Wuppertal: Ein Jungprediger, viele Väter

Über das Umfeld und den Vater des Jungpredigers Saif Eddine Chourak

Gestern war über den Jungprediger Saif Chourak berichtet worden, der in Essen und Wuppertal aktiv ist:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/05/23/essen-jungprediger-im-pott/

Bei einem so jungen Menschen – Chourak ist 16 – ist es auch notwendig zu berücksichtigen, wie sein soziales Nahfeld zu den Betätigungen steht. Da seine Aktivitäten nicht nur seinen Facebook-Account betreffen, sondern auch ein youtube-Kanal betrieben wird, sowie erheblich und seit 2 Jahren Aktionen im realen Leben (Street-Dawa) erfolgen, ist es schwer, sich vorzustellen, dass dies ohne Wissen der Eltern geschah. Facebook hilft da weiter: Etliche Personen mit gleichem Nachnamen finden sich unter den „likes“ bei Familienbildern des Jungen. Die Internetaktivität kann also in der Familie als bekannt angenommen werden. Schaut man sich eine weitere Facebook-Aktivität von Chourak an, so wird deutlich, dass zumindest der Vater vollständig im Bilde ist. Chourak hat eine „Saif Chourak“-Gemeinschaftsseite, die von seinem Vater, Badredine Chourak, geliked wird:

Nach dem Profil des Vaters kann man annehmen, dass er hinsichtlich der Betätigungen seines Sohnes wenig Bedenken hat. Gestützt wird diese Sicht durch den Umstand, dass auf der Seite des Erziehungsberechtigten mehrheitlich Glaubensbekenntnisse, Aussprüche von problematischen Predigers und Verhetzendes über Christen und Juden zu finden sind. Der Facebook-Account von Herrn Chourak sen. schon lässt wenig Zweifel, dass er eine sehr spezielle Weltsicht hat, die zwischen Opferdiskurs, Abwertung anderer Menschen und dem festen Glauben, selber auserwählt, besonders klug und überlegen zu sein durch seinen Glauben, wenig Raum lässt. Die Diskrepanz zwischen Überlegenheitswahn und realer Existenz ist für manche Menschen eine ständige Quelle von Unzufriedenheit. Der spezifische fundamentalistische Glaube lässt nicht zu zu erkennen, dass noch mehr Glaube (ohne eigenes Zutun zielführender, d.h. glaubensunabhängiger Art) diese Situation auch nicht ändert.

Besonders gut spiegelt sich das in einer Einlassung seines Sohnes auf dessen Gemeinschaftsseite:

Chourak Bildungsspruch 160523

Screenshot „Saif Chourak Gemeinschaft“-Seite auf Facebook

Eine Absage an „weltliche“ Bildung in zwei Sätzen. Wer einen solchen Glauben hat, wird sich keine Alternativen zu fundamentalistischem Glauben und der peniblen Befolgung angeblicher Vorschriften schaffen. Er wird schlicht versuchen, genau herauszufinden, was sein Schöpfer von ihm will und dann genau das tun. Bei Chourak jun. ist das der fundamentalistische Islam.

Von der Seite des Vaters: „Christen-Satire“ im Jihadi-John-Look:

 

 

Da wundert es auch nicht mehr, wenn der Sohn das folgende Video bei sich einstellt von der „Street-Dawa“ in Wuppertal. Es geht um Funde auf einem Büchertisch (Auslage der Thalia-Buchhandlung in den City Arkaden Wuppertal), ein Buch von Hamed Abdel Samad, ein Buch über Charlie Hebdo. Im Kommentarbereich toben sich andere junge Leute aus, ein Treiben, dem Chourak jun. keinerlei Einhalt gebietet:

Die Kommentare zeigen neben erschütternden Bildungs- und Durchdringungsmängeln ein unglaubliches Maß an tatsächlichem Hass auf. Das ist keine Ablehnung mehr oder Gegnerschaft, nein, das ist leider ebenso primitiv wie emotional. Einige Auszüge, Vollzitate:

Aziz Mohammad Irgend wann insallah werden Sie es bereuen nur dann wird es zu spät sein in dem Sinne Salam.

Valid Eskiev Möge Allah die Strafe von diesem ekligen Kafir Charlie Hebdo mehren, möge Allah seines gleichen erniedrigen, Allahumma Amin.

