Eine kleine Kritik zur „Expertise islamistische Radikalisierung Rhein-Main-Gebiet“

Schwach und entbehrlich

Aktuell wird eine „Expertise islamistische Radikalisierung Rhein-Main-Gebiet“ vom „Mediendienst Integration“ verbreitet:

https://mediendienst-integration.de/artikel/expertise-militanter-islamismus-radikalisierungen-rhein-main-gebiet.html.

Der Mediendienst Integration führt in seinem Impressum keinen rechtlich Verantwortlichen mehr namentlich auf, sondern verweist nur auf den „Rat für Migration“; eine Redaktion ist aber benannt:

https://mediendienst-integration.de/impressum.html

Zu diesem Mediendienst mehr in einem weiteren Blogartikel. Dieser Mediendienst hatte im letzten November schon das n.m.M. wenig hilfreiche Handbuch für Journalisten zum Thema Islam herausgebracht.

Als Autoren der „Expertise islamistische Radikalisierung im Rhein-Main-Gebiet“ zeichnen Dr. Meltem Kulaçatan, Prof. Dr. Harry Harun Behr und Prof. Dr. Bekim Agai verantwortlich.*

Der Beitrag:

https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Expertise_Islamistische_Radikalisierung_Rhein_Main_Gebiet.pdf

Und die Bewerbung beim Mediendienst:

Was veranlasst junge Menschen dazu, sich militanten Islamisten anzuschließen? Oft stehen Probleme im Elternhaus und Diskriminierungserfahrungen im Hintergrund, betonen Forscher der Goethe-Universität Frankfurt in einer Expertise für den MEDIENDIENST. Darin fassen sie Erkenntnisse aus Studien zusammen, die sie im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt haben.

https://mediendienst-integration.de/artikel/expertise-militanter-islamismus-radikalisierungen-rhein-main-gebiet.html

Das ist also eine Auftragsarbeit.

Für die Expertise haben die Wissenschaftler neueste Erkenntnisse aus ihren umfangreichen Forschungen zusammengefasst.

Eher nein.

Das Papier ist allenfalls gut gemeint, erscheint aber eiligst zusammengefügt. Auf welche „umfangreichen“ eigenen Studien am Klientel das tatsächlich zurückgehen soll, bleibt unklar. In der Literaturliste findet sich viel zu Identitäten und wenig zur Radikalisierung, nichts konkreteres zum Rhein-Main-Gebiet.

Aus dem Papier einige Beispiele, man könnte noch viel mehr aufgreifen:

Seite 3: „Die Rhein-Main-Region gilt als ein „Salafisten-Hotspot“. Nicht zuletzt durch Auftritte von umstrittenen Akteuren wie Pierre Vogel, der zwischenzeitlich den Schwerpunkt seiner Aktivitäten in das Rhein-Main-Gebiet verlegt hatte, hat sich dieser Eindruck verfestigt. Auch Bilder wie die von „Lies!“- Kampagnen in der Frankfurter Innenstadt, wo junge Männer öffentlich den Koran verteilten, prägten das Bild des Rhein-Main-Gebietes als Hochburg von Neo-Salafisten. Hinzu kommen das Verbot gegen den Verein „Dawa FFM“ sowie Razzien gegen Moscheen, denen Verbindungen zu potenziellen Terroristen vorgeworfen wurden. Es ist aber nicht nur das abstrakte Szenario der Ideologisierung von jungen Menschen, das den Staat zum Handeln antreibt, sondern vor allem die Gefahr einer Indoktrination hin zum kriegerisch veranlagten Salafismus: Im Jahr 2011 erschoss Arid U. zwei US-Soldaten am Frankfurter Flughafen. Als Rechtfertigung für seine Tat dienten ihm
Bezüge zum Islam.

