jahren wird in Deutschland offensiv Strassen-Missionierung betrieben. Von den Gruppierungen

LIES-GmbH (Abou Nagie)

Siegel des Propheten (Erol Selmani)

Jesus im Islam (Marcel Krass)

Die Aktivitäten sind also teilweise offen sichtbar (andere haben das weniger stringent und offen schon vorher gemacht). Sichtbar nicht nur für Insider, sondern auch für die Bürgergesellschaft, deren Teil die Muslime sein sollen und wollen, glaubt man z.B. Aiman Mazyek vom Zentralverband der Muslime. In den Fußgängerzonen flanieren nachweislich auch viele Muslime.

Die salafistischen Grundhaltungen der jeweiligen Begründer sind bekannt und unbestritten jenseits der eigenen Angaben der jeweiligen Gruppierungen („wir sind nur Muslime“). Letztere Eigeneinschätzung wird von vielen Personen auf der Strasse geteilt. Eine strukturierte Erfassung dazu fehlt jedoch, wäre aber interessant und aufschlußreich.

Das Radikalisierungspotential ist ebenso seit Jahren bekannt. In einer Auswertung des Gemeinsamen Terror-Abwehrzentrums (GTAZ) und der Hessischen Kompetenz-Zentrums Extremismus (HKE) werden 23 % der Ausgereisten als Personen bezeichnet, die mit der Straßen-Missionierung in Verbindung standen. Da die Rohdaten nur auf der Einschätzung der beobachtenden Beamten beruhen, können das unbemerkt noch mehr sein, nur zur Hälfte der Ausgereisten konnten diese Angaben gemacht werden. Etliche Ausgereiste fielen ja vorher strafrechtlich nicht oder kaum auf, werden von ihren Verwandten gar nicht als vermisst gemeldet oder haben sich so schnell im Umfeld der Stände überzeugen lassen, dass kaum Wahrnehmungsmöglichkeit bestand. Bei der Vielzahl der Aktivitäten und der behördlichen Personaldecke muss man sich fast wundern, dass es zu immerhin der Hälfte diese Informationen gab.

 

Bild Petition Salafisten

 

Die Gefährdung ist also bekannt. Zudem wird geschätzt, dass es etwa zu 80 % Personen aus dem muslimischen Kontext betrifft. Die muslimischen Verbände und Vereine wären alleine schon aus Fürsorgepflicht, so man sie denn empfindet, gefordert.

Von den großen muslimischen Verbänden ist jedoch dazu wenig Gehaltvolles zu finden. Aus 2012:

http://www.derwesten.de/politik/islamverbaende-fuerchten-dass-der-koran-der-salafisten-im-altpapier-landet-id6551940.html

Daraus, von dem Sprecher des Koordinationsrats der Muslime Ali Kizilkaya:

Vom Staat erwartet Kizilkaya nun rechtsstaatliches Handeln. „Ich würde die Aktion nicht als Grund zur Beunruhigung betrachten“, sagte er.“

Ebenda, von dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek:

Vor diesem Hintergrund ist die millionenfache Verteilung des Korans an beliebige Haushalte umstritten, denn das Wort Gottes ist kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt. Mazyek äußerte die Sorge, der Koran werde im schlimmsten Fall als Altpapier weggeworfen.

Von der DITIB ist bei kurzer Recherche wenig zu finden.

Von Herrn Mazyek finde ich nichts Gehaltvolleres, habe allerdings auch seine vielfachen Show-Auftritte in Funk und Fernsehen nicht allesamt gesehen und geprüft. Man könnte fast annehmen, dass, weil er den Begriff Islamisten ablehnt und nur „Terroristen“ gelten lassen will, alle Personen unter seiner „Terrorschwelle“ normale Muslime sind. Für die Salafisten und die Grauen Wölfe oder die Muslimbrüder fehlte da schlicht der Oberbegriff. Konkreter wird er erst recht nicht, er nennt nicht Roß und Reiter nach meiner Kenntnis. Terroristen sind die LIES-Unterstützer ja nun noch nicht. Da muss man also nix machen. Wegdefiniert. So einfach kann das Leben sein. Ich bin für Korrekturen offen (und sollte ich da was übersehen haben, tut mir das leid).

