Frankfurt: Radikale Ansprache auf der Zeil

Göttinger Extremist in Frankfurt, „We love Muhammad“ weiter aktiv

Der junge Göttinger Salafist Abu Hurayra alias Ferhat Kocakaplan („Ferhat K.“) wurde schon mehrfach auf diesem Blog erwähnt. Er spielt seit längerem eine Rolle in der radikalen Szene in Göttingen, ist aber vor allem auch mit Sontraer Akteuren der Gruppe „Im Auftrag des Islam“ engstens verbunden:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/19/al-kaida-in-sontra-ii/

https://vunv1863.wordpress.com/2016/08/10/sontra-goettingen-hildesheim/

Die Gruppe „Im Auftrag des Islam“ besteht wesentlich aus Anhängern der 2001 als „Kalifatsstaat“ verbotenen Organisation. Der Anführer Metin Kaplan wurde 2004 in die Türkei ausgeliefert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kalifatstaat

Regelmäßig finden auch Treffen mit Bernhard Falk statt, man besucht sich gegenseitig, führt Aktionen durch. Auf youtube beklagte sich der junge Mann immer wieder wortreich, wenn er bei einer Razzia einen „Besuch“ erhielt. Zu den Durchsuchungen im Frühjahr:

http://www.goettinger-tageblatt.de/Goettingen/Uebersicht/Kalifatsstaat-Islam-Auftrag-und-Dschihad

Kocakaplan hatte auch Kontakt zu Personen, die seinerzeit nach Syrien ausreisten. Er stand auch in Verbindung zur Szene um den verhafteten Abu Walaa.

Dieses Wochenende versuchte er nun, in Frankfurt einerseits Interviews zu führen für den youtube-Kanal, andererseits Jugendliche und andere potentielle Mitstreiter anzusprechen (Yasin Bala ist einer der Hauptakteure von „Im Auftrag des Islam“):

 

Hier auf der Zeil: Weiterlesen

Mahnwache vom 14.11.2015

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank der Frankfurter Polizei für den umsichtigen Schutz.

Frankfurt Zeil, der Tag danach. Es ist kalt, windig und es nieselt. Kein Wetter, um stehen zu bleiben und zu reden. Wir sind heute nur ganz wenige. Verschiedene Mitstreiter laufen ohne Plakate herum und versuchen, die Menschen ins Gespräch zu ziehen.

Zwei kleine Jungen, vielleicht 7,8 Jahre alt, kommen auf mich zu und erzählen mir, es sei nicht gut, was ich da mache. Offenkundig wurden sie ausgeschickt. Warum ich denn da stünde? Ich will es einfach machen und sage, weil in Paris was Schlimmes passiert sei. Nein, meinen sie, Paris wäre nicht schlimm, sondern gut. Das macht mich einen Moment sprachlos, in dem sie weglaufen.

Mehrere junge Frauen, die schon vergangene Samstage da waren, sind wieder zugegen. Sie fangen wieder von vorne an mit der Frage nach Islamismus. Auf die Entgegnung, das hätte ich nun doch schon erklärt, verneinten sie vehement. Offenkundig weiden sie sich darin, dass ich das natürlich nicht nachweisen kann. Mehrere fordern aggressiv eine Erklärung, rücken immer näher. Ich weise auf Paris hin. Das interessiere sie nicht, sie hätten was gefragt und ich hätte noch nicht geantwortet. Sie formierten sich und rückten ständig näher. Wollte man Platz schaffen, kreischten sie hysterisch, man solle ihnen nicht zu nahe kommen. Bizarr und theatralisch.

Einer Mitstreiterin, die doch mal auf das Thema Paris bringen konnte, wurde aggressiv vorgehalten, SIE sei schuld an Paris.

Besuch bekamen wir heute von einem jungen Mann, der für LIES aktiv ist:

 

Rechts im Standbild.

Der junge Mann schien bemüht, mit Unterstellungen so zu arbeiten, dass ich nachfolgend meinerseits falsche Behauptungen aufstellen sollte. Er schien ständig die Behauptung rausholen zu wollen, dass ich selber eine Anwerbung am LIES-Stand mitbekommen hätte. Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass vielleicht ein Tonmitschnitt lief. Nun denn.

Zwei junge armenische Christen erkundigten sich. Sie hatten die Szenen eine Zeit lang beobachtet und waren bestürzt. Zwei Mal wurde zwischendrin „allahu akbar“ gerufen. Dabei blieb es glücklicherweise. Es war gespenstisch genug.

Mehrere junge Männer versammelten sich hinter meinem Rücken und sprachen bestimmt 20 Minuten halblaut Abfälliges über mich als Person. Sie besprachen nicht mal die Inhalte der Plakate, sondern äußerten rein persönlich Herabsetzendes. Jede Äußerlichkeit von mir wurde durchgehechelt. Die Masche sollte mich offenkundig reizen und aus der Fassung bringen. Kurz danach machten sich mehrere 13 Jährige den „Spaß“, so zu tun, als brächten sie einen Sprenggürtel zur Explosion. Die Gesten sollten leider genau das heißen.*bumm* machten sie, lachten und liefen weg.

Zwischendrin stürmte eine junge Frau an mir vorbei und es gab einen kleinen Schlag gegen mein Plakat. Als ich nachsah, bemerkte ich einen Aufkleber der „Antifaschistischen Aktion“. Aufkleben ist natürlich einfacher als Diskutieren und verstehen, wobei man das auch wollen muss. Es gab schon verschiedene ähnlich kenntnislose Antifa-Aktionen, bei denen auch die Erläuterung nichts brachte, da man nicht zuhörte oder verstand.