Dass LIES! mittlerweile verboten ist, dass jetzt unter „We love Muhammad“ weitergemacht wird, fehlt ebenso wie der Verweis auf das Verbot von „Tauhid Germany“, das für das Rhein-Main-Gebiet strukturell relevant war (wichtiger Millatu Ibrahim-Nachfolger). Ein aktuelles Papier, deren Verfasser es als Information und Orientierung für Journalisten verstehen, muss solche neueren Entwicklungen enthalten.

Nach längeren Ausführungen zur Chronologie, in denen aber die konkreten Namen fehlen, so etwas: Weiterlesen

Advertisements

Angst schüren zum Ramadan

Glaubensvermittlung über Furcht

Zu Beginn der islamischen Fastenzeit wird an vielen Orten von Muslimen eine intensivierte Religiosität ausgelebt. Oftmals abendlich in der Gruppe wird gemeinsam die eigene Religion und die Tradition gefeiert und begangen. Das gibt vielen Muslimen etwas und dabei ist ihnen Freude und gelungene Erbauung zu wünschen. Während viele also eine verstärkte Spiritualität feiern, wollen andere diese Besinnung eher dazu nutzen, ihnen zuhörende Muslime zu ängstigen. Es wird nicht die besondere Belohnung für die Selbstkasteiung in den Mittelpunkt gestellt oder die Freunde an einer als schön empfundenen Tradition, sondern die Vergegenwärtigung einer jenseitigen Strafe für geringste Abweichungen von ihrer Lehrmeinung.

Vor allem bei suggestiblen, labilen und jüngeren Menschen bleiben fanatische Reden oftmals nicht ohne Wirkung. Aggressiv wird Unterwerfung eingefordert und das ewige Höllenfeuer beschworen. Ein herrsch- und rachsüchtiger Gott wird als Bild entworfen, ein Gott, als dessen Sprachrohre sich diese Prediger fühlen und vorgeben, ganz genau zu wissen, was dieser nicht nur von ihnen selber, sondern von allen Menschen fordere. In einer sehr grundlegenden Selbstverliebtheit und Selbstüberhöhung wird die Welt geteilt in jene, die diese maligne Egozentrik teilen, und den anderen Menschen, die eine andere Sicht haben. Ob sie dabei eine ähnliche, nur anders gelagerte bzw. hergeleitete generelle Weltsicht haben oder eine gänzlich andere Weltanschauung haben, ist für diese Herrschaften sekundär. Schon der andere Muslim ist für sie im Grunde ein Ungläubiger, weil er nicht ihre spezielle Lesart teilt und sie vielleicht auch nicht als den Solisten der Welt sehen, sondern nur als eine Stimme im Chor.

Um die Menschen dazu zu bringen, nur sie als Quelle der Rechtleitung anzuerkennen, beschwören diese Herrschaften ihr Gottesbild: Wer sich nicht ihrer strengen oder speziellen Auslegung unterwirft, den strafe strafe angeblich Gott. Das sagen sie nicht so explizit, es wird aus ihren Reden aber deutlich. Soe und nur sie sind das Maß der Dinge. Es wird aufgeheizt, entdifferenziert und vergröbert, um Ängste, eine starke Emotionalität also gegen die Zuhörer in einem eigennützlichen Sinne zu kanalisieren. Man soll sie als Rechtgeleitete anerkennen, wofür die Belohnung Gottes in Aussicht gestellt wird. Personen, die ihr schwarz-weiß Bild von Gesellschaft und vor allem dem Menschen selber nicht teilen, drohe ewige Verdammnis. Eine Hausnummer kleiner geht es nicht, denn die Egozentrik dieser Prediger geht mit einer Selbstüberhöhung einher, die vermuten lässt, dass sie sich in ihrer eigenen kleinen Welt als die linke Hand Gottes fühlen (die rechte ist denn doch meist noch dem Religionsgründer vorbehalten). Sie benutzen die Ängste von Menschen, um sie ihrem persönlichen Willen zu unterwerfen.

Einige Beispiele für diesen Fanatismus folgen.

