Marburg: Nur nicht drüber reden

Mahnwache mit Antisemit

Über die verschiedenen Manöver, in Marburg eben nicht über das vorliegende und relevante Problem mit Strukturen u.a. der Muslimbruderschaft zu reden, war hier bereits mehrfach geschrieben worden:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/11/25/marburg-eine-stadt-liebt-die-muslimbrueder/

https://vunv1863.wordpress.com/2017/01/27/marburg-nicht-ganz-gesund/

Immer wenn die Firnis ein paar Risse bekommt, wird eine weitere Schicht Tünche darüber gepinselt. Das Problem ist nur: Wann will man das thematisieren? Will man das wirklich der nächsten Generation überlassen? Hat die Verantwortungsverweigerung dieses Maß  erreicht?

Ein dokumentierter Judenhaß wird von einzelnen Protagonisten im Auftreten zur Mehrheitsgesellschaft hin verborgen, wohl um sogar die örtliche jüdische Gemeinde geschickt instrumentalisieren zu können. Antisemitische Haltungen werden zur „eigenen Community“ hin in aller Breite vertreten – und die ganzen religiösen Vertreter machen mit dabei, nur den von den muslimbrudernahen Kreisen erwünschten Ausseneindruck, dass man ja auch Juden ein guter Mitmarburger sei, mitzutragen. Sie geben sich als Testimonials her und verschlimmern und verlagern damit das Problem.

Aktuelles Beispiel*, bei der anberaumten Mahnwache anläßlich einer Brandstiftung an einer Gebetsstätte eines fundamentalistischen Vereins wurde Dr. Hamdi Elfarra als Vertreter der Islamischen Gemeinde** entsandt (mit schwarzer Jacke, 2.v. rechts im Bild mit Brille):

 

Die von der jüdischen Gemeinde gegenüber der betroffenen Einrichtung demonstrierte Solidarität sagt etwas über diese Gemeinde aus. Sie sagt jedoch nichts über das Gegenüber aus. Sich derart mit seinen expliziten Feinden an eine Seite zu stellen – ja, dazu bedarf es schon einer besonderen Projektionsfähigkeit und Hartnäckigkeit in der Weigerung, das Gegenüber als das zu sehen, als das er sich z.B. auf seinem Facebook-Account ungeniert outet, s.u.

Dr. Hamdi Elfarra, der das Anfangsstatement spricht, weiß die Marburger Stadtgesellschaft wohl zu nutzen. Bei Kundgebungen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, also Bereichen, bei denen er selber betroffen sein könnte, ist er vorne dabei. Das steht natürlich frei und es ist ja auch gut, dass sich die Marburger da so klar positionieren (das sagt etwas Gutes über die freundlichen Marburger aus). Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind Probleme, denen man beherzt entgegentreten muss. Personen, die einen eigenen gruppenbezogenen Menschenhaß pflegen, sind dort jedoch deplaziert.  Dass die Marburger bei solchen öffentlichkeitswirksamen Aktionen eine Person mit dabei haben, die Juden als Gruppe persönlich dem Anschein nach die Vernichtung wünscht, scheint wenigen klar. Alternativ sind solche Haltungen den Anwesenden egal:

Screenshot Facebook-Account Dr. El Farra, Abruf 28.01.2017

Übersetzung:


Nun – da gibt es wenig Deutungsspielraum. Selbst wenn man dieses einzeln noch positiv umdeuten wollte (was kaum möglich ist), stehen dann weitere Dinge dieser Art im öffentlichen Auftreten. Dies hier ist z.B. nach wie vor abrufbar:

 

Die Vertreter der jüdischen Gemeinde in Marburg stellen sich also mit jemandem hin, der – so kann, nein muss man das Bild interpretieren – Juden, Israelis auch dann noch töten will, wenn sie sich ergeben (man beachte die zerschossene Parlamentärsflagge). Aus diesem Bild sprechen ein unversöhnlicher Hass und eine tiefe Verachtung. Und er ist nicht der einzige, der so denkt.