Als ich einmal zu einer stark umdrängten Mitstreiterin wollte, die in 4er Reihe umringt war und mein Plakat – es ist unhandlich – versehentlich die Schulter einer LIES-Unterstützerin streifte, machte sie keifend eine Riesengeschichte daraus. Das Plakat hatte ihr sicher nicht weh getan, aber sie beschwerte sich die ganze Zeit danach, lief mir nach. Auch dieses Verhalten ist aus anderen Ländern bekannt. Es ist bitter, dass man einige Stereotype aus Israel-Videos auch auf der Zeil erleben kann.

Mehrere junge Frauen, alle „westlich“ gekleidet, wollten mich „nach Hause schicken, damit ich dort was Sinnvolles tue“. Da lernt man doch gleich, dass „westliche“ Kleidung nichts über die Sichten aussagen muss.

Ein Mann Mitte 40, der sich später als Mitglied einer marokkanischen Gemeinde outete, stand mit seiner Frau und Tochter nahe und machte sehr abfällige Bemerkungen über mich als Frau. Was ich denn gegen den Märtyrertod hätte? Männer würden dann viele Jungfrauen bekommen. Ich solle doch auch übertreten, dann würde ich wenigstens nach dem Tod einen Mann kriegen, das wäre doch gut. Oder ob er mich heiraten solle? In diesem Tenor setzte er vor einer Runde feixender muslimischer Passanten verschiedenen Alters fort. Nachdem ich mit meinem eigentlichen Gesprächspartner geendet hatte, drängte er sich vor. Seine sehr unverschämte Art war auf diese Weise neu: Er kam sehr nah und lächelte dabei auf eine böse Art. Es wurde offenkundig, dass er beschäftigen wollte. Immer wenn ich mich abwandte, versuchte er – vor der Gruppe – erneut zu provozieren: Er hätte gewonnen. Er sei gut und ich nichts. Der marokkanischstämmige Mann versuchte somit etliche Minuten lang, in Nonsense-Gespräche zu ziehen. Der Umstand, dass man trotz seiner unverschämten Gesprächsführung ruhig blieb, schien ihn zu ermutigen. Er machte dann das selbe bei einem Mitstreiter. Seine Frau schob sich dann vor und hielt mir ein Bild eines Fötus unter die Nase. Der Fötus war am Kopf beschädigt, sie meinte, die Mutter sei erschossen worden. Auf den ersten Blick schien mir das Bild eher eine Darstellung eines Präparats einer Spätabtreibung (die Wunden waren für Schussverletzungen zu glatt). Aber um das sicher sagen zu können, hätter es mehr bedurft als eines wackeligen Handy-Bilds, das man kurz unter die Nase gehalten bekommt. Warum ich nicht gegen dieses „Opfer Israels“ protestiere?

In letzter Zeit auf der Strasse zunehmend schiebt man sich sehr übergriffig dazwischen. Es ist kaum mit einzelnen Passanten zu sprechen, was Absicht zu sein scheint. Man versucht durch reindrängen und aggressives Gespräch-Übernehmen zu verhindern, dass man mit normalen Passanten spricht oder überhaupt zu einem vernünftigen Satz kommt.

Eine jüngere Muslima – verschleiert – lies sich den Anlass der Demo erläutern. Sie verstand das Anliegen und teilte die Sicht, dass den Straßenverteilungen etwas entgegengesetzt werden sollte.

Eine größere Frauengruppe mit Kindern blieb bis zuletzt, rückte dicht auf, keifte auf enervierende Art. Alle waren „westlich“ gekleidet, teilweise sehr stark geschminkt. Auch mit ihnen war eine Sachdebatte nicht möglich, alles endete immer in aggressiven Zuschreibungen und rabulistischen Versuchen. Eine Kindergruppe, vielleicht 8-9 jährige, die ihnen zuzuordnen war, ging zuletzt auf uns und eine Polizeigruppe zu und versuchte, auch dort aufmüpfig zu sein. Dort blieb es allerdings beim Versuch.

Man sah mir heute sicher meine Betroffenheit an. Da man mir dies ansah, wurde es häufiger thematisiert, es diente mehrfach der Erheiterung bzw. wurde höhnisch kommentiert.

Das war klassisches Bullbaiting als Sport in der Fußgängerzone.

Die muslimischen Passanten, die heute bei uns waren, schienen irgendwie, es ist schrecklich diese Empfindung zu schreiben, aggressiv und mehrheitlich – voller Genugtuung. Gewalt muss nicht immer physisch ausgeübt werden – sie kann auch psychischer Natur sein. Männer, Frauen, Kinder – ein Reizwort, das sie nicht verstehen oder missverstehen wollen und schon tritt diese spontane Affektentladung auf. Es ist erschreckend, dass auch Attentate wie in Paris nichts an der Art des Herangehens ändern. Ich hätte mir heute wenigstens bei einigen ein anderes Verhalten gewünscht als das gezeigte.

Die Hoffnung, sagt man, stirbt zuletzt. Heute ist bei mir ein Stückchen zu Grabe getragen worden.

Mahnwache vom 23.05.2015

 

 

 

Von 16-18 Uhr vor dem „My Zeil“. Herzlichen Dank für freundlichen Schutz von der Frankfurter Polizei.

Mit dabei war wieder der Kurdisch-Israelische Freundschaftsverein (KIFA). Vielen Dank für die Unterstützung.