Der Herr Baraa in Höchstform, anschreien der Zuhörer, tüchtig Angst machen für Suggestible:

 

Ein neueres Portal, wieder eine Person, die sich im Inbesitz der einzigen wahren Rechtleitung wähnt (es ist zu befürchten, dass der Titel zynisch gewählt ist, um Aufmerksamkeit zu erzielen):

 

Für Jüngere, hunderte Male geteilt, allerdings weniger aggressiv als sonst auf diesem Portal: Weiterlesen

Kennenlernen unter Salafis

Über salafistische Heiratsvermittlung

Die Verheiratung von Personen ist im Islam ausdrücklich erwünscht. Bei glaubensstrengeren Muslimen ist aber das Kennenlernen des anderen Geschlechts erschwert, da die Geschlechter jenseiits des familiären Kreises (das ist genau festgelegt!) eigentlich keinen Umgang miteinander haben sollen. Häufig wird so auf die Vermittlung dieses Umfeldes gesetzt. Manchmal kennen sich Braut und Bräutigam vor der Eheschließung nur wenig (in manchen Fällen gar nicht persönlich). Besonders Konvertiten tun sich in diesem Umfeld schwer, haben sie doch keine Familie, die diesbezüglich tätig werden könnte. Manchmal wird dann – sofern der Heiratswunsch den Glaubensgeschwistern offenbart wird oder diese sogar selber nachfragen – das neue Umfeld aktiv. Schließlich wird bei fundamentalistischen Vertretern die Geschlechtertrennung manchmal so weit getrieben, dass sogar schon Facebookfreunde des anderen Geschlechts nicht angenommen werden. Zudem werden in sozialen Medien Fotos der eigenen Person, wie sie normalerweise üblich sind, bei Salafisten durch Blumen- (Frauen, gerne Rosen o.ä.) oder Tierbilder (Männer, gerne Löwen o.ä.) ersetzt oder man ersetzt das eigene Bild gleich durch einen frommen Schriftzug. Wird die eigene Person doch abgebildet, sieht das im Extrem so aus:

 

Im realen Leben begegnen sich fundamentalistische Männer und Frauen kaum. Die Frauen sind oft zu Hause, gehen keinem Beruf nach. Schon Einkaufen wird an Männer delegiert (es gab vor einiger Zeit einmal einen Hilfsaufruf, man müsse den Schwestern ohne Männer in der Familie helfen, ihr abgeschiedenes und keusches Leben durch Erledigungen für sie erleichtern). Wie schwer es ist, unter diesen Bedingungen jemanden kennen zu lernen, schildert dieser junge Mann, ein Konvertit:

Die Geschlechtertrennung verhindert im Alltag ohnehin, sich näher kennenzulernen. Und islamisch flirten? Wie geht das denn? Nie gelernt. Das Internet muss aushelfen und da will man zumindest außerhalb der Datingportale für Muslime doch wirklich auf die erbärmlichen Nachrichten wie „Salam alaykum, Schwester, willst du heiraten?“ verzichten. Denn seid ehrlich, Mädels, das hängt euch zum Hals raus.

https://www.islamische-zeitung.de/notizen-aus-der-generation-jung-muslimisch-einsam-von-von-khaled-al-fares/

Wie groß die Not da ist, zeigt sich oft an muslimischen Foren, in denen es keine Geschlechtertrennung gibt. Ist man als Frau erkennbar (Name!), bekommt man leicht 20 Anfragen von Männern pro Tag, die bekunden, „es ernst zu meinen“ oder die ihre weiblichen Verwandten vorschicken. Wohlgemerkt: ohne Bild, ohne Altersangabe, ohne sonstige Merkmale. Und auch ohne nur mehr als einen halben Satz geschrieben zu haben.

Kennenlernen unter sehr Glaubensstrengen bis hin zu den Salafisten ist also sehr beschränkt. Dafür geht es nach dem Kennenlernen oft zügig „zur Sache“, denn Zusammensein unter Unverheirateten ist binnenkonsensual Sünde. Also heiratet man rasch. Dominik Schmitz schildert das auch eindrücklich.

