Bieberer Viertelwelt

Sechster Verhandlungstag am OLG Frankfurt gegen Aria L. am 21.06.20i6

Teil 1: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/03/schoene-landschaft-mit-viel-blut/

Teil 2: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/04/ausser-kontrolle/

Teil 3: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/11/mucke-muckis-und-moschee/

Teil 4: https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/17/rechenschaft-vor-den-kuffar/

Teil 5: https://vunv1863.wordpress.com/2016/06/08/offenbacher-puzzle/

Nach vergeblicher Ladung und fehlgeschlagener Vorführung wird die ehemalige Freundin Cansu A. gehört. Der Senat versuchte dies zumindest.

Die junge Frau mit dem straffen schwarzen Pferdeschwanz stöckelt auf 15 cm Absätzen braungebrannt in den Saal. Zu viel Sonnenstudio und Schminke lassen sie älter als ihre 25 Jahre wirken. Der Grund dafür, warum sie weder der Ladung nachkam noch vorgefunden wurde, als sie zu zur Vorführung aufgesucht wurde, klingt im Gegensatz zum erwachsenen Outfit sehr pubertär: Sie habe Probleme gehabt. Sie scheint gewohnt, dass eine solche Erklärung verfängt, denn als der Vorsitzende nachfragt, welche Probleme sie denn gehabt habe, geht sie den Vorsitzenden aggressiv an: Ob „sie jetzt hier ihre Privatsachen ausbreiten solle?“ In dieser Tonlage bleibt es die ganze Zeugenvernehmung hindurch. Die Zeugin fällt den Richtern und der Staatsanwaltschaft immer wieder aggressiv ins Wort, reagiert patzig, herrscht den Vorsitzenden (!) laut an. Der versucht, die Sitzungsdisziplin über etliche Androhungen von Ordnungsgeld und sogar Ordnungshaft zu wahren. Das gelingt nur partiell. Eben gezogene rote Linien werden nach kurzem Luftholen gleich wieder und wieder überschritten, Die Zeugin erscheint als eine völlig unerzogene Person, die weder den Ort noch die anwesenden Personen als Repräsentanten dieses Landes achtet.

Zwischen dem Dominanzgebrülle von Richter und Zeugin versucht dieser, wenigstens ein Minimum an Information zum Verhandlungs-gegenstand zu erhalten. Ob sie einen Beruf habe wird zunächst gefragt. Cansu A. gibt an, zu Hause zu sein. Es wird nachgehakt. Nach mehreren Versuchen wird deutlich, die junge Frau hat keinen Beruf erlernt, eine Ausbildung brach sie ab. Die Versorgung der jungen Frau mit dem Lebensnotwendigen bleibt im Unklaren – aber welche Tätigkeit könnte jemand verrichten, der derart unzuverlässig ist, ausweichend und aggressiv? Keine Achtung vor Regeln, keine Achtung vor Bildung, nicht mal Achtung vor Älteren?

Ein neuer Versuch: Wie sie und der Angeklagte sich kennenlernten? Zu lange her, ein schwaches Gedächtnis, vertröstet die Zeugin. Der Richter insistiert, man habe doch immerhin jahrelang zusammengelebt, Aria L. müsse ihr doch irgendetwas über sich erzählt haben. Er könne sich noch an Details des Kennenlernens mit seiner Frau erinnern und das sei viel länger her. Ob sie mit vielen Männern derartigen Umgang hätte? Nein, meint Cancu A., man habe sich halt „draußen“ kennengelernt und sei dann „zusammengekommen“. Erzählt habe er angeblich nicht viel. Das kommt so dürftig und schmucklos wie hier geschrieben. „Wie, draußen?“ „Draußen halt.“ Man wohne in der Nachbarschaft, in Bieber. Wenige im Saal scheinen die Einlassungen nachvollziehen zu können. Man habe eine on/off-Beziehung geführt. Der Begriff – denselben nutzte die Polizistin in der Verhandlung über – passt wenig zum sonstigen Wortschatz der jungen Frau. Ein Beisitzer will es dann doch einmal in Zahlen fassen und läßt sich die Eckdaten geben. Vor der Syrien-Reise waren die beiden fast 2 Jahre zusammen, aber auch noch monatelang nach seiner Rückkehr. Von dieser habe er jedoch „gar nicht so viel erzählt“ (von diesem „Nichterzählen“ gibt es stundenlang TKÜ). Zum Bruch vor der Ausreise kam es, weil Aria L. immer religiöser wurde und diese Wandlung auch von ihr verlangte. Gegenseitige Eifersuchtsszenen scheinen zur Beziehung dazu gehört zu haben. Auf Nachfrage sagt sie, Aria habe sie mal heiraten wollen. Sie selber sei nicht sehr religiös, Beten und Kopftuchtragen sei nicht ihr Ding. Sie sei Muslimin. Aber auch „Mama“, so nennt sie die Mutter von Aria L., habe nicht mehr gewollt, meint sie. Die Mutter und der Bruder wohnten mit in der Wohnung. Sie und Aria hätten aber ein eigenes Zimmer gehabt. Vorgeschichte, die Weise, wie man zusammen lebte innerhalb dieses Klein-Clans, Ende der Beziehung – alles bleibt seltsam diffus. Sie zog einfach wieder zu den Eltern, einige Häuser weiter.

