Lange Linien

Über einen Frankfurter Dachverband und die Historie

Prolog: Lange bestehende Organisationen haben gelegentlich eine Geschichte, die manchmal späterhin nicht mehr gefällt. Sei es, weil man sich anders inhaltlich aufstellt – oder auch nur so tun will. Dazu ist ein guter Internetauftritt und eine gelingende Pressearbeit nützlich. Institutionen aus der migrantischen Selbstorganisation können in Frankfurt die Unterstützung des Frankfurter Amts für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) in Anspruch nehmen, wenn sie ihre Außendarstellung verbessern wollen. Das entspricht zwar deren Rechtsgrundlage; so manches Mal scheint das AmkA jedoch über das Ziel hinauszuschießen. Auch bei Vereinen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, meint man Hilfsgesuche dem Anschein nach nicht abweisen zu können. Für die Hilfe hat man eine Rechtsgrundlage, für das Einfordern demokratischer Spielregeln abseits der Schnittchen-Events oder eine Zurückweisung von Gesuchen wähnt man sich jedoch auf unsicherem Terrain. Da fehlt halt die Rechtsgrundlage, an der mancher sklavisch wörtlich klebt, ohne sich zu trauen, den Sinn gestaltend umzusetzen. Normalerweise wird eine solche (vermeintliche!) rechtliche Lücke durch politischen Willen ausgeglichen: Keine wie auch immer geartete Unterstützung für problematische Vereine. An diesem politischen Willen scheint es deutlich zu fehlen. Strukturen wie in Frankfurt gibt es in vielen Kommunen. Prolog Ende.

Der Deutsch-Islamische Vereinsverbund e.V., der aktuell mit Unterstützung des AmkA Gelder aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ bezieht, wächst und bindet weitere Vereine ein. Mitglieder sind bereits mehrere Vereine, die vom Hessischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet werden. Das AmkA unterstützt also aktiv, dass problematische Vereine mittelbar an öffentliche Gelder gelangen. Was man nun für einen Schildbürgerstreich halten könnte, ist leider bittere Wahrheit. Es wird zu prüfen sein, wer für diese eklatante, bizarre und eigentlich unentschuldbare Fehlleistung, die den Buchstaben, aber nicht dem Sinn entspricht, persönlich verantwortlich ist. Im Zweifelsfall sind das aber Amtsleiter und die Integrationsdezernentin.

Aktuell sind neu im DIV e.V. die Al Houda Moschee in Offenbach und die Ali Moschee in Mainz Kostheim.

http://www.div-rm.de/al-houda-moschee-offenbach-und-ali-moschee-mainz-kostheim-schliessen-sich-div-an/

Beide Moscheen sind nicht unproblematisch. Beide gehören zu den Moscheen, die den belgischen Hassprediger Tarik ibn Ali einladen:

und die Ali-Moschee:

 

Die ganzen Verknüpfungen der mehrheitlich aus Nador stammenden marokkanischen Diaspora, die etwas unstrukturiert z.B. durch die Besuche von Tarik ibn Ali sichtbar sind, erscheinen über den DIV e.V. in gewisser Weise institutionalisiert. Das sind Vereine, die mehrheitlich intransparent zur Mehrheitsgesellschaft sind und sich abschotten. Ein Teil der mittlerweile angeschlossenen Vereine versucht sich in einer Art Pseudo-Transparenz; dies gilt insbesondere für die Vereine, die der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind.

Schaut man nun in die Historie des DIV e.V., so zeigt sich, dass diese Struktur aus der Taqwa-Moschee in Frankfurt hervorging, zumindest nach web-Dokumenten:

http://web.archive.org/web/20120103202844/http://www.div-rm.de/

Diese Moschee hat u.a. diese Vorgeschichte:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/razzia-in-moschee-verein-wehrt-sich-gegen-vorwuerfe-a-308350.html

Nie geklärt werden konnte, ob seinerzeit Informationen über die bevorstehenden Durchsuchungen durchgestochen wurden und weiteres belastendes Material rasch vorher weggebracht wurde. Faktisch wurde dann eingestellt:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/sicherheit-verfahren-gegen-frankfurter-taqwa-moschee-eingestellt-1208702.html