All jene, die sich mit Dr. El Farra dort hinstellen, verleihen ihm einen Anschein. Das nur um des Effekts willen, ihre eigene Haltung vorführen zu können. Eine solche – im Grunde ehrenwerte – Haltung ist jedoch entwertet, wenn man nahe einer Person mit solchen Haltungen steht, mit ihr gemeinsam auftritt. Sie geben seinem Antisemitismus eine weitere bürgerliche Schutzschicht, sie verleihen das Gewand des Biedermannes. Ganz so wie im gleichnamigen Stück, nur stärker noch, als sei der Brandstifter nicht nur ungefährlich, sondern einer wie Biedermann. Vielleicht ist es metaphorisch umgekehrt: Biedermann stellt einen Paravent um den ersten Brandherd, damit er der Feuerwehr nicht zu früh auffällt. Er selber mag sich einreden, was gegen das Feuer getan zu haben: Aus den Augen, aus dem Sinn. Das ist jedoch ein Scheinfriede, ein Friede auf Abruf, denn darunter schwelt dieser Haß auf Juden weiter. Man kann sich berechtigt fragen, was die jüdische Gemeinde in Marburg da so umtreibt und weswegen sie solche Dinge mitmacht; und vor allem auch, was die anderen jüdischen Gemeinden im Land so meinen, wenn sich eine Gemeinde derart für die Sache von expliziten Judenfeinden instrumentalisieren lässt. Den Kirchenvertreter und die anwesende Stadtpolitik muss man fragen, ob sie kein eigenständiges Urteil sich zu bilden in der Lage sind und warum sie das mitmachen. Nehmen sie den Herrn Dr. El Farra nicht ernst? Darf der das und warum? Diese Bilder und Aussagen sprechen für sich und da muss man noch nicht mal großartig historisch gebildet sein, um sie angemessen einzuordnen. Man muss dazu noch nicht mal den Verfassungsschutz ernst nehmen, etwas, womit insbesondere Dr. Spies ja in der speziellen Causa der Muslimbruderschaft erhebliche Schwierigkeiten hat (er hält eine fachliche Zuordnung einiger islamischer Vereine in Marburg zur Muslimbruderschaft für „Verschwörungstheorien“). Dessen Urteil braucht man da gar nicht. Man muss nur diese Bilder auf sich wirken lassen. Antisemiten dieser Qualität erkennt man an ihren Äußerungen. Nimmt man diesen Antisemitismus hin, weil dass „zu schwierig“ ist, weil man sich nicht traut, weil man eine Ambivalenz nicht aushält?

Marburg drückt ein weiteres Mal auch seine Antisemiten an die Brust. Offen zugeben würde man das nicht. Aber man handelt so. Wichtig ist den Sympathisanten aller Coleur vor allem, dass man nicht darüber spricht und den Betrug und Selbstbetrug nicht aufdeckt. Die Marburger Stadtgesellschaft wird getäuscht.

Nie wieder? Aber immer wieder!

 

 

 

 

 

 

* Der Brandanschlag war natürlich widerwärtig und ist strikt zu verurteilen – welches Gebäude auch immer so etwas trifft. Das gewählte Datum macht indes die Tat noch einmal gesondert verwerflich. Zu diesem Vorfall, es entstand Sachschaden:

http://www.fr.de/rhein-main/kriminalitaet/marburg-brandanschlag-auf-moschee-a-1384935

Zu der Gebetsstätte:

http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Aus-den-Stadtteilen/Brandsatz-vor-Moschee-gezuendet

** Man beachte in diesem Zusammenhang die Erklärung der Islamischen Gemeinde Marburg von gestern. Darin heißt es:

Ganz klar distanzieren wir uns von Gewalt und sonstigen radikalen Vorstellungen, die zum Teil mit dem Islam legitimiert wurden und werden und die der friedlichen Koexistenz von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Weltanschauungen entgegenwirken.

Ach, und was ist dann mit den Haltungen des Repräsentanten Dr. Elfarra? Ist das nicht radikal, sondern normal, gilt für die Juden in Israel anderes als für die Marburger

http://ig-marburg.de/startseite/bericht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=11&cHash=5b91923befadda3655385eef34d28039

Entgegen der Bezeichnung in dem Video scheint nach wie vor Dr. Bilal El Zayat Vorsitzender zu sein:

http://ig-marburg.de/impressum/

Das war auch mein letzter Kenntnisstand aus einem VR-Auszug vom 21.09.2017.