Als es um die physischen Auseinandersetzungen geht, wird es vollends bizarr. Cansu A. hatte mehrfach die Polizei gerufen, es war einmal Anzeige erstattet worden wegen Körperverletzung. Der Strafantrag wurde später zurückgezogen. Nunmehr behauptet die junge Frau, Aria L. habe sie „zurückgehalten“. Als diese Einlassung Ratlosigkeit hinterlässt und Nachfragen kommen, sagt sie, sie habe Aria L. provoziert. Auf die Frage, ob Würgen auch unter „zurückhalten“ gesehen werden kann, sagt sie, sie provoziere, das sei halt ihre Art. Als die Staatsanwaltschaft nach Namen von Freunden Arias fragt, behauptet die Zeugin, sich nicht erinnern zu können. Der Vorsitzende hält ihr eine zurückliegende Aussage vor. Mehrere Namen hatte sie früher genannt. Auch an die von der Polizistin genannte Aussage, Aria habe ihr gedroht, ihr „den Kopf abzuhacken, wenn er wegen ihr ins Gefängnis müsse“, kann sie sich jedoch nicht mehr erinnern. Sie wird gefragt, ob sie mit jemandem gesprochen habe vor der Verhandlung, ob sie Angst habe. Sie verneint dies alles. Der Vorsitzende gibt seiner Ungläubigkeit Ausdruck. Mutter und gegenwärtige Freundin von Aria haben die Verhandlung persönlich während der Sitzungstermine verfolgt und mit diesen habe sie sich sicher ausgetauscht. Es bleibt unklar, sie räumt nichts ein. Auf eine Vereidigung wird verzichtet. Die junge Frau verlässt den Saal und knallt die Tür zu.

Der Senat will es sich noch überlegen, ob das Ordnungsgeld von 200 Euro aufrecht erhalten wird.

Eines scheint auf aus dieser engen kleinen Clan-Welt in den verschiedenen Vernehmungen: Es scheint kein Entkommen zu geben. Ein selbständiges Leben führen diese jungen Menschen nicht, alles findet irgendwie mit und in der Familie statt. Keines der „Kinder“ wohnt in einer eigenen Wohnung. Das scheint auch von den jungen Erwachsenen für normal gehalten zu werden (s. Bericht erster Verhandlungstag; Aria fühlte sich durch den neuen Ehemann seiner Mutter „verdrängt“ – mit 19). Es ist eine seltsame Welt, eine zwischen Job-Center, Kleinkriminalität und Clan-Ehre. Zwischen nächtelang durchtelefonieren können, aber sich zu schwach und „gestresst“ fühlen, zu arbeiten oder auch nur eine Ausbildung fertig zu machen. Zwischen nicht erwachsen werden wollen und „draußen“ den starken und erwachsenen Mann markieren. Frauen, die sich schlagen lassen und dies hinnehmen vom Freund oder Mann, völlig unterworfen. Die parallel aber aggressiv Achtung vor sich einfordern und selber dominant sind gegenüber Außenstehenden. In dieser engen Welt werden sich die Beteiligten sicher wiedertreffen und jemand wie Cansu A. mag Angst vor den Folgen haben, wenn Aria L. irgendwann wieder frei ist.

Eine seltsame Welt – mitten in Offenbach Bieber.

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