Doch auch andere scheitern am offen bekundeten Bürgersinn.

Nicht öffentlich scheint etwas mehr zu gehen. Nicht von Mazyek, aber immerhin ZDM Hessen, bei einer Anhörung im Hessischen Landtag zu Beginn dieses Jahres:

Auch Abdassamad El-Yazidi, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Hessen, forderte bei einer Lantagsanhörung: „Wir müssen diesen Lies!-Aktionen den Nährboden entziehen.“ Die Koranbücher in deutscher Sprache würden in erster Linie von Saudi-Arabien finanziert, darin werde „eine ganz bestimmte Ideologie“ des wahabitischen und damit strenggläubigen Koran vermittelt. „Wir müssen dazu einen Gegenpol schaffen“, betonte El-Yazidi.

Die Ahmadiyya wollen bei den gleichen Anlass – das passt zu ihrem Langsfrist-Plan – lieber selber übernehmen.

Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Gemeinden Deutschland, forderte: „Wir friedlichen Muslime müssen uns die Deutungshoheit zurückerobern.

Da sind allerdings schon Jahre ins Land gegangen.

Allgemeine, öffentliche Aufrufe an Eltern und junge Menschen: Fehlanzeige (ich kenne zumindest nichts).

Die vielen, vielen kleineren Gemeinden, die nicht in den großen Verbänden organisiert sind, bringen da ebenfalls wenig:

Keine Aktionen in der Öffentlichkeit im Umfeld der Stände

Keine öffentlichen Aufrufe an die Muslime, auf die Kinder zu achten

Keine ehrenamtliche muslimische Sozialarbeit um die Stände herum, die, v.a. wenn mehrere Vereine sich zusammen täten, leicht zu organisieren wäre

Frankfurt hat 46 grob als muslimisch einzustufende Vereinigungen. All diese schaffen es nicht aus eigener Kraft oder Willen. Woran liegt das?

Schon hunderte Male bekam ich von normalen muslimischen Passanten auf Vorhalt zu hören, das seien doch nur besonders fromme Brüder. Was wir denn gegen diese Koranverteilungen hätten und ob ICH SELBER bei so einer Radikalisierung und einer Ausreiseanregung dabei gewesen wäre? Der Verweis auf die Dokumentationen hilft nicht, denn das wird als Verschwörung der Massenmedien , auch der öffentlich-rechtlichen Sender bezeichnet. Allesamt muslimfeindlich. Die Berichte seien nur geeignet, um das Ansehen der Muslime (die LIES-Protagonisten werden auch da nicht „exkommuniziert“) herabzusetzen. Erwähnt man Eltern, mit denen man sprach und erwähnt ihre Verzweiflung, dann ist das wahlweise die freie Entscheidung des Gotteskriegers in spe oder die Eltern sind halt schlechte Eltern. Man lässt die Belege einfach nicht gelten. Die „besonders frommen Brüder“ kommen sehr häufig mit ganz reiner Weste aus der Debatte.

Das selbe Bild bei den Auftritten von Pierre Vogel und Co.
Wo bleibt die offene muslimische Gegenhaltung und öffentliche Aktionen?

Vereinzelt gab es Aktionen, die sich aber mehr an die Mehrheitsgesellschaft richteten.
Es gibt wenige liberale Vereinigungen, die sich klar positionieren, aber die vertreten nur eine Handvoll Muslime. Auf der Strasse, so mal als Zeichen, waren die aber auch noch nicht. Es sind einzelne Personen, die sich positionieren oder sich auch mal – bei unserer Mahnwache haben wir häufiger solche Personen dabei (meist Exil-Iraner) – zu einem Straßenprotest bekennen.

Derweil postet der Herr Abou Nagie, wie viele „Geschwister“ ihn mit „Spenden“ unterstützten.
„Free Gaza“-Demos finden großen Zulauf. Da geht was. Bei den Salafisten wohl nicht.

Die muslimischen Organisationen haben so noch einen weiten Weg, um in der Bürgergesellschaft anzukommen. Da heißt es Verantwortung zu übernehmen aus sich selbst heraus und nicht nach dem Staat zu rufen, öffentlichen Geldern oder nach Gott. Das muss man schon selber tun.

Ihr Aufschlag, Aiman Mazyek.