Ein junger Mann, groß und rothaarig, vielleicht 22 und wohl autochthon, trat hinzu und wünschte mir mit feinem Lächeln AIDS. Als ich nachfragte, er missverstehe wohl und warum er mir das wünsche, meinte er , er verstehe sehr wohl und ging ein paar Schritte weiter. Nach wenigen Minuten kam er mit seiner Freundin zurück und wiederholte seinen Wunsch. Die Freundin nickte, hörte aber meinen wenigen Sätzen der Entgegnung zu, schien auch eher zu verstehen. Auch das Beispiel mit der Mutter und ihrem seit 1,5 Jahren vermissten Sohn, der durch LIES! radikalisiert wurde, zog bei ihm nicht. Er meinte dann, er wünsche sich auch, dass „die Polizei verschwinde“ und ich geschlagen würde. Die Freundin stand stumm daneben, obwohl sie nach meinem Eindruck verstanden hatte, dass wir nichts gegen private Frömmigkeit haben, die jedem selber überlassen ist. Ich fragte ihn ungläubig: „Wegen meiner Meinung, die sie nicht mal nachvollziehen wollen und können, wünschen Sie mir, verprügelt zu werden?“ Er bestägtigte dies unumwunden, weiterhin fein lächelnd. Ich musste ihm leider sagen, dass er erst mal etwas zur freien Meinungsäußerung lernen müsse und zur Möglichkeit in einer freien Demokratie, dass man diese ohne Androhung von Gewalt müsse äußern können. Solche Haltungen, wonach das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit gleichermaßen zur Disposition gestellt werden, seien im Kern totalitär. Ich befürchte allerdings, dass er auch das nicht verstand, obwohl er formal gebildet erschien und in ganzen Sätzen sprechen konnte.

Ein öfters aufgefallener fanatischer Unterstützer der LIES!-Aktivisten wartete am Rande ab bis „seine Leute“ hinzukamen. Alleine bzw. ohne Publikum beobachtet er nur und wartet auf einen geeigneten Moment. In den letzten Monaten wird er nach zwischenzeitlicher Besserung zunehmend aggressiv.

Eine ältere Dame stellte sich nach Erläuterung  direkt neben mich zur „moralischen Unterstützung“, wie sie sagte. Ein Schild mochte sie nicht halten, wollte aber trotzdem gerne dabei stehen. Weitere ältere Damen, die häufiger vorbeischauen, flankierten in der Menge durch Gespräche und Erläuterungen. Sie finden alleine schon die Diskussion wichtig und wollen dazu in einem geschützten Rahmen beitragen.

Mehrfach konnte ich Passanten, älteren männlichen Muslimen, vermitteln, dass der Begriff „Islamismus“ zwar stören mag und erklärungsbedürftig ist, aber doch das Diskussionsangebot und schon den sprachlichen Kompromiss zwischen beiden Seiten darstellt. Dass wir ihn als Gesellschaft also brauchen, um darüber überhaupt reden zu können: So klar wie nötig, so freundlich wie möglich.

Eine Gruppe junger Mädchen, Muslimas, verteidigte die Koranverteilungen als ganz normale religiöse Betätigung. Der Zusammenhang mit der Radikalisierung und so manchen Ausreisen war nicht vermittelbar, da sie „westliche Medien“ ablehnten. Sie gaben an – ich glaubte ihnen das – dass sie hier geboren seien und hier aktuell zur Schule gingen. Es ist sicher schwierig im Sozial- und Gemeinschaftskunde-Unterricht, wenn hiesige Medien grundsätzlich abgelehnt werden.

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Zwischendurch lief – als sei es das Normalste von der Welt – ein Pärchen mit großer schwarzer Schahada-Flagge an uns vorbei. Es handelte sich – nach vorsichtiger und rein äußerlicher Einschätzung  – um Anarchos, vielleicht auch Antifa-Leute der speziellen Art. Als Anarcho – wenn es denn so wäre – nun ausgerechnet die Herrschaft des Islam so offenkundig zu fordern, könnte man jedoch nur als äußerst verwirrt bezeichnen. Der Flaggenträger war auf jeden Fall sehr erstaunt, als er sich umgehend von einer Reihe Polizisten umringt sah, die ihn befragten. Diese Fahne ist zwar (noch) nicht verboten, aber das musste wohl erst noch geprüft werden. Ich war so frei, da nur zu beobachten.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzes_Banner

Gestern versuchte man also die Flagge des Dschihad – auch diese Flagge wird nur zu diesem Zweck öffentlich gezeigt – über der Frankfurter Zeil wehen zu lassen. Die Polizei holte die Flagge dann mal bis auf weiteres ein.

Eine junge Mutter blieb länger stehen. Muslimin, „westlich“ gekleidet und eher säkular eingestellt fragte sie nach dem Anlass unserer Aktion. Ich erklärte den Zweck unserer Mahnwache. Sie bekundete, da auch in Sorge zu sein und die gegenwärtige Entwicklung nicht zu verstehen. Sie bekomme nur mit, dass sich das Klima verschärfe, obwohl es hier allen in den Grenzen der Möglichkeiten und sicher schichtabhängig gut gehe. Das bereite ihr große Sorgen. Ich versuchte, ihr etwas Mut zu machen, dass wir nur die Möglichkeit hätten, als Gesellschaft das menschenfreundlich, aber frei und klar zu diskutieren. Dass wir darüber sprechen müssten, wie wir zusammen leben wollen. Und dass die Wortführer leider die sehr konservativen Verbände mit klarer Agenda „Zurück in die Zukunft“ seien, während die vielen, vielen säkularen Muslime nicht ausreichend organisiert seien.