Weiter aus der Erklärung:

Viele der uns vorgeworfenen Anschuldigungen beziehen sich offensichtlich auf den Verein „Orientbrücke Marburg e.V.“, der aktuell die erste Marburger Moschee im Marbacher Weg betreibt, und der bis vor einigen Jahren im Verfassungsschutzbericht des Landes Hessen erwähnt wurde. Es gibt aber sehr gute Gründe, warum der Verfassungsschutz diese Einschätzung offensichtlich geändert hat. Näheres dazu erfahren Interessierte sicherlich beim Verein direkt.“

Im aktuellen Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz, der vor gerade einmal 10 Wochen veröffentlicht wurde, heißt es hingegen:

„Strukturen

Föderation Islamischer Organisationen in Europa (FIOE) | In Europa wird die streng hierarchisch organisierte MB durch die FIOE, einen europäischen Dachverband MB-naher Organisationen mit Sitz in Brüssel (Belgien) vertreten. Eigenen Angaben zufolge vereinigt die FIOE Organisationen aus 28 Staaten, darunter viele nationale Dachverbände.

Strukturen der IGD | In Deutschland ist die IGD mit Hauptsitz in Köln (Nordrhein-Westfalen) die mitgliederstärkste Organisation von MB-Anhängern. Sie repräsentiert den ägyptischen Zweig der MB und ist seit ihrer Gründung Mitglied der FIOE. Der IGD sind bundesweit verschiedene Moscheegemeinden und sogenannte Islamische Zentren zuzuordnen, die formal von ihr unabhängig sind. In Hessen befanden sich solche Zentren in Frankfurt am Main und Marburg (Landkreis Marburg-Biedenkopf).„‚

Es sieht so aus, als wolle man die Öffentlichkeit bewußt täuschen.

Nachtrag:

In einer ersten Version war versehentlich eine Aussage falsch zugeordnet. Ich bitte um Beachtung und Kenntnisnahme, dass den Gottesbezug nicht Dr. Spies einbrachte.

Ein Gedanke zu „Marburg: Nur nicht drüber reden

  1. Zu Erinnerung auch noch einmal dieser Artikel aus der Jungle World. Aleander Nabert mit ähnlichen Einschätzungen:

    Bilal El-Zayat, der die liberale Fassade aufrecht erhalten will, hält sich mit offen islamistischen Äußerungen zurück. Nicht so seine rechte Hand, Hamdi Elfarra, der bei der Islamischen Gemeinde Marburg als Projektkoordinator wirkt. Zwar ist auch Elfarra gut in der Stadtpolitik vernetzt; so unterstützte er Spies im Wahlkampf und trat bei Kundgebungen gegen Pegida auf. Doch auf Facebook zeigt er sein wahres Gesicht. In einem mittlerweile gelöschten Beitrag heißt es auf Arabisch: »Allah, verbrenne die Juden, ihr Geld und ihren Gott!« In mehreren Beiträgen glorifiziert er die Hamas, so teilt er etwa Videos von Militärparaden und Fotos von betenden Jihadisten der Organisation. Auch Zakarya Ali, der wie El-Zayat und Elfarra am Universitätsklinikum Gießen und Marburg arbeitet und auf vielen privaten Fotos mit beiden zu sehen ist, wird auf Facebook explizit. Eine seiner öffentlichen Nachrichten lautet: »Adolf Hitler hat in seinem Buch ›Mein Kampf‹ gesagt: Ich könnte die ganzen Juden vernichten, aber ich lasse einige von ihnen, um zu wissen, warum ich sie vernichten wollte.« Auch dieser Beitrag wurde gelöscht.

    Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle. Auch bei vielen weiteren Personen aus dem Umfeld der Orientbrücke und der Islamischen Gemeinde Marburg lässt sich eine ideologische Nähe zur Muslimbruderschaft feststellen. Auf öffentlichen Facebook-Profilen lässt sich auch die islamistische Indoktrination von Kindern nachvollziehen, die mit »R4bia« posieren oder die Hamas glorifizieren – was von ihren Eltern mit einem »Gefällt mir« honoriert wird.

    https://jungle.world/artikel/2017/42/augen-schliessen-und-tee-trinken

    Liken

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