Friede auf Erden…

und doch kein Wohlgefallen Teil III

Fortsetzung zu:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/12/26/friede-auf-erden/

und

https://vunv1863.wordpress.com/2016/12/27/friede-auf-erden-2/

Bei der Konferenz, der dritten ihrer Art, konnten also eine Reihe interessanter beobachtungen gemacht werden.

Doch wer steht neben dem Vorsitzenden Abdallah bin Bayyah, seinem Schüler Hamza Yusuf und den etwa 400 Besuchern noch für diese veranstaltung?

Schaut man genauer, war der letztjährige Veranstalter ein Gremium, das auf der Basis einer Absprache aus dem Jahr 2014 geschaffen wurde: Das „Muslim Council of Elders“ eine Art Ältestenrat.

In der Eigenauskunft findet sich dieses

Based In The United Arab Emirates’ capital, Abu Dhabi, The Council Is The First Institutional Body That Aims To Bring The Islamic Nation Together

http://www.muslim-elders.com/en/about-the-council/

 

Apfelmännchen 160707

Der Eigenanspruch ist also kein geringer und kleiner. Man will nicht weniger als die „Islamische Nation“ einen. Das Schaffen des Friedens dient also dem Zweck, eine Ummah, eine muslimische Gemeinschaft zu formieren. Panislamismus in seiner ursprünglichen Form.

Da es schon die Islamische Weltliga gibt, die saudisch dominiert ist (und zu der die vor einiger Zeit in den USA verbotene International Islamic Relief Organisation gehört):

https://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Weltliga

und die Organisation für islamische Zusammenarbeit existiert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_f%C3%BCr_Islamische_Zusammenarbeit

müssen die Aufgaben, Ziele oder Wege zum Ziel hier noch einmal andere sein.

Der Ältestenrat ist eine Bestrebung von Dr. Ahmad Al Tayyib, dem „Sheikh der Al Azhar“ und Abdullah Bin Bayyah. Da sind dann viele nette Dinge zu lesen, wie man den innermuslimischen Frieden herstellen möchte. Aber halt auch eine islamische Nation:

To identify and correct misleading religious and Islamic concepts, to promote peace within a clear and accurate Islamic framework, and to clarify the theoretical underpinning of the origins of such concepts after understanding the reality and requirements of the Islamic nation.

http://www.muslim-elders.com/en/about-the-council/

Über den Herrn Al Tayyib

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Mohammad_al-Tayyeb

kann man nun auch einiges sagen. Nur nicht, dass sein Frieden für alle Personen gelten würde („Al-Tayyeb hatte am 4. April 2002 Selbstmordattentate gegen Israel ausdrücklich gerechtfertigt“, WP s.o.), oder dass er für tatsächliche gleiche Rechte von Männern und Frauen wäre oder – ganz generell – dass seine Religion sich einem westlichen Staatsprinzip unterwürfe. Nein, unter seinem Islam sind vielleicht verschiedene Staatsformen denkbar. Aber es ist immer klar, dass die Religion über dem Gemeinwesen stehen muss, also die religiösen Regeln über weltlichen Gesetzen.

Unter diesem Aspekt ist es besonders interessant, dass genau dieser Herr aktuell sich der Bundesregierung angedient hat. Man will die in Deutschland ausgebildeten Imame schulen, da Deutschland Probleme mit der DITIB habe. Diese Freundlichkeit verwundert bei einer Person, die andernorts Selbstmordattentate für die legitime Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln hält:

Mittlerweile werden hochfrequent nationalistische oder islamistische Äußerungen aus dem von der Türkei gesteuerten Islamverband bekannt, dem die politisch Verantwortlichen eine mit den Jahren zunehmende Einflussnahme in Schulen und Stadtteilen ermöglichten.

Da ist man andernorts schon weiter wie bei der „schönen“ Konferenz neulich. Da wurden wunderbare Narrative gefunden, die man so erzählen kann. Der Islamismus kommt im modernen Gewand mit modernen Sprachhülsen daher, geschmeidig und vertraut klingend für dialoggewohnte Ohren, und nationalistisch muss man auch nicht sein: Global denken, lokal handeln ist da angesagter.

