Lila Charme-Offensive

Über Vielfalt im Marburger Spektrum islamischer Angebote

Die Marburger Dar al Salem-Moschee war vor einiger Zeit auf diesem blog Thema, weil die hochgeladenen Videos dieser Einrichtung Anlass zur Bedenken gaben:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/02/01/marburg-noch-eine-problemzone/

Verantwortlich sind nach Vereinsregister derzeit Djamel Amitouche und sein Stellvertreter Ahmed Ouhab.

Viele der Videos wurden mittlerweile gelöscht, Inhalte verschwanden, wohl auch in Reaktion auf öffentliche Wahrnehmung wie z.B. hier. Von sich selber verbreitet sehen möchte man dem Anschein nach lieber ein anderes Bild, eines, das gefälliger in der Außenwirkung ist. Da wird dann aus der Abgrenzung zu Nicht- und Andersgläubigen schon einmal die Förderung der „Herausbildung einer islamischen Identität“

 

Islamisch Identitäres also, wie es auch von der Muslimbruderschaft durchaus üblich ist; das ist nichts, was auf Salafisten beschränkt wäre.

Mit den Journalisten vom HR wollte man darüber zunächst nicht sprechen, wie man einem Hessenschau-Beitrag entnehmen kann:

http://www.hessenschau.de/tv-sendung/video-41762.html

Statt dessen machte man es so wie es strategisch nunmehr viele fragwürdige Einrichtungen halten: Anstatt den Journalisten für Fragen zur Verfügung zu stehen, verweigert man sich wohl der offenen Aussprache und dem transparenten Gespräch mit der Presse, wartet die Berichterstattung ab und setzt dann – ohne Möglichkeit des Hinterfragens – mit solchen Behauptungen seine Sicht in die Welt:

 

Gegenöffentlichkeit.

Auch in der Oberhessischen Presse findet sich keine Stellungnahme der Verantwortlichen, dafür eine eher um Verständnis werbende Stellungnahme von Dr. Bilal El Zayat:

Erz-konservative Kreise und Islam-Auslegungen gibt es auch hier, das ist nicht der Geschmack von jedem. Aber als riesig problematisch ist die Moschee uns nicht aufgefallen“, sagt Dr. Bilal El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg. Von „handfesten Problemen und Vorwürfen“ sei jedenfalls nichts bekannt.

http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Moschee-soll-Salafisten-Haus-sein

Die Frage ist, an welchem Punkt Dr. El Zayat denn „handfeste Probleme“ sähe: Der ganze legalistische Islamismus dürfte seine Kriterien von „handfest“ nicht erfüllen.

Dass El Zayat doch recht viel Verständnis aufbringt, könnte an zwei Gründen liegen. Zum einen sind auch die Einrichtungen, in denen er Verantwortung trug oder trägt – er ist Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg* und war auch länger Vorsitzender der „Orientbrücke“ – dem Verfassungsschutz mehr als nur „bekannt“. Nämlich langjährig aufgefallen als Einrichtungen, die dem Betätigungsfeld der Muslimbruderschaft zugeordnet werden. Die ihm unterstehende islamische Einrichtung in Marburg und auch die Orientbrücke tauchten immer wieder in den Verfassungsschutzberichten von Land und Bund auf als Teile des Netzwerks der Muslimbruderschaft, die sich auch in der IGD organisiert. Der Bruder von Bilal El Zayat Ibrahim war langjährig der Vorsitzende dieser Organisation und war und ist auch bei Strukturen der islamischen Wohltätigkeitsorganisation „Islamic Relief“ immer wieder in Funktion. Die IGD wiederum gilt als größte Organisation, in der Anhänger der Muslimbruderschaft aktiv sind. Das Spektrum der Muslimbruderschaft nun ist international breit; auch gewalttätige Derivate sind bekannt. Erst vor kurzem wurde das Fernziel der Bewegung, eine islamische Gesellschaft, von einem hochrangigen Vertreter noch einmal bekräftigt.