Können weder Verwandte noch Glaubensgeschwister helfen, sollen die genannten Datingportale, aber auch solche Facebook-Seiten unterstützen, auf denen nach strikten Regeln angebahnt wird: Weiterlesen

Radikalisierung und ihre Wahrnehmung

Ein paar Worte zur Berichterstattung nach Manchester

Zur Zeit wird wieder – das ist natürlich, menschlich und verständlich – über die islamistische Radikalisierung vermehrt gesprochen und geschrieben. Häufig ist nach dem, was nun bekannt ist, die Rede davon, der junge Täter habe sich „erst kürzlich radikalisiert“ oder sei „plötzlich radikal“ geworden. So z.B. in diesem Tagesspiegel-Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/anschlag-in-manchester-sicherheitsexperten-sprechen-von-neuer-taktik-des-is/19852878.html

Häufig liegt dort ein Verständnis von Radikalität zugrunde, das Radikalität als Synonym von Gewaltbereitschaft und konkreten Umsetzungsplänen erscheinen lässt. Das aber ist falsch und erschwert die Ursachensuche. Das mag teilweise auf manche Stellungnahme mit beruflich in diesem Bereich aktiven Personen zusammenhängen, die fast ausschließlich über das soziale Umfeld an Verdachtsfälle herankommen bzw. dieses Umfeld beraten. Es wird sich aber nur ein Umfeld an solche Berater wenden, das die Entwicklung des Angehörigen selber für problematisch hält und seine Entwicklung daher kritisch sieht. IS-Anhänger hingegen werden einen solchen jungen Mann für nicht hilfsbedürftig erachten.

Es ist mittlerweile bekannt, dass der Vater wohl auch Al Qaida – Anhänger ist oder war und dass mindestens ein Bruder bekannte, ebenfalls ein Anhänger des IS zu sein. Das ist ein ziemlich radikales familiäres Umfeld. Das junge Mann wuchs wohl schon mit der Al Qaida-Ideologie auf. Anzunehmen, dass eine „westliche Werte“ ablehnende generelle Hass-Indoktrination da im Hintergrund steht, ist nicht abwegig.

Die Betonung einer „plötzlichen Radikalisierung“ lenkt von den Fragen ab, die man stellen muss, deren Antworten aber schwierig, komplex und teilweise bitter sind. Trotzdem muss man sie stellen. Nämlich den Fragen nach der Familie, der Frage, was in nicht wenigen Koranschulen abläuft und was in einigen Moscheen gepredigt wird.

Elham Manea, die zu solchen abgeschlossenen sozialen Systemen jahrelang in England geforscht hat, meint dazu: Weiterlesen

Werben für die „Große Koalition“

Ali Al-Qaradaghi auf Europa Tournee

Dr. Ali al-Qaradaghi war im blog schon verschiedentlich als Funktionär problematischer Strukturen benannt worden. Er war z.B. bei der Gründung des als fundamentalistisch zu betrachtenden „Fatwa-Ausschuss Deutschland“ in der Berliner Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) mit dabei:

https://vunv1863.wordpress.com/2016/03/18/fatwas-made-in-germany/

Zur Person bei Bloomberg:

https://www.bloomberg.com/research/stocks/private/person.asp?personId=82312139&privcapId=49445967

Der Herr Al Qaradaghi kehrt also schon mal in der NBS ein. Seine Haltung zu Israel beispielsweise:

The almost daily Palestinian knife attacks and clashes between Israeli soldiers and stone-throwing Palestinians are not at the levels of violence of past Palestinian uprisings, but the escalation has prompted talk of a third „intifada“.