Melik Inal jede Seele wird den tod kosten dann werden sie das bekommen was sie vorausgeschickt haben und werden betteln das sie noch eine Chance bekommen und werden sich wünschen das sie zu staub werden wie die tiere

Youness Amraoui Ich könnte jetzt echt Sachen schreiben die ich hier nicht schreiben darf. Naja aber wer gerne für Satire stirbt… Bitte nur zu.. Aber es wundert mich nicht. Die respektieren nicht mal Jesus den sie selber als Gottes Sohn bezeichnen. Warum sollten die erst recht Allah respektieren

Abu Sumayyah Am besten den ganzen Laden samt der Arbeiter verbrennen

[auf eine mäßigende Aussage hin:] Abu Sumayyah Wenn sie unseren Dīn beleidigen, ist es egal wem ich nachahme, hauptsache sie verrecken

In dem thread sind Schüler, Arbeitnehmer und Studenten dabei. Es sind auch mäßigende Stimmen darunter, die aber in der Kakophonie des Hasses nahezu untergehen.

Hier ab Minute 2 Chourak jun:

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Der Junge spricht davon, dass in seiner Familie nicht alle mit seiner Betätigung einverstanden seien. Diese Personen würden aber jetzt gar nicht mehr mit ihm darüber reden. Dieser Teil der Familie hat wohl aufgegeben, was Ersatzvater Nagie wunderbar findet.

Da der echte Vater sich auch schon mal mit Mohamed Bouniss, einem problematischen Prediger, ablichten lässt, wird der verstummte Teil der Familie eher nicht er sein.

Chourak sen. mit Mohamed Bouniss:

 

Vater und Sohn teilen teilweise dieselben Inhalte: Hassprediger-Videos, Botschaften zu angeblichen Lügenmedien, Aggressives gegen die „westliche“ Lebensart, Herabsetzendes zu Anders- und Nichtgläubigen. Der Vater teilt Inhalte wie diesen hier:

 

Der Mann, Dr. Eyad Qunaibi, sitzt aktuell ein. Er ist wohl Al Qaida-nah.

Beruhigen kann das alles nicht. Ein fundamentalistischer Vater, ein aufgeheiztes und aggressives Umfeld, das der junge Mann weiter anheizt, sowohl im Netz wie auch auf der Straße, Kontakte zu Lau & Co, relevanter eigener Fanatismus, all das ist eine ungute Mischung für einen jungen Menschen. Auch Präventionsprogramme greifen in dieser Konstellation kaum: Wenn der Junge nicht wollte und sein Vater das billigte, gibt es keine Möglichkeit derzeit, ihn zur Teilnahme zu bringen. Da diese Fälle so selten nicht sind, aber selten so gut dokumentierbar, sind diese Vorgänge auch von Interesse für die Prävention.

Ob das Jugendamt da noch etwas tun kann, wird sich zeigen. Das wäre nicht nur für den jungen Mann gut, sondern auch für die anderen Jungen und Mädchen in Essen und Wuppertal, zu denen er so intensiv Kontakt sucht. Der junge Mann versucht diese Kontakte nämlich so zu gestalten, dass der Glaube vor der sozialen Betätigung steht. Das funktioniert wie bei anderen Sekten auch.

Der Status quo hat einige Väter.

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Anmerkung: Saif Chourak ist mit 16 im noch schutzwürdigen Alter. Wegen seiner Selbstdarstellung, dem Auftritt in der von ihm selbst gewünschten breiten Öffentlichkeit, die auch vom Vater nachweislich gebilligt wird, ist es jedoch statthaft, ihn nicht verpixelt und mit vollem Namen wiederzugeben. Essener und Wuppertaler Eltern haben sonst wenig Chancen, etwas über das Umfeld zu erfahren, in dem ihr Nachwuchs virtuell oder real agiert oder hineingezogen wird. Alle Behörden unterliegen dem Datenschutz und können auch bei konkreter Anfrage kaum etwas konkret zur Person sagen. Dieser Beitrag dient daher maßgeblich Essener und Wuppertaler Eltern, die wissen möchten, wo und die sonst kaum eine Möglichkeit finden, zu erfahren, was vor sich geht.

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Nachtrag 30.07.2016:

Da sich bislang nichts tat sei die Schule hier genannt, um Eltern und auch den Pädagogen eine entsprechende Achtsamkeit hinsichtlich der Netzwerke zu ermöglichen. Es handelt sich um die Realschule Hohenstein.

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