Islamismus-Marketing

Wie Islamisten stubenfein werden

„Islamismus“ ist wichtiger Begriff. Er dient der Abgrenzung des privaten Glaubens von dem politischen Anspruch. Islamismus zielt auf eine andere Gesellschaftsordnung ab, auf eine, deren Gesetze nicht durch Menschen demokratisch bestimmt werden, sondern deren Regeln angeblich göttlich bereits vorgegeben sind. Die Gesetze sind somit schon geschrieben und für alle Zeiten bindend. Gültig sind sie auch für alle Menschen gleichermaßen. Nicht nur der eigene Lebenswandel soll also bestimmt werden durch die Religion, sondern möglichst aller anderen auch. Das gesamte gesellschaftliche Zusammenleben wird somit von der Religion durchdrungen.

 

 

Islamistische Gruppierungen sind demnach solche, deren eigentliches Bestreben auf die Abschaffung der FDGO gerichtet ist. Das tun sie mal offen wie viele Salafisten, mal verdeckter wie andere Gruppierungen. Manchmal werden solche Gruppierungen verboten bei wachsendem Organisationsgrad und zu deutlicher Verfassungsfeindlichkeit, das ist einer der möglichen Gründe. Grund kann auch sein, dass ihre Grundausrichtung mit dem Gedanken der Völkerverständigung nicht vereinbar ist. Ein Verein oder eine Organisation kann erst nach sorgfältiger Prüfung verboten werden. Wenn dies geschieht, wird die Organisation quasi aufgelöst. Die Menschen aber bleiben und oft genug ist ihre Motivation ungebrochen. Ein Beispiel aus dem hohen Norden*:

Eine solche Gruppierung war im Jahre 2010 die „Internationale Humanitäre Hilfsorganisation“, IHH. Sie wurde 2010 verboten, Rechtskraft erlangte das Verbot 2012 nach richterlicher Entscheidung. Aus der damaligen Pressemitteilung des BIM:

Dazu erklärte Bundesinnenminister Dr. de Maizière:
„Unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe unterstützt die IHH seit einem langen Zeitraum und in beträchtlichen finanziellen Umfang im Gaza-Streifen ansässige so genannte Sozialvereine, die der HAMAS zuzuordnen sind.

http://presseservice.pressrelations.de/standard/result_main.cfm?aktion=jour_pm&r=417592

Die Zusammenhänge sind hier angerissen, das Verbot wurde im April 2012 rechtskräftig:

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Humanit%C3%A4re_Hilfsorganisation

Der damalige Vorsitzende Dr. Mustafa Yoldas verstand das nicht und stellte seine Sicht dar:

http://www.schura-hamburg.de/index.php/2-uncategorised/69-presseerklaerung-von-dr-mustafa-yoldas-zum-verbot-der-ihh

Inklusive subtiler Drohung:

Aber Deutschland kann es sich nicht leisten, einen großen Anteil der Muslime ins Abseits zu drängen, zu illegalisieren, ihre Zukunftsperspektiven zu frustrieren oder zu zerstören und Aufgebautes mit einem Wisch abzuwerten. Das bedeutet gesellschaftliche Spaltung und Desintegration, die viel gefährlicher ist, als die IGMG oder IHH jemals sein könnten.

All das machte er unter dem Dach der Schura Hamburg, deren Vorsitzender er nach wie vor ist, und die wohl früher einmal Objekt der Beobachtung war. Wie er darauf kommt, dass mit dem Vereinsverbot „ein großer Teil der Muslime ins Abseits“ gedrängt werde, erschließt sich wohl nur ihm. Es steht zu befürchten, dass er weiterhin wenig einsichtig ist.

Trotzdem ist er in Hamburg wohl als Ansprechpartner völlig salonfähig. Zumindest, wenn es um Salafisten geht. Das ist das Irritierende in dem ansonsten gut gemachten und lustigen Beitrag des NDR:

 

 

Der Herr Dr. Yoldas ist nämlich nicht das Gegenmodell zu den Salafisten, die hierzulande ja erst einmal und in der Mehrheit auch meist noch relativ „friedlich“ sind. Der Dreh- und Angelpunkt ist: Die Ideologie wird weitgehend geteilt, auch wenn man nicht gewalttätig auftritt, sich leidlich unterordnet und seine Spielräume mehr in rechtsstaatlichem Rahmen nutzt. Ein solches Agieren nennt man „legalistisch“, weil sich die Gruppierungen an die geltenden Gesetze weitgehend halten. Sie sind also meist nicht im strafrechtlichen Sinne auffällig. Sie bauen aber trotzdem Gegenstrukturen auf. Sie agieren langfristig orientiert und stecken einen Claim nach dem nächsten ab. Ein solcher Claim war der Staatsvertrag mit der Stadt Hamburg:

http://www.hamburg.de/contentblob/3551370/data/download-muslim-verbaende.pdf

In der „EMMA“ stand dazu seinerzeit unter der Überschrift „Der fatale Staatsvertrag“:“