Zum anderen gibt es da weitere, dezentere Gemeinsamkeiten mit der Dar al Salem-Moschee. Der gegenwärtige stellvertretende Vorsitzende der IGD, Dr. Aniss Al-Doaiss

Quelle: Screenshot der auf Frau Dr. Houida Taraji (ZMD und IGD) zugelassenen Seite http://www.1plus1gleich11.de/ueber-uns.html Abruf 30.09.2017

 

leitete länger den Trägerverein des Frankfurter EIHW, ebenfalls eine Einrichtung, die vom Hessischen Verfassungschutz der Muslimbruderschaft zugerechnet wird. Zugleich ist er aber auch Vorsitzender des „Deutsch-jemenitischen Vereins für Hilfe und Entwicklung e.V.“ mit Sitz in Berlin:

https://vunv1863.wordpress.com/2017/09/03/eihw-breiter-aufgestellt/

Dieser Verein wurde im Mai als zusätzliche Spendenadresse angegeben:

 

Auch im letzten Jahr wies man schon auf ihn hin:

 

Das kann man durchaus einmal hinterfragen.

Für die „Wissensvermittlung“ holte man dann aber anscheinend doch lieber diesen Herrn hier. Sulayman ar Ruhayli (verschiedene Schreibweisen, auf diversen Salafistenportalen präsent):

 

Der Herr ist z.B. der Auffassung, dass man schon einen ungläubigen Herrscher „entfernen“ müsse (sinngemäß nach der englischen Übersetzung), dass man aber, sollte man keine direkte Aussicht auf Erfolg haben, Geduld bewahren müsse. Hier eine öffentliche Einlassung aus dem letzten Dezember:

 

Also keine generelle Absage an Gewalt aus politischen Gründen, sondern es wird eine kaufmannsschlaue Abwägung angeraten, ob man erfolgreich sein könne. Es geht darum, nur den Muslimen nicht zu schaden. Die, die gegen Assad kämpfen, sieht er als „unsere Leute“, die ein Recht auf Jihad hätten. Man solle mit Geld, Kleidung und Bittgebeten unterstützen. Nun denn.

Weiß der Herr El Zayat nicht um solche „Gäste“? Wenn er es nicht weiß, sollte er sich vielleicht mit dem Verteilen von Persilscheinen etwa zurückhalten. Wenn er es weiß, dann sowieso.

Hier wird dann auch einiges deutlich:

Zurückweisung von bida, der Neuerung.

Aber das sind ja dann die Inhalte für die eigene Community. Von der IGD hingegen kann man deutlich etwas lernen hinsichtlich des Eigenmarketings. Und so ist für den 03.10.2017 dann auch etwas geplant, was ein möglicherweise besonders leichtgläubig und suggestibel gewähntes Klientel maximal anspricht. Sogar in lila, der Farbe der Frauenbewegung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Violett#Frauenbewegung

Man könnte fast vermuten, dass es da eine wirklich gute Beratung gab:

 

Das ist so lila, das kann doch gar nicht unbunt sein.
Man kann sich die Gespräche schon lebhaft vorstellen: Man wird Frauen gerne als Testimonials gewinnen, weil man bei manchen mit den gängigen Gender-Narrativen punkten kann, ohne ideologisch ein Jota nachzugeben. Da man einlädt, kann man berechtigt auf die Höflichkeit des Gastes bauen. Es wird in diesem Kontext keine harten Debatten und Nachfragen geben, weil die Frauen, die dorthin gehen werden, auch zu wenig über Einrichtung und Ausrichtung wissen. Psychologisch nicht ungeschickt, es menscheln zu lassen und dafür die Frauen vorzuschicken. In dieser Gestaltung wird auch die dort auch außerhalb des Gebets sicherlich gelebte Geschlechtertrennung kaum auffallen; auch in den Kreisen, die sich mit Frauenpolitik beschäftigen, werden Männer gerne außen vor gelassen (wobei sich jeder für Gleichstellungspolitik interessieren kann, aber meist ist man da noch nicht so weit). Man wird ein wenig über DIE Männer an für sich lästern, weil das in manchen Kreisen immer gut kommt und eine weibliche Identifikation schafft. Frauen-Solidarität gibt es oft mit wenig Nachfragen, weil da leicht ein gemeinsamer Gegner, nämlich das Patriarchat als solches, unter dem sich manche Frauen unter gänzlich anderen Grundbedingungen auch hierzulande schwerstens leiden sehen**, ausgemacht werden kann. Mit anderen Worten: Das ist perfekt auf eher linke, kulturell beflissene Frauen abgestimmt, die hinterher fleißig als Multiplikatorinnen wirken sollen: Das war so nett dort und die Frauen, hach ja.

