Schwestern im Geiste I

Über eine unterschätzte Gruppe

Nicht erst seit im Jahr 2011 die Koranverteilaktion „LIES!“ gestartet wurde, ist das öffentliche Bild des islamistischen Akteurs durch eher junge Männer in traditioneller Kleidung geprägt. Das ist jedoch ein Fehleindruck, denn diese eine sehr öffentlichkeitswirksam auftretende Gruppe ist definitiv nur eine kleine Teilmenge. Da gibt es seit vielen Jahren die Legalisten, die allermeist in Schlips und Kragen auftreten und in Räten und Talkshows sitzen. Da gibt es die Alten, die oftmals als Graue Eminenzen wirken. Und es gibt die Frauen, die meist mit, aber auch mal ohne Kopftuch verschwimmen vor dem Meer derer, die es aus rein privaten Gründen oder wegen der Familie tragen.

Die weibliche Seite des politischen Islams ist kaum weniger aktiv als die männliche, hat aber oftmals andere Betätigungsfelder und auch andere Formen des Auftretens. In Teil I seien beispielhaft einige Vertreterinnen des politischen Islams auf der Seite der Legalisten betrachtet.

Die weibliche Seite des politischen Islam ficht z.B. in juristischen Verfahren um das Kopftuch an allen Orten unter der Vorgabe, dies sei ihre ganz persönliche Freiheit und eigene Bestimmung. Schaut man sich diese Personen jedoch genauer an, dann steht hinter dieser „freien Frau“ die Muslimbruderschaft, hinter jener „freien Frau“ die DITIB und hinter einer Dritten vielleicht die IGMG. Fereshta Ludin beispielsweise, die als Lehrerin das erste „Kopftuch-Urteil“ vorantrieb, war von 1997 bis 1999 im Vorstand der Muslimischen Jugend in Deutschland, die muslimbrudernah ist*, auch wenn sie sich juristisch getrennt darstellt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Fereshta_Ludin

Ein älteres Interview:

http://www.deutschlandradiokultur.de/biografie-von-fereshta-ludin-die-frau-hinter-der-kopftuch.2156.de.html?dram:article_id=316026

Oder die sehr gehypte Kübra Gümüsay, die sich als Feministin bezeichnet, hier ihr blog:

http://ein-fremdwoerterbuch.com/

Frau Gümüsay versucht z.B. Frauen als Opfer zu stilisieren, wenn sie das Kopftuch in manchen Berufszusammenhängen nicht tragen dürfen. Nüchtern betrachtet könnte man ja auch mal fragen, warum das von so großer Wichtigkeit persönlich ist, es gibt ja viele verschiedene Arten, mit seiner Umwelt umzugehen (persönlich getragen ist es an sich egal, was Frauen machen, viel Spaß dabei). Ein wenig anders sieht das aus, wenn daraus eine politische Kampagne gemacht wird, das also als Mittel zum Zweck erscheint. Da gibt es manches, was irritiert. Aus dem selbstgewählten Rückzug, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden, wird in Umdeutung ein durch die Gesellschaft verursachtes „Berufsverbot“ (diese Diktion wählt man, eine Nummer kleiner geht es nicht; das ist aber nicht nur ihre Diktion). Gümüsay möchte, dass ihr Vorbringen ihr zugerechnet wird. So weit Konsens. Es sei einmal ein kleiner Vortrag von ihr für einen Eindruck verlinkt. Sie behauptet einfach Dinge, die meist nicht hinterfragt werden

 

Hinter den bunten Ausführungen steht am Ende, dass man islamischen Feminismus nicht erklären müsse. Sie bringt da wenig (das Fach hat ja durchaus etwas zu bieten, man muss es dafür aber jenseits von Worthülsen kennen, es gibt vieles an Literatur). Im Wesentlichen versucht sie zu vermitteln, dass alle Frauenprobleme mit patriarchalen Handlungen keine islamische Basis hätten. Sie führt aus, diese Probleme seien „islamisiert“ worden. Der Islam könne die Quelle der Selbstermächtigung sein.

Solche „Selbstermächtigung“, solch ein Aufschrei fehlt mir etwas, wenn hochrangige muslimische Gelehrte in Deutschland nicht das erste Mal Seminare zum Frauenschlagen anbieten:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/27/kostenpflichtige-demuetigung/

Kritik an den Verbänden z.B. hat man von ihr bislang nur in homöopathischen Dosen wahrgenommen. Es mag einfacher sein, bestimmte Inhalte bei der Mehrheitsgesellschaft anzumahnen. Die innerislamische Auseinandersetzung fehlt merkwürdig. Vielleicht aber auch nicht merkwürdig.