Ali al-Qaradaghi, a prominent Muslim cleric, urged worshippers on Saturday to join what he described as an uprising. „Every Muslim should contribute to the Intifada that started for the sake of al-Aqsa and Palestine,“ he wrote on his Twitter account. Al-Qaradaghi is a cleric at the Doha-based International Union of Muslim Scholars, headed by the spiritual leader of the Muslim Brotherhood, Sheikh Youssef al-Qaradawi.

http://in.reuters.com/article/israel-palestinians-idINKCN0S407C20151010

Aiman Mazyek preist ihn jedoch anläßlich eines Deutschland-Besuchs im Dezember 2015 der Mehrheitsgesellschaft als freundlichen Vermittler, als einen echten Mann der Mitte, an:

Dass die Mehrheutsgesellschaft, will sagen Nichtmuslime, unter „Mitte“ und „Extremismus in der Religion“ etwas anderes versteht als Muslime bzw. diese noch weitere Bedeutungen für die Metapher „Mitte“ kennen, bleibt unerwähnt: Es wird mit den unterschiedlichen Deutungsmustern gespielt.

Wenn das – nach Mehrheitsgesellschafts-Verständnis einer Mitte – ein gemäßigter Mann ist, sagt das sehr viel über das Marketing aus. In einem anderen Verständnis von Mitte ist dies der gerade Weg, der ins (islamische) Paradies führt, nicht die Irrwege (Christentum und Judentum), die ins Höllenfeuer führen. In einem noch anderen Verständnis ist die Mitte die gemäßigte Haltung der persönlichen Lebensführung, die weder zu viel noch zu wenig an Religion beinhaltet. In jeder dieser Bedeutungen mag Al Qaradaghi subjektiv mittig sein (nach Herrn Mazyeks Mitte). Nach den Regeln der FDGO aber ist der Herr Al Qaradaghi ein Extremist, einer, der auch andere (Intifada!) durchaus schon mal zur Gewalt oder zur Unterstützung von Gewalt aufstachelt (es kommt auf das Gegenüber an; und das auch, wenn er auf seiner Seite aktuell den Anschlag in Manchester verurteilt). Das war in Bochum Ende 2015 der erste Auftritt in Deutschland laut Aiman Mazyek. Er bekundete, ihn gleich wieder eingeladen zu haben. Und tatsächlich war er dann auch im März in der NBS vor Ort.

Al Qaradaghi wird also in muslimbrudernahen und anderen fundamentalistischen Kreisen sehr als Prominenz und Instanz betrachtet. Seine vermehrte Präsenz in Deutschland verheißt also wenig Gutes.

Ende April / Anfang Mai war es mal wieder so weit. Besuchstour in Deutschland und einigen anderen Ländern Europas. Weiterlesen

Auswärtiges Amt: Wir sind Papst

In der Menge religiöser Vertreter werden auch Extremisten hoffähig gemacht

Das Auswärtige Amt (AA) ist schon vor einiger Zeit u.a. dadurch aufgefallen, dass die problematische Hilfsorganisation „Islamic Relief“ über Jahre hinweg und mit Millionenbeiträgen gefördert wurde. Die Organisation ist durch die handelnden Personen der Islamischen Gemeinde in Deutschland (IGD) zuzuordnen. Die IGD ist nach Verfassungsschutzämtern die größte Organisation in Deutschland, in der sich Muslimbrüder organisiert haben. Die Mutterstruktur „Islamic Relief worldwide“ wird vom Israelischen Verteidigungsministerium als „Teil des Finanzsystems der Hamas gesehen„, inkl. des deutschen Zweiges. Die Förderung ist seit Ende letzten Jahres Anlaß für eine Überprüfung durch den Bundesrechnungshof:

Die Untersuchung durch den Bundesrechnungshof zur öffentlichen Förderung von Islamic Relief ist für das Auswärtige Amt auch aus einem anderen Grund brisant. Denn schon vor sechs Jahren  hatten die Rechnungsprüfer gravierende Mängel festgestellt: „Vielfach stellte er [der Bundesrechnungshof] fest, dass das Auswärtige Amt die Steuerung und die Erfolgskontrolle seiner Fördermaßnahmen vernachlässigte. So legte es oftmals keine messbaren Ziele fest, bildete keine Indikatoren und fasste den Zweck der Förderung so allgemein, dass eine wirksame Erfolgskontrolle kaum möglich war.

https://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/01/bundesrechnungshof-prueft-foerderung-von-islamic-relief-.html

Das war noch unter dem jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in seiner Zeit als Außenminister so.