Zu Frauen meint der oben erwähnte, von der Moschee eingeladene Herr übrigens andernorts, dass sie wegen ihrer überschießenden Emotionen nicht für voll zu nehmen seien:

 

Bei einem Frauentreff fällt eine Abwertung von Frauen als Gruppe durch Fundamentalisten weniger auf, da gibt es nur noch die Abwertung als Nichtgläubige. Aber natürlich kann man Frauen instrumentalisieren, sofern das nützlich ist.***

Ob diese aufscheinende Doppel-Strategie fruchtet, wird man sehen müssen. Marburg hat ja hinsichtlich islamistischer Betätigungen seine ganz eigene „Realität“.

Es wäre auf jeden Fall hinsichtlich der problematischen Inhalte und der Debatten um rote Linien zielführender, wenn JournalistInnen nachhakten. Mehr echte Transparenz. Solche „Charme-Offensiven“**** stellen nämlich nur eine wohlfeile Pseudo-Transparenz dar, die eine Seite für die Mehrheitgesellschaft präsentiert, während das für die eigene Community davon unberührt bleibt. Das kennt man aus Muslimbruder-Kontexten, erprobte Manöver, ubiquitäre Muster von Berlin bis München. Aber ebenso wie man solche Strategien bei der Gülen-Bewegung kennt und bei der Muslimbruderschaft, können sie alle Organisationen nutzen, die taktisch vorgehen.

 

 

 

 

 

 

* Journalisten könnten sich durchaus auch einmal zum Namenspatron der „Omar ibn Khattab“-Moschee belesen. Das war ein Schlächter, der schon besiegten keine Gnade gewährte aus nichtigen Gründen, ein Eindruck:

Nach dem Sieg von Badr fiel er durch seine Härte gegenüber den mekkanischen Kriegsgefangenen auf. Während sich Abū Bakr in dieser Situation für die Freilassung der Gefangenen gegen eine Lösegeldzahlung einsetzte, forderte ʿUmar ihre Hinrichtung. Wörtlich soll er zu Mohammed gesagt haben: „Sie haben Dich zum Lügner erklärt und vertrieben. Lass sie antreten und schlage ihnen den Kopf ab!

https://de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFUmar_ibn_al-Chatt%C4%81b

Es gibt schöne arabische Namen. Man wählte aber diesen.

** Bei allen noch bestehenden Ungerechtigkeiten hierzulande: Das ist eine ganz, ganz andere Größenordnung und Grundlinie. Die Ungleichheit ist im Muslimbruder-Salafi-Dunstkreis ideologisch und nicht nur rituell festgelegt, ganz unabhängig davon, was zu Marketingzwecken erzählt wird.
Am Rande: In der Moschee wurde auch schon die muslimische Alternativmedizin, die bekanntlich mehr Frauen zieht, angeboten.

*** Besagte muslimische Alternativmedizin, auf die verwiesen wurde:

Das blutige Schröpfen ist übrigens eine Behandlung, die nicht einfach so ausgeübt werden darf, Tradition hin, Tradition her. Mindestens eine Erlaubnis nach HPrG muss vorliegen.

**** Zur Unterscheidung: Vereine, die sich wirklich öffnen wollen, sprechen mindestens mit Journalisten und stellen sich ihren Fragen. Und sie verfolgen auch keine Doppelstrategie mit schönen Flyern auf der einen Seite und salafistischen Predigern auf der anderen.

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