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Eine Gruppe LIES!-Unterstützer („Akhis“) diskutierte vor mehreren weiblichen Unterstützern über den bekannten Begriff „Islamismus“, den sie schon viele Male erklärt bekamen. Gestern wurden wieder viele judenfeindliche Ressentiments geäußert. Die verbreitete Forderung war, wir sollten „erst mal was gegen die 500 palästinensichen Kinder, die die Juden jeden Tag töten“ machen. Das Problem ist, dass diese jungen Leute weder die normalen Medien oder auch nur schlichte Zahlen wahrnehmen. Dass bei ~ 180.000 getöteten Kindern im Jahr längst niemand mehr da wäre, während die Bevölkerung dort real stark wächst, wird nicht zur Kenntnis genommen, bzw. das wird als Lüge abgetan. Diese Verschwörungstheorie und der Antisemitismus sind derart verfestigt, dass dem nur schwer beizukommen ist. Dem Anschein nach wird das in den Schulen nicht thematisiert. Geschichtsbücher oder seriöse Medien werden nicht herangezogen. So überlässt man nicht wenige Kinder den Haltungen aus den Elternhäusern und den sozialen Medien. Die von diesen Jugendlichen genutzten sozialen Medien sind voll von Zuschreibungen, die ebenso hanebüchen wie bösartig sind. Das hindert aber nicht, dass dann, wenn es um den eigenen Status hier in Deutschland geht, man den Holocaust bemüht. Schon banale IS-Kritik wird zum Teil damit abgewehrt, dass wir als Deutsche zu den IS-Gräueln nichts sagen dürften, weil wir ja viel schlimmer seien. Dass sie hier sicher, ruhig und gleichberechtigt leben können, ist ihnen nichts, wir seien „sowieso alle Nazis“, die „ruhig zu sein hätten“. Dass genau diese Haltung „alle Deutschen sind gebürtige und unheilbar Nazis“ ihrerseits faschistoid ist, weil sie aus einer ethnischen und nationalen Zugehörigkeit eine innere Haltung für die Zukunft festschreibt und die Person und ihre aktuellen Haltungen und Handlungen nicht betrachtet, also pauschal abwertet als Mensch und Person, ist nicht vermittelbar. Man wehrt sich gegen die Zuschreibung „alle Muslime sind gleich“. Das ist eine berechtigte Forderung (ungeachtet struktureller Erfassung, die anders zu bewerten ist, also Gruppe wie LIES! oder die „Grauen Wölfe“ z.B., also einer politischen Einordnung), wird aber nicht auf andere Menschengruppen angewandt. In diesen jungen Köpfen steht also gleichermaßen nebeneinander „Muslime sind nicht alle gleich“ und „Juden sind alle gleich“ bzw. „Deutsche sind alle gleich“ (zusammen „alle Ungläubigen sind gleich“ und gleich minderwertig und sollen minderberechtigt sein). Man macht es sich also passend je nach Bedarf, erfasst aber die grundsätzliche Problematik von Pauschalisierungen sowie geschichtliche Einordnungen nicht.

Ein mehr im Hintergrund der öffentlichen LIES!-Betätigungen stehender junger Mann, der im letzten Jahr als Unterstützer aufgefallen war und im inneren Zirkel der Frankfurter Gruppe zu verorten ist (auch nach eigenem Bekunden „Insider“), versuchte eine meiner Debatte mit jungen Leuten an sich zu reißen. Er hörte zunächst zu und bezeichnete dann meinen Verweis auf die Doku „Sterben für Allah“ als irreführend. In der der Doku sei alles erlogen. Er kenne oder haben die Protagonisten, also Enes und seine Mutter, gekannt und wisse daher, was abgelaufen sei. Da ich mich an ihn und seine Argumentationsweise (er ist nach meiner Erinnerung Student) erinnerte, brach ich das Gespräch mit ihm ab und meinte nur, dass wir beide es nach den Debatten vom letzten Jahr dabei belassen könnten, dass wir beide grundsätzliche politische Gegner seien.

Die LIES!-Aktivisten sowie nennenswerte Teile der Akhi-Szene waren gestern nicht auf der Zeil. Da der maßgebliche Organisator Gümüs zur Zeit wohl anderweitig beschäftigt ist, wird sich zeigen, ob die Frankfurter Aktivitäten wieder kontinuierlich weitergeführt werden. Eine Rolle mag spielen, dass wir deren Betätigungen – es war u.a. widerrechtlich n.m.M. die Fussgängerzone mit einem Kleintransporter befahren worden – auch entsprechend zur Kenntnis nehmen und geben.

Mahnwache vom 16.05.2015

Von 16-18 Uhr vor dem Brockhausbrunnen. Besonderen Dank an die Frankfurter Polizei, die uns umsichtig betreute und auch mal Ansprachen hielt, wenn nötig.

Mit dabei war wieder die Kurdisch-Israelische Freundschaft (KIFA).
Vielen Dank an die Passanten, die sich zu uns stellten, und an ein Brautpaar, dessen Braut sich 2 Minuten nahm für unsere Aktion. Noch mal alles Gute für die Zukunft!

Einige Jungen versuchten, über die Frage „Was ist Salafismus?“ zu irritieren. Die Auskunft, dass das ein gängiger Begriff sei, der Missverständnisse hervorrufen könne, aber nun mal als eben allen geläufiger Begriff akzeptiert werden solle, stellte sie nicht zufrieden. Die Alternative, den Oberbegriff „Islamismus“, wollten sie gleich gar nicht akzeptieren. Sie warfen vor, man habe den Koran nicht gelesen. Auf die Frage, welche der Übersetzungen denn genehm sei, wussten sie keine Antwort. Ihnen war nicht klar, dass es verschiedene Übersetzungen gibt. Schon als ich anfing, meine Übersetzungen aufzuzählen, damit sie mir die „richtige“ nennen könnten (ich bin da ja gerne behilflich), stieß auf Ablehnung, als ich mit A wie Ahmadiyya anfing. Es folgte höhnisches Lachen. Diese Gruppe junger Muslime lehnte also die Ahmadiyya prinzipiell ab, weswegen auch ihr Text, „ihr Koran“ ganz zweifellos eine Fälschung sein müsse in ihrem Denken. All dies natürlich ohne diesen Text und die Abweichungen zu kennen, rein aus einem Vorurteil heraus. Der von den Ahmadiyya verbreitete Text ist nämlich nahezu identisch mit dem von den LIES!-Aktivisten verteilten, der Übersetzung von ibn Rassoul.