Dass das Auswärtige Amt neuerdings scheinbar auch als Akteur in Religionsfragen benutzt wird, erscheint allerdings neu. Das Amt untersteht Außenminister Sigmar Gabriel. Das AA hatte am Montag zum großen Empfang geladen:

Die Konferenz mit dem Titel „Friedensverantwortung der Religionen“ ist der Startschuss für eine neue Initiative. Interreligiöser Dialog soll zum festen Bestandteil einer neuen Außenpolitik der Gesellschaften werden. Der Ausgangspunkt der Initiative:  nahezu alle Religionen betonen die fundamentale Bedeutung des Friedens. Trotzdem stehen Glaubensfragen immer wieder im Zentrum von Konflikten – auch wenn deren eigentliche Ursachen meist im politischen oder wirtschaftlichen Bereich auszumachen sind.

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Interviews/2017/170521-BM-Tagesspiegel.html

Was ist das? Assymmetrische Diplomatie zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Muslim World League beispielsweise? Wenn doch die „eigentlichen Ursachen“ woanders liegen (sollen), warum sich dann mit den „uneigentlichen“ beschäftigen? Langeweile?

Geht man nur nach dem Bild, waren Hindus, Shintoisten, Buddhisten etc. eher nicht geladen (u.V. ich werde das aber einmal nachfragen!):

Über die Konferenz hinaus strebt das Auswärtige Amt darum an, ein Netzwerk für interreligiösen Dialog aufzubauen, das als Frühwarnsystem und Ausgangsbasis für Gespräche vor Ort dienen kann.

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/KulturDialog/Aktuell/170522_Friedensverantwortung.html

Wer hat denn da beraten?
Gespräche vor Ort?
Wie darf man sich das vorstellen?
Gespräche mit den Ahmadiyya in Pakistan, mit den Rohingya in Myanmar und das AA stellt sich dann zwischen Staatsmacht und die jeweiligen Religionsvertreter? Hierzulande vielleicht direkte Gespräche mit dem „Deutschen Fatwa-Ausschuss“? Oder direkte Gespräche mit den Mullahs im Iran? Halt – die hat man ja schon (auch schön im Bild aus dem AA eingefangen, wie es scheint).

Der Frieden verschiedener Religionen (!) gilt explizit meist nur dem Gläubigen der gleichen Glaubensrichtung. Weil Religionen, unterschiedliche Religionen, eben lokalen Ursprungs waren. Zur Erinnerung: Unter „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wurde auch z.B. Sklaverei legitimiert. Pech, dass der Sklave kein wirklich echter Nächster (TM) war, sondern eine Art Ding, über das man verfügen konnte. Dass Religion mit Friedensstiftung meist wenig zu tun hat, dürfte gerade in Deutschland seit dem 30 jährigen Krieg hinreichend bekannt sein. Soziale Gruppen funktionieren besser, wenn Trennendes, wie es Religion nun mal ist als zusätzlich unterscheidendes Merkmal, keine größere gesellschaftliche Rolle spielt und mehr im Privaten stattfindet.

Wahlweise ist der Nicht- oder Andersgläubige eine Person, die abgewertet wird, oftmals beinhalten Religionen schon eine Binnenhierarchie (z.B. Hinduismus, Kastensystem; Islam, Ungleichberechtigung zwischen Mann und Frau bzw. Gläubigen und allen anderen). Dem AA fällt nicht auf, dass es Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten gibt, zwischen Ahmadiyya und den meisten anderen Muslimen und dass das mitnichten politische oder wirtschaftliche Gründe hat, sondern weltanschauliche? Es fällt nicht auf, dass soziokulturelle Unterschiede zwischen den Gruppen immer dann besonders gering waren, wenn Religionszugehörigkeit in einer religiös gemischten Gesellschaft eben keine größere Rolle spielte?