So ist Schura e.V. ein Zusammenschluss von etwa 40 Hamburger Moscheevereinen unterschiedlicher, aber durchweg konservativer Ausrichtung. Darunter ist auch das Islamische Zentrum Hamburg als Vertretung der iranisch-schiitischen Muslime in Deutschland und Außenstelle der Islamischen Republik Iran. Wir wissen nur zu gut, wie man dort zu Demokratie und Menschenrechten steht und mit Andersdenkenden verfährt. Auch die vom Verfassungsschutz beobachtete und als islamistisch eingestufte Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) ist mit von der Partie.

Auf einschlägige kritische Berichterstattung in der Presse reagierte der Senat pikiert und merkte an, Vertreter der IGMG seien zwar bei den Verhandlungen gewesen, aber nicht in leitender Funktion.

http://www.emma.de/artikel/unterzeichnet-der-fatale-staatsvertrag-266136

Vielleicht waren die Damen und Herren des Senats nur nicht so recht im Bilde, wer da für die Schura „an leitender Stelle“ sozusagen mit am Tisch saß: Der obige als Vorsitzender. Schon ein Blick in die Wikipedia hätte genügt, um neben den offiziellen Vertretern der IGMG inoffizielle auszumachen. Das alte „wenn du nicht mehr weiter weisst, gründe einen Arbeitskreis“ wurde sehr intensiv und in kreativer Auslegung beherzigt. Vereine, Dachverbände, Schura, Zentralräte etc. pp. Und schon ist alles „weg“.

Was für ein wunderbarer Erfolg: Erst auf Augenhöhe mit am Verhandlungstisch beim Staatsvertrag in Hamburg, unerkannt, und nur wenige Jahre später sogar als endgültig weißer Ritter im Fernsehen. Fast scheint es so, als wolle man durch die normative Kraft des Faktischen den Wunschtraum aller Islamisten wahr werden lassen: Es gibt nur noch Terroristen und – Muslime. Alles eins. Und so verschwinden die Herren (und Damen!) Islamisten im muslimischen Grundrauschen auch der säkularen Muslime (die sich das üblicherweise zu Recht verbitten). Eine Ummah und die Bösen, das ist nur der IS.

Man sollte Gegner nicht unterschätzen. Niemals. Hier hat die eine Seite den Gegner nicht einmal erkannt. Auf der anderen Seite wurde nämlich gelernt, das alles knapp unter der Achtsamkeitsschwelle der Zuständigen zu halten. Und den anderen scheint es wenig wichtig, Hauptsache das Bild ist so schön heimelig. Marketing ist (fast) alles.

.

* Das Büro der IHH war allerdings in Frankfurt angesiedelt, wo auch die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte. Am gleichen Ort ist heute eine ominöse „Islamische Förderation“ auffindbar.

Advertisements

2 Gedanken zu “Islamismus-Marketing

  1. Ein guter Artikel, jedoch ist nach meiner Ansicht der Alarm-Pegel zu hoch. Die Entwicklung des Dr. Yoldas könnte nämlich auch positiv gesehen werden.
    Ein Schlüsselsatz zum Verständnis des Herrn Dr. Yoldas ist nach meiner Ansicht der : „Bei der Koranverteilungsaktion handelt es sich vorwiegend um junge Leute, die den Koran nicht richtig verstanden haben.“ (aus dem ndr-Video nach Gedächtnis)
    Der Herr Dr. Yoldas sagt da in etwa: Als älterer Mensch halte ich nichts von der Aktion, und ich halte das dahinterstehende Islam-Verständnis für gefährlich.
    Das ist in meinen Augen glaubwürdig.
    Das Problem dabei ist nur, dass in der Hamburger/ deutschen/ europäischen Gesellschaft die älteren Muslime nicht die Autorität haben, über die jüngeren zu bestimmen, wie in einer traditionell islamischen.
    In jedem Fall gilt es, die Wachsamkeit zu bewahren.

    Gefällt mir

  2. Hinsichtlich des Alarm-Pegels: Mir scheint nicht nur der Jihadismus gefährlich, sondern auch der strukturiert und organisiert auftretende Islamismus, wenn er bestehende politische Organisationen oder Einrichtungen unterwandert oder instrumentalisiert. Auf die legalistischen Gruppen, die gesellschaftsspaltend wirken und segregativ sind, ist derzeit das Augenmerk weniger gerichtet. Ich halte das für einen Fehler.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s