Auch damals sah die Frankfurter Stadtpolitik schon nicht genau hin, hörte nicht zu, welche Inhalte dort wohl im Hintergrund standen. Das hat also eine lange Verdrängungsgeschichte, unterstützt durch den Umstand, dass politisch Verantwortliche wechseln, aber ein langjähriger Filz im Umfeld der „städtischen Betreuung“ wahrscheinlich ist. Das erklärt auch die Abneigung des Frankfurter AmkA und des Integrationsdezernats gegen Transparenz und kritische Nachfragen, die nach Möglichkeit einfach gar nicht beantwortet werden*. Man spielt auf Zeit und Zermürbung. Die Erfolgs-Simulation städtischer Integrationsbemühungen in diesem Bereich gerät durch klaren Blick von außen anscheinend in Gefahr. Er stellte auch eine Gefahr dar für die nächste Begehrlichkeit mancher Vereine: öffentliche Gelder für die eigene Arbeit und breitere Einbindung, die als nützlich eingestuft wurde.

Vor diesem Hintergrund entschloß man sich neben dem Neubau der Taqwa-Moschee wohl zum Gang durch die Institutionen, was mit dem DIV e.V. umgesetzt wurde. Es gab im Jahr 2012 eine entsprechende Strategie

Im Rahmen der DIV-Strategie zur Förderung des Dialogs und der Kooperation zwischen den geehrten Imamen und Funktionären der Islamische Institutionen im Rhein Maingebiet, hat dieser in Kooperation mit der Tarikmoschee in Frankfurt am Samstag 26.05.2012 zum 4. Dialogforum eingeladen.

Das Treffen wurde in Form von zwei getrennten Workshops für Imame und Vorstände mit anschließender gemeinsamer Abschlusssitzung abgehalten.

Der Workshop für Imame wurde von Cheikh Salim Cheikhi ehemaliger Minister für Religionsangelegenheiten der Lybischen Übergansregierung geleitet und von Cheikh Mubarak Kounta Imam der Tarikmoschee moderiert.

Während des Imamworkshops hat Cheikh Salim Cheikhi auf die Notwendigkeit des Dialogs und der Rolle der Imame im gesellschaftlichen Dialog hingewiesen. Er unterstrich die Wichtigkeit der Kommunikation mit der Mehrheitsgesellschaft, um das negativ belastetet Bild des Islams zu korrigieren.

Der Workshop für die Vorstände wurde durch Dr. Yahya Aljafri anerkannter Trainer und Mentor im Bereich strategische Planung geleitet und von Abdassamad El Yazidi Vorsitzender des Deutsch Islamischen Vereinsverbandes e.V. moderiert.

Dr. Yahia brachte den anwesenden Funktionären der Moscheen im Rhein Maingebiet anhand von Beispielen aus Wirtschaft und Politik die Grundsätze für eine langfristige Vereinsplanung näher. Die Teilnehmer nutzten den Workshop darüber hinaus für einen allgemeinen Erfahrungsaustausch und Dialog über ihre wichtigsten Herausforderungen in der Vereinsführung.

In der anschließenden gemeinsamen Abschlusssitzung hat neben den zuvor genannten Referenten auch Dr. Moukri Abu Zaid Elidrissi teil genommen. Dr. Moukri appellierte an alle Teilnehmer des 4. DIV-Dialogforums, die Verantwortungsbereiche der Imame und Vorstände zu kennen und zu respektieren sowie die Gesamtführung der islamischen Vereine in gemeinsamer Kooperation zu gestalten.

http://web.archive.org/web/20120626234910/http://www.div-rm.de/

Man ist jetzt am Etappenziel, die eigene, religiöse Jugendarbeit von der Mehrheitsgesellschaft unterstützen zu lassen.

Als lange Linie erscheint also, Salafisten und Islamisten unter dem Dach des Vereinsverbundes „verschwinden“ zu lassen. Bis hin zu den Aktiven des Vereins „Die barmherzigen Darmstädter“, die klar und belegt u.a. als LIES-Aktivisten auftreten, sind das nach Binnensicht wohl alles nur gute, besonders fromme Brüder. Die Gegengesellschaft trägt Tarnkappe.

Ideologisch muss man sich also keinen Millimeter verbiegen: Alles „nur Muslime“, so ist die Außendarstellung, die sogar bis hin zu „Demokratie leben“, wegen der Unterstützung durch das AmkA, so abgekauft wird. Der Rubel kann rollen. Das ist nur möglich, weil einzelne Protagonisten sehr, sehr gute Verbindungen zu diesem Amt zu haben scheinen. So gute, dass man deren Begehrlichkeiten und Wünsche bzw. eine schöne Außendarstellung höher achtet als die sicher klaren Empfehlungen des Landesamtes für Verfassungsschutz. Vielleicht ist es ganz banal: Die einen stehen zur Not häufig auf der Matte, die anderen viermal im Jahr bei einem Runden Tisch. Vielleicht spielen auch noch ganz andere Eigeninteressen eine Rolle.