Wenn wir am 22. Mai über einhundert Vertreterinnen und Vertreter des Judentums, des Christentums und des Islam sowie weiterer Religionen aus Europa, aus dem Mittleren und Nahen Osten und aus Nord- und Westafrika im Auswärtigen Amt zu Gast haben, dann ist dies ein Novum. Erstmals führen wir einen engen, langfristig ausgerichteten Dialog mit Religionsvertretern aus aller Welt und fügen unserer Außenpolitik der Gesellschaften einen weiteren Baustein hinzu.

Wer auf eine solche Idee kommt?
Da erscheint – spekulativ – die Achse des Religiösen Gabriel und Mazyek relevant, vielleicht auch die Abteilung im AA, die bislang für die befremdlichen und möglicherweise nach BHO nicht statthaften Zahlungen an obige fragwürdige Institution zumindest dem Anschein nach verantwortlich zeichnete. Man kann ahnen, dass Abbas-Freunde* (ein Holocaust-Leugner z.B.) keine Israelfreunde sind – auch wenn sie es sagen und auch mal jüdische Religionsvertreter eingeladen werden. Das AA verkennt massiv oder befördert auf Anweisung absichtlich, dass solche Veranstaltungen nur dazu dienen, Protagonisten z.B. der Muslimbruderschaft oder des Mullah-Regimes unauffällig hoffähig zu machen als Friedensstifter und Berater. Die Herren religiöse Vertreter sind sich sicher – da hört der Spaß auf und der angeblich friedliche Ansatz auch – nur darüber einig, wie mit Israel zu verfahren ist.

Der Außenminister weiter:
Für das Auswärtige Amt geht es auch darum, seine außenpolitischen Werkzeuge weiterzuentwickeln. „Religion, Glaube – das sind nicht nur Fragen nach der persönlichen Identität, sondern sie definieren auch die Realitäten innerhalb einer Gesellschaft“, betont Gabriel.

Außenpolitische „Werkzeuge?
Indem man definitive Binnenakteure, mögen sie auch supranational aktiv sein z.B. in der Muslim World League, einlädt? Für welche „zivilgesellschaftliche Organisation“ war denn der Herr bin Bayyah geladen? Was bezweckt man, indem man solche Extremisten einlädt?

Text zum Foto:

„شيخنا الإمام عبدالله بن الشيخ المحفوظ بن بيه يصل الى جمهورية المانيا للمشاركة في المؤتمر الدولي للقيادات الدينية بدعوة من وزير الخارجية الألماني.“

FB-Übersetzung:
Mein Scheich Abdullah Ibn Scheich vorne bei ibn Baiya bis zu der Republik Deutschland für die Teilnahme an der internationalen Konferenz für religiöse Führung eingeladen. Der Deutsche Außenminister.

Aber vielleicht spielt das auch keine Rolle mehr, wenn man den Herrn Abbas als guten Freund bezeichnet.*

Den Herrn Mazyek wird das sicher erfreuen, dass man solche Personen lädt (zumindest, wenn das stimmt, was auf der bin Bayyah eigenen FB-Präsenz steht). Hatte er doch fragwürdige bin Bayyah-Texte (eine kleine Auswahl auf diesem blog) zunächst auf die Webseite der gGmbH, die hinter dem Projekt „safer spaces“ steht und die mit Bundesmitteln gefördert wird, hochgeladen. Diese sind mittlerweile gelöscht. Hier Mazyek mit bin Bayyah vorgestern in den VAE:

 

Ein wonniges Bild der Eintracht.