Mindestens zweimal wurde ich gestern als Rassistin beschimpft. Und dass, obwohl ich mein T-Shirt trug mit der Aufschrift „Freiheit, Gleichheit, Mitmenschlichkeit. Das Grundgesetz ist größer“ auf der Rückseite und auf der Vorderseite: „Die Menschenrechte sind stärker“. Als Schild: „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“. Völlig klar, dass jemand, der von Gleichheit, Mitmenschlichkeit und Menschenrechten spricht, nur ein Rassist sein kann.

Ein in einiger Hinsicht erkennbar beeinträchtigter Mitstreiter, der sich schon mehrfach dazugesellt hatte, hielt sich trotz gesundheitlicher Probleme tapfer bis zum Ende. Mehrere Akhis, gruppiert um einen Wortführer, der schon seit Beginn fast immer und immer wieder aggressiv auftritt, hatten sich diesen als „Opfer“ auserkoren, wohl weil er ihnen das leichteste schien. Als ich versuchte, dieses eigentlich recht miese Manöver zu konterkarieren und zu unterbinden, wurde mir von eben diesem Wortführer vorgeworfen, ich sei „respektlos“. Ihm gegenüber. Anscheinend hält er das für das Zauberwort, mit dem man Gegenüber ins Unrecht setzt, auch wenn sie Recht haben.

Eine Gruppe Jungs fragte nach „Islamismus“. Sie betonten nach jedem Halbsatz, dass sie das schon wüßten. Meine Gegenfrage, warum sie dann fragten, blieb unbeantwortet. Stattdessen wurde behauptet, wenn sie „so etwas“ machten, würden sie verhaftet. Ich versuchte zu vermitteln, dass das ganz falsch sei und sie natürlich jederzeit eine Demo anmelden könnten, sofern es sich im Rahmen der Gesetze halte. Während meiner Erläuterungen verhöhnte mich ständig einer der Jungen, ich sei so hübsch, er sei ganz verliebt. Das war nicht weniger abschätzig gemeint als die sonstige Herabsetzung, man sei häßlich usw., denn er lachte sich halbtot dabei.

Zwei junge Frauen, wohl Muslimas, „westlich“ in geschmackvoller Weise auftretend, fragten mich, ob ich Deutsche sei. Ich hörte das akzentfreie Deutsch und entgegnete „ja, bin ich und sie auch“. Sie betonten: „aber mit Migrationshintergrund“ (was ICH nicht gesagt hatte). Ich erwiderte, ich hätte einen pommerschen Migrationshintergrund, wollte das also leicht scherzhaft ins Gespräch umlenken. Sie winkten dann ab. Nichtmuslime sollten sich überhaupt nicht zum Islam äußern, meinten sie abfällig und gingen.

 

Mehrere kleine Jungen postierten sich neben einer Mitstreiterin, die das Schild „Salafisten werben – Kinder sterben“ trug. Einer von den dreien sagte halblaut „Scheiss-Juden“. Als er das zum dritten Mal rief, lauter werdend, meinte die Mitstreiterin, sie sollten mal mitkommen. Erstaunlicherweise gingen sie mit zur Polizei am Rand, wo ihnen – sie waren deutlich nicht strafmündig – ein Polizist eine ernste Ansprache hielt. Vielen Dank, das war gut und notwendig.

Ein junger Kopte gesellte sich hinzu. Neben anderem berichtete er, er habe gerade Abou-Nagie gesichtet, habe ihn aber jetzt aus den Augen verloren. Ich hielt dies zunächst für eine Verwechslung.

Eine Mädchengruppe, vielleicht 15 jährige, regten sich über die Schilder allgemein auf. Sie warfen mir nach der Eingangsfrage, was das solle, was wir da veranstalteten, schrill vor, ich solle erst einmal den Koran lesen. Auf meine Gegenfrage, welche meiner Übersetzungen, die Ahmadiyya-Version (abfälliges Abwinken), die von LIES!, die von Ali Ünal usw. ich denn noch mal lesen solle, führte zum aggressiven Vorwurf, es gäbe NUR EINEN Koran. Es war ihnen schlicht unbekannt, dass es mehrere Übersetzungen gibt. Sie wiederholten das mehrfach und meinten dann, man müsse ihn auf arabisch lesen. Sie behaupteten alle, arabisch zu können (was ich bezweifelte). Ich fragte dann nach, ob ihnen bekannt sei, dass das, was heute als DER Koran bezeichnet wird, erst von Uthman* zusammengestellt wurde, und anschließend andere Versionen vernichtet wurden. Uthman war der dritte Kalif und initiierte die Sammlung erst viele Jahre nach Mohammeds Tod. Er wurde aus mündlichen Überlieferungen und Erinnerungen von wenigen Personen zusammengeschrieben. Das verwirrte sie völlig, was aber nicht zur Reflexion führte, sie konnten mit dieser Erklärung nichts anfangen und behaupteten weiter, es gäbe nur DEN Koran. Auch der Hinweis, dass die Al Azhar Universität die heute verwendete Lesart bzw. die heute verwendete Verschriftlichung erst festgelegt hatte, führte nur zu weiterer Wiederholung ihrerseits. Sie waren es offenkundig nicht gewohnt, über den oder einen Text nachzudenken. Ich empfahl ihnen in das, man muss schon sagen, Gezeter hinein, sie sollten sich mal zur Textgeschichte belesen, schon die Wikipedia helfe. Sie gingen dann wohl zu einer Mitstreiterin. Diese trug eine Mütze, auf der auf der einen Seite „Shalom“ in hebräisch und auf der anderen Seite „Salam“ in arabisch zu lesen war. Sie berichtete später, dass einige Mädchen das Wort „Salam“ nicht hätten entziffern können. Das allerdings ist eines der ersten Worte, das man kann, wenn man arabisch lernt. An ein Lesen des Korans im Original ist also nicht entfernt zu denken.