Warum geht das?

Weil niemand genau hinschaut, der zugleich Entscheider ist. Weil es Eskandari-Grünberg nur um die Außendarstellung geht offensichtlich, Feldmann auch. Weil es in Frankfurt in diesem Bereich keine funktionsfähige Opposition gibt, die das aufgreift (die es vielleicht auch nicht weiß). Weil man das AmkA einfach so machen lässt. Weil keiner parkettsicher genug ist und ein paar Lösungsideen entwickeln mag. Mangelnde Parkettsicherheit ist auch eine Mutter politischer Feigheit. Schöne Bilder, schöne Events, alles schön. Dafür braucht man auch keine Sicherheit, sondern nur Make up. Das ist nur nicht die Realität.

Die Realität ist, dass wir als Gemeinwesen es mit langfristig denkenden Ideologen zu tun haben. Die ihre Claims abstecken bei Menschen, die durch persönliche Wirkung so zu beeindrucken sind, dass sie nur den netten Herrn X oder den ganz reizenden Herrn Y sehen. Die so verliebt sind in ihr Modell von Gesellschaft, dass sie gar nicht merken, dass ein wenig formale Bildung und Sprachkenntnisse aus einem Fundamentalisten per se noch keinen Demokraten machen, sondern im Zweifelsfall nur einen eloquenten, gebildet und strategisch agierenden Fundamentalisten machen. Die zugleich die Realität gar nicht sehen wollen, in der es längst islamistische Akademiker-think-tanks gibt, die ihre strategische Intelligenz gegen diese Gesellschaft einsetzen, um ihre Spielart des Fundamentalismus auszuleben und zu verbreiten.

* Hier nur ein Beispiel, zwei unterschiedlichen Akteuren wurde nicht geantwortet:

http://www.fr-online.de/frankfurt/pilotprojekt-in-frankfurt-moscheen-steigen-wieder-ein,1472798,34378476.html

Mir sind einige weitere Beispiele von anderen Sachverhalten bekannt, in denen ganz ähnlich agiert wurde.

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4 Gedanken zu “Lange Linien

  1. Interessant ist dazu auch dieses Fundstück von Ende 2013:

    http://web.archive.org/web/20140115130049/http://div-rm.de/

    „DIV auf Empfang beim Generalkonsul des Königreichs Marokko

    Die Arbeit des Deutsch Islamischen Vereinsverbandes Rhein-Main e.V. (DIV) findet mittlerweile auch im Königreich Marokko von offizieller Seite ihre Anerkennung. Vor diesem Hintergrund hatten der DIV-Vorsitzende Abdelkarim Ahroba, sein Stellvertreter Dr. Mohammed Khallouk und der Beauftragte für Kultur und Religion Lahcen Boutaib am Dienstag, den 07. Januar 2014 sich zu einem Treffen mit Meinungsaustausch ins marokkanische Konsulat in Frankfurt eingefunden. Neben Generalkonsul Abdesselem Arifi nahm auch sein Kulturattaché ِِAziz Alami an dem Zusammentreffen mit den DIV Vorstandsmitgliedern teil.

    Themen des Meinungsaustauschs waren die aktuelle Situation der muslimischen und hierbei vor allem marokkanischen Immigranten in Deutschland sowie die Frage, wie deren spezifische kulturell-religiöse Ansprüche einerseits gefördert und anderseits ihre erfolgreiche Teilhabe am deutschen Gesellschaftsleben unterstützt werden kann.

    Der DIV dankt dem Generalkonsul für den herzlichen Empfang und für die Aufmerksamkeit, die der marokkanische Staat seiner Verbandsarbeit zu Teil werden lässt. Die entspannte Atmosphäre des Zusammentreffens hat beim Verband die Zuversicht geweckt, in Zukunft konstruktiv mit dem Konsulat im Sinne der Deutschmarokkaner im Rhein-Main Gebiet zusammenarbeiten zu können.“

    Khallouk hatte übrigens auch das „Gutachten“ gegen das Khorchide-Buch zur Barmherzigkeit mit verfasst

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