Paternalistischer Rassismus

Aktuell soll „der Bundesfreiwilligendienst 10.000 zusätzliche Stellen erhalten, die vor allem für die Flüchtlingsarbeit genutzt werden sollen. Ein Teil davon soll mit Mitgliedern aus Moscheegemeinden besetzt werden, damit sie sozusagen als „Kulturdolmetscher“ fungieren können, wie Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sich ausdrückt: „Wir brauchen die Muslime, um die Integration voranzubringen.“

http://m.welt.de/politik/deutschland/article148699727/Integration-in-die-Parallelgesellschaft.html

Warum braucht man Muslime, um Muslime zu integrieren? Sollte da nicht die Sprachkenntnis genügen? Wäre darüber hinaus nicht sinnvoll, dass die beauftragten Kulturdolmetscher und Integrationslotsen selber nicht nur „integriert“ sind im Sinne von irgendwie wohnhaft, sondern auch deutlich auf dem Boden der FDGO stehend?

Die Not politischer Akteure, Ansprechpartner zu finden aus den Regionen, aus denen die Flüchtlinge stammen, ist bekannt. Aber schon die nicht ergebnisoffene Herangehensweise – müssen Muslime tatsächlich durch MUSLIME angesprochen werden, wenn es um Integration geht – zeigt grundlegende Logikdefizite. Nicht in das Freitagsgebet soll eingeführt werden, sondern in die Gesellschaft soll integriert werden und in der bundesdeutschen Gesellschaft spielt die Religion nun mal im Alltag eine geringe Rolle. Beim Ansehen eines anderen Menschen darf sie GAR KEINE Rolle spielen. Diese Herangehensweise zeigt deutlich die Wirkung und die Handschrift von Lobbyisten. Das sind – das muss man leider sagen – die Lobbyisten nicht säkularer Kräfte, sondern solche, die selber noch erhebliche, aber eher heimliche Integrationsdefizite haben. Nämlich dann, wenn es um das Primat der FDGO über religiöse Regeln geht. Nämlich dann, wenn es um gleiche Rechte von Mann und Frau geht.

 

Selber solches Personal suchen ist erst mal teurer, aber verhindert deutlich Schlimmeres, nämlich die Möglichkeit, dass mit höherer Wahrscheinlichkeit die Integration in eine Parallel- schlimmstenfalls sogar in eine Gegengesellschaft erfolgt.

Dass diese Befürchtung nicht unbegründet ist, zeigen die Namen, die kursieren, auf. Nämlich z.B. die DITIB, der Zentralrat der Muslime, der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren. Da sind also Akteure dabei, die z.B. eine Tarnorganisation der „Grauen Wölfe“ in der Mitgliederliste haben oder die Muslimbrüder. Beides sind Organisationen, die vom Verfassungsschutz zu Recht beobachtet werden. Oder die türkische Religionsbehörde, Filiale Deutschland. Ob so gelotste Flüchtlinge auf Sicht Pressefreiheit akzeptieren lernen oder gleiche Frauenrechte, die von den genannten Organisationen, erst recht aber von nicht wenigen Mitgliedern selber kritisch bis ungern gesehen werden? Das darf bezweifelt werden.

Das wird so viel eher, sollte es so ablaufen, staatlich unterstützte Segregation. Segregation mit INTEGRATIONSmitteln. An den entsprechenden Strukturen, um Gegengesellschaft aufzubauen, wird unter dem Deckmantel der Partizipation schon fleißig gearbeitet, so dass nicht nur soziale, sondern wirtschaftliche Gegengesellschaft aus- und aufgebaut wird. Da kommt die aktuelle Not gerade recht. In diese Gegengesellschaften fließen zunehmend (auch öffentliche!) Mittel ein – und bleiben da in gewisser Weise (ein Teil geht ins Ausland). Es wird soziale und wirtschaftliche Gegenmacht aufgebaut, die sich bald auch in noch weitergehender politischer Macht (schon die „Drohung“ genügt aktuell bei einigen politischen Akteuren, dabei wird es NICHT bleiben!) spiegeln und erhebliche und bleibende Probleme verursachen wird. Es lebe die segregierte Ummah-Wirtschaft, -Bildungssystem usw. Doppelte Buchführung überall da, wo Differenzen bestehen, aber nicht ausgetragen werden können. Bis sie ausgetragen werden können. Manche dieser Probleme werden wir vielleicht auf lange Sicht gar nicht mehr beheben können, ohne unsere Gesellschaft *auch* zu beschädigen. Unsere Entscheider unterschätzen fatal die Macht und die Konsequenz des Totalitarismus, denn die Grenzen zwischen stark konservativ, fundamentalistisch und totalitär sind fließender, als man es sich wünschen könnte. Die Protagonisten vermeiden es auch meist peinlich, Grenzen zu ziehen. Lieber wird Sprachkosmetik betrieben („es gibt keinen Islamismus, nur Terrorismus und Islam, der damit nichts zu tun hat“, sinngemäß A. Mazyek). Vielleicht sogar, weil sie unsere Demokratie so überzeugend finden, übersehen das die aktuellen Entscheider, sie projizieren das und meinen, dass das Modell schon von alleine trage. Welche Hybris! Sie verkennen erheblich den narzistischen Gewinn, der von einem subjektiven Elite-Gedanken ausgeht.

In diese Formen von Gegengesellschaften und Parallelgesellschaften brauchen wir als Gesellschaft also mitnichten einen Zulauf. Das „lernt nur von Muslimen“ wäre im Grunde kaum weniger rassistisch als das „kauft nicht bei Juden“, denn es hieße ja: „Lernt nicht von Nicht-Muslimen!“. Wer meint, zuwandernden Muslimen vornehmlich nur Muslime als Lotsen vorsetzen zu können, spielt entweder das Zuwachs-Spiel der Lobby-Gruppen mit oder er denkt von Muslimen schon so, als ob sie nur von Muslimen zu lernen bereit seien. Er verkennt den Anteil Muslime, die sich in muslimischen Gesellschaften nur so nennen, weil sie Repressionen fürchteten. Er verkennt den Anteil derer, die – wüssten sie es – ganz sicher nichts mit Muslimbrüdern oder ultra-orthodoxen türkischen Nationalisten zu tun haben wollten. Er hat ein Bild von Muslimen als Gruppe – stereotyp.

Ahmad Mansur nennt dies im obigen Artikel einen „Jahrhundertfehler“. Wenn das mal reicht.

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Nachtrag: Eigentlich halte ich den Rassismus-Begriff für religiöse Zuordnungen für nicht anwendbar. In Ermangelung eines besseren Begriffs sei dieser noch einmal gewählt.

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