Ein Mann mittleren Alters, er wirkte irgend wie „links“, fragte, was wir denn da machten.Nach der Erläuterung der Strassenradikalisierung entgegnete er, aber er habe dort mal einen Koran bekommen. Die Männer am Stand seien ganz freundlich gewesen. Ich erklärte ein weiteres Mal, dass der Stand als Werbeinstrument und Anlaufstelle diene, dass die Ansprache jedoch mehrheitlich im Umfeld ablaufe. Er verstand es wieder nicht. Diese Leute stünden doch da. Da sie dastünden, sei das erlaubt. Man müsse doch also gar nichts tun. Der Staat werde von alleine tätig. Ich fragte ihn, ob er jemals – er wirke auf mich links (was er bejahte) – überhaupt etwas z.B. gegen Faschos auf der Strasse gemacht habe. Z.B. so etwas kleines und ungefährliches wie ein Teelichtchen anzünden oder bei einer Demo mitlaufen. Ja, meinte er, aber das sei lang her. Und, fragte ich, warum haben sie das damals gemacht? Damals habe er gemeint, man müsse was in der Gesellschaft ändern. Sehen sie, das meine ich auch, erwiderte ich. Wir als Gesellschaft müssen über unser Zusammenleben sprechen und hier konkret über Islamismus. Noch nie habe ich einen derart unpolitischen Linken erlebt, der sich völlig darauf verliess, dass der Staat alle Probleme sofort sieht und lösen kann. Das grenzte schon an Gottvertrauen.

Ein Mann Mitte Dreissig, vielleicht Zentralafrikaner im Matrix-Morpheus-Look mit großem Rucksack, lief langsam an uns vorbei und beschimpfte uns wüst. Er war ganz außer sich, brüllte und schäumte förmlich vor Wut. „Ich bin für Todesstrafe!“ „Ich bin für 800 Jahre Gefängnis!“ „Wollt Ihr Krieg?“ „Nehmt das sofort runter!“ Ich trat von der Brunnenumrandung herunter, weil ich die Mitstreiter im Auge behalten wollte. Auch mich schrie er an: „Nimm das runter!“. Ich meinte nur: „Vergiß es!“, weil lange Reden von hochaggressiven Menschen gar nicht mehr wahrgenommen werden. Er schrie darauf „Fotze, nimms runter!“ ich wiederholte mich und dann war auch schon die Polizei da, weil er ein, zwei Schritte auf mich zu gemacht hatte. Er brüllte noch „fick dich“, dann wurde er weggeführt. Strafantrag ist gestellt, der Herr braucht eine Lektion wie es scheint.

Gegen Ende postierte sich uns gegenüber eine größere Gruppe (~20) junger Männer. Ein Teil von ihnen trug T-Shirts, auf denen ein bunter Aufdruck war, der u.a. das Wort „Liebe“ enthielt. Unkundige verwechselten sie mit Ahmadiyya, was aber eine Fehleinschätzung war, denn sie verteilten Material von Bilal Philips. Ich erkannte mehrere der Männer sofort als Aktivisten aus Karlsruhe, einer ein Saif Uddin. Saif Uddin reist seit längerer Zeit häufig mit und für Abou Nagie, war für ihn schon in Indien und der Türkei. Sie fotografierten ausgiebig und machten sich über uns lustig, standen da wie beim gemeinsamen Zoo-Besuch. Wahrscheinlich suchte man die Frankfurter Aktivisten zur Motivation auf, nachdem man da in letzter Zeit geschwächelt hatte. Die Erheiterung hatte – das ist meine Spekulation – den Grund, dass sie es mit ihren islamistischen Inhalten und ihrer Vorgabe in die Community hinein, sie seien ganz normale Muslime, schaffen, dass aus dem Stand heraus sich viele Muslime mit ihnen und nicht mit der freiheitlichen Gesellschaft solidarisieren. Dass sie bewirken können, nicht wenige Muslime als Gruppe zu ihrer Verteidigung agieren zu lassen auch ohne Auftrag. Und dass diejenigen, die sie als Gegenseite definieren, offensichtlich nicht in der Breite begriffen haben, dass man ihre freiheitlichen Grundwerte gegen sie benutzt.

 

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http://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUthm%C4%81n_ibn_%CA%BFAff%C4%81n

Mahnwache vom 21.03.2015

Vor dem „MyZeil“ von 16-18 Uhr. Unser besonderer Dank gilt der Frankfurter Polizei, die die Mahnwache umsichtig und professionell begleitete.

Wir begannen eine Idee später, da einige Mitstreiter nicht ganz pünktlich waren.

Ein älterer Mann, recht groß und massig in Relation zu mir, sprach mich ziemlich aggressiv wegen meines Schildes an. Ich erklärte ihm das Wort Islamismus, auch unter dem Gesichtspunkt, dass dieser Begriff ein Dialog-Angebot ist. Er fing an, unflätig abzuwerten ohne auf inhaltlicher Ebene zutreffend korrigieren zu können. Ich habe in meinen Möglichkeiten ruhig weiter erklärt. Er fing dann an, mich zu beschimpfen. Auch das nahm ich noch weitgehend hin, beharrte aber auf meinen – korrekten – Erläuterungen. Die Definitionen sind ja allgemein unstrittig bis auf Personen, die sich i.d.R. noch nicht damit auseinandersetzten. Dann ging er weg mit den gerufenen Worten, „Du bist eine rechtsradikale Drecksau“. Das haben andere Umstehende mitbekommen. Ich bin ihm die paar Schritte nach und hab ihm angeboten, er könne sich noch bei mir entschuldigen, denn er habe Unrecht und dies sei inakzeptabel. Er lehnte das ab und machte gerade weiter. Ich bezeichnete das als sehr törichte Entscheidung und ließ dies die umstehende Polizei dann einmal festhalten. Ich bin normalerweise hart im Nehmen und versuche, die Polizeiarbeit nach Kräften nicht unnötig auszuweiten, aber das war dann einfach mal der Punkt, an dem ich so etwas nicht mehr hinzunehmen bereit war. Das war kein 13 Jähriger. Zwei sehr stabile Beamte übernahmen die Personalien-Feststellung. Der Mann war sehr erstaunt, als seine Personalien aufgenommen werden sollten. Nachdem er merkte, dass das die Polizei ernst meint und sich auch durch sein Lamento nicht wegbringen lässt, kamen alle dann zu mir. Er wolle sich jetzt entschuldigen. Ich hab nur gemeint, dass das so jetzt einige Minuten zu spät sei, er habe seine Chance gehabt. Ich habe Strafantrag gestellt.

Es gab wieder Gruppen sehr, nun ja, freizügig gekleideter junger Mädchen, die das Wort „Islamismus“ nicht kannten, niht verstehen wollten, es aber trotzdem falsch fanden. Lustiger Weise wurde ich diesmal ständig darauf aufmerksam gemacht, ich solle doch mal den Koran lesen. Mein Taschen-Exemplar von den Ahmadiyya (ungefähr textgleich mit der von den LIES!-Aktivisten verteilten Rassoul-Übersetzung), ordentlich textkritisch durchgearbeitet mit Markierungen, post it-Klebern und anderen Memos überzeugte nur wenig. Man beharrte darauf, dass nur sie den Koran kennen und ich nicht. Nun ja. Einbildung ist…

Ein Mitstreiter sprach mit einer Gruppe Jugendlicher über Salafisten. Die Gruppe meinte, Salafisten seine keine Muslime. Die IS-Massaker seien Erfindungen und Vorspiegelungen der Medien. das eigentliche Problem seien die USA und israel, die hinter allem steckten.

Ein koptischer Christ aus Ägypten hatte dieses und einige andere Gespräche mit Jugendlichen dieses Mitstreiters angehört, indem er länger stehenblieb und lauschte. Er äußerte sich erschrocken, wie festgefahren diese jungen Menschen bereits in ihren Meinungen seien und dass sie kaum noch andere Sichten und Wertungen zuließen.

Eine weitere Gruppe jüngerer Männer und 3 jüngere Frauen scharte sich länger um eine Mitstreiterin und diskutierte heftig mit ihr. Eine der Frau behauptete, Jurastudentin zu sein, vom Thema der Demo „gegen Islamismus“ wich sie direkt ab und lenkte zu den „viel schlimmeren Verbrechen in Israel“. Dort würden jeden Tag 1000 Kinder getötet werden. Auf die Erwiderung, dass dies dann 365.000 Kinder im Jahr wären, wechselte sie das Thema. Allerdings war das Thema Israel auch nur von kurzer Dauer, da schlichtweg jegliche Wissensgrundlagen fehlten und nach mehreren „..noch nie gehört..“, musste sie leider ganz schnell weg. 2 weitere jüngere Frauen, eine im Hijab und engerer Leggings und High Heels, die zweite in ebenso enger Leggins und deutlichen Kilos zu viel, versuchten, wieder die Erklärung zu erhalten, „Was ist Islamismus“? Die Begründung wurde mit „alles Lügenpresse“ abgetan. Man wähnte sich bei „Deutschland sucht den Pediga-Kandidaten“. Eine der Frauen machte die Mitstreiterin noch darauf aufmerksam, am jüngsten Tag würde sie bereuen: Wenn sie trotz besseren Wissens nicht den Islam angenommen hätte, würde sie direkt in der Hölle landen. Zwei jüngere Männer, die immer wieder nur durch Nachäffen aufgefallen waren, sahen sich genötigt, sich auch in Szene zu setzen. Sie versuchten dies, indem sie zweimal dünn “Takbir!” riefen, woraufhin zwei Männer schwacher Stimme “Allahu akbar!” entgegneten. Das stellte wohl nicht zufrieden, weshalb einer kräftig “YMCA!!!” anstimmte. Auch das im Minutentakt als Versuch, andere zum mitsingen zu bringen.

Ich konnte mich – Situationskomik ist etwas Großartiges! – minutenlang kaum zusammenreißen. Ich musste immer wieder lachen*.

Ein weiterer jüngerer Mann, kleiner im Wuchs, schlechter in der Artikulation, war der Auffassung das Schild einer Mitdemonstrantin touchieren zu müssen. Auf den Hinweis, dass sie dann evtl. „hinfallen“ könnte und das Schmerzensgeld über einen Anwalt doch recht teures Vergnügen für ihn werden könnte, ging er laut schreiend durch die Reihe der Mitstreiter bis zum Rand. Da er dort auch auffällig wurde, hatte er schnell zu Polizisten zur Seite und musste am Polizeiwagen sich ausweisen. Danach war er auffallend still. Besten Dank.

Ein Paar aus dem Finanzbereich Mitte 30 ließ sich die Inhalte erläutern. Man teilte unsere Haltungen und Sichten zwar, mache sich auch „große Sorgen“, befürchtete jedoch wegen der konservativen Grundlinie in diesem beruflichen Bereich Nachteile, wenn man sich öffentlich dazu bekenne.

Mehrere Passanten hielten zwischendurch Schilder und machten mit. Sie schlugen sich tapfer. Ich habe zwischendrin immer mal gehört, was sie so erzählten. Das muss ja nachhören, wer sich da mit welchen Inhalten exponiert. Wir bieten das i.d.R. nur Menschen an, bei denen wir nach erstem Eindruck bzw. kurzem Gespräch die Meinung haben, dass sie nichts Antidemokratisches erzählen. Darauf achten wir.

Einige Jungen traten zu mir und einer las laut mein kleines rotes Schild am Revers vor: „Sturmerprobt seit 1863“.** Er meinte dann: „So alt hätte ich sie gar nicht geschätzt!“ Das konnte sein Kumpel so nicht stehen lassen, denn ich stand ja da als dringend von ihnen herabzusetzende Person: „Nein, nein, noch viel, viiiel älter!“. „Netter Versuch“, sagte die Mumie.

Kurz vor Demo-Ende kamen zu dem einen Mitstreiter zwei Jugendliche um die 20 und meinten zu ihm „Habt ihr euch verlaufen? Solltet ihr nicht bei Pegida sein?“ Daraufhin hat er ihnen erklärt : „Wir sind weder „Rechts“ noch von Pegida. Ich wähle z.B. die Linke. Es muss aber möglich sein, Islamismus zu kritisieren, ohne sofort in die rechte Ecke gestellt zu werden. Gerade vor dem Hintergrund einer immer größer werdenden salafistischen Szene“… Schließlich hat sich das Mädel bei ihm entschuldigt, ihn so pauschal abgewertet zu haben.

Die Akhi-Szene war nicht da. Vielleicht bildeten sie das Empfangskommitee für Sven Lau:

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* YMCA heißt ein Titel eines Liedes. Übersetzt heißt das etwa „Christlicher Verein junger Männer“. Noch dazu gesungen von einer Gruppe, in der die Sänger als Homosexuelle auftraten. Dem jungen Mann war so offenkundig gar nicht klar, was er da anstimmte…
** Das Schild ist ein SPD-Schild, das auf das Gründungsjahr hinweist. Ich finde es großartig und trage es gerne. Besonders gerne bei solchen Aktionen.

Mahnwache vom 14.03.2015

Von 15-17:30 Uhr vor dem „MyZeil“. Unser Dank wie üblich an die Frankfurter Polizei, die trotz Vorbereitung auf die kommenden Proteste um die EZB, was schon die ersten Einsätze erforderte, alles bestens im Griff hatte.

Wir begannen etwas später, da einige Teilnehmer noch anreisten. Eine Passantin, die in letzter Zeit häufiger angeregt mitdiskutierte, wunderte sich über die Polizeipräsenz. Ihre Einschätzung, dass doch nichts passiere, wenn man da steht und diskutiert, teile ich so pauschal nicht. Zu oft schon wurden wir so umringt, dass kein freier Rücken mehr da war, kein Platz zum Ausweichen und wir wurden einige Male ohne viel Vorgeplänkel körperlich angegangen. Dreimal wäre mindestens einer von uns verprügelt worden, wäre die Polizei nicht eingeschritten. Dass es heftig, aber friedlich war, wenn sie da war, verleitete zu dieser sorglosen Einschätzung. Ich war immer wieder froh, dass die Polizei da war, wenn sie gebraucht wurde. So recht überzeugt war sie nicht, aber ich kann die Verantwortung nicht dafür übernehmen, dass einem Mitstreiter etwas passiert, nur weil ich einer Passantin etwas beweisen muss (noch dazu etwas negatives).

Mehreren Jugendlichen, die in Zweiergrüppchen kamen, konnte der Begriff Islamismus erläutert werden und auch die Wichtigkeit, dass Jugendliche nicht radikalisiert werden. Sie verstanden das ansatzweise, was positiv war.

Einige jüngere muslimische Frauen ohne Kopftuch, aber trotz deutlichem Übergewicht in hautenge Leggings gequält, beharrten darauf, dass der Begriff Islamismus ganz falsch sei und ich wohl den Koran erst einmal lesen müsse. Meine Entgegnung gefiel ihnen nicht und so zogen sie murrend von dannen.

Um Mitstreiter bildeten sich immer wieder Gesprächskreise, die, wenn auch die Gespräche emotional geführt wurden, im gesteckten Rahmen blieben. Wenn ein neuer Gesprächskreis initiiert war, konnte man sich zurückziehen (die Passanten diskutieren dann miteinander) und einen neuen anregen.
Auf diese Weise war der kleine Platz vor dem „My Zeil“ mit verschiedenen Grüppchen besetzt.

In gewisser Weise hat der Platz vor dem „My Zeil“ in diesen Stunden ein bisschen was von der „Speakers Corner“: Ein Thema wird zur Debatte gestellt und Passanten, die das Thema interessiert, tun mit. Ein Platz für freie Rede im geschützten Raum.

Ein Team des Ahmadiyya-Eigenkanals MTA war vor Ort, benutzte uns als Hintergrund, befragte auch Passanten wohl zu uns, kam aber nicht zu uns. Man wird sehen müssen, in welche Zusammenhänge sie das stellen werden.

Die Unterstützerszene war nicht vor Ort, vielleicht unterwegs im Ruhrgebiet, wo eine Salafi-Kundgebung stattfinden sollte. Trotzdem waren einige Passanten da, die häufiger gegenhalten. Bei diesen bröckelt aber etwas die klare Gegenhaltung in der Weise, dass sie jetzt etwas über die Inhalte, die sie nach wie vor kritisieren, hinwegsehen und uns auch als Menschen wahrnehmen.

Vielleicht hilft die Hyposensibilisierung ja weiter.