Zur Erinnerung: Der Zentralrat der Muslime hat unter seinem Dach neben u.a. dem Graue Wölfe-Derivat „ATIB“ auch oben schon erwähnte IGD und einige weitere, sehr fragwürdige Einrichtungen, die der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind. Man kann auch spekulieren, dass das strategisch dazu dienen soll, die fundamentalistischen Zugänge an die öffentlichen Töpfe in der Tarnung von „Prävention“ zu erhalten. Nicht ungeschickt, wie so n.m.M. wieder eine Verteidigungslinie gegen das BMI, die Sicherheitsbehörden und den Verfassungsschutz aufgebaut wird. Aber schließlich waren auch der international bekannte Prediger Al-Arifi mal in Berlin an prominenter Stelle und der Herr El Zayat war mal im Innenministerium (bei der Deutschen Islamkonferenz), ohne dass sie Berater von Frau Merkel wurden oder von Herrn de Maziere:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/islamkonferenz-trojanisches-pferd-1434076.html

Fehler passieren und es ist Aufgabe einer wachen Presse, dem einmal nachzugehen.

Gabriel in seiner Eröffnungsrede:
Ich erinnere mich noch, dass in meiner Schulzeit getrennt wurde, zwischen katholischen und evangelischen Schülern. Die sollten nicht zusammensitzen.

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2017/170522-BM_Friedensverantwortung_Religionen.html?nn=364004

Er macht – in Funktion! – jetzt exakt so etwas, worüber er sich beschwert, nur mit anderer Konnotation**: Er grenzt Menschen ohne Glauben genau dort aus, ist anscheinend nicht der Meinung, dass diese auch zivilgesellschaftlich und weltanschaulich relevant zu Friedensprozessen in der Welt beitragen können. Und ja, WENN weltanschauliche Gruppen eingeladen werden, müssen auch welche eingeladen werden, deren Wertesystem ohne einen religiösen Bezug auskommt. Alles andere ist abwertend, diskriminierend und inakzeptabel.

Was das für eine Strategie ist?
Nun, folgerichtig wäre es, ins AA dann „religiöse Berater“ zu holen. Nicht, weil sie geopolitisch Sinn ergäben. Sondern einfach, weil man sie haben will.  Es handelt sich ja ausdrücklich angeblich um zivilgesellschaftliche Akteure, deren Vertretungsmacht nicht staatlich legitimiert ist. Auf diese Weise kann man auf Umwegen dann solche Herrschaften ins Haus holen – eine „Berater-Ebene“ mehr, die dann angeblich Handlungsoptionen möglich und formell begründbar machte, will man seinen Diensten und Sicherheitsbehörden z.B. eben nicht folgen. Neben den politischen Erwägungen können dann auch die Begründungen religiöser Lobbyisten eingesetzt werden. Das erscheint nicht klug, denn das zieht im Umkehrschluß das AA in die religiösen Konflikte hinein. Jede Seite wird fordern, dass man für sie Partei ergreife. Anstatt über den religiösen Angelegenheit zu agieren, ist man mittendrin. Das nutzt nur wenigen, wenn überhaupt. Das Gemeinwesen ist das wohl nicht.

Kein religiöser Berater ist nämlich so fit wie ein guter Nachrichtendienst, dessen neutrale Informationen eher brauchbar sind als die religiöser Lobbyisten. Welche Art von „Frühwarnungen“ erwartet man denn von „zivilgesellschaftlichen“ Akteuren? Man kann schon spekulieren: Auch der Herr Mazyek wird vielleicht demnächst als „religiöser Berater“ des AA ganz offiziell auftreten. Neben der persönlichen Beratung des Außenministers, die sicher gerne und auf freundschaftlicher Basis gewährt wird.

Spezialisierung ist ein Merkmal hochentwickelter Gesellschaften. Wichtig ist da auch, die eigenen Grenzen des Sinnvollen zu kennen. Vielleicht gibt es Dinge, die das AA einfach dem Papst überlassen sollte.

 

 

 

 

 

* Außenminister Gabriel hatte neulich den Präsidenten der Hamas zu Gast und bezeichnete ihn öffentlich als „guten Freund“:

http://juedischerundschau.de/gabriels-freund-der-holocaust-leugner-abbas-135910800/

** U.a. Gabriel war es zu verdanken, dass innerparteiliche Laizisten – im Gegensatz zu religiösen Gruppen! – eben keinen Arbeitskreis gründen durften.