Möglicherweise wird das Angebot auch der Bundeskanzlerin vorgestellt, wenn sie am Donnerstag in das Land reist“. Das Angebot bestehe ab sofort, er schlage vor, es zu prüfen – mit der Zielrichtung, es anzunehmen, sagte der CSU-Politiker. „Besonders deshalb, weil uns die türkische Ditib als größter muslimischer Ansprechpartner durch ihr in der Öffentlichkeit kritisiertes Verhalten zunehmend wegbricht.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article162478587/Aegypten-bietet-Deutschland-Imam-Schulung-an.html

Die Ohren sind nicht nur dialoggewohnt, sondern auch dankbar und kenntnisarm, wenn eine Annahme überhaupt erwogen wird. Und die Öffentlichkeit wird auch zunächst wenig Kritikwürdiges hören – dafür sind ja die wunderbaren Poesie-Album-Blätter vom Herrn bin Bayyah da. Peace!

Doch zurück aus dem Tagtraumland: Mehr Personen, die solche Vorstellungen und Ziele haben wie der Herr Al Tayyeb sind nun wirklich nicht hilfreich. Oder um es etwas flapsig zu sagen: Gegen Personen, die – induziert – von einem panislamischen Superstaat träumen, mögen die Neo-Osmanen fast noch das kleinere Übel sein. Fürchte die Al Azhar, wenn sie Geschenke bringt.

Da kann es nur ein freundliches, aber bestimmtes „Nein, danke“ geben. Ganz ohne verschwörungstheoretische Paranoia ist das kaum weniger als der verschwiemelte ideologische Griff nach Europa über Deutschland, das man für besonders verzweifelt zu halten scheint derzeit. Das „Modellprojekt Belgien“ von Saudi-Arabien hat da sicher eine beispielhafte Funktion: Oh wie schön ist Molenbeek! Das Modellprojekt feierte ja jetzt gerade sein 50 jähriges Bestehen:

http://www.deutschlandfunk.de/terrorismus-in-belgien-das-problem-molenbeek-begann-1967.1310.de.html?dram:article_id=377127

Die anderen Mitglieder des Ältestenrats kann man hier einsehen:

http://www.muslim-elders.com/en/members/

Um es kurz zu machen: Diese Herrschaften erscheinen kaum vertrauenswürdiger.

Nein, das gefällt ganz und gar nicht. Das ist von der Sorte Frieden, die man nicht anstreben sollte. Das wäre ein Burgfriede a ´la Troja.

Insofern sollte man dem im Allgemeinen eine Absage erteilen und auch die deutschen bin Bayyah Anhänger nicht mit den infantil imponierenden bunten Spruch-Blättern und Kalendersprüchen durchkommen lassen. Heißen sie nun Mazyek (der die vielen bin Bayyah Seiten mittlerweile von der „safer spaces“ Seite entfernen ließ), Kellner, Özdil oder Dziri. Insbesondere die, die vom Fach sind und die, die auf der Konferenz in kleinen Zirkeln „kurze, bereichernde“ Strategiegespräche führen konnten, sollte man einmal fragen, was sie sich dabei dachten. Für die Prävention auf jeden Fall erscheinen Personen, die eine Art identitäre weltweite Bewegung unter falschen Vorgaben voran bringen wollen, wenig geeignet. Da muss man sich vor die muslimischen Jugendlichen stellen.

 

 

 

Ein paar Eindrücke nebst Zitaten – die für die Öffentlichkeit – von einigen Konferenzteilnehmern:

http://www.thenational.ae/uae/heritage/peace-must-be-path-for-muslims-abu-dhabi-forum-hears

Advertisements

Ein Gedanke zu “Friede auf Erden…

  1. Zum Großscheich der Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, kann ich noch etwas beitragen, nämlich einen offenen Brief von Hamed Abdel-Samad an den „Erlauchten“:

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article153293988/Fragen-an-den-Grossscheich-im-Deutschen-Bundestag.html

    Wenn die Kanzlerin glaubt, hier einen guten Gesprächspartner gefunden zu haben, kommt sie vom Regen in die Traufe, um nicht zu sagen, sie vertauscht nur den Teufel mit dem Beezlebub. Die Kanzlerin weiß, wer sich ihr da andient. Nimmt sie sein Angebot an, können wir dahinter Absicht vermuten. Ihre Stoßrichtung wird dadurch einmal mehr deutlich. Es geht in Richtung fundamentaler Islam.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s