Sie wird bei „Vereint im Islam“ geführt:

http://www.vereint-im-islam.de/kguemuesay/

Sie ist dort in einer Gesellschaft mal mehr, mal weniger bekannter Personen in überschaubarer Anzahl:

http://www.vereint-im-islam.de/referenten/

Der Islam, der diese Auswahl eint, ist ein fundamentalistischer, kein liberaler. Mindestens ist die Nähe zu türkischem Nationalismus mit islamistischer Konnotation zu befunden. Es besteht bei den aufgeführten Personen mal mehr, mal weniger Muslimbrudernähe. wie dies auch bei der ganzen Seite festzustellen ist. Zu den Haltungen Gümüsays sei auch dieser Facebook-Eintrag von Reyhan Sahin zur Kenntnisnahme empfohlen:

Auch aus dieser – deutlichen – Kritik wird erkennbar, dass von Gümüsay Feminismus nur als Worthülse und Assoziationsvorlage für die Kommunikation mit der Mehrheitsgesellschaft benutzt wird. Das positive Klischee von Frauen als harmlosen Geschöpfen wird ebenso eingesetzt wie die Vorspiegelung, Feminismus sei schon, was frau selber als solchen definiert. Da aber Feminismus in genau den Zirkeln, in denen Auftritte oder Medienbeachtung vergeben werden, einen per se guten Klang hat, ist das eine Strategie, die aufgeht. Bei Frauen, die sich selber als Feministinnen bezeichnen und Kopftuch tragen – so die Imagination – muss das Kopftuch ja ein privates sein. Wenige kommen auf den Gedanken, schon die Selbstzuschreibung zu hinterfragen, da das von Gümüsay umgehend als Rassismus umgedeutet und attackiert werden könnte. Der Umstand, dass eine Frau mit Kopftuch vielleicht Feministin sein kann, aber keineswegs sein muss, nur weil sie selber sich so bezeichnet, soll so als Feststellung nicht verbalisiert werden können. Siehe dazu auch:

http://www.ufuq.de/positioniert-euch-der-putsch-in-der-tuerkei-und-die-debatte-ueber-den-islamischen-feminismus-in-deutschland/

Im Zentralrat der Muslime (ZMD) finden sich im Vorstand zwei Frauen: Nurhan Soykan und Dr. Houaida Taraji. Während über die Einbindungen von Frau Soykan jenseits des Umstandes, dass sie Multifunktionärin ist, d.h. immer mal im ähnlichen Kontext die Posten wechselte, wenig aufscheint, sind die Einbindungen von Dr. Taraji schon im offiziellen Lebenslauf beim ZMD ersichtlich:

http://zentralrat.de/21417

Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) ist die größte Organisation der Muslimbruderschaft in Deutschland. Als Funktionärin der IGD und des ZMD ist sie in vielen Kontexten aktiv. Dies wird auch im Netz deutlich. Auf ihrer Facebook-Seite teilt sie Hinweise zu einschlägigen Veranstaltungen, die anderen Akteuren aus dem Muslimbruderbereich zuzuordnen sind. Zum Beispiel von Vereinen, die unter Verfassungsschutzbeobachtung stehen:

 

oder

 

 

oder:

 

Man ist also höchst aktiv. Höchste Aktivität an sich ist in Ordnung. Auch in gläubigen Zirkeln jedweder persönlichen Vorliebe. Viel Spaß dabei!

Aber Aktivität in Kreisen, die eher fundamentalistisch eingestellt sind, ihre Version des Islam jedoch als modern verkaufen, ist etwas, was man zumindest anschauen muss. Frauen sind nicht die besseren Menschen. Sie agieren nur anders, haben andere Arten, ihre Inhalte voran zu bringen, persönlich, manchmal auch strukturell Das gilt insbesondere für Strukturen, in denen noch mehr Wert auf eine getrennte Betätigung gelegt wird. Insofern muss man dort auch getrennte Frauen- und Mädchenarbeit anders werten und gewichten. Währen bei Strukturen der Mehrheitsgesellschaft Frauen ganz selbstverständlich an allen Aktivitäten gemeinsam teilnehmen können, also getrennte Aktivität als gesonderte Interessenvertretung zu verstehen ist, ist das bei einigen Strukturen dieser genannten Art nicht so frei. Da kann noch so viel von Feminismus schwadroniert werden bzw. diesem Begriff eine andere Bedeutung als im „westlichen“ Kontext zugeordnet werden. Diese Frauenrechte sind welche, die unter einem ähnlichen Vorbehalt stehen wie die Menschenrechte nach der Kairoer Erklärung. Sie stehen unter Glaubensvorbehalt.

Das alles sollte man wissen, wenn man die Aktivistinnen und ihre öffentliches Auftritte anschaut. Man ist zuerst Gläubige, zuerst Muslima, andere Identitätsaspekte werden nachgeordnet.

Zu den noch fundamentalistischeren Damen in Teil II.

 

 

 

 

 

 

 

* „Die 1994 gegründete Muslimische Jugend in Deutschland e.V. (MJD) ist eine bundesweit agierende
Vereinigung von muslimischen Jugendlichen. Die MJD stellt sich als unabhängige Organisation
dar. Tatsächlich bestehen jedoch vielfältige Verbindungen ideologischer, personeller
und struktureller Art zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD). Die IGD ist die
wichtigste und zentrale Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft (MB) in Deutschland.
Darüber hinaus verfügt die IGD über Beziehungen zu Einrichtungen auf europäischer
Ebene, wie zum Beispiel dem Forum of European Muslim Youth and Student Organizations
(FEMYSO), einer Dachorganisation für muslimische Jugendliche in Europa, die von MB-nahen
Organisationen beeinflusst wird.

Aus einer Antwort des Hess. Innenministeriums, Drucksache 19/1289 aus dem Jahr 2015:

Klicke, um auf 01289.pdf zuzugreifen

** Frau Gümüsay hatte das Video wohl nicht gesehen und urteilte aufgrund von Hörensagen:

 

** Die Fortsetzung bei